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Rebellen der frühen Gamegeschichte – Happy Birthday id Software!

von am 5. Februar 2011
 

In der Psychoanalyse von Sigmund Freud ist das „Es“ die unbewusste Struktur des Menschen, die auf den Trieben basiert. Im Englischen wird hierfür der Begriff “id” verwendet. Nun denkt wahrscheinlich kein Gamer bei diesen zwei Buchstaben an Freud, sondern an die Macher von Verhängnis und Erdbeben [Namen v.d. Redaktion geändert]: id Software. Damit bleiben wir allerdings bei den niedrigen Instinkten, denn die Protagonisten der Spiele begegnen und verursachen hauptsächlich Gewalt und Blutvergießen, was für einige Kontroversen und jede Menge Indizierungen sorgte. Seit der Gründung des Unternehmens vor 20 Jahren, am 01. Februar 1991, hat id Software Spuren in der Industrie hinterlassen, die wir heute noch in jedem Ego-Shooter sehen.

Startpunkt war das Softwareunternehmen Softdisk, Herausgeber von sogenannten “disk magazines”, durch die Abonnenten exklusive Software erhielten. Hier trafen die beiden Programmierer John Carmack und John Romero auf den Game Designer Tom Hall und Grafiker Adrian Carmack. Zu viert entwickelten sie jeden Monat ein neues Spiel für die Zeitschriften. Ende der 80er/ Anfang der 90er Jahre waren PC-Games nicht gerade Mainstream und Romeros Ziel, reich und berühmt zu werden, war bei Softdisk kaum zu erreichen. Erfolgreichste Firma war Nintendo, mit Mario und 2D-Side-Scrolling. Allerdings gab es das italienische Maskottchen nur für Konsolen, warum also nicht die Technik für den PC nutzen und den japanischen Hersteller dafür begeistern? Das Programmieren war für John Carmack kein Problem, doch Nintendo zeigte keinerlei Interesse am Computer und lehnte die Mario-Version ab. Allerdings begeisterte sich das Sharewareunternehmen Apogee für die neue PC-Technik und ließ die vier ein Spiel darauf basierend entwickeln: Commander Keen war geboren.

Commander Keen 4John Romero

Der achtjährige Junge Billy Blaze, der sich zur Rettung der Welt in den Commander verwandelte, ist der endgültige Durchbruch für Romero und seine Freunde. Sie kündigten bei Softdisk und zogen auf Anraten von Scott Miller (Gründer von Apogee) nach Texas um. Die Geburt von id Software, die Heimat von Wxxxxxxxxin 3D, Verhängnis und Erdbeben ist also gerade der Staat, der Games am wenigsten schätzte und schon damals jedes Argument das in Richtung “Kinder werden zu Mördern durch Videospiele” gerne unterstützte. Allerdings ziehen Firmen in Deutschland ja auch nach Bayern, es scheint also zu funktionieren.

Alles, was id Software von diesem Zeitpunkt an veröffentlichte, wurde erfolgreich. Das lag unter anderem an den technischen Innovationen von John Carmack und dem Durchbruch des PCs als Plattform. Wxxxxxxxxin 3D war das erste Game, das in 3D und in der First-Person-Perspektive auf den Markt kam. Zwei wesentliche Merkmale der Ego-Shooter, die dem Spiel die Aufnahme in die “Computer Gaming World Hall of Fame” verschaffte. 1994 erschien mit Verhängnis ein Spiel mit beeindruckender Grafik (für damalige Zeit) und der erste Multiplayer-Modus für vier Spieler. Erdbeben brachte 1996 dem Spieler die Möglichkeit, sich frei in alle Richtungen bewegen zu können. Der Multiplayer-Modus “Deathmatch” stammt ebenfalls aus Erdbeben und ist heute Standard.

Von den vier Gründern ist heute nur noch John Carmack als Technischer Direktor bei id Software. Er ist zudem Eigentümer von Armadillo Aerospace, einem Raketenhersteller für die Raumfahrt. John Romero verließ das Unternehmen bereits 1996, um zusammen mit Tom Hall (der vor der Fertigstellung von Verhängnis gefeuert wurde), den Entwickler Ion Storm Inc. zu gründen. Die beiden kündigten Daikatana an, das erst 2000 fertig gestellt wurde und vernichtende Kritiken bekam. Das brachte vor allem Romero viel Spott ein und sorgte zudem für die Schließung des Studios. Mittlerweile (und mehrere Neugründungen, Schließungen und Anstellungen später) arbeiten die Beiden bei Loot Drop am Facebook-Spiel Ravenwood Fair. Adrian Carmack verließ id Software 2005 (nicht ohne folgenden Rechtstreit, inklusive Beteiligung von Activision) und widmete sich anschließend ganz der Kunst.

Adrian Carmackid Softwares neuester Streich: RAGETom Hall

Seit 2009 ist id Software Teil von ZeniMax und veröffentlicht am 15. September den Shooter Rage, der über Bethesda vertrieben wird. Doom 4 könnte nach Medienberichten ebenfalls noch in diesem Jahr erscheinen. Ein neues Erdbeben wurde zwar 2007 auf der QuakeCon angekündigt, laut Carmack befindet sich aber (noch) kein Nachfolger in der Entwicklung.

http://www.idsoftware.com/

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