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Top 10 – Die Lieblingsspiele aus Chuckys Jugend

von am 2. April 2016
 

Lesezeit: 7 MinutenWenn es etwas gibt, das passionierte Videospiel-Nerds lieber machen, als Games zu zocken, dann ist es wohl, über Games zu reden. Ich war da in meiner Jugend keine Ausnahme und habe in meinem Leben vermutlich mehr Diskussionen über Videospiele geführt, als über das politische Tagesgeschehen, was nur halb so tragisch wäre, wenn ich nicht nebenbei Politik studieren würde. Und da Menschen von Natur aus gerne Dinge in Kategorien einordnen, habe ich dementsprechend auch schon die ein oder andere Top 10 Liste erstellt, aber über die Lieblingsspiele meiner Jugend habe ich so explizit nie nachgedacht. Denn hier geht es nicht nur um die eigentliche Qualität der Spiele. Wenn dem so wäre, hätten manche Titel ihren Platz hier sicher nicht verdient. Es geht um meine eigenen, subjektiven Vorlieben aus jener längst vergangenen Zeit, was diese Liste fast schon ein bißchen intim macht. Akne, ein kaum sprießender Bart, ein schreckliches Stilbewusstsein, ein peinlicher Hang zu kitschigen Liebesromanen und vieles mehr. Das ist meine Jugend. Herzlich willkommen.

Platz 10: Resident Evil 3: Nemesis

Resident Evil 3 Nemesis kill Brad

Vermutlich lehne ich mich mit dieser Aussage ein bisschen weit aus dem Fenster, aber im Prinzip sind die Resident Evil Spiele nicht wirklich gruselig. Zombies sind meist langsam, das Waffenarsenal ist groß genug für ganze Armeen und generell fühlt man sich nie wirklich hilflos. Jedenfalls ging es mir so, weshalb ich lange mit der Frage zu kämpfen hatte, ob Silent Hill nicht eher diesen Platz verdient hätte. Aber dann kam mir eine ganz besondere Szene in den Sinn, die ihr in dem YouTube Video oben sehen könnt. Was Resident Evil 3 anders macht, als andere Horrorgames ist der Koloss, der dem Spiel seinen Namen gibt. Der Zombiehüne Nemesis war ein Feature, das ich bis dato aus keinem Horrorspiel kannte. Anders als bei den meisten Gegnern waren Nemesis‘ Auftritte nicht ausschließlich geskriptet. Er konnte jederzeit und überall auftauchen und einem den Tag vermiesen. Dieser hässliche Zeitgenosse ist der Grund, warum ich ungelogen 10 Anläufe und 10 Jahre voller Albträume gebraucht habe, um dem Game und Nemesis ein langersehntes Ende zu bereiten.

Platz 9: Gitaroo Man

Gitaroo Man - Stage 2 (Flyin' to Your Heart) Master Play

In einer Zeit lange bevor mit Guitar Hero Plastikgitarren Einzug in die Wohnzimmer der Nation erhielten und ein DragonForce Song für mehr Fälle von Karpaltunnelsyndrom sorgte, als der Playboy aus Papas Garage, gab es diese Videospiel Perle aus dem Hause des ehemaligen Publishers THQ. GItaroo Man war ähnlich wie PaRappa The Rapper oder Dance Dance Revolution ein Musik-Spiel, mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass ich verdammt gut darin war. Dazu kam noch eine süße, kleine Story, mit der ich mich als Real Life Gitarrist identifizieren konnte und schon hatte ich Gitaroo Man ins Herz geschlossen. Ein kleiner, pummeliger Junge mit einem seltsamen Namen und schwarzen Zottelhaaren versucht ein Mädchen mit Skateboardkünsten zu beeindrucken (ich bin damals auch Skateboard gefahren) und scheitert kläglich, ehe er sich mithilfe einer magischen Gitarre zu einem Superhelden verwandelt, das Universum rettet und zum Frauenschwarm mutiert. Ich übe immer noch jeden Tag auf meiner Klampfe. Bislang keine Veränderung. Ich halte euch auf dem Laufenden.

Platz 8: Simon The Sorcerer II

Simon the Sorcerer 2: 20th Anniversary Edition - Official Android Trailer

Ach, Windows 95. Was waren das noch für Zeiten, in denen man sich an einer MS Dos Konsole abrackern musste, damit man das Spiel überhaupt starten konnte. Und versucht mal einem 6-jährigen Jungen beizubringen, was Grafik- und Soundtreiber sind. Allerdings war Simon The Sorcerer es wert gewesen. Die Rätsel, die Optik, die urwitzigen Dialoge. Ich habe es nur ein einziges Mal durchgespielt und danach nie wieder angerührt, aus Angst an einer Überdosis Nostalgie zu sterben.

Platz 7: Sonic The Hedgehog 2

Sonic the Hedgehog 2 (Mega Drive/Genesis) [Longplay]

Jaja, spielt ihr mal weiter auf eurem Super Nintendo. Ein italienischer Klempner aus Brooklyn ist natürlich sehr viel cooler als ein superschneller, zackiger, blauer Igel mit roten Schuhen, der von Michael Jackson und Bill Clinton inspiriert wurde. Wie dem auch sei, Sonic The Hedgehog 2 war das allererste Spiel, das ich je auf einer Konsole gespielt habe, lange bevor meine Kindheit durch Fanfiction, Fanart und Sonic Unleashed endgültig zerstört wurde. Ich liebe den kleinen Igel trotzdem immer noch, nicht zuletzt weil ich es mit meinem damals wie heute besten Freund zusammen durchgespielt habe. Naja, fast durchgespielt. Der letzte Endkampf gegen Dr. Robotnik ist unser ganz persönlicher Moby Dick. Vielleicht ist es an der Zeit, mal wieder den alten Sega Genesis anzuschmeißen und mit dem rotbärtigen Mistkerl abzurechnen.

Platz 6: Super Smash Bros Melee

Best of Smash - Top 5 SSBM Plays of EVO 2015

Es gibt viele böse Menschen auf der Welt. Schwerverbrecher, Gewalttäter, korrupte Politiker und Menschen, die mit Pikachu in Super Smash Bros „Down B spammen“. Nichtsdestotrotz ist Super Smash Bros ein Spiel, das seit Release des ersten Teils im Jahre 1999 als Franchise einen Unikat-Status genießt (nein, Playstation All-Stars Battle Royale zählt definitiv nicht). Anders als die meisten Beat em Up Games ist es sehr dynamisch und es benötigt keine festgelegten Combos, die es auswendig zu lernen gilt. Es geht um Taktik, Antizipation, Stage Control. Das Spiel war nie als kompetitives Kampfspiel gedacht und folgt dem einfachen Prinzip „Easy to learn, hard to master“, aber mittlerweile hat sich um das gesamte Franchise herum eine so große Community gebildet, dass es sogar einen vierstündigen Dokumentarfilm auf YouTube zu der Hardcore-Szene des Games gibt. Und denkt dran: Final Destination, zwei Stocks, keine Items.

Platz 5: Shadow of the Colossus

Shadow of the Colossus: All Bosses and Ending on PS3

Weiß einer von euch, wie viele Gegner in Legend of Zelda: Ocarina of Time existieren? Gibt es wirklich Menschen, die die exakte Zahl kennen? Ich kenne sie nicht. Stelle ich jetzt aber die gleiche Frage zu Shadow of the Colossus, werdet ihr mit den Augen rollen, weil ihr wahrscheinlich merkt, worauf ich hinaus will und dass die erste Frage eine Fangfrage war.
Falls ihr euch jetzt fragt, wovon zum Teufel ich da rede: Das einzigartige Feature von Shadow of the Colossus war, dass es keine Gegner gab, abgesehen von 16 Endbossen, die es zu besiegen galt. Wie soll ein Spiel mit nur 16 Gegnern gut sein, habe ich mich damals vor fast genau 10 Jahren gefragt. Ganz einfach: Man nehme eine überragend designte Landschaft, einen jungen Helden und sein treues Ross und schickt beide auf eine herzzerreißende Mission, 16 riesige Kolosse zu töten, um seine Freundin zurück aus dem Reich der Toten zu holen. Vergesst das Dungeon Crawling. Gebt mir nur die coolen Bosskämpfe und dem Spiel endlich einen Oscar. Ist mir egal, dass Oscars nur für Filme sind. The Artist hat auch einen gekriegt. Und The Artist hatte keine riesigen Kolosse.

Platz 4: Pokémon – Gelbe Edition

10 Minutes of Pokemon Yellow on Nintendo 3DS

Damals gab es an unserer Schule die coolen Kinder, die Pokémon Rot oder Blau besaßen und die Kinder, die mit Pokémon nichts am Hut hatten. Und dann gab es mich, den Jungen der unbedingt dazugehören wollte, aber als Starterpokémon Pikachu nehmen musste und weder Glurak, noch Turtok, noch Bisaflor ins Rennen schicken konnte. Aus Wut darüber habe ich die gelbe Donnermaus in Bills PC eingesperrt und lange Zeit da verrotten lassen, bis mir zu Ohren gekommen ist, dass man in der gelben Edition alle drei(!) Starterpokémon erhalten konnte, wenn man nur dafür sorgte, dass Pikachu glücklich war. Ich erinnere mich an meinen reumütigen Blick, als ich den kleinen Racker aus Bills PC geholt habe und meinem Gameboy nur ein peinlich berührtes „Heeey… na du? Lange nicht gesehen. Gut siehst du aus.“ zugebrummt habe. Nachdem ich dann die drei Starterpokémon hatte, ging es für Pikachu natürlich zurück in die Kiste. Nennt mich einen Opportunisten, aber das Indigo Plateau ist kein Ponyhof!

Platz 3: Kingdom Hearts

Kingdom Hearts 1 CGI Ending HD Quality

Ich frage mich, wie das Gespräch ausgesehen haben muss, als Squaresoft auf die Idee von Kingdom Hearts gekommen ist.

Squaresoft Mitarbeiter 1: „Wir brauchen eine neue Spielidee. Irgendwelche Vorschläge?“

Squaresoft Mitarbeiter 2: „Hey! Wie wäre es, wenn wir Final Fantasy Charaktere nehmen und sie mit Disney Charakteren zusammen gegen das Böse kämpfen lassen!“

Squaresoft Mitarbeiter 1: „Stellt euch vor, Donald Duck und Goofy kämpfen zusammen mit Final Fantasy Charakteren gegen Disney Bösewichte, aber durch dunkle Mächte werden sie NOCH böser! Und der Protagonist ist ein Junge mit viel zu großen Schuhen. Das ist total die gute Idee und wirkt in keinster Weise abgefahren, oder als wären wir bei der Idee auf Drogen gewesen.“

Squaresoft Mitarbeiter 2: „So machen wir’s. Die Leute werden es lieben! Und vergiss nicht, Mickey Mouse einen coolen Umhang und ein Schwert zu geben, das aussieht wie ein riesiger Schlüssel! Oh und er ist König!“

So in etwa ist es vermutlich abgelaufen und natürlich war ich anfangs, als ich davon erfahren habe, ein klein wenig skeptisch, aber was soll ich sagen? Squaresoft hat Recht behalten und eins der großartigsten Spiele entwickelt, die ich je gespielt habe. Und auch wenn ich für gewöhnlich aussehe wie ein harter Hund, kriege ich immer noch einen Kloß im Hals, wenn ich mir die finale Szene des Spiels auf YouTube ansehe (s.o.). Ihr wollt nicht wissen, wie ich ausgesehen habe, als ich sie mir bei meinem ersten Playthrough angeguckt habe. Manly tears. Manly, manly tears.

Platz 2: Final Fantasy VIII

Final Fantasy VIII Opening

Der achte Teil der Final Fantasy Reihe ist in meinen Augen nicht das beste Spiel des Franchises, aber für mich war es das erste und somit meine persönliche, kleine Einstiegsdroge in die große, weite Welt der J-RPGs. Und ich erinnere mich noch gut daran, dass die Geschichte um Squall und die Söldnergruppe SEED damals bei vielen gar nicht so großen Anklang gefunden hat, was für mich damals wie heute unverständlich war. Das Game war insgesamt ein wenig zu kurz und zu einfach, aber die Charaktere besaßen Tiefe, die Story war eine Achterbahn der Gefühle, komplett mit Liebe, Verrat und jeder Menge Spielraum für die abgefahrensten Theorien. Dazu kommt, dass das Kopplungssystem mit den G.Fs und den Zaubern bis jetzt das einzige seiner Art zu sein scheint. Ich bin zwar eigentlich ein Final Fantasy VII Fanboy durch und durch, aber je länger ich darüber nachdenke, umso mehr wird mir bewusst, dass Final Fantasy VIII in meinen Augen schlussendlich doch der größere Meilenstein in der Videospielgeschichte war.

Platz 1: Metal Gear Solid

Mit meinen damals 12 Jahren habe ich nicht viel von Hideo Kojimas Meisterwerk verstanden. Atomwaffen? Nanomaschinen? Was zum Teufel ist das Manhattan Projekt und wieso funktioniert mein Radar nicht, wenn der Alarm betätigt wird, oder ich durch Lüftungsschächte krieche? Meine Verwirrung kannte damals keine Grenzen, aber ich wusste, dass Solid Snake eine sehr coole Sau war und Kämpfe gegen Cyborg Ninjas und riesige Kampfroboter genau meinem Geschmack entsprachen. Danach habe ich die Metal Gear Solid Reihe immer bei Release eines neuen Titels noch einmal komplett von vorne durchgezockt und mit jedem neuen Spielstand war mein Allgemeinwissen ein klein bisschen ausgeprägter und ich entdeckte jedes Mal neue Dinge, die mich an dem Spiel faszinierten. Beispielsweise, dass sich jedes der Spiele durchspielen lässt, ohne dass man auch nur eine Person töten muss (mal abgesehen von den Endbossen). Metal Gear Solid war sicher nicht das erste Spiel dieser Art (ja, liebe Deus Ex Fans, ihr wart zuerst da), aber die Freiräume, die einem gelassen wurden, haben jedes neue Playthrough zu einem einzigartigen Erlebnis gemacht. Die Musik war schon vor Harry Gregson Williams fantastisch, die Codec-Gespräche haben der Story den nötigen Tiefgang gegeben und die Endbosse haben allesamt Ikonenstatus. Apropos, ich würde Metal Gear Solid ja sehr gerne auch mal auf dem PC spielen, aber wenn Psycho Mantis meine Festplatte liest, könnte das unangenehm für alle Beteiligten werden.

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