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Alte Liebe… – Ehrgeiz

von am 10. März 2018
 

Wir lieben Final Fantasy. Ich denke, das haben wir immer und immer wieder aufs Neue bewiesen. Mit unzähligen Artikeln, unserem bis dato wohl längsten Podcast und einem dicken Special in unserem Annual 2017 gehört die legendäre J-RPG-Reihe wohl zu den meistgeliebten Franchises der Redaktion und ich denke, damit sind wir nicht allein. Jeder kennt Final Fantasy. Selbst meine Mitbewohnerin, die nichts mit Gaming am Hut hat, sagte mir, sie habe Final Fantasy VII damals auf der Playstation 2 gespielt. Zitat: „Das, wo man den Blitzen ausweichen muss.“ Nun, auch wenn römische Zahlen wohl nie ihr Spezialgebiet werden, ist es erstaunlich, was für Wellen das Franchise selbst außerhalb der intendierten Zielgruppe geschlagen hat.

Ein anderes Spiel aus dem Hause Squaresoft, das selbst an Fans der Reihe vorbeigegangen ist, ist Ehrgeiz. Es wäre vermutlich zu viel des Guten, Ehrgeiz als Spin-Off Titel zu bezeichnen, aber es ist ein Kampfspiel aus dem Jahr 1998, in dem man unter anderem als Cloud, Tifa und Sephiroth aus Final Fantasy VII spielen kann! Revolutionär! Das beste Spiel aller Zeiten! Zumindest fühlte es sich damals so an.

Die Wahrheit ist, dass Ehrgeiz nicht so gut gealtert ist, wie mich die nostalgische Brille, mit der man mittlerweile durchs Leben geht, glauben lassen will. Aber bedenkt dabei, dass das die Neunziger waren! Damals gab es noch kein riesiges Marvel Cinematic Universe und gigantische Crossover-Projekte wie Ready Player One. Es gab ja nicht einmal Freddy vs. Jason oder Alien vs. Predator! Die Figuren aus meinem Lieblingsspiel also in einem anderen Spiel zu sehen, ließ mein junges Gamerherz damals höherschlagen. Und Ehrgeiz war für seine Zeit ein ziemlich großes Spiel. Vielleicht ein wenig überambitioniert, wenn man bedenkt, dass es neben der üblichen Kampagne, in der man einen Kämpfer bzw. eine Kämpferin wählt noch einen groß angelegten Quest-Mode mit RPG-Elementen gab und all diese Daten auf eine einzelne CD-Rom gepresst wurden. Ich habe jedenfalls viele Stunden in dieses Spiel gesteckt und war noch nicht einmal ansatzweise am Ende.

Und selbst neben den Final Fantasy Figuren hatte Ehrgeiz einige sehr interessante, eigene Kämpferinnen und Kämpfer. Eine junge Polizistin, die mit einem Jojo kämpft, ein Tae-Kwon-Do Kämpfer mit einer Beinprothese, die Raketen verschießt und ein Militärmensch, der mit Granaten um sich wirft, Minen legt und den Karatekampfstil der Mishima Familie aus Tekken anwendet! Das liegt zwar in erster Linie daran, dass Ehrgeiz eine Kooperation zwischen Square und Namco war, aber im Prinzip spielt Tekken damit im gleichen Universum wie Final Fantasy VII! Illuminati confirmed!

Spaß beiseite: Für seine Zeit und die damit verbundenen technischen Limitationen, ist das Spiel eigentlich ziemlich abwechslungsreich, von den Stages, über die Figuren, bis hin zum Kampfsystem selbst. Dieses ist nämlich anders als bei Genreperlen wie Tekken und Street Fighter auf frei begehbare 3D-Stages ausgelegt. So ist man nicht dazu gezwungen, immer den Gegner anzusehen und lediglich von links nach rechts und zurück zu gehen, sondern kann mit der Stage interagieren und Hindernisse als Schutz oder auch als Waffe anwenden.

Was die Story des Spiels angeht, muss ich ehrlich zugeben, dass Ehrgeiz sehr faul ist. Im Prinzip gibt es ein großes Kampfturnier und… mehr weiß ich ehrlich gesagt auch nicht mehr. Ich glaube, dass das aber auch nicht wirklich eine große Rolle spielt. Der Plot ist extrem generisch und darauf ausgelegt, die vielen absurden Kämpferinnen und Kämpfer irgendwie mit den Figuren aus Final Fantasy in einen halbwegs sinnvollen Kontext zu bringen.

Ehrgeiz ist nicht weltbewegend, kein zeitloses Meisterwerk, das für immer und ewig seinen Platz in den großen Annalen der Videospielgeschichte verdient hat. Aber es ist ein unterhaltsamer Brawler, mit vielen netten, kleinen Gimmicks. Und mir persönlich bedeutet der Titel sowieso noch ein bisschen mehr. Ich erhielt das Spiel nämlich vor etlichen Jahren im Hagener Local-Gameshop „StarGames“, der mittlerweile leider nicht mehr existiert. Dort wurde ein kleines Soul Calibur Turnier auf dem SEGA Dreamcast abgehalten und die drei höchstplatzierten Teilnehmenden durften sich eines von drei Playstation Spielen aussuchen. Ich hatte nie Soul Calibur gespielt, geschweige denn einen Dreamcast-Controller in den Händen gehalten. Dementsprechend hatte ich nicht damit gerechnet, irgendetwas zu gewinnen, aber ich machte damals den zweiten Platz und durfte somit als zweiter auswählen, welches der drei Spiele ich haben wollte. Ich erinnere mich noch genau, wie ich angespannt betete, dass der Gewinner des Turniers irgendetwas anderes wählte, als das Spiel mit Cloud im Hintergrund. Damals gab es kein Internet und ich hatte kein Geld für Gaming-Magazine, weshalb ich bis zu jenem Zeitpunkt nicht mal gewusst hatte, dass ein derartiges Spiel existiert! Wäre ich abergläubisch, würde ich von Schicksal sprechen, aber ich hatte einfach Glück und mein Vorgänger entschied sich für Tomb Raider III, sodass ich mit meinem Wunschspiel nach Hause ging.

Leider besitze ich das Spiel nicht mehr. Das ist gleich doppelt schade. Nicht nur, weil es mittlerweile in der Non-Platinum Version für jede Menge Geld über die Ladentheke geht, sondern auch, weil es das erste Videospiel in meinem Leben gewesen ist, das meine Mutter nicht für mich kaufen musste. Wenn ihr aber neugierig geworden seid: Ehrgeiz müsste im Playstation Store digital für einen Apfel und ein Ei erhältlich sein. Mehr als 10 Euro blättert ihr jedenfalls nicht hin. Alternativ könnt ihr es auch physisch bei Amazon für das Zehnfache erwerben. Die Wahl überlasse ich euch.

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