2 Kommentare

Spielen im Alter – Wir haben uns in der Branche umgehört

von am 13. Mai 2012
 

Passend zu unserem Kommentar diese Woche haben wir uns ein klein wenig in der Branche umgehört. Wir stellten Kollegen anderer Redaktionen – unter anderem Game One-Online Chef vom Dienst Christian Gürnth und Felix Rick von gameswelt.tv – und andere wichtige Persönlichkeiten der Branche, wie Stephan Reichart von The Art of Games folgende Frage: “Stell Dir vor, Du bist 50 alt. Glaubst Du, dass Du noch spielen wirst? Wenn ja wieviel? Und was? Wirst Du die selben Genres bevorzugen wie heute?”

Christian Gürnth (27)
Chef vom Dienst Game One (Online)
Chefredakteur/Gründer geekkeller.de

Im Jahr 2050 bin ich (grob überschlagen) 65 Jahre alt. Das bedeutet, dass ich noch locker 25 Jahre zur Arbeit gehen muss, bevor ich die Rente einreichen und mich den Errungenschaften moderner Technik hingeben kann. Aktuell bewegt sich auf dem Konsolenmarkt so unfassbar viel, dass es jetzt bereits schwer ist eine Zukuntsprognose für 2020 zu stellen. Bei dem Fortschritt würde es mich nicht wundern, wenn wir 2050 allesamt einen Chip implantiert bekommen, der direkt als Spielekonsole dient und Videospiele auf unsere Netzhaut projiziert. Dass der Chip für den Staat zeitgleich unsere privaten Daten sammelt, ist ein Punkt den die Menschen nach zwei Jahren Aufregung zur Chipeinführung und drei Jahren kostenlosem High-Speed-Ultra-Super-DSL auf ihrem Chip bereits vergessen haben.

Doch genug der finsteren Gedanken. Gehen wir von dem unwahrscheinlichen Fall aus, dass sich der Markt nicht bewegt und auch 2050 nur Nintendo, Microsoft und Sony ihre Konsolen auf den Markt werfen, wieso sollte ich nicht mit einer der Konsolen spielen? Mein Opa war auch über 50 und hatte Konsolen bei sich stehen, Spielen hat doch bereits jetzt kaum noch was mit dem Alter zu tun – Spielen ist ein Hobby, für viele gar keine Lebenseinstellung. So wie Fußball. Und das kannst du auch in jedem Alter spielen, solange dein Körper mitmacht. Spiele sind -zumindest für mich- ein großer Teil meines Lebens und meines Alltags, ich kann mir aktuell nicht vorstellen, dass es sich jemals ändern wird. Spiele gewinnen auch an popkultureller Bedeutung, während andere Medien wie TV immer mehr verlieren.

Wahrscheinlich wurden wir allesamt aber wirklich schon durch Roboter mit Laseraugen ersetzt, die uns versklaven und Experimente an uns durchführen. Vielleicht ist die “alle Menschen werden total fett und lassen sich nur noch von Unterhaltungsmedien beschallen”-Dystopie aus “Wall-E” gar nicht so weit entfernt, wie wir grade denken. Und ganz, ganz eventuell werde ich auch in meiner Wohnung sitzen und mit meinen Enkelkindern Hologramm-Mario-Kart zocken, ohne aus dem Haus zu müssen – und das wäre ja wirklich schön.

Felix Rick (33)
Redakteur / Moderator gameswelt.tv

Zocken im Alter. Ja da ist so eine Frage die definitiv nicht leicht zu beantworten ist. Werde ich noch 150 Stunden in ein Spiel wie Skyrim investieren?
Wird in 20 Jahren überhaupt noch so gezockt wie wir es heute kennen? Und am wichtigsten: Wird mein Spieltrieb noch der gleiche sein wie heute?
Menschen, Vorlieben und Prioritäten ändern sich. Deswegen kann ich diese Frage auch ehrlich gesagt nicht wirklich beantworten.
Ich weiß ja noch nicht mal Mittwochs was ich so am Wochenende machen werde. Natürlich kann es sein dass in der Zukunft Menschen kaum mehr das Haus verlassen weil alles vernetzt ist und das Zocken zum Alltag gehört. Oder wir haben alle Netzhaut-Implantate und zocken “on the go”.

Werde ich mir jeden Blockbuster am ersten Tag holen? Mit Sicherheit nicht. Zu dem Schluss komme ich einfach schon, wenn ich mein Zockverhalten von heute mit dem von vor 10-15 Jahren vergleiche. Ich suche mir jetzt schon nur noch die Spiele raus, die für mich ganz besondere Perlen sind. In einer Zeit, in der man mit interaktiver Unterhaltung gerade so zugeschüttet wird, bin ich wählerischer geworden. Schließlich hat man mit dem Alter nicht mehr Freizeit zur Verfügung, sondern eher weniger. Und die will man sich dann auch gut einteilen. Ich werde nicht von einen Tag auf den nächsten aufhören Spaß mit Videospielen zu haben, aber Spiele wahrscheinlich eher wie alten Wein behandeln: Lieber nur ab und an die Titel intensiv genießen, von denen ich sicher bin, dass sie mir zusagen, als jedes Spiel auf Teufel komm raus anzuzocken.

Stephan Reichart (41)
Geschäftsführer / The Art of Games

Ja, ich werde sicherlich noch spielen, aber mein Spielverhalten hat sich jetzt schon deutlich an mein immer kleiner werdendes Zeitbudget angepasst. D.h., Spielen wird für mich immer stärker zu etwas sehr besonderem, dass ich auch ganz besonders genießen will. Zumb Beispiel fahre ich mit meinen besten Freunden seit Jahren einmal im Jahr nach Holland, um dort dann in epischen Schlachten gegeneinander anzutreten. Ich denke, dass ich auch mit 50 diese Form des „Tripple-A-Genusses“ beibehalten werde. Außerdem werden wir in zehn Jahren sicherlich neue Medien fürs Gaming nutzen, wie z.B. Google Glasses und Augmented Reality Gaming, so dass wir tatsächlich viele witzige Gamingerfahrungen absolut selbstverständlich um uns herum haben und nutzen werden. Da ich nie ein großer Fan von Bewegungsspielen war, werde ich die sicherlich auch im Alter nicht nutzen 😉

Colin Gäbel (35)
Redakteur / Moderator VORZOCKER & CINECLASH

Wie oder was zocke ich, wenn ich alt bin? Eine gute Frage. Irgendwann wird vielleicht der Tag kommen, an dem ich zu tatterig bin, um ein Pad zu halten.
Zu blind, um noch etwas auf dem Bildschirm zu erkennen. Zu taub, um der Soundkulisse zu lauschen. Aber bis dann ist es ja – hoffentlich! – noch lange hin.
Und um den Weg dahin mache ich mir eigentlich auch keine Sorgen. Schon heute gibt es derart vielfältige Spielerlebnisse, dass quasi jeder Mensch – unabhängig von motorischen Fähigkeiten oder geistigem Vermögen – seinen Spieltrieb auf die eine oder andere virtuelle Art befriedigen kann. Klar, professionelle eSportler bejammern bereits mit Mitte 20 den Verlust von Reaktion und Hand-Auge-Koordination, sprich Wettbewerbsfähigkeit. Für mich als “Breitenzocker” kein Problem – wenn’s mit der Fingerflinkheit nicht mehr hinhaut, dann nehme ich mir eben ein geruhsames Rollenspiel vor. Oder schalte den Schwierigkeitsgrad hinab.

Denn man darf nicht vergessen: Je älter wir werden, desto älter wird auch unser Hobby. Und damit steigen automatisch die Erfahrungen der Entwickler, sich an die Wünsche der Fans anzupassen. Und wenn dann vielleicht in 30 oder 40 Jahren Millionen von reifen (und zahlungswilligen) Rentnern nach altersgerechter Gaming-Unterhaltung schreien, dann werden sich geschäftstüchtige Spielemacher schon was einfallen lassen.

Bei Frauen, Kindern und Casual-Gamern hat’s in den letzten Jahren mit der artgerechten Software-Versorgung ja schließlich auch ganz gut geklappt 😉

Micha Schlieper (42)
Podcaster kwobb.net

Mit meinen 42 Jahren bin ich ziemlich sicher, dass ich auch mit 50 noch spielen werde!
Definitiv kleine, schnelle Spiele zwischendurch (a la Bejeweled, Tiny Wings, Tetris und Co.) auf welchem mobilen Gerät auch immer aber ebenfalls story-getriebene Titel wie das eine oder andere RPG oder Action-Adventure (sollte es sowas dann noch geben). Und dem Alter entsprechend: Golf (kann mal bitte jemand die Links-Serie reanimieren?) mit anderen alten Säcken vor dem 99-Zoll-3D-Hologramm-Fernseher! Ich merke auch jetzt schon, dass ich nicht mehr jeden Titel beim Launch haben und spielen muss (schon gar nicht einen der unvermeidlichen generischen 0815-Shooter), sondern picke mir lieber wenige Rosinen raus, in die ich dann vollends eintauchen kann.

Kommentare
 
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  • totoro
    13. Mai 2012 at 19:02

    Schöne Collage an verschiedenen Meinungen! Bei soviel Netz-Prominenz im Artikel traut man ja kaum noch, einen Kommentar zu posten.. 😉

    Aber ich würde sogar fast behaupten, dass ich mit 50 mehr zocken werde als mit 40 – warum? Ich glaube, dass man gerade zwischen 30 und 50 dann doch eher seine Hobbys zurücknimmt und sich mit “uncoolen” Geschichten wie Familienplanung/Kindererziehung abgibt, schließlich will man im hohen Alter ja nicht alleine zocken. Natürlich wird mein Hobby dann nicht mehr so präsent sein, aber vergessen werde ich es bestimmt nicht. Wenn dann so langsam das Alter kommt, wo man sich nicht mehr tagein-tagaus um seinen Nachswuchs kümmern muss, kann man endlich wieder sein verstaubtes Joypad aus dem Keller holen und zocken bis zur Rente und noch viel weiter! ^^

    Aber ich glaube das ist mit allen Hobbys so. Meine Eltern fingen auch erst wieder im großen Stil an, das zu machen, was Ihnen Spaß gemacht hat, als ich auf meinen eigenen Beinen im Leben stehen konnte. Keep on playing! =)

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  • 13. Mai 2012 at 19:45

    ich werde sicher noch mit 50 zocken, wahrscheinlich nicht so oft aber trotzdem.

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