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Sense of Wonder Night 2018 – Ein Abend voller Wunder

von am 24. September 2018
 

Seit nunmehr elf Jahren findet jeden Freitag der Tokyo Game Show die sogenannte Sense of Wonder Night statt. Dabei handelt es sich um eine spezielle Indie-Games-Preisverleihung, bei der Spiele mit besonderen Konzepten ausgezeichnet werden. Daher auch der Name “Sense of Wonder Night”. Die Zuschauer sollen mit einem Gefühl der Faszination nach Hause gehen. Welche Titel dieses Gefühl im Jahre 2018 ausgelöst haben und schlussendlich die Preise abgeräumt haben, erfahrt ihr im Folgenden.

Von 595 eingereichten Spielen dieses Jahr, gelangten nach einem ersten Ausschlussverfahren in dem es nur noch 86 Titel waren, nur acht Spiele ins Finale. Vier japanische, ein neuseeländischer, ein kanadischer, ein deutscher und ein schwedischer Titel. Sie alle kämpften um die folgenden sechs Preise:

1. Best Experimental Game Award
2. Best Technological Game Award
3. Best Game Design Award
4. Best Arts Award
5. Best Presentation Award
6. Grand Audience Award

Bis auf den sechsten Award, der mit einem Publikumsvotum entschieden wurde, lag die Auswahl bei einem unabhängiger Jury. Damit diese eine möglichst gerechte Entscheidung treffen kann, wurden alle nominierten Titel nacheinander auf der Bühne vorgestellt. Damit auch ihr einen groben Überblick über jeden einzelnen Titel bekommt, werden wir sie euch nun schnell vorstellen.

BLOCK KING

Block King ist ein kleines Indie-Game eines japanischen Universitätsteams, bei dem es darum geht der genannte Block King zu werden. Dazu müsst ihr in jedem Level zwei Blöcke benutzen, um das Levelende zu erreichen. Das Interessante an dem Konzept ist dabei, dass der eine Block automatisch dem anderen folgt. Egal, ob ihr diesen nach oben, unten, links oder rechts schleudert, der jeweils andere folgt wie ein Magnet. Das Ganze kann aber nicht nur zum Lösen von Rätseln verwendet werden, sondern auch für andere Dinge. So könnt ihr einerseits eure Feinde damit zerquetschen oder sogar damit reisen. Beispielsweise ist eine unuüberwindbare Wand direkt vor eurer Nase. Wenn ihr nun den einen Block nach oben schleudert und den anderen neben euch erscheinen lasst und auf diesen steigt, könnt ihr den Magnetismus nutzen, um euch nach oben transportieren zu lassen. Wieterhin erhaltet ihr mit jedem erledigten Feind Erfahrungspunkte, die ihr benötigt, um im Rang anzusteigen und somit noch mehr Blöcke erscheinen zu lassen. Immerhin geht es darum der Block King zu werden.

Kamiori

Wer hat es nicht als Kind geliebt mit Wasserfarben zu spielen? Insbesondere etwas auf ein horizontales Din-A4-Blatt zu malen und dieses dann zuzuklappen, ist eine Erinnerung, die sicherlich viele teilen werden. Kamiori aus dem Hause Hanaji Games schlägt genau in diese Kerbe. In dem “Origami Puzzle”-Spiel müsst ihr die verschiedenen Level absolvieren, in dem ihr das Level in bestimmten Richtungen faltet und somit bestimmte Plattformen oder Ähnliches auf die jeweils andere Seite kopiert. Das Spiel wurde laut den Entwicklern absichtlich für Mobile-Plattformen konzipiert, um das klassische Gefühl des Bastelns in die digitale Welt und an möglichst viele Endnutzer zu bringen. Neben einem Story-Modus enthält der Titel auch einen Trial-Modus, in dem es verschiedene Herausforderungen zu meistern gilt. Weiterhin ist der Titel bereits ab sofort im Appstore auf Android- und iOS-Plattformen erhältlich.

Zen Bound 2

Zen Bound 2 ist ein Spiel, das auf einer sehr seltamen Prämisse basiert. Der Vater des Titels kratzte eines Tages Ketchupreste von der Ketchupflasche und kam so auf die Idee für das Spiel. Ursprünglich war es aber nicht Ziel des Spiels einen Faden um geometrische Figuren zu wickelnm, sondern diese vollständig einzupacken, ähnlich wie ein Geschenk. Nach und nach entwickelte sich der Prototyp jedoch zu dem, was er heute ist. Ein Spiel, bei dem das HD-Rumble-Feature des Joy-Cons der Switch vollends ausgenutzt wird. Das Ziel eines jeden Levels ist es einen Faden an allen Punkten entlang zu führen, in dem der Controller gedreht und gewendet wird. Natürlich werden die Level von Mal zu Mal schwieriger und komplexer. Auch kommen später Dinge dazu wie färbende Fäden oder andere Tücken. Grundsätzlich wirkte das Spiel insbesondere durch die intensive Nutzung der Joy-Cons innovativ und ansprechend.

Rotoring (1 Award)

Rotoring vom deutschen Entwickler Gregory Kogos ist ein Indie-Game der ganz besonderen Art und Weise. Anstelle eines typischen digtalen Spieles, handelt es sich hierbei um eine vollständige Eigenkreaition von Hard-, als auch Software. Das Spiel wird mithilfe zweier Knöpfe gesteuert, die einen leuchtenden Punkt auf einem Kreis bewegen. Während der eine drehbare Knopf den Punkt mit oder gegen den Uhrzeigersinn im Kreis bewegt, lässt ihn der andere die Ebene nach innen beziehungsweise außen wechseln. Ziel eines jeden Levels ist es das Loch im Kreis zu erreichen. Allerdings sorgen “feindliche Leuchtpunkte” in späteren Leveln für Probleme. Gregory Kogos Ziel mit diesem Projekt ist es ein Spiel zu kreieren, das auch auf Festivals, in Spielhallen oder generell überall gespielt und verstanden werden kann. Unabhängig vom Alter oder der technischen Affinität, soll jeder gleichermaßen Spaß mit Rotoring haben. Auch die Jury der Game of Wonder Night haben das verstanden und Rotoring deswegen mit dem “Best Game Design Award” belohnt.

The Gardens Between (1 Award)

In The Gardens Between von The Voxel Agents geht es um zwei Freunde, die zusammen surreale und fantastische Orte auf Basis ihrer Erinnerungen bereisen. Jeder dieser Orte ist dabei liebevoll gestaltet und besticht durch einen Artstyle, der an Kinderbücher erinnert. Das Besondere an The Gardens Between ist außerdem auch das Gameplay an sich. Anstelle die Figuren zu steuern, wird die Zeit an sich geteuert. Im gezeigten Spielausschnitt wurde beispielsweise die Zeit an einer bestimmten Stelle mehrfach vorwärts und rückwärts laufen gelassen, um so mit einer riesigen Säge ein Brett zu zerschneiden und den Weg freizumachen. Inspiriert wurde das Spiel und der Artstyle zudem auch von bekannten Animes und insbesondere Studio Ghibli, gerade im Hinblick auf die verträumten und sehr fantastischen Orte. Erschienen ist das Spiel bereits für PC, Switch und PlayStation 4.

The Inner Friend (1 Award)

The Inner Friend von PLAYMIND ist das Erstlingswerk des kanadischen Studios, das bereits langjährige Erfahrungen im Bereich AR, VR und interaktive Project Mappings. Das Spiel selbst ist dabei ebenfalls ein sehr immersives Erlebnis mit minimalem Interface. Im Spiel selbst geht es um die Erinnerungswelt eines Kindes, die durch Ängste und einschneidene Erlebnisse getrübt und unsicher wurde. Ziel ist es die Ängste zu überwinden und die Welt wieder sicher zu machen. Beim Design wurde ein besonderer Fokus auf die düstere und skurrile Welt der Erinnerungen gelegt. Kinder nehmen vieles anders wahr, als Erwachsene und können so aus alltäglichen Dingen, wie einem Friseurbesuch etwas Furchterregendes machen. Genau mit diesem Umstand spielen PLAYMIND. Aber es wurde bei der Entwicklung nicht nur ein Fokus auf die Welt gelegt, sondern auch auf die musikalische Untermalung, um so ein sehr atmosphärisches und düsteres Spiel zu kreieren.

Richie’s Plank Experience

Richie’s Plank Experience ist ein Spiel, das nur von denjenigen gespielt werden sollte, die keine Höhenangst oder andere Phobien haben. Mit einem VR-Headset ausgerüstet, gilt es eine reale Planke entlangzulaufen. Der Clou an der Sache: In der virtuellen Realität befindet ihr euch über den Dächern einer Großstadt. Schnell wird aus einer einfachen Sache etwas Unüberwindbares, da der Kopf Warnsignale und Adrenalin ausschüttet. Neben dem Balanceakt in schwindelerregenden Höhen, könnt ihr euch auch Riesenspinnen oder anderen Dingen stellen oder als Superheld durch die Lüfte fliegen. Generell ein sehr lustiges Konzept, das aber nur mit denjenigen funktioniert, die keine Höhenangst und keine Motion Sickness haben.

RPG Time The Legend of Wright (3 Awards)

Der Sieger des Abends war definitiv RPG Time – The Legend of Wright, ein Spiel, das bereits seit sechs Jahren von einem Zweimannteam entwickelt wird. Das gesamte Spiel ist dabei wie ein Schreibtisch eines Kindes aufgebaut, das sich vorstellt ein Videospiel zu machen, allerdings Analog. Das heißt, ihr spielt ein Videospiel von einem Kind das ein Entwickler werden will und sich deswegen ein Spiel ausdenkt. Die Umsetzung ist dabei unfassbar charmant. Das erdachte Videospiel basiert auf Bleistiftzeichnungen, die Lebenenergieanzeige ist ein Maßband, das Inventar aus Hama Beads und der Sound kommt von einem MP3-Player. Es wirkt alles genau so, wie man sich ein von einem Kind erdachtes, analoges, Videospiel vorstellen würde. Aber natürlich hat der Spieler auch Einfluss auf das Abenteuer und es gibt unfassbar viele Individualisierungsoptionen und Möglichkeiten sich künstlerisch auszuleben. Bis zum Release wird es noch etwas dauern und ob der Titel auch in den Westen kommt, ist ebenfalls noch unklar. Dennoch sprechen drei Awards für sich und erhöhen so die Wahrscheinlichkeit für einen globalen Release.

Das Interessante an der Sense of Wonder Night waren nicht mal unbedingt die Spiele allein, sondern der gesamte Aufbau des Events. Angefangen bei den skurillen Partytröten, die wir bekamen und dafür nutzen sollten, um unser “Sense of Wonder” auszudrücken, bis hin zu den sehr vielfältigen Präsentationen, die uns geboten wurden, gab es viele interessante Dinge zu erleben. Als ungewolltes Highlight des Events gab es eine scheinbar automatische Übersetzung von Japanisch nach Englisch und umgekehrt, die allerdings von Fehlern nur so gespickt war und gelegentlich von Taco Bells in Indien sprach oder von ähnlichen Absurditäten.

Alles in allem war die Sense of Wonder Night 2018 aber ein sehr interessantes und gelungenes Event. Gerade in Japan, einem Land, in dem die Indie-Community immer noch weit hinterherhinkt, sorgen gerade solche Events für die nötige Publicity. Das Event, das von Sony und Nintendo gesponsert wurde, und diverse Entwickler aus aller Welt in den Mittelpunkt des Geschens rückt, ist genau das, was Japan braucht. Neben der BitSummit und der jährlich wachsenden Indie Booth, bietet gerade die Sense of Wonder Night eine Plattform für experimentierfreudige Indie-Entwickler. Wir sind froh an der diesjährigen Ausgabe teilgenommen zu haben und gratulieren allen Gewinnern hiermit erneut zu ihrem Sieg.

Für weitere Informationen zur Sense of Wonder Night besucht die offizielle Seite.

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