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2 Kommentare

Sea of Solitude – Einsamkeit steht dir nicht

von am 18. Juli 2019
DETAILS
 
Für Fans von:

Rime, Low Poly, persönlichen Geschichten

Pluspunkte

- persönliche Geschichte
- sehr eigener Stil
tolle Kombination aus Gameplay und Story

Minuspunkte

- technisch nicht ganz sauber
- schlechtes Voice Acting
- teilweise nicht mutig genug

Editor Rating
 
GAMEPLAY
7.0

 
GRAFIK
8.0

 
SINGLEPLAYER
8.0

 
MULTIPLAYER
0.0

 
SOUND
5.0

Gesamt-Wertung
7.0

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User Rating
 
GAMEPLAY
7.3

 
GRAFIK
9.0

 
SINGLEPLAYER
9.2

 
MULTIPLAYER

 
SOUND
8.8

User-Wertung
2 ratings
8.6

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Zusammenfassung
 

Sea of Solitude verarbeitet persönliche Schicksale auf eine Art wie es nur Videospiele können. Die Untermauerung der Handlung durch das Gameplay funktioniert großartig. Leider leidet der Titel unter diversen technischen Problemen und schlechtem Voice-Acting, was das Erlebnis aber nur bedingt schmälert.

 

Lesezeit: 4 Minuten

Sea of Solitude zeigt vor Spielbeginn eine Trigger-Warnung zu mentaler und emotionaler Gesundheit. Da ich in dieser Review auch die Handlung und Themen des Spiels ansprechen werde, gilt dies auch für diese Review.

Die Entwickler des berliner Studios Jo-Mei Games haben sich für ihr erstes eigenes Projekt keine leichte Aufgabe vorgenommen. Zusammen mit Electronic Arts arbeiteten sie fünf Jahre an Sea of Solitude. Das Ergebnis sollte eine persönliche Reise über Einsamkeit, Menschlichkeit und das Leben mit all’ seinen Höhen und Tiefen werden. Wie gut das geklappt hat, erfahrt ihr in dieser Review.

SeaOfSolitude

Einsame Monster

Wir beginnen das Spiel in einem winzigen Boot, auf dem weiten, stürmischen Ozean. Es regnet. Im Boot liegt eine einsame Gestalt, schwarzes Fell, glühend rote Augen und irgendwie… traurig. Auf diese Weise lernen wir die Protagonistin Kay kennen, die sich ebenfalls wundert, wie sie an diesen Ort gekommen ist. Nach einer kurzen einsamen Schifffahrt durch diese düstere Welt lernen wir ein fliegendes Mädchen kennen, wodurch nicht nur Kay, sondern auch die Welt um sie herum fröhlicher wird. Das Wetter klart auf, Farben kommen in die Welt und der Wasserpegel stinkt und unter dem Meer tut sich eine Stadt auf. Doch sie verschwindet bald wieder und mit der Einsamkeit kehrt auch der Sturm zurück. Zudem tauchen immer Kreaturen auf, die zum Teil bösartig, zum Teil aber auch schlicht einsam wirken. Kay beschließt daraufhin ihre fliegende Freundin wieder zu finden und auf dem Werk dorthin den Monstern, wenn möglich zu helfen und wenn nötig den Garaus zu machen.
Die zwölf Kapitel des Spiels stellen dabei verschiedene Charaktere aus Kays näherem Umfeld in den Mittelpunkt und verarbeiten verschiedene Abschnitte in Kays Leben. Die unterschiedlichen Themen die hier angesprochen werden, gingen mir dabei teilweise sehr an die Substanz, konnten mich in anderen Fällen aber emotional weniger erreichen. Bei Themen wie Mobbing, familiären Problemen und
sozialer Isolation spielt die Lebenserfahrung des Spielers selbst eine riesige Rolle. Sea of Solitude ist mir persönlich an einigen Stellen allerdings etwas zu implizit und detailarm, wodurch es mir persönlich schwer fiel, mich in Situationen einzufühlen, die mich bisher, glücklicherweise, nicht tangierten.

Sea of Solitude

Achtung Angst

Spielerisch versucht Sea of Solitude dabei immer das Gefühl der Handlung zu untermauern, was dem Titel (fast) immer gelingt. Lange Jump’n’Run-Passagen geben ein Gefühl der Isolation, enge, dunkle Flure erzeugen Stress und Furcht und Stealth-Passagen lassen Kay und den Spieler verletzlich wirken. All’ das funktioniert fantastisch, bietet rein spielerisch aber nichts, was man nicht schon gesehen hat. Wirklich komplex wird es ebenfalls nicht. Zwar benötigen manche Gameplay-Passagen durchaus etwas Konzentration, länger festgesteckt bin ich aber nie. Der Fokus in Sea of Solitude liegt aber ganz klar auf der Geschichte und der Welt, deren Hintergründe die Bewohner der Welt in Form von Collectibles für Kay zugänglich gemacht haben. Tatsächlich hat die eine oder andere Flaschenpost dabei bei mir mehr Eindruck hinterlassen als ganze Dialoge im Spiel. Das Sammeln lohnt sich also nicht nur für Completionists.

SeaOfSolitude

Grafik ist Silber, Schweigen ist Gold

Grafisch besticht Sea of Solitude durch eine wunderbare Kombination aus Low-Poly-Leveldesign und kruden, animalischen Monstern, was zugegebenermaßen nicht jedermanns Sache ist. Mir persönlich gefiel der Stil aber sehr gut, wobei ich mir ab und zu etwas mehr Details gewünscht hätte. Zudem schwankt das Spiel sehr stark in seiner Helligkeit. Gerade dunkle Passagen sind teils so finster, dass ich bei Tageslicht Schwierigkeiten hatte, überhaupt etwas zu sehen. Der Stilwechsel zwischen Hell und Dunkel funktioniert atmosphärisch aber extrem gut und untermauert die Stimmung der Handlung wahnsinnig gut. Teilweise sind Gebiete aber nur in einer der beiden Formen verfügbar, was teilweise zu bizarren Situation führt, wenn man nach einem Handlungssprung den Weg zurück antritt.
Der Soundtrack spaltet sich ebenfalls in eine helle und eine dunkle Version. Fröhliche Melodien, teilweise gesummt und wunderschön, untermalen die Lichtblicke des Spiels, während die dunklen Passagen eher durch eine bedrohliche Gewitter-Kulisse an Stimmung gewinnen. Alles in allem tut der Soundtrack, was er soll, hat auch ein paar sehr schöne Momente, blieb mir aber nicht besonders lange im Ohr. Problematisch ist allerdings die ausschließlich englische Vertonung des Titels. Statt auf ausgebildete Sprecher zu setzen, vertonten die deutschen(!) Mitarbeiter des Studios die Hauptcharaktere selbst, wodurch an vielen Stellen ein auffälliger Akzent durchscheint. Allgemein fehlt dadurch in vielen Szene die Kraft in der Stimme, was mich leider öfters aus den entsprechenden Szenen heraus riss.
Technisch gibt es zudem, vor allem in Passagen in denen geschwommen wird, immer wieder Glitches und Clippingprobleme. Etwas mehr Polishing hätte dem Titel an diesen Stellen gut getan. Wie bereits bei A Way Out hätte ich mir durch die Unterstützung von Electronic Arts ein technisch saubereres Produkt erhofft.

SeaOfSolitude

Fazit

Sea of Solitude hat definitiv einige Probleme. Sei es die nicht ganz saubere Technik, die schlechte Vertonung oder das teils unrunde Gameplay. Kays Geschichte und die ihres Umfeld berührten mich aber immer wieder auf eine Art, wie es lange kein Spiel geschafft hat. Besonders dann, wenn man selbst bereits mit Themen wie Mobbing, familiären Streits und kaputten Liebesbeziehungen zu tun hatte, wird man sich in Sea of Solitude abgeholt und verstanden fühlen. Besonders gut funktioniert das, da Sea of Solitude nicht nur Kays Perspektive, sondern auch die der vermeintlichen Monster präsentiert und diese nicht nur zu finsteren Ungeheuern verkommen lässt.

Wer also über die technischen Limitierungen des Titels, den man auch gerne als “Indie-Charme” bezeichnen kann, hinweg sieht, bekommt mit Sea of Solitude ein kleines aber feines Narrative Game, welches sein Gameplay wunderbar in den Kontext des Spiels rückt und so ein Erlebnis erzeugt, wie es nur Spiele tun können.

Kommentare
 
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  • Avatar
    MonkeyHead
    18. Juli 2019 at 12:09

    Ich glaube bei mir hat das Spiel nochmal besser funktioniert als bei vielen anderen. Das liegt bei mir auch daran, dass mir bei Spielen andere Aspekte wichtiger sind. Wenn ich eine gute Geschichte, Figuren und Atmosphäre habe, dann kann ich über Schwächen hinwegsehen. Liegt ja auch immer an einem selbst wie sehr einem Schwächen auffallen und bei der Bewertung ins Gewicht fallen. Die Sequenzen in denen ich immer wieder dem Wassermonster ausweichen musste haben für mich super gut funktioniert, da war ich richtig angespannt. Genauso wie beim Schullevel. Durch den Stil des Spiels hat mich die Synchro auch nichts groß gestört wie viele andere. Die ist natürlich nicht so gut, aber stand mir bei der Erfahrung nicht im Weg.
    Und ich muss ja auch einfach mal sagen, dass mir ein Spiel wie Sea of Solitude das mit seinem Thema etwas wagt und dabei nicht alles perfekt macht, deutlich lieber ist, als ein Spiel, was nur darauf achtet die größtmögliche Masse anzusprechen. Mir blieb und bleibt Sea of Solitude jedenfalls im Kopf.


    • Lu
      Lu
      18. Juli 2019 at 21:21

      Ja da hast du Recht. Ich denke die größte Frage bei SoS ist, ob man mit den Themen resoniert. Dann funktioniert es wahnsinnig gut. Bei mir hat das eben mal besser mal schlechter funktioniert. Gerade die Sequenzen mit dem Wassermonster haben bei mir zum Beispiel nicht so gut funktioniert wie bei dir. Die Schule war dafür wahnsinnig intensiv für mich.
      Umso wichtiger, dass du deine Perspektive dazu gibst. Danke für den Kommentar. 🙂


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