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God of War – No Country for Old Gods

von am 4. Mai 2018
DETAILS
 
Für Fans von:

God of War 1-3, Darksiders, Devil May Cry, The Last of Us

Pluspunkte

+ Tolle Story mit einem gealterten Kratos in einer Vaterrolle
+ Frisches, dynamisches Gameplay ohne Längen
+ Anspruchsvolle, kreative Rätsel
+ Atmosphärisches Weltendesign

Minuspunkte

- Geringe Gegnervielfalt
- Levelsystem etwas unübersichtlich

Editor Rating
 
GAMEPLAY
10

 
GRAFIK
9.0

 
SINGLEPLAYER
10

 
MULTIPLAYER
0.0

 
SOUND
9.0

Gesamt-Wertung
9.0

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Zusammenfassung
 

Mit God of War traut sich das alteingesessene Franchise aus der eigenen Komfortzone. Sony meistert die Gratwanderung zwischen alt und neu und verpasst dem Epos um den spartanischen Kriegsgott eine frische Verjüngungskur, ohne Fans der Originaltrilogie zu verschrecken. Und auch wenn der Plot keinen Preis für Originalität gewinnen wird, überzeugt die Geschichte des Vater-Sohn-Gespanns von vorne bis hinten. God of War spielt sich geschmeidig, intuitiv und sieht nicht nur gut aus, sondern fühlt sich auch gut an. Definitiv ein Anwärter für das Spiel des Jahres 2018.

 

The Last of Us ist das neue, epische Action-Adventure von Sony Interactive Entertainment mit einer erfrischenden Prämisse. Ein verbrauchter, alter Mann mit Bart und Falten, der Frau und Tochter verloren hat, erhält eine zweite Chance, sich als Vaterfigur zu beweisen und bringt dem neuen Ersatzkind alle Fähigkeiten bei, die es benötigen wird, um in einer gefährlichen, von Monstern zerrütteten Welt zu überleben. So gibt es zum Beispiel eine tolle Jagdszene, in der Sidekick Ellie einen Hirsch mit Pfeil und Bogen erlegen muss. Außerdem bricht Ellie mit dem alten Klischee, Videospiel-Sidekicks seien unnütz. So findet sie Items, unterstützt den Spieler bzw. die Spielerin im Kampf und dient als Plotelement, um das kalte, abgestumpfte Herz des Protagonisten aufzuweichen und ihm einen neuen Sinn im Leben zu geben…

Oh, sagte ich The Last of Us? Ich meine natürlich God of War! Und sagte ich Ellie? Ich meine selbstverständlich Atreus! Mein Fehler.

Die Parallelen sind unverkennbar. God of War wurde sehr eindeutig von Naughty Dog’s erfolgreichem Zombie-Adventure aus dem Jahr 2013 “inspiriert”, um es diplomatisch auszudrücken. Allerdings weiß ich ehrlich gesagt nicht, inwieweit ich das als Kritik auslegen kann. In Zeiten des Sequelwahns, in denen man das gleiche Spiel immer und immer wieder veröffentlichen und damit Millionen machen kann, bin ich froh, dass God of War es wagt, neue Wege einzuschlagen. Dass diese Wege schon einmal gegangen wurden, ist erst einmal unwichtig. Nur weil die Grundprämisse einem anderen Spiel sehr ähnelt, heißt das nicht zwangsläufig, dass diese Prämisse nicht frisch und neu sein kann. Anders als Joel hat Kratos eine lange Vorgeschichte. Die Figur des Halbgottes, der sich durch das griechische Pantheon schlachtet wurde bis zum Äußersten ausgereizt und nun da Kratos‘ Rachefeldzug endlich ein Ende gefunden hat, ist eine neue Motivation vielleicht genau das, was der God of War brauchte.

Story

Einige Jahre sind vergangen, seit Kratos den Olymp bestiegen hat und seinen Zorn auf die dort lebenden Gottheiten niederregnen ließ. Mittlerweile hat er Griechenland verlassen und sich im Norden zur Ruhe gesetzt, um seinen blutigen Lifestyle hinter sich zu lassen. Seine Frau, die wir ausschließlich durch Erzählungen kennenlernen, ist mittlerweile an einer Krankheit gestorben, weshalb der grimmige Glatzkopf nun als alleinerziehender Vater zurechtkommen muss. Sein Sohn Atreus hat nicht viel für den alten Mann übrig, aber nachdem ein Fremder an ihre Tür klopft, der mehr über Kratos‘ Vergangenheit zu wissen scheint, als ihm lieb ist, ziehen die beiden los, um den höchsten Gipfel des Landes zu besteigen und die Asche von Atreus’ Mutter dort beizusetzen. Auf der Reise muss sich das ungleiche Team zusammenraffen, um die Hindernisse, die auf dem Weg auf sie warten, zu überwinden.

Die Geschichte von Vater/Mutter und Sohn/Tochter, die sich entfremdet haben und durch Notsituationen lernen, einander zu vertrauen und zu lieben, ist so alt wie die Zeit. Auch The Last of Us hat seinerzeit das Rad nicht neu erfunden. Aber den sonst so eiskalten und distanzierten Kratos in eine derartige Rolle zu werfen, die ein Mindestmaß an Einfühlungsvermögen und Empathie benötigt, war ein Geniestreich seitens der Santa Monica Studios von Sony. Denn die Differenzen zwischen Kratos und Atreus sind derart grundsätzlich, dass eine Annäherung der beiden zunächst unmöglich erscheint. Kratos, der von Kindesalter an als spartanischer Krieger erzogen wurde und dem nach und nach alles genommen wurde, was ihm lieb war, muss lernen, einem Jungen, der seine Mutter verloren hat, Liebe zu schenken und ein Vater zu sein. Atreus, der in einem behüteten Elternhaus von einer warmherzigen, liebevollen Mutter erzogen wurde, muss hingegen lernen, was es heißt, ein Krieger zu sein und die eigenen Gefühle im Kampf hintenanzustellen. Gleichzeitig muss Kratos sich seiner Vergangenheit stellen, vor der er verzweifelt wegzurennen versucht. Es ist eine tragische Geschichte mit viel Herz, die ein komplett neues Licht auf eine mittlerweile ikonische Videospielfigur wirft, die versucht, ihren Sohn vor dem Leid zu bewahren, das sie selbst erdulden musste. Das Interessante an der Story ist, dass im Prinzip nicht sonderlich viel passiert. Es geht ausschließlich um die Reise und die Wandlungen, die die beiden Protagonisten durchlaufen. Das eigentliche Ziel der Reise wirkt nebensächlich. Im Fokus steht die Beziehung der Figuren und was sie daraus lernen.

Gameplay

Aber natürlich wäre es kein God of War, wenn man nicht trotzdem die ein oder andere Gottheit in viele, kleine, blutige Fetzen zerreißen würde. Da Kratos in Griechenland allerdings schon genug Chaos verursacht hat, schwingt der aschfahle Glatzkopf die Klinge nun im hohen Norden, Heim der germanischen Göttinnen und Götter. Allvater Odin wacht über die Welten, zwischen denen man frei umherreisen kann. Und auch wenn die Story an sich sehr linear ist, besteht viel Raum zum Erkunden von Midgard, Vanaheim, Jotunheim und der vielen anderen Zweige am Weltenbaum Yggdrasil. Kratos ist in diesen Welten ein Fremder und gerade das macht das nordische Setting so interessant. Man spielt nicht mehr den legendären „Ghost of Sparta“, sondern nur noch einen Mann mit einer runenverzierten, magischen Axt. Trotzdem fühlt sich God of War zunächst nicht an, wie God of War. Die Perspektive von oben weicht einer Over-Shoulder-Perspektive á la Skyrim oder Dark Souls. Anstelle der legendären Chaosklingen schleudert Kratos besagte Axt durch die Gegend und die goldverzierten, mystischen Tempel Griechenlands weichen den dunklen, schmutzigen, kalten Höhlen und Landschaften Skandinaviens. Plötzlich gibt es Sidequests, ein Open World System, Runen zum Verbessern der eigenen Rüstung. Alles war anders. Doch sobald es dann an die ersten Rätsel ging, entdeckte ich den Charme der alten Spiele wieder. God of War ist komplett neu und doch altbekannt. So kann man mit der magischen Axt beispielsweise Zahnräder einfrieren, um Mechanismen anzuhalten, oder man kann Seile zerschneiden, um an höher gelegene Schätze zu gelangen. Auch die Komplexität der Rätsel steigt stetig an, sodass man zu Beginn noch durch die verschiedenen Rätsel durchbraust, wie ein dickes Kind durch eine Wasserrutsche. Will man allerdings alle Truhen mitnehmen, die einem auf dem Weg begegnen, muss man auch mal das Köpfchen anschalten. So habe ich teilweise bis zu zwanzig Minuten hin und her überlegt, bis es klick machte.

Bei den Kämpfen verhält es sich da anders. Bereits zu Beginn sind die Gegner recht anspruchsvoll. Für die Rezension habe ich das Spiel auf der zweitleichtesten Stufe, also auf „Normal“ gespielt (auch wenn God of War auf derartige Bezeichnungen verzichtet) und durfte Kratos beim ersten Boss mehr als einmal beim Sterben zusehen. Das könnte daran liegen, dass ich zunächst versuchte, God of War wie Dark Souls zu spielen und um den Gegner herumzurollen, wie bei einer Amateurvorführung vom Cirque du Soleil auf Speed. Allerdings erhält Kratos beim Rollen keine „iFrames“, wie sie in der Soulsborne-Community genannt werden. Gemeint sind damit die Frames während einer Ausweichrolle, in denen die Figur nicht getroffen werden kann. Somit wurde ich bei jedem Ausweichmanöver getroffen und bin mehrfach gestorben. Als ich das allerdings verstanden habe, ging der Kampf leichter von der Hand.

Womit wir auch schon beim einzigen wirklichen Kritikpunkt des Spiels angelangt wären: Die Gegnervielfalt. Nachdem ich bereits sehr früh im Spiel Bekanntschaft mit einem nordischen Gott machte, hing bei mir die Messlatte sehr hoch. Allerdings war mir da noch nicht bewusst, dass God of War der Beginn einer neuen Reihe an Spielen sein soll und Sony daher noch nicht sein ganzes Pulver verschießen möchte. Dementsprechend war ich enttäuscht, als ich merkte, dass God of War die wirklich dicken Gottheiten in der Hinterhand behielt. Thor war wohl gerade zu sehr mit Thanos beschäftigt.

Dazu kommt, dass viele der Zwischenbosse recycelt werden. Allerdings könnte ich theoretisch auch darüber meckern, dass man nur zwei verschiedene Waffen im gesamten Spiel hat, oder dass viele der Sidequests lediglich Fleißaufgaben ohne wirklichen Sinn sind, aber schlussendlich tut keiner dieser Mängel dem eigentlichen Spaß einen Abbruch und irgendwie fühlt es sich falsch an, bei einem Spiel wie God of War über mangelnden Content zu jammern. Denn es gibt genug zu tun und auch wenn sich das Spiel ein wenig an der Ubisoft-Methode zum Strecken von Gameplay bedient (wir sammeln keine Federn, sondern schlachten Odins Raben), fühlt sich God of War nie langweilig an und das ist meiner Meinung nach das Wichtigste.

Optik und Sound

Ich tue mich schwer, in der heutigen Zeit über die Grafik eines Spiels zu urteilen. God of War sieht gut aus. Sieht es sehr viel besser aus als vergleichbare Titel, die um die gleiche Zeit herum entstanden sind? Nicht wirklich. Sticht es durch extremen Fotorealismus aus der Masse heraus? Nein. Es entspricht den Triple-A-Standards der heutigen Zeit. Um das aber klarzustellen: God of War sieht gut aus. Ob euch der Stil gefällt, kann ich euch nicht sagen. Seht euch Trailer und Bilder an und urteilt selbst.

Auch was den Soundtrack und das Sounddesign angeht, hält sich God of War an den existierenden Status quo. Bear McCreary, der bereits für AMC’s The Walking Dead die Musik komponierte, liefert auch hier einen guten Job ab. Der Soundtrack sticht zwar nicht großartig heraus, komplimentiert das Gesamtpaket aber durchaus.

Was allerdings heraussticht, ist die Regie des Games. Ich habe das Spiel auf englisch gespielt und war begeistert, wie gut alles zusammenpasst. Die Dialoge zwischen Kratos und Atreus sind toll dargeboten und bieten ein Höchstmaß an Immersion. Man kann außerhalb von Cutscenes die Mimik der Protagonisten auf ihren Gesichtern erkennen und ihre Emotionen daran ablesen. So schmunzelt Atreus in witzigen Situationen. Im Kampf hingegen warnt er den Spieler oder die Spielerin vor Attacken und klingt dabei, als würde er wirklich um das Leben seines Vaters bangen. Die Kampfszenen sind (in gewohnter God-of-War-Manier) perfekt durchchoreografiert. Der Kampf gegen den ersten nordischen Gott ist gewaltiger und grandioser als so mancher Hollywood-Streifen up to date. Es ist egal, wie gut das Wasser gerendert wurde, oder dass Kratos beim Laufen Spuren im tiefen Schnee hinterlässt. Schnitt und Regie sind nahezu perfekt.

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