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Das Schwarze Auge: Memoria – Und am Ende ist es doch alles ganz anders, als gedacht

von am 7. November 2013
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Lesezeit: 6 Minuten

Der einzige Grund warum Das Schwarze Auge: Memoria (DSA: Memoria) bei mir gelandet ist, ist der, dass ich mich nicht richtig informiert hatte. Fälschlicherweise nahm ich an, es würde sich wie bei Drakensang um ein Rollenspiel handeln, obwohl Daedalic Entertainment ja eigentlich hauptsächlich für eine ganz andere Art von Spiel bekannt ist. Warum ich trotzdem überhaupt nicht traurig bin, sondern sogar im Nachhinein hellauf begeistert bin DSA: Memoria gespielt zu haben, will ich euch jetzt erklären.

Eine Geschichte in zwei Zeitaltern

DSA: Memoria, die Nachfolgestory zu DSA: Satinavs Ketten, erzählt zum Einen die Geschichte des andergastischen Vogelfängers Geron weiter, zum Anderen aber auch die Geschichte der Prinzessin Sadja aus Fasar, die vor über 450 Jahren in die Schlacht gegen Dämonen zog um zu einer großen Heldin zu werden… und scheiterte, sodass sie beinahe komplett in Vergessenheit geraten wäre. Eigentlich ist Geron ein Held. Er hat seine Heimatstadt Andergast vor dem finsteren Seher gerettet. Nur weiß es leider niemand seiner Mitbürger, selbst wenn sie ihm endlich mit etwas weniger Misstrauen begegnen. Außerdem hat er einen hohen Preis für seinen Sieg über den Seher gezahlt: Der Körper seiner Freundin Nuri wurde getötet und ihre Seele in einen Rabenkörper gebannt. Da Feenseelen sehr fragil sind, beginnt Nuri aber nach und nach alles zu vergessen und droht komplett zu einem Raben zu werden, wenn Geron nicht bald einen Weg findet ihr ihren richtigen Körper wieder zu geben.
Der fahrende tulamidische Händler Fahi aus dem fernen Fasar bietet ihm an Sadjas Körper wieder herzustellen, unter der Bedingung, dass Geron innerhalb von drei Tagen ein Rätsel für ihn löst. Dafür erzählt er Geron den Beginn der Geschichte von Prinzessin Sadja, welche er im Traum immer und immer wieder erlebt. Wenn Geron ihm den Sinn der Inschrift erklären kann, die im Traum am Eingang des Grabmals steht, dann wird er Nuri wieder ihren Feenkörper zurückgeben. An sich eine relativ simple Aufgabe, sollte man meinen, doch wird es schnell komplizierter, als ein paar Trunkenbolde sich dazu aufmachen den Händler zu schickanieren und prompt in Steinsäulen verwandelt werden die wie diejenigen aussehen die am Eingang des Grabmals standen. Realität und Traum verschmelzen. Fahi ist verschwunden, während Magier von der Akademie für arkanen Kampf den Vorfall untersuchen und die Städter von einem Dämonenangriff munkeln.

Es sieht fast so aus als wäre das Lösen des Rätsels plötzlich Gerons kleinstes Problem, denn nun muss er erst einmal Fahi wieder finden… bevor es der Lynchmob schafft. Ob ihm die ambitionierte Magierschülerin Bryda dabei eine rechte Hilfe sein wird und wie Sadjas Geschichte zu Ende geht und ob Geron es gelingt Nuri zurückzuverwandeln, das müsst ihr schon selbst im Spiel herausfinden.

Gameplay: Point’n’Click vom Feinsten

Ich bin ja eigentlich kein Fan von Point’n’Click Adventures, was hauptsächlich daran liegt, dass ich einfach oft nicht die Geduld für das Rätselraten habe. Was nicht heißt, dass ich mich nicht immer wieder mal daran versuchen würde – da sind allein vier in meiner Steambibliothek – und DSA: Memoria hat sich, auch aufgrund seiner wunderbaren, wendungsreichen Handlung, als absolut spielerisches Highlight für mich herausgestellt. Die Steuerung ist perfekt intuitiv – außerdem gibt es ein kleines Tutorial am Anfang – die Rätsel allesamt logisch (ich gebe zu, ich habe trotzdem gelegentlich auf eine Musterlösung zurückgegriffen … weil ich einfach beim Rätselraten eine ziemlich geringe Frustrationstoleranz habe, aber mit etwas mehr Geduld wäre ich auf jede Lösung auch von selbst gekommen, bzw. in einem der Abschnitte gibt es auch vom Spiel eine Lösungshilfe und Auto-Lösungsfunktion wenn man, so wie ich, zu oft versagt hat und immer im Kreis läuft) und am Ende manchmal auch so knifflig, dass selbst erfahrenere Spieler eine Herausforderung darin sehen werden. Schließlich können wir später, hauptsächlich in Sadjas Handlungsstrang, drei verschiedenen Zauber wirken, die wir auch alle brauchen um das Abenteuer zu bestehen. Ein Zettel für kurze Notizen ist dabei auch hilfreich, besonders wenn wir in dem Spielabschnitt im Konzil der Elemente, Drakonia, befinden.

Trotz der eher ernsten Geschichte, gibt es auch gelegentlich mal ein paar humorige Elemente. Zum Beispiel treffen wir einen Magiernovizen in der Bibliothek und fragen ihn was er denn da macht (nicht, dass wir die Erlaubnis hätten uns dort aufzuhalten, aber das stört den Novizen nicht). Seine Antwort: “Ich liege mit einer Erkältung im Bett während die anderen im Wald Krieg spielen.” Wenn wir ihn nun darauf hinweisen, dass es aber eher so aussieht als würde er Honigklumpen kneten, erwidert der Novize gelassen: “Ja, aber das wissen nur du und ich.” Für ein paar psychoaktive Gurken verzaubert der Novize uns später eine mit weingefüllte Glasschatulle in einen falschen Rubin. Irgendwie ist das ziemlich poetisch.
In den Credits am Ende des Spieles findet sich übrigens in der Rubrik “Special Thanks to” auch “der Kicker im Aufenthalsraum”. Ich finde das sagt verdammt viel aus.
Und, weil das ja heutzutage in keinem Spiel mehr fehlen darf: auch in DSA: Memoria gibt es Achievements, von denen ich, wie ihr meinem Screenshot entnehmen könnt, längst nicht alle beim Durchspielen errungen habe. Eines der Achievements aus dem ersten Akt ist ein Trollface … da kann man sich ja fast schon vorstellen wie man es denn bekommen kann.

Grafik, Sound und Vertonung: 1 mit Auszeichnung für Daedalic

Wie von Daedalic Entertainment eigentlich fast nicht anders zu erwarten, bewegen sich liebevoll animierte Charaktere vor 120 handgezeichneten und wirklich wundervollen Hintergründen durch die Geschichte und erwecken Aventurien dadurch zum Leben. Besonders das Zaubern hat dabei etwas magisches an sich.
Neben der opulenten grafischen Aufmachung verdient aber auch die Vertonung Lob und zwar das Größte. Alle Charaktere sind vollvertont und die Sprecher wirklich super. Besonders Tinnur Isik – die Stimme eines Stabes, der eine der wichtigsten Figuren in der Handlung spielt, wie genau das geht müsst ihr aber schon selbst herausfinden – könnte mir das Telefonbuch vorlesen und ich wäre zufrieden.
Für musikalische Untermalung haben Dominik Morgenroth und Daniel Pharos gesorgt, und der Soundtrack enthält einige wirklich tolle Titel – besonders “The Tale of a Forgotten Princess” und dann das wiederaufgenommene Thema in den “End Credits” klingen absolut episch (Mass Effect oder vielleicht Fluch der Karibik-Soundtrack episch, nur um mal einen Vergleich zu bringen). Aber nicht nur musikalisch wurde das Spiel untermalt, passend zur jeweiligen Szenerie kann man zum Beispiel auch mal Vögel zwitschern oder Wasser plätschern hören.

Fazit: Nicht nur für DSA-Fans

Zugegeben, ich kenne mich tatsächlich ein Bisschen mit der Fantasywelt von Das Schwarze Auge aus. Aber selbst wenn man das nicht tut, kann man DSA: Memoria in vollen Zügen genießen – und das auch wenn man, genau wie ich, DSA: Satinavs Ketten ebenfalls nicht gespielt hat. Ich bin ja der Meinung, wann immer es die Handlung eines Spieles schafft einen zu Tränen zu rühren, dann ist es ein verdammt gutes Spiel – und wer am Ende von DSA: Memoria nicht wenigstens so ein ganz kleines Bisschen feuchte Augen bekommt, der hat einfach kein Herz. Selten habe ich ein Spiel zu Ende gespielt dessen Abschluss befriedigender gewesen wäre (obwohl es ein ganz offensichtlicher Cliffhanger ist, und damit auch irgendwie klar ist, wer die nächste Hauptfigur in der Spielreihe sein wird, jedenfalls hoffe ich das stark).
Wer also eine wirklich epische Geschichte, voller Magie und Abenteuer, und völlig unerwarteten Storywendungen erleben will, der ist bei DSA: Memoria genau richtig.

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