Lesezeit: 10 MinutenWhite Knight Chronicles Origins für Sonys PSP gehört wohl zu den letzten größeren Titeln die für diesen Handheld erscheinen werden, bevor die PSVita ihn ablöst, und spielt 10.000 Jahre vor den Geschehnissen des PS3-Spiels White Knight Chronicles. Und während wir auf der PS3 noch selbst einen der gewaltigen yshrenianischen Ritter steuern dürfen, kämpfen wir auf der PSP in einer kriegsgebeutelten Welt gegen sie.
Die Story – Der größte Schwachpunkt des Spiels
Bevor wir uns ins Abenteuer stürzen können müssen wir uns zunächst einmal einen Charakter erstellen. Die Auswahlmöglichkeiten sind groß und man kann vermutlich mehrere Minuten damit zubringen sich seinen eigenen individuellen Charakter zu erstellen, was auch wirklich Spaß macht. Was mich dabei verwundert hat: ich konnte zwar alles einstellen was mir in den Sinn gekommen ist, aber leider nicht die Augenfarbe meines Charakters. Nicht dass es einen Unterschied gemacht hätte, aber wenn ich schon die Möglichkeit habe aus gefühlt zwanzig verschiedenen Frisuren, Haarfarben, Nasen- und Augenformen etc. pp. zu wählen, dann hätte ich auch erwartet Mitsprache bei der Augenfarbe zu haben. Vielleicht hab ich’s auch einfach übersehen, wer weiß.
Und danach geht’s los wir stürzen uns… in eine absolut verworrene Story, die, so muss ich sagen, nicht nur verworren bleibt, sondern auch leider nicht sonderlich spannend ist. Natürlich kann mein hier gewonnener Eindruck an mehreren Dingen liegen:
a) ich habe es leider nicht geschafft das Spiel komplett durchzuspielen, da es ziemlich umfangreich ist, und ich schätze nach den etwa zehn Stunden, die ich bislang gespielt habe, ich etwas mehr als die Hälfte der Hauptstory erlebt – was nebenbei bemerkt ziemlich gut für ein Handheld-Spiel ist,
b) ich kenne mich mit dem Franchise nicht aus. Vielleicht erscheinen gerade einige der anfänglichen Geschehnisse weitaus weniger als “WTF?!”-Momente, wenn man sich mit White Knight Chronicles auskennt.
Dabei ist die Aufmachung des Spiels ziemlich ansehlich. Wir kriegen eine kleine Introsequenz zu sehen (mit englischer Vertonung, obwohl der Rest des Spiels auf deutsche Menüführung ausgelegt ist) in der ein großer Knight die Stadt Xarmgand angreift und bekommen anschließend eine kleine Geschichtsstunde präsentiert, die uns ein paar Aspekte der Hintergrundgeschichte verdeutlicht. Und dann stehen wir auch schon da, mitten in der Stadt Xarmgand die von dem yshrenianischen Ritter in Schutt und Asche gelegt wird, und schließen uns anschließend dem sogenannten “Mobilteam” an einer Söldnergruppe die in einem beeindruckend Steampunkigen Zug umherreist, um den Yshrenianern, die die Welt mit Hilfe ihrer gewaltigen Ritter (auch Incorrupti genannt) mit Krieg und Vernichtung überziehen, die Stirn zu bieten.
Da es sich hier um ein Rollenspiel handelt, werden wir auch hin und wieder mit Entscheidungsmöglichkeiten in den unmittelbar folgenden Dialogen oder in Situationen konfrontiert. Leider bleiben diese sehr blass und ich denke, egal wie man sich bei den Ja-und-Nein Antworten entscheidet, wird sich nicht grundlegend etwas am Spiel verändern. Zumal ich manchmal nicht mal die eigentliche Frage verstanden habe, bzw. man überhaupt nicht genau abschätzen konnte, was ein Ja oder Nein in dem Kontext der Frage überhaupt bedeutet. Ein Aspekt, den ich eher nicht so gelungen finde, da ich da zum Beispiel aus Phantasy Star Portable oder Persona 3 Portable einfach mehr gewohnt bin, was die Auswirkungen von Entscheidungen (oder auch nur die eigentlichen Entscheidungen selbst) angeht. Hier bleibt White Knight Chronicles Origins leider sehr blass.
Die Story ist alles in allem ganz nett, aber leider nicht packend, nicht mitreißend und an einigen Punkten undurchsichtig, ganz einfach, weil man nur selten die Möglichkeit bekommt, noch ein bißchen mehr nachzufragen, um einige Details der Geschichte zu verstehen. Oft wird man vor getroffene Entscheidungen gestellt, die einem noch dazu so präsentiert werden, als hätte man die Entscheidung selbst getroffen, obwohl man ja nicht mal gefragt wurde. Und was wirklich schlimm ist: einige Dialoge sind einfach nur schlecht, flach und unoriginiell (leider zum Teil genauso wie die NPCs mit denen man zusammenarbeitet); man sitzt da und denkt sich: “Ehhhh wir machen was?! Warum war diese absolut unbedeutende Aussage jetzt einen Dialog wert?”






Allerdings will ich hier nicht ausschließen, dass dieser Eindruck an der Übersetzung liegt. Während die Introsequenz noch vertont war – in Englisch – ist der Rest des Spiels dies nicht, man erfährt alles, was man wissen muss aus Textboxen; vielleicht hätte eine Stimme die unterschiedlichen Charaktere, denen wir begegnen etwas aufgewertet, denn wie schon kurz erwähnt, bleiben auch die NPC-Charaktere mit denen wir unser Abenteuer bestreiten eher blass. Ich will auch nicht ausschließen, dass die Übersetzung absolut gelungen und nah am Original ist, aber es gibt da einige Dinge die mich während des Spielens sehr gestört haben: all diese unsäglich abgekürzten Wörter, weil sie einfach zu lang für die Textboxen sind. Es tut mir leid Leute, aber wenn ich zum zwei Trillionsten Mal lese, dass ich gerade “2x schreckl. abgek. Gegenst. A” gefunden habe – und man bekommt diese Meldungen so ziemlich jedes Mal wenn ein Gegner das zeitliche segnet – dann kriegt man irgendwann einfach zuviel. Zumal diese Gegenstände auch im Inventar nur mit ihrer abgekürzten Bezeichnung stehen. Vielleicht wäre es hier sinnvoll gewesen anstelle von beschreibenden Titeln einfach irgendeinen Fantasienamen zu verwenden, das hätte wenigstens originell gewirkt.
Die Missionen und das Kampfsystem – abwechslungsreich geht anders…
Technisch ist White Knight Chronicles Origins wirklich gut und bedient sich bereits gewohnter Prinzipien von Handheld Spielen. Anstelle einer freien Welt, haben wir eine Hauptbasis die uns als Questhub dient. Und das Beste daran ist, dass wir diese Hauptbasis immer weiter ausbauen können, indem wir weitere Waggons kaufen und anhängen, die uns dann ein paar weitere Möglichkeiten bieten. Zum Beispiel die Möglichkeit einen Artillerieschlag anzufordern oder Leute des Teams Rohmaterialien sammeln zu schicken. Dass der Zug, in dem das Mobilteam umherreist, außerdem der Traum eines jeden Steampunk-Fans ist, ist außerdem ein netter Bonus.
Das Problem dabei… nicht nur die Nebenquests, sondern leider auch die Hauptquests sind ziemlich repetetiv – und damit meine ich leider nicht nur die Umgebungen, die sich auch generisch wiederholen. Es gibt im Grunde mehrere Typen von Quests: finde X-mal Gegenstand B, erkunde alle Bereiche, brich alle Siegel und dann noch Vernichten und Eliminieren oder eine Mischung aus diesen Typen. Was nett ist, auf dem Ladeschirm zur Quest hin kriegen wir eine kurze Erklärung für die Quests und warum wir dies und das dort tun müssen und einige der Beschreibungen sind sogar durchaus humoristisch beschrieben. Was weniger nett ist… da sämtliche dieser Instanzen modular aufgebaut sind, kriegen wir nach jedem einzelnen Raum einen Ladebildschirm zu sehen und nach einer Weile fühlen die sich einfach nur ewig andauernd an. Die Gegner wiederholen sich auch und von einigen wenigen Fällen einmal abgesehen ist es nicht nötig sich großartig auf eine Taktik zu verlegen. Der Schwierigkeitsgrad ist dabei leider etwas unausgewogen. Es gibt Quests da “roflstomped” man einfach jeden Gegner und dann gibt es Quests die geradezu abartig schwierig sind weil man fast in jedem Raum auf einen Gegner trifft der nicht nur zuviele Lebenspunkte hat sondern auch noch viel zu hart zuhaut.
Das Gute hier ist, dass, sollte man sterben, nicht automatisch sofort Schluss ist und man von vorn beginnen muss, sondern man kann sich pro Mission zweimal wiederbeleben und unsere drei Teammitglieder werden auch nach einer gewissen Zeit automatisch wiederbelebt wenn wir nicht selbst mit einer Fähigkeit nachhelfen wollen; hilft leider auch nicht immer in den Missionen in denen man sich einfach an der schieren Anzahl an kleinen Boss-Gegnern die Zähne ausbeist. Der Kampf selbst ist actionreich.
Man springt einfach rein die Gegnerschar und geht mit einer Waffe seiner Wahl (Stäbe, Langschwerter, Bogen, Schwert und Schild, Lanzen, etc. pp.) und den dazugehörigen Fertigkeiten auf sie los.
Soweit so gut und macht ordentlich Spaß. Unterstützt werden wir von drei NPCs die wir selbst rekrutiert haben und die KI, die diese Charaktere steuert ist ziemlich gut, wenn auch manchmal nicht reaktionsschnell genug wenn es zum Beispiel ums Heilen geht und Ausweichen bei Attacken gehört leider nicht zum KI-Repertoire. Am Ende von fast jeder Mission bekommen wir die Möglichkeit zu entscheiden ob wir einen Bewerber, der mit einer kurzen Zusammenfassung seiner Daten vorgestellt wird, in unser Team aufnehmen wollen. Je nachdem wieviele Kasernenwaggons man für seinen Zug bereits gekauft hat, hat man eine unterschiedliche Gesamtkapazität und es ist auch möglich bereits rekrutierte Teammitglieder zugunsten eines neues Bewerbers zu entlassen. Ziemlich geniales System, denn so kann man sich ein Team zusammenstellen, dass das Beste für einen herausholt. Auch wichtig ist hier der Umstand, dass jedes Teammitglied einem abhängig vom Loyalitätslevel (dieses wird erhöht durch Geschenke, aber auch einfach schon dadurch dass man das Teammitglied mit auf eine Mission nimmt) ein paar neue Fähigkeiten beibringen kann.
Man sollte also beim Rekrutieren schauen dass man da genügend Vielfalt hat, sonst bringt einem das Erfüllen der jeweiligen Teamquest (erinnert starkt an die Loyalitätsquests aus Mass Effect oder Dragon Age) nicht ganz so viel, da das Erfüllen dieser Quests normalerweise den Sinn verfolgt, dass das Teammitglied uns eine neue Fähigkeit beibringt.
Nach dem Absolvieren von einer bestimmten Anzahl von Quests, gibt es eine zentrale Storyquest die ein Kapitel des Spiels abschließt und den Beginn des nächsten Kapitels einleitet. Innerhalb eines Kapitels kann man die unterschiedlichen Missionen beliebig oft widerholen um zum Beispiel Rohstoffe und Erfahrung zu sammeln. Das Sammeln von Rohstoffen ist ziemlich wichtig, da diese nicht nur zur Verbesserung von bereits bestehenden Gegenständen eingesetzt werden können, sondern es auch ein umfangreiches Craftingsystem gibt. Ein Aspekt des Spiels, der mir wirklich gefallen hat.
Man kann auch direkt Gegenstände von NPCs kaufen, aber die Auswahl ist relativ begrenzt. Waffen und Ausrüstungsgegenstände sind dabei sehr detailreich gestaltet und sehen ziemlich gut aus.
Das Skillsystem ist dabei mindestens genauso umfangreich wie das Craftingsystem. Das Problem hier: es ist vielleicht etwas zu umfangreich. Es gibt geradezu unzählige Skills, von Heilzaubern, über Buffs bis hin zu wirklich gewaltigen DPS-Fähigkeiten. Und mitunter ist es schwer eine gute Auswahl zu treffen, zumal es für jede Waffe andere Fertigkeiten zu erlernen gibt. Im Kampf ist das einsetzen von Fähigkeiten einfach und geht gut von der Hand.
Wenn man innerhalb einer Mission einen Fortschritt der Quest erzielt, füllt sich der Verwandlungsbalken. Ist dieser Balken aufgeladen wird einem das Highlight des Kampfsystems freigeschaltet: die Verwandlung in… ja was eigentlich? Wir verwandeln uns in eine sogenannten Optimus mit Hilfe von den Optimit Kristallen – und wenn ihr mich fragt sieht das verdammt nach einem der Ritter aus… ist aber auch irgendwie egal, macht in jedem Fall Spaß und sieht gut aus. Die dazugehörigen Animationen sind wirklich gelungen – auch wenn man leider die Flashbacks zu den Power Ranger-Serien einfach nicht ausblenden kann – und eine Verwandlung, kann den Wendepunkt in so manch aussichtslos erscheinendem Kampf bedeuten.
Es gibt dabei vier verschiedene Verwandlungsformen, je nachdem was für einen Optimitkristall wir oder eines unserer Teammitglieder besitzen – und worauf wir uns vor Beginn der Mission festgelegt haben. Eine Verteidigungsform, die automatisch Lebenspunkte regeneriert und erhöhte Verteidigung hat, eine Angriffsform mit erhöhter kritischer Trefferchance, eine Magieform mit automatischer MP-Regeneration und einer Agilitätsform mit erhöhter Agilität. Mein Favorit: die Verteidigungsform. Außerdem ermöglicht die Verwandlung auch den Einsatz mächtiger elementarer Fähigkeiten, was ebenfalls eindrucksvoll animiert ist. Das Problem dabei: man kann diese Animationen leider nicht abbrechen und nach dem Ansehen der dreihundertsten Verwandlung scheint es einem nur noch Zeit zu stehlen.
Es gibt auch ein sehr umfangreiches Stat-system sobald man ein Level aufsteigt. In diesem Fall wäre aber weniger definitiv mehr gewesen, zumal ich bin jetzt noch nicht genau weiß wofür eigentlich zum Beispiel MAG, PRÄ, und GES stehen. Glücklicherweise müssen wir aber nicht jeden Punkt selbst verteilen sondern können aus einigen Presets wählen: den Farben der Chroma Kristalle. Jeder hat eine individuelle Farbe. Vorrausgesetzt wir haben den dafür erforderlichen Gegenstand, können wir unsere im Verlauf des Spiels immer wieder ändern. Jede Farbe setzt dabei einen unterschiedlichen Schwerpunkt, was die unterschiedlichen Stat-Werte angeht.
Am Anfang des Spiels bekommen wir das in einem kurzen Tutorial erklärt, können es aber jederzeit über das Hilfe-System erneut nachlesen. Gute Idee. Aber wie gesagt, wenn man einfach auf ein paar dieser unterschiedlichen Werte verzichtet hätte, hätte das dem Spiel IMHO echt gut getan. Komplexität ist generell zwar gut aber man kann es auch absolut übertreiben.
Grafik und Sound – wirklich gut gemacht
Obwohl das Spiel – vom Intro einmal abgesehen – nicht vertont ist, ist der Sound ziemlich genial. Die unterschiedlichen Musikstücke – eine Mischung von rein instrumentalen Klängen und gelegentlichen Choreinlagen, sehr ähnlich einigen ziemlich guten Anime-Soundtracks (Vision of Escaflowne, Record of Lodoss War etc. pp.) – gehen ins Ohr und bleiben da; was vielleicht auch daran liegt, dass sie sich einigermaßen oft wiederholen, genauso wie die Quests und die Umgebungen halt.
Grafisch fand ich das Spiel ebenfalls sehr ansprechend (und es bekommt von mir zusätzliche Punkte für sein Steampunk-Ambiente). Vor allen Dingen die zahlreichen Details bei Waffen und Rüstung sind wirklich gelungen. Das einzige Problem, das ich hin und wieder hatte: in einigen Instanzen ist es ziemlich dunkel, oder es ziehen Nebelschwaden umehr, die die Sicht ein bisschen behindern und besonders die Schatzkisten, die die Questgegenstände enthalten, sind mitunter nur schwer zu sehen.
Fazit
Alles in allem kann ich folgendes sagen: als Fan der Serie kann man hier vermutlich nicht viel falsch machen, wenn man ein Spiel für unterwegs sucht. Wer ein solides Action-RPG für seine PSP will, ist hier auch gut bedient, wenn er Wert auf ein meiner Meinung nach gut gemachtes Kampfsystem und wirklich ansehnliche Grafik legt und sich für längere Zeit beschäftigen möchte. Allerdings darf man nicht zuviel von der Story erwarten und sollte relativ resistent gegen Repetition sein, sei es was Quests oder Umgebungen angeht, sonst verliert sich der Spielspaß womöglich schon nach kurzer Zeit. An sich ein gutes Spiel, aber mit einigem Verbesserungsbedarf und ich bin auch nicht sicher ob es einen besonders großen Wiederspielwert gibt.
Das beiligende Handbuch ist übrigens auch nicht gerade beeindruckend gewesen – um nicht zu sagen eher nutzlos, von der sehr kurzen Einführung in die Geschichte einmal abgesehen, da die Tutorial-Informationen leider nicht enthalten sind und man diese nur im Spiel selbst nochmals aufrufen kann; es ist nämlich ziemlich dünn und auch nur in schwarz weiß, Persona 3 Portable hat da zum Beispiel absolut mehr geboten. Den integrierten Online- (erfordert ein PSN-Konto) oder lokalen Koop-Modus konnte ich leider nicht austesten, da mein Internetrouter meine PSP nicht unterstützen will, aber ich stelle mir vor, dass der Koop-Modus das Ganze aufwertet, wenn man mit bis zu drei anderen realen Spielern die Instanzen durchläuft. Wenn man White Knight Chronicles II für die PS3 hat, kann man außerdem über die Verbindung der Spiele ein paar Boni freispielen.












