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Tearaway – Willkommen in der World of Papercraft!

von am 3. Dezember 2013
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Lesezeit: 5 MinutenDas neueste Schaffen der LittleBigPlanet-Entwicklerschmiede Media Molecule ist wohl eines der ungewöhnlichsten Projekte die ich in letzter Zeit spielen durfte. Vollgepackt mit Features, die die PS Vita-Hardware voll ausschöpfen, nimmt euch Tearaway mit auf eine kuriose Reise. Damit ihr ein gutes Gefühl für das Spiel bekommt, druckt ihr euch diesen Artikel am Besten auf umweltfreundlichen Papier aus und lest dort weiter.

Ich und das Papier

Die Geschichte ist eigentlich simple, wie sie kaum sein könnte: Am Anfang wählt ihr das Geschlecht eurer Hauptfigur. Iota heißt die männliche Version, während das weibliche Pendant die Buchstaben vertauscht und auf den Namen Atoi hört. Entsprechend meines Geschlechts habe ich also Iota auf dieser merkwürdigen Reise begleitet. Der Kopf von Iota ist gleichzeitig ein Briefumschlag mit einer Nachricht, die an mich adressiert ist. Ganz recht, der Spieler selbst ist ein wichtiger Bestandteil der Story und des Spielgeschehens! Ziel des Spiels ist es, Iota auf seiner Reise durch die Welt von Tearaway zu begleiten und unterstützend einzugreifen – schließlich will ich ja wissen, was in dieser Nachricht steht!

Paperboy auf Abwegen

Im Kern ist Tearaway ein 3D-Jump’n’Run. Iota steuert ihr zunächst ohne weitere Spezialfähigkeiten durch die Welt und lernt Abschnitt für Abschnitt weitere Aktionen wie Springen, Greifen oder Rollen dazu. Ihr bekommt sogar noch eine “Waffe” in Form eines Akkordeons mit Loch im Balg (!). Es gibt natürlich einen Haufen Sammelzeug und versteckte Items zu finden, wobei euch das Spiel in keinster Weise zwingt alles mitzunehmen. Gegnervielfalt wird nicht gerade groß geschrieben, so dass ihr die meiste Zeit wirklich nur damit verbringt, durch die Levelparcours zu latschen. Großartig verlaufen könnt ihr euch glücklicherweise nicht, denn weitläufige Areale sind eher selten und selbst dann findet man den richtigen Weg so gut wie immer. Unendlich Leben, unmittelbare Rücksetzpunkte und gänzlich fehlende Bossgegner sorgen zudem dafür, dass ihr von Tearaway nie gefordert werdet. Das hört sich alles bisher vielleicht gar nicht so besonders spannend an, aber der eigentliche spielerische Clou kommt noch: Neben den typischen Videospiel-Marotten werdet ihr höchstpersönlich permanent Hand anlegen müssen, um Iota heil durchzubringen.

Tearaway PS Vita trailer

Gott sieht vom Klo aus zu

Erinnert ihr euch noch an die Teletubbie-Sonne mit dem Baby-Gesicht? Ich hätte nie gedacht, dass ich mal aus so einer Sonne heraus doof guckend auf die Welt herabschaue. Tearaway macht es möglich: Ihr als PS Vita-tragender Spieler werdet mit dem schlichten Namen “Wesen” als Gottheit verehrt. Die Kamera der PS Vita filmt euch live beim Spielen und lässt eure Aufnahme innerhalb der Spielumgebung immer mal wieder im Rahmen einer Sonne am Himmel erscheinen. Das ist ohne Frage sehr ulkig, speziell wenn ihr zum Beispiel gerade auf dem Klo sitzt. Gott sein mit Niveau, sag ich da nur! Ihr werdet zudem stellenweise aufgefordert, Selbstporträts oder Fotos von eurer Umgebung zu schießen. Da diese Fotos im späteren Spielverlauf immer wieder mal die Levelbauten zieren, sind auch hier lustige Aha-Momente garantiert! Doch das ist nur eines von vielen Features, mit denen Media Molecule es im Handumdrehen gelingt, durch die PS Vita-Hardware die vierte Wand zu durchbrechen.

Der heilige Stinkefinger

Des öfteren wird Iota über Böden entlangspazieren, die vom Muster her dem Rückseitentouchpad der PS Vita täuschend ähnlich aussehen. Und tatsächlich könnt ihr durch einen beherzten Druck auf die Rückseite mit eurem Finger durch den Boden des Spiels brechen und somit Papierblöcke verschieben oder Gegner aus dem Spielfeld schleudern. Sind die PlayStation-Symbole des Touchpads über eine Trommel gespannt, könnt ihr durch die Berührung der Rückseite nicht nur musikalisch Einfluss nehmen, sondern auch Iota auf höhergelegene Ebenen schleudern. Auf dem Touchscreen könnt ihr euch natürlich auch austoben und markierte Bereiche wie in einem Zieh-Klappbuch lustig hin- und herziehen. Sixaxis-artige Spielereien dürfen natürlich auch nicht fehlen. Neben LittleBigPlanet PS Vita ist Tearaway ein Paradebeispiel, wie man Hardware-Gimmicks sinnvoll in ein Spiel implementieren kann!

Nach der Spielstunde folgt die Bastelstunde

Obwohl ihr in Tearaway eine maßgebliche Rolle spielt, könnt ihr umgekehrt auch die Spielfiguren dieser Papierwelt in die Realität verfrachten: Im Spiel habt ihr die Möglichkeit, durch das Fotografieren blasser Papierbauten dessen Modell freizuspielen. Über euer Spielerprofil könnt ihr dann auf der Homepage von Tearaway dieses Modell ausdrucken und nachbasteln. Doch auch im Spiel selbst dürft ihr euch immer wieder kreativ austoben. Wiederkehrende Spielfiguren könnt ihr nach eurem Gusto gestalten: Augen, Mund, Körperschmuck – wer mit dem vorliegenden Portfolio an Mustern nicht glücklich wird, kann sogar selber mittels Bastel-Editor zeichnen, schnibbeln und aufkleben. Das Ganze funktioniert dank Touchscreen wunderbar einfach, wirkt ungezwungen und selbst als Bastelmuffel fühlt man sich nicht genervt. Ein zweistündiges Tutorial wie in LittleBigPlanet braucht ihr also nicht befürchten.

Tearaway - Official Launch Trailer

Paper Mario würde vor Neid erblassen

Was die grafische Qualität des Titels angeht, ist das Gebotene schlichtweg atemberaubend. Auch wenn technisch keine Bäume ausgerissen werden, haut das Artdesign einen von den Socken. Alles, aber wirklich alles in diesem Spiel wirkt, als ob man es mit Papier nachbauen könnte. Die Papercraft-Welt gepaart mit dem skurrilen Artdesign von Rex Crowle ist in dieser Form absolut einzigartig und macht schon beim Zuschauen Spaß. Dies fängt schon bei liebevollen Details wie Geschwindigkeitsstreifen aus Papier an, die ihr beim schnellen Rollen hinter euch her zieht. Jedes Areal übertrifft sich mit neuen, schönen Ideen und kreativen Einfällen. Einen Hafen mit wabernden Wellen aus Papier könnt ihr euch nicht vorstellen? Nach diesem Spiel könnt ihr es. Die spielerischen und grafischen Ideen geben sich hier die Hand: Sei es ein Klebestreifen, wodurch ihr auch an Wänden entlanggehen könnt oder ein im Wind waberndes Blatt, was als Hindernis überwunden werden muss. Es gibt so viele Wow-Momente, die ihr am Besten selber erleben solltet, als dass ich sie hier aufzähle. Wer sich jedoch nur von mächtigen Explosionen beeindrucken lässt, wird hier nicht fündig. Der Look von Tearaway ist auf ganzer Linie Independent.

Kopfhörerpflicht

Genauso verspielt kreativ und dabei gekonnt wie das grafische Papiergewand kommt der Soundtrack rüber. Euch erwartet eine musikalische Mischung aus irischer Folklore, Dubstep, Big Beat und Elektronica. Teils sind die Tracks zwar wirklich schräg, größtenteils aber toll gelungen, sauber produziert und lassen euch schnell nach einem auf CD gepressten Soundtrack schreien. Überhaupt ist das ganze Sounddesign gelungen: Raschelndes Papier, sphärische Ambient-Sounds und professionelle (auch deutsche) Sprecher lassen euch schnell nach euren besten Kopfhörern greifen. Leider gibt es keine volle Sprachausgabe, da die Bewohner der Papierwelt allesamt die Zelda-Sprache quasseln. Lediglich die Erzählerstimmen lassen von sich hören, aber das sind wir von LittleBigPlanet bereits gewohnt.

Fazit: Ein Traum aus Papier

Zugegeben, das eigentliche Spiel funktioniert als reines Jump’n’Run gesehen eher mittelprächtig, hat die üblichen nervigen Kameraprobleme und ist viel zu einfach geraten. Aber man kann nach dem Durchspielen nicht anders als die Entwickler ganz fest ins Herz zu schließen. Durch die Einbindung der PS Vita-Hardwarefeatures in Kombination mit der fantastischen Papercraft-Welt ist ein dermaßen tiefer, kreativer Pool an Ideen entstanden, wie man ihn als Zocker heutzutage selten vor Gesicht bekommt. Obwohl das Spiel ohne Altersbeschränkung freigegeben ist, würde ich Tearaway eher jungen und älteren Erwachsenen empfehlen. Gerade gegen Ende kommt das Spiel einem sprirituellen Esoterik-Trip gleich und wird wirklich verdammt abgefahren. Die Reise des kleinen Iota bzw. der Mädchenvariante Atoi ist nach knapp acht bis zehn Stunden leider schon wieder vorbei und bietet mangels Multiplayer-Modi kaum Wiederspielwert. Allerdings sollte sich kein PS Vita-Besitzer diesen Titel entgehen lassen, der schon mit ähnlich einfachen aber unvergesslichen Spielen wie Journey oder rain seinen Spaß hatte!

Jetzt haben wir euch aber den Mund wässrig gemacht oder? Dann bestellt Tearaway doch direkt über unseren IKYG-Shop oder bei Amazon.de!

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