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Returnal – Kill, die, repeat

von am 19. Mai 2021
DETAILS
 
Spieldauer:

10-15 Stunden

Für Fans von:

The Binding of Isaac und allen anderen Rogue-Likes

Amazon-Link:

amzn.to/2Mw4n8m WERBUNG

Pluspunkte

+ dichte Atmosphäre
+ audiovisuell beindruckend
+ herausfordernd
+ nonlineare, interessante Story
+ viel zu entdecken

Minuspunkte

- potenziell sehr frustierend
- keine Speichermöglichkeit
- sehr seltene Clipping-Fehler

Editor Rating
 
GAMEPLAY
9.0

 
GRAFIK
10

 
SINGLEPLAYER
9.0

 
MULTIPLAYER
0.0

 
SOUND
9.0

Gesamt-Wertung
9.0

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Zusammenfassung
 

"Returnal" ist ein knallhartes Roguelike mit dem Budget eines AAA-Titels ausgestattet. Großartiges Gameplay trifft auf brutale Gegner, tadellose Technik trifft auf Permadeath. Wenn man weiß, worauf man sich mit "Returnal" einlässt, erhält man einen der interessantesten Titel des Jahres und das bisher beste PS5-Exclusive.

 

Lesezeit: 5 MinutenEs gibt Spiele, die Spaß machen. Es gibt Spiele, die weniger Spaß machen. Und dazwischen herrscht ein sehr breites Spektrum an Geschmacksrichtungen. Zum Beispiel kann ein Spiel so leicht wie ein Spaziergang im Park sein und dennoch unterhalten – nennen wir es “Bourbon Vanille Eis mit Schokosoße”. Dann gibt es diese Spiele, welche zwar eine gewisse Herausforderung bieten, jedoch absolut mediokre sind – nennen wir diese Kategorie Gears of… äh, ich meine “ungetoastetes Brot mit Margarine”. Doch zu welcher Kategorie zählt der neueste Exklusiv-Titel für die PS5? Nach mehreren Sessions würde ich Returnal wohl unter “ein etwas zu scharfes, aber dennoch leckeres Chili con Carne, nachdem ich vom Linienbus angefahren wurde” einordnen. Je nach Sympathie mir gegenüber könnte der Leser das als durchaus positive Aussage auffassen. Aber ich werde euch selbst die Antwort liefern.

Returnal - The Tide (Launch Trailer) | PS5


Ellen Ripley mit noch weniger Glück

Doch worum geht es in Returnal? Eine Fehlfunktion, ein Absturz, ein fremder Planet. Ohne irgendeine Erklärung beginnt unser Abenteuer um die Astronautin Selene auf einem dunklen, dicht bewachsenen Terrain. Das Raumschiff ist erst mal nicht zu gebrauchen, also begeben wir uns zu Fuß auf Erkundung. Nach wenigen Minuten findet sie eine menschliche Leiche, bei der etwas nicht stimmt. Dieser Raumanzug, die Statur und… mehr möchte ich nicht verraten. Und ja, das ist ein extrem kurzer Anriss der Story. Doch finde ich, dass die Geschichte von Returnal ihre Muskeln spielen lassen kann, wenn man als Spielender so ahnungslos wie möglich an die Sache herangeht. Glaubt mir, es lohnt sich. Auch wenn ich nicht noch mehr zum Geschehenen erzählen möchte, fühlt sich das gesamte Spiel wie eine längere Folge der Netflix-Serie Love, Death + Robots an – und das ist absolut als Kompliment zu sehen.

Einen erzählerischen Kniff bietet Returnal ebenfalls: denn wir erleben die Geschichte unverhofft mehrere Male. Wir durchlaufen den Prozess dutzende Male, gehen durch die gleichen Areale, bekämpfen die gleichen Gegner und lernen im besten Fall wieder eine neue Information, ein neues Puzzlestück, welches hoffentlich eines von den unzähligen Fragezeichen ersetzt. Da wir über das gesamte Spiel keinen menschlichen Gegnern oder NPCs begegnen und dadurch keine Kommunikation mit anderen Wesen – außer dem gegenseitigen Töten – stattfindet, sind wir gezwungen, die Geschehnisse aus der Sicht von Selene zu erleben und dem ihrem Narrativ mangels Alternativen ebenfalls zu vertrauen. Doch mit jedem Stück Klarheit kommt auch wieder ein Stück Ungewissheit dazu – eine straighte Story erleben wir während unserer Durchläufe definitiv nicht.

 

Dich habe doch schonmal gekillt?

Returnal ist ein Roguelike. Das bedeutet, neben einer fehlenden Speichermöglichkeit und einem brutalen Schwierigkeitsgrad, dass der Tod des Hauptcharakters zugleich das Ende diese Spieldurchlaufes ist. Zu den bekanntesten Vertretern dieses Sub-Genres zählen The Binding of Isaac, FTL: Faster Than Light und zuletzt das großartige Hades. Returnal gehört definitiv in diese Riege und ist wie seine Genrekollegen unerbitterlich, hart und zermürbend. Spielende müssen wissen, worauf sie sich einlassen, denn wer mit falschen Erwartungen an Returnal rangeht, könnte sehr schnell nach der Quittung suchen und versuchen, es im Elektrofachhandel seines Vertrauens zurückzugeben. Die Alien-Ggegner bewegen sich schnell, haben verschiedene Angriffsformen, agieren im Verbund und richten so verdammt viel Schaden an. Zeitweise ist man wie zu “besten” Dark Souls-Zeiten mehr mit Ausweichen, als mit Schaden anrichten beschäftigt. Habe ich schon erwähnt, dass Returnal schwer ist?

Doch es nicht alles verloren, sollte man das virtuell Zeitliche segnen. Also doch. Na ja, fast. Lasst es mich erklären: da früh klar gemacht wird, dass Selene das Ganze immer wieder durchlebt, bleiben Dinge in ihrem Kopf (sprich: Items, Schnellreisepunkte etc.) hängen. Zum Beispiel verliert sie zwar all’ ihre Ausrüstung und die Rohstoffe, doch behält sie ihre Nahkampfwaffe nach der Entdeckung ab jetzt immer, was eine große Hilfe ist. Auch muss sie nicht alle Biome (= Level) von vorne durcharbeiten, sofern sie den Boss in dem jeweiligen Biom besiegt hat – per Schnellreise geht es schon in das Nächste. Diese Strategie ist jedoch nur bedingt zu empfehlen, da viele potenzielle Ressourcen und Waffen eventuell nicht gefunden werden würden. Gleichzeitig sinkt dadurch die Wahrscheinlichkeit, in den vorherigen Biomen in willkürlich unmögliche Zwischengegner-Räume geworfen zu werden und dieses Leben wieder erneut zu beginnen. Die Abwägungen bleiben hierbei den Spielenden selbst überlassen, eine optimale Taktik gibt es hier nicht.

Roguelike mit Budget

Wie schon erwähnt, handelt es sich bei Returnal um ein Space-Roguelike. Was es allerdings von anderen Vertretern unterscheidet, ist die Produktionsqualität. Denn wenn man jetzt das Demon’s Souls-Remake und den Ableger Spiderman: Miles Morales außen vor lässt, ist Returnal einer der wenigen PS5-exklusiven Titel. Und Sony IE hat viel Liebe und noch mehr Geld hier reingesteckt. Was man an visueller Qualität auf seinem Fernseher zu sehen bekommt, muss sich vor keinem aktuellen Titel verstecken. Vielmehr wird der Konkurrenz gezeigt, wie gut Next-Gen aussehen kann. Es fängt bei den butterweichen 60fps an, geht über scharfe Texturen und endet bei der beeindruckten Beleuchtung. Dieses Spiel ist einfach nur wunderschön in seiner Hässlichkeit – es sendet sehr starke Alien-Vibes. Apropos Aliens: diese verdienen mit ihrem Design keinen Innovationspreis, doch bewegen sie sich so grazil und gleichzeitig bedrohlich, dass man schon Angstschweiß auf der Stirn hat, sobald man ein Areal betritt und auf seiner Minimap die vielen roten Punkte sieht. Und wir fangen besser gar nicht bei den Bosskämpfen mit ihren fantastischen Partikeleffekten an.

Das Leveldesign ist ebenfalls einfach nur großartig. Wieder erinnert es an den Genreprimus The Binding of Isaac mit seinen verschiedenen Arealen und Räumen, die entweder ein hilfreiches Item oder einen absolut unfairen Gegner beinhalten können. Doch neben den eventuellen Herausforderungen bieten die Räume in ihrer Ästhetik viel zum Erforschen. Was sind das für Eier? Welche alte Alienrasse hat überall diese gewaltigen Statuen errichtet? Was genau steht an den Wänden und Felsen? Wer Prometheus gesehen hat, weiß auf jeden Fall, woher die Entwickler die Inspiration genommen haben. Und ähnlich wie in dem Hollywood-Film bleiben einige Fragen wohl auch bis zum Schluss unbeantwortet. Habe ich Selenes Haus erwähnt, welches zwischendurch einfach auftaucht? Nein? Dann werde ich auch hier nicht darauf eingehen. Der Soundtrack sollte aber hier noch Erwähnung finden. Neben dem kristallklaren Sound und den stressigen Alien-“Geräuschen” sorgt die sehr minimalistische Musik für eine perfekte Atmosphäre, ohne sich unnötig in den Vordergrund zu kämpfen.

Ein Must-Have für Masochisten

Ein Testfazit soll ja gleichzeitig auch als Kaufempfehlung oder Warnung dienen. Deswegen tue ich hier genau das. Ich rate euch von Returnal absolut ab, wenn ihr ein actiongelades Alien-Abenteuer mit stringenter Story haben und zugleich ungern Frustmomente erleben wollt. Wenn ihr nach einem langen Arbeitstag eine Stunde lang die Konsole anschmeißen und milde unterhalten werden wollt: macht einen Bogen um dieses Spiel. Ihr werdet nicht glücklich damit und die 79,99€(!) Neupreis absolut bereuen. Wenn ihr aber schon Erfahrung mit Roguelikes gesammelt habt, eine echte Herausforderung sucht und gerne auf Granit beißt, gibt es im AAA-Sektor kein besseres Spiel als Returnal. Denn trotz der ganzen Rückschläge, Frustmomente und schier unfair wirkenden Segmente ist das Gefühl des Triumphes ein anderes als bei anderen Blockbustern. Wer – wie ich – denkt, dass die großen Videospiele mit den Jahren immer wässriger und spielerfreundlicher geworden sind, aus Angst vor frustierten Kunden, so viele Sicherheitsnetze in ihre Spiele einbauen und dadurch alle Herausforderung obsolet geworden sind. Japp, diesen Leuten kann ich Returnal nur empfehlen. Ihr werdet es hassen, ihr werdet es lieben.

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