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Colin McRae DiRT 2 – Überflieger oder Bruchpilot?

von am 13. Januar 2010
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Lesezeit: 8 MinutenBesser spät als nie! In der heißen Weihnachtsphase kamen wir gar nich hinterher mit den Spielen, die wir testen sollten. Daher habe ich mir unfreiwillig einen besonderen Titel für Anfang Januar aufgehoben. Ein Spiel, bei dem ich mir sicher war, dass es mir gefallen würde und bei dem es schwer sein würde, seinen eigenen Vorgänger zu übertreffen. Die Rede ist von Colin McRae: DiRT 2 aus dem Rennstall von Codemasters. Rein in den Rennoverall und hinter’s Lenkrad gesetzt!

Auch nach dem tragischen Unfalltod von Ausnahme-Rallye-Pilot Colin McRae im September 2007, also kurz nach dem Erscheinen des ersten DiRT-Teils, bleibt er die Galleonsfigur von Codemasters Rallye-Simulation. Hält man die Verpackung des Spiels in Händen, wird einem sofort die schrille Aufmachung auffallen. Giftgrünes Boxart und poppige Schnörkeleien. Und genauso gestaltet sich auch das Spiel. Namensgeber und gedanklicher Vater des Spiels bleibt McRae, allerdings empfängt uns im Spiel natürlich nicht ein Konterfei von ihm. Da begrüßen uns Personen, die wir eigentlich nicht in erster Linie mit dem Rallye-Sport in Verbindung bringen. Drift-King und Erfinder der Skater-Schuhmarke DC Shoes, die Extremsportler Travis Pastrana und Dave Mirra, um nur drei der Protagonisten zu nennen. Sie führen uns in ein völlig neues DiRT 2 ein.

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Denn DiRT 2 ist nicht länger der typische WRC-Rallye-Zirkus. In der Tat, hat der Titel nicht mehr viel mit der WRC zu tun, was wirklich ein wenig schade ist. Aber dazu später mehr. Wir sind ein hoffnungsvoller Nachwuchsfahrer, der mehr oder weniger zufällig in den Besitz eines Subara Impreza STI Group N gekommen ist, den Großmeister McRae einmal gefahren ist. Mit diesem Vehikel und einem etwas gammeligen, aber charmanten Wohnwagen reisen wir nun um die Welt, um unser fahrerisches Können unter Beweis zu stellen. Der Wohnwagen ist die Homebase unseres Rennstalls und zentraler Menüpunkt des Spiels. Von hier aus suchen wir den nächsten Stopp unserer Tour aus, können Statistiken abrufen, oder in den Multiplayer-Modus switchen. Hier zeigt sich bereits, wie gut durchdacht das Spiel ist. Durch die getönten Scheiben lässt sich das Treiben draußen bereits erahnen, das Innere des Wagens ist stimmig: leicht speckig und dreckig, mit Details von der Winkekatze auf dem Schreibtisch, überall herumliegenden Rallye-Zeitschriften, bis hin zum Ausgang mit den obligatorischen Fransen-Türvorhängen.

Verlassen wir unseren Wohnwagen, stehen wir plötzlich mitten im festival-artigen Trouble, mit im Hintergrund agierenden Live-Bands, Feuerwerk, Übertragungswagen, hunderten von Besuchern, die zwischen den Fahrerlagern herumflanieren, wehende Werbebanner und eine meist spektakuläre Hintergrundkulisse. Unser Lager besteht aus jeder Menge Camping-Tischen (hier werden die Wagen für das nächste Event ausgesucht und angepasst, werden Nachrichten abgerufen und Optionen eingestellt), dem Wohnmobil selbst, jeder Menge Werkzeug-Schränke und Rollcontainern, sowie einem Unterstand für unseren Wagen. Die Atmosphäre ist toll. Laut, schrill, poppig und ziemlich cool. Man hat ein wenig das Gefühl Rockstar zu sein, der mitten auf einem Festival-Gelände campiert.

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Wie viele Rennen und Modi gibt es?

Zu Begin steht uns als Rennschauplatz nur London zur Verfügung. Das ändert sich allerdings ziemlich schnell. Nach ein paar Stunden hat man alle neun Schauplätze (Europa: London, Kroatien, Marokko – Asien: Japan, China, Malaysia – Amerika: Utah, Baja, L.A.) freigespielt. Je nach Abschneiden in den einzelnen Rennen schalten sich weitere Events – abhängig vom Fahrerlevel – frei. Insgesamt kommt DiRT 2 so auf 91 Events mit unterschiedlich vielen und langen Rennen allein in den neun Schauplätzen.
Dann gibt es noch die X-Games, die es in der Europa-Fassung gibt, die aber auch in Asien und Amerika ausgetragen werden. Dabei werden jedes Mal drei Rennen in unterschiedlichen Disziplinen und an den drei Schauplätzen des Kontinents ausgetragen. Außerdem kommen noch fünf Welt-Tourneen in den fünf Spielmodi Rally, Trailblazer, Raid, Landrush und Rallycross an. Die kommen insgesamt noch mal auf 19 Rennen.

Die obenerwähnten Spielmodi sehen wie folgt aus:
Rallye: Der ganz normale Rallye-Wahnsinn, bei dem euch euer Beifahrer sagt, was euch hinter der nächsten Kurve erwartet, die wir mit 150 Sachen nehmen.
Trailblazer: Highspeed-Rennen über lange, offene Einzeletappen. Hier wird am absoluten Limit gefahren.
Raid: Alle acht Fahrer starten zur selben Zeit, gefahren wird im Gelände auf Strecken, die Weggabelungen und alternative Pisten haben. Oftmals wird eine vermeintliche Abkürzung zur echten Herausforderung.
Landrush: Die Anarcho-Disziplin. Rennen auf verrückten Staubpisten mit jeder Menge Sprünge, Kurven, Kehren, Pfützen und sonstigen Schikanen. Alle Fahrer starten zur gleichen Zeit.
Rallyecross: Eng, flach, sauschnell und wild. So sind die Rennen dieser Kategorie, die meist in Industrieruinen rund um den Globus ausgetragen werden und eine Mischung aus Asphalt, Schotter und Matsch bieten.

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Dann kommen noch drei Spezialmodi hinzu. Bei GateCrasher-Rennen müssen auf der Piste verteilte Styropor-Tore kaputtgefahren werden. Im Hintergrund tickt die Uhr runter. Jedes zerstörte Tor bringt zwei Sekunden extra. Ist die Zeit rum, bevor man im Ziel ist, ist der Ofen aus.
In Domination geht es darum in den einzelnen Sektoren möglichst weit vorne zu sein und der Position entsprechend Punkte einzuheimsen. Die Rennen gehen mehrere Runden. Wer die meisten Punkte hat, gewinnt. Zuletzt gibt es noch Last Man Standing. Das erklärt sich eigentlich selbst: ein immer wiederkehrender Countdown kündet das Ausscheiden des aktuell letzten Fahrers an, bis nur noch einer übrig ist.

Der Fuhrpark

Beim Fuhrpark erwartet DiRT-Veteranen eine echte Überraschung, nämlich eine Schrumpfung! Gerade mal 25 Fahrzeuge wurden dem Spiel verpasst. Klassen, wie die Rallye-Trucks oder die Rallye-Klassiker wurden komplett gestrichen, in den anderen Klassen wurde zusammengerückt und abgespeckt. Es glänzen natürlich immer noch Wagen wie der Subaru Impreza STI, Mitsubishi Evo X und der Colin McRae R4 auch noch andere Offroad-Fahrzeuge wie Buggys, Raid T1 (Mitsubishi Lancer, VW Tuareg 2), Stock Baja (Toyota F2 Cruiser, Hummer HX) und nicht zuletzt die Trophy Trucks (Chevrolet Silverado, Dodge Ram). Neben freischaltbaren Lackierungen und Dekorationen für den Rückspiegel und das Armaturenbrett gibt es auch noch ein Feature zum Aufrüsten der Autos, dass ich nicht ganz nachvollziehen kann: Hupen.
Ja Hupen! Verschiedene davon kann man freispielen und anschließend damit rumhupen. Die Frage “Warum?” hallt hoffentlich nicht nur in meinem Gehirn wieder!
Die einzelnen Wagen müssen im Laufe der Veranstaltungen immer wieder modifiziert werden. So wird aus dem Rallye-Wagen von eben blitzschnell ein Rennfahrzeug für den Trailblazer-Mode. Die Modifizierungspakete kosten tüchtig Kohle, daher sollte man seinen Fuhrpark relativ klein halten, um alle Wagen ausrüsten zu können. Und wer in der Weltrangliste aufsteigt muss auch Leistungspakete dazukaufen, um die Wagen konkurrenzfähig zu halten.

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Jetzt aber rein ins Cockpit

Herrlich! Der Fahrspaß bei Colin McRae DiRT 2 ist enorm! Das Geschwindigkeitsgefühl ist verdammt realistisch, bei Trailblaze-Rennen kriegt man nicht selten den Tunnelblick, wenn die Tachonadel um die 200 km/h rangiert. Die Fahrphysik ist super! Jeder Wagen fährt sich anders, obwohl es nur drei technische Unterscheidungsmerkmale (Höchstgeschwindigkeit, Beschleunigung und Fahrverhalten) gibt. Je nach Modus stellt sich neben dem typischen “Juchu, ich fahre ein Rallye-Auto”-Gefühl auch ein gewissen Need For Speed-Feeling aus den guten alten Tagen jener Serie ein. Da entfaltet das Spiel seine deutlichere Ausrichtung auf den Arcade-Faktor, was aber nichts daran ändert, dass der Fahrspaß kontinuierlich hoch und der Anspruch an das eigene Können nicht gesunken ist.

Die sechs Schwierigkeitsgrade sind fließend und werden durch das Schadensmodell – das nur optisch sein kann, oder sich vollständig (bis hin zum Totalschaden) auf das Fahrzeug auswirkt – und durch das Fahrzeug-Setup ergänzt werden. Die Karriere bietet Unmengen an Spielstunden und jede Menge Fahrspaß. Die Abwechslung im Spiel kommt durch die vielen verschiedenen Modi, sowie die wirklich sehr unterschiedlich gestalteten Rennstrecken (Industrie-Ruinen, dichter Dschungel, staubige Wüsten, Bergregionen, atemberaubende Felsformationen, etc.) zu stande. Die Kampagne ist das Herzstück des Spiels. Ein klein wenig ist es schon schade, dass der WRC-Einfluss auf das Spiel komplett wegfällt. Man hätte quasi als Bonus einen zweiten Kampagnen-Modus einbauen sollen: die WRC-Meisterschaft. Das wäre das Tüpfelchen auf dem “i” gewesen. Aber irgendwas muss ja noch für DiRT 3 an Verbesserungen übrig bleiben!

Das gilt auch für die künstliche Intelligenz des Spiels. Hier ist mir persönlich der Rempel- und Rumpelfaktor ein wenig zu groß, was besonder dann unheimlich nervig ist, wenn dir einer der NPCs im vollen Galopp ins Heck rauscht. Ist das Schadensmodell nicht auf “nur optisch” geschaltet, kämpfst du von nun an einen aussichtlosen Kampf, weil dein Wagen nicht nur aussieht wie eine von Frankensteins Kreationen, sondern auch noch massive technische Probleme hat. Eine Prise wenig Rüpelkraut dürfte es bei DiRT 3 gerne sein!

Optik & Atmosphäre

Atemberaubend! Nicht nur, dass Fahrzeuge und Landschaften wirklich detailverliebt und ultrarealistisch gestaltet wurden, nein, sie sehen dank einer ganzen Reihe von Effekten auch einfach super aus. Ist der Wagen zu Beginn eines Rennens noch schön sauber, sieht er am Ende dank all dem feinen umherfliegenden Staub, so aus, wie ein Rallye-Wagen auszusehen hat. Ich fasse es kurz zusammen: so gut, sah bisher noch kein Rallye-Spiel aus! Matschige Texturen und Einheitsbrei sucht man vergeblich. Jeder Baum, jeder Zuschauer, jeder Fels, jeder Schotterstein, jeder Steinschlag an der Karosse, oder Riss in der Scheibe sieht super aus. Die Krönung der grafischen Pracht ist allerdings der Wassereffekt. Fährt man durch eine der vielen Pfützen oder Flussbetten spritzt das Wasser physikalisch korrekt auch auf die Frontscheibe. Der Zerlauf-Effekt des Wassers, gepaart mit der kurzzeitigen Unschärfe, bis hin zur Sekunde, in der der Scheibenwischer mit Schlieren das Wasser verwischt… einfach super gemacht. Ich habe mich dabei erwischt, dass ich gerne in der Wiederholung in die Cockpitperspektive wechsle, wenn eine Pfütze kommt.
Fantastisch ist die Interaktion im Spielgeschehen.

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Nicht nur, dass sich die Fahrer in direkten Rennen gegenseitig anfunken, wenn etwas passiert ist, sondern auch, dass man mit dem eigenen Namen angesprochen wird sorgt für einen Link zwischen Spieler und NPCs. Rempelt man in einem direkten Zweikampf einen anderen Fahrer an, wird sich dieser persönlich mit dir in Verbindung setzen. Wie oft habe ich ein entsetztes “Daniel, war das mit Absicht?” gehört!? Oder eine gehässige Bemerkung, wenn man einen Abflug hingelegt hat? Oder ein “Ach ist doch nur ein Kratzer!”.
Die Zuschauer am Wegesrand jubeln nicht einfach nur und sehen nett aus, sie fotografieren dich, beim vorbeifahren, schwenken Flaggen und springen sogar vor Schreck zurück, wenn du ihnen zu nahe kommst. Das alles sorgt für Authentizität beim Rennen.

Der Multiplayer-Part

Hier wurden im Vergleich zum Vorgänger gleich ein paar Schippen Kohle nachgelegt. In öffentlichen Renn-Sitzungen kommt zwar immer noch das Abstimmungssystem zum Einsatz, doch hat der Host mehr Rechte. Welche Fahrzeuge, welche Strecken, zu welchen Konditionen gefahren werden bestimmt er. Sogar in die Zukunft lassen sich Rennevents anlegen. Insgesamt fünf Rennen im Voraus lassen sich so planen. Definieren lässt sich so ziemlich alles für die Onlinerennen. Schadensmodell? Kollisionen? Cockpit-Perspektive? Alles eine Frage der Einstellung.

Neben den Einzelrennen gibt es auch eine Online-Karriere mit Rangliste in der man alleine, oder mit anderen Fahrern im Team agieren kann.
Einzig und allein die Tatsache, dass man scheinbar nicht an die User gedacht hat, die gerne mal mit dem Kumpel zu Hause auf der Couch ein Splitscreen-Rennen fahren würden, nervt. Hat denn heutzutage niemand mehr Freunde, die er zum Zocken zu sich nach Hause einlädt?

Fazit

Optisch, atmosphärisch und spielerisch ist dieses Spiel wirklich ganz großer Sport! Die Präsentation des Spiels, die Spielmodi und der Umfang lassen eigentlich auch keine Wünsche offen. So abwechslungsreich waren Rennstrecken selten. Allerdings vermisst man Rennen im Schnee, oder bei strömendem Regen. Technische Unzulänglichkeiten, wie Slowdowns oder Bugs, habe ich keine bemerkt. Die Motivation beim Spielen ist durch immer neue Events, Rennen und Tourneen sehr hoch, der Wiederspielwert durch sechs Schwierigkeitsgrade für ein Rennspiel ebenfalls sehr hoch. Nicht geschadet hätte dem Spiel ein klein wenig mehr Nähe zur WRC, ein paar mehr Fahrzeuge, ein Split-Screen-Modus und die Möglichkeit seine Rennen und die damit verbundenen Wiederholungen speichern zu können, um sie Freunden oder gar der Community zeigen zu können. Das ist allerdings auch schon alles, was man an Negativem über das Spiel sagen kann. Denn ansonsten bekommt man mit Colin McRae: DiRT 2 ein wirklich erstklassiges Rennspiel!

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