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Call of Duty: Black Ops Declassified – Vitabelebung oder Schuss in den Ofen?

von am 27. November 2012
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Nihilistic Software, die Zweite: Nach Resistance: Burning Skies versucht sich der amerikanische Entwickler jetzt abermals an einer PS Vita-Version einer großen Shootermarke. Und die Marke lässt gestandene Fans wahrlich vor Ehrfurcht erstarren: Call of Duty. Ob der Titel besser abschneidet als das mit gutem Willen nur durchschnittliche Resistance: Burning Skies? Nach zig verbrauchten Akkuladungen kann ich euch die Antwort verraten. Jetzt noch nicht, aber gleich. Wehe, ihr scrollt jetzt ganz nach unten!

Story. Story? Sorry. No Story.

Die erste Enttäuschung werdet ihr schon kurz nach Beginn erleben: Es gibt keine klassische Call of Duty-Kampagne mit reißerischer Hollywood-Action und abgefahrenen Skript-Sequenzen. Stattdessen gibt es zehn kurze Operationen mit einer Spielzeit von je 5-10 Minuten, die insgesamt auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad wohl in etwa 45 Minuten durchgespielt sind. Ich betone deshalb den “niedrigsten Schwierigkeitsgrad” so deutlich, weil ihr auf Veteran schnell verzweifeln werdet: Es gibt nämlich keine Checkpoints innerhalb der Missionen. Da kann eine 10-minütige Mission auf dem Papier noch so kurz sein, wenn man nach neun Minuten kurz vor Schluss abgeknallt wird und alles nochmal durchkauen muss, verliert man schnell die Motivation, in jeder Mission die maximal möglichen drei Sterne zu erreichen. Dazu gesellen sich in der “Kampagne” fünf Zeitattacken, die jeweils einen anders aufgebauten Shooting Range-Parcours darstellen. In Kombination mit den völlig zusammenhanglosen und wirren Storyeinlagen zwischen den Operationen, ist die Kampagne in diesem Shooterpaket leider das liebloseste Beiwerk geworden. Laut Entwickler Nihilistic Software wollte man mit dem Modell kurzer Missionen das Spiel besonders Handheld-freundlich gestalten, leider ging dieser Schuss völlig nach hinten los. Jeder moderne Shooter wäre Handheld-tauglicher, weil es in der Regel alle halbe Minute einen Checkpoint gibt, den ich beim späteren Spiel wieder aufgreifen könnte. Die Operationen sind für einen normalen Shooter zu kurz und andererseits für ein schnelles Spiel im Zug zu lang geraten. Zusätzlich sorgen die fehlenden Checkpoints eigentlich nur für unnötigen Frust. Zwischensequenzen können übrigens nicht abgebrochen werden und müssen bei jedem Neustart angeschaut werden. Die gehen zwar auch meistens nur 5-10 Sekunden, rauben euch bei mehreren Versuchen jedoch viel Lebenszeit, welche man andersweitig mit Sicherheit sinnvoller verbracht hätte.

Feinde, nichts als Feinde

Hinter dem fragwürdigen Namen “Feinde” verbirgt sich im Hauptmenü der meiner Meinung nach unterhaltsamste Einzelspielerspaß: Es handelt sich hierbei um einen relativ simplen Überlebensmodus, wo ihr schon wie in vorangegangenen Teilen oder anderen Shootermarken eine Gegnerwelle nach der nächsten überstehen müsst. Klar, das ist alles nicht neu und wurde anderswo schon wesentlich besser gemacht, aber es macht trotzdem Spaß! Die KI ist zwar nicht besonders intelligent (war sie das eigentlich jemals in Call of Duty?), kann euch aber bei Angriffen aus mehreren Richtungen schnell unter Druck bringen. Zwischen den Wellen bekommt ihr per Fallschirm immer ein Goodie in Form einer neuen Waffe, einem Luftangriff oder einer Selbstschussanlage. Ein Geldsystem zum Aufrüsten wie in Call of Duty: Black Ops oder Call of Duty: Modern Warfare 3 sucht ihr leider vergebens, daher fällt die endlose Schlacht ums Überleben hier wesentlich simpler aus. Sehr Schade: Dieser Modus kann nur alleine gespielt werden.

Mehr Spieler = Mehr Spaß?

OK, im Einzelspielermodus kann Call of Duty: Black Ops Declassified also nicht wirklich viel reißen. Aber wie sieht es im Multiplayer aus? Glücklicherweise etwas besser, wobei es ruhig mehr Modi hätte geben dürfen, denn wirklich aufregend ist das Gebotene nicht: klassisches Deathmatch, Team-Deathmatch, Abschuss bestätigt, Abwurfzone oder eine wechselende Kombination kann ausgewählt werden. In “Abschuss bestätigt” müsst ihr lediglich nach eurem Kill noch die verbliebene Hundemarke einsammeln und in “Abwurfzone” gilt es, einen zufällig generierte Punkt innerhalb der Map zu besetzen. Speziell im Mehrspieler-Modus wirkt Call of Duty: Black Ops Declassified wie ein inoffizieller Nachfolger von Resistance: Burning Skies: wenige Modi, viel zu kleine Maps und ein recht schlichtes Rangsystem. Das kommt mir leider alles sehr bekannt vor. Die wenigen Levelkarten sind allesamt sehr überschaubar und lassen kaum taktisches Vorgehen zu, da sich hier jeder Spieler auf die Füße tritt. Kaum wird man gespawnt, trifft man schon auf einen Gegner. Die komplette Snipergewehr-Waffenriege wird dadurch eigentlich völlig nutzlos, euer bester Freund ist hier aufgrund der engen Raumverhältnisse eine Schrotflinte oder ein starkes MG. Bleibt nur zu hoffen, dass neue und vor allem größere Maps per DLC nachgerüstet werden können. Das Gebotene an Mehrspieleraktion macht zwar durchaus Spaß, profitiert aber auch eindeutig von der Hardware, auf der es stattfindet. Ob ich so einen schlichten Multiplayer-Modus auf einer stationären Konsole lange zocken würde, wage ich zu bezweifeln. Für ein schnelles Match auf der PS Vita geht die sinnfreie Multiplayer-Erfahrung aber noch in Ordnung.

Zwei Sticks und ich bin glücklich

In Sachen Steuerung hat man sich hier eigentlich ganz gut am Vorbild orientiert. Die Empfindlichkeit musste ich zwar stark runterschrauben, aber im Grunde kann man das Spiel dank der PS Vita-Ausstattung prima wie einen normalen Shooter zocken. Auf unnötige Hardware-Gimmicks wurde (glücklicherweise) verzichtet. Der Touchscreen wird hauptsächlich nur für Granaten und das Messer verwendet. Beim Snipern kann man durch das Auflegen eines Fingers auf der Rückseite die Luft anhalten. Ganz nett, hätte man aber auch ganz weglassen können.

Call of Technik

Leider wirkt das Spiel auch technisch wie eine Fortsetzung von Resistance: Burning Skies, denn irgendwie sieht auch hier alles schrecklich kühl und unspektakulär aus. Es ist zwar nicht grottenhässlich, aber immer noch weit weg von dem, was eine PS Vita zu leisten vermag. Bei den Videos zwischen den Einzelspieler-Missionen wurde wohl auch wieder die Kompressionstechnik aus Resistance: Burning Skies verwendet. Die Folge sind verpixelte Videoartefakte, die in Zeiten von HD-Auflösungen eigentlich nur noch peinlich sind. Die Soundabmischung ist zwar grundsätzlich okay, aber viel zu leise geraten und selbst mit verstärkenden Kopfhörern nicht besonders druckvoll.

Fazit: Declassified

Der aktuelle Metascore von 32 zeigt, wie sehr dieses Spiel von Kritikern aus aller Welt momentan zerrissen wird. Ganz so schlimm fand ich den portablen Ruf zum Dienst zwar nicht, wirklich umgehauen hat mich Nihilistic Software hier aber ebenso wenig. Ich glaube, es kommt ganz auf die Betrachtungsweise an, wie dieser Titel bewertet wird. Wer ein Call of Duty wie auf der großen Konsole erwartet, wird gnadenlos enttäuscht. Es ist eben wirklich nur eine abgespeckte Handheld-Version mit relativ simplen Mini-Einsätzen und ebenso einfach gestrickten Mehrspieler-Modi. Der Multiplayer-Part ist zwar schlicht, funktioniert für das Spiel für Zwischendurch an der Bushaltestelle aber gut und macht durch die gewisse Einfachheit durchaus Laune. Allerdings hat man fast das Gleiche schon in tragbarer Form in Resistance: Burning Skies bekommen plus einem wertigeren Singleplayer mit Story. Für den Vollpreis von 45 Euro würde ich jetzt an eurer Stelle erstmal die Finger von dem Spiel lassen und mir mit Resistance: Burning Skies bis zur Preissenkung die Zeit vertreiben, wenns denn unbedingt ein klassisch steuerbarer Shooter für unterwegs sein muss.

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