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#Horroroctober: Was ist ein gutes Horrorspiel?

von am 19. Oktober 2018
 

Lesezeit: 5 Minuten

Eigentlich wollte ich im Rahmen unserer EGX-Berichterstattung noch einen Beitrag über das Panel „Von Alone in the Dark bis Resident Evil 7 – die schreckliche Magie von Horrorspielen” schreiben, habe mich letztendlich aber gegen ein klassisches Résumé entschieden. Zum einen, weil das Panel für so ein großes Thema meiner Meinung nach mit 45 Minuten viel zu kurz war, sodass sich viele Diskussionsstränge im Nichts verloren haben. Da war der im Rahmen der EGX aufgenommene Live Podcast von Stay Forever „Die nicht ganz gruselige Geschichte von Resident Evil” für mich schon fast das bessere Horror-Panel. Zum anderen, weil mich das Panel zum Nachdenken angeregt hat und ich gerne mehr dazu schreiben würde.

 

Was macht den Horror eigentlich aus?

Das eigentliche Horror-Panel der EGX verirrte sich am Anfang in den persönlichen, schwammigen Definitionen, was nun ein Horrorspiel ausmacht, was es haben oder auch nicht haben muss. Es ist sehr schwer den Nagel auf den Kopf zu treffen, um eine Definition von einem guten Horrorspiel auszumachen. Weshalb ich an dieser Stelle auch gern den Kommentar von vor gut zwei Jahren meines Kollegen Henne in Erinnerung rufen und ihm widersprechen möchte. In seinem Beitrag „Was macht den Horror eigentlich aus?” schreibt er fast zu Beginn folgenden Satz nieder: „Gruselspiele bedienen sich eines großen Faktors im Menschen: Der Angst.” – Aber Horror ist nicht gleich Grusel. Ich denke, dass Henne gut das zusammenträgt, was zumindest für ihn persönlich ein gutes Horrorspiel ausmacht: Wehrlosigkeit, Schreckhaftigkeit, Ungewissheit. Aber es gibt nicht DAS Horrorgenre, sondern es clustert sich aus verschiedenen kleinen Subgenres zusammen. Möchte ich mich gruseln, gebe ich Henne Recht, dass die eigenen Ängste getriggert werden müssen, aber auch da ist es schwer, alle richtigen Knöpfe zu drücken. Unsere Ängste, wie auch unsere Ansprüche an das Horrorgenre sind jedoch verschieden.

 

Sprung in die Welt der Horrorfilme

An dieser Stelle möchte ich kurz einen Sprung in die Welt der Horrofilme wagen, in der ich mich gar nicht lange aufhalten will. Denn auch hier können sich die Geister scheiden: die einen lieben Horrorfilme UND -spiele, die anderen erleben den Horror lieber passiv und Leute wie ich, die können Horrorfilme nicht ausstehen und lieben die Illusion von „Kontrolle” in Horrorspielen. Nun muss ich aber versuchen mit meinem schlechten Horrorfilmwissen meinen Standpunkt klar zu machen. Es gibt Horrorfilme wie „Halloween”, die uns einen starken Gegner präsentieren und uns, beziehungsweise die Protagonisten, in die Rolle des Schwächeren, der überleben will, versetzen. Dann gibt es aber auch Gegner wie Sadako aus „Ring”, geisterhafte Wesen, die uns zum Gruseln bringen. In Filmen wie „Paranormal Activity” gerät unsere Welt außer Kontrolle, Unsicherheit löst Angst in uns aus. Aber dann kommen plötzliche Dinge wie Gore oder Body Horror hinzu, beispielsweise in der „Saw”-Reihe. Sicherlich gibt es noch etliche weitere und andere Beispiele, nur bin ich an dieser Stelle die falsche Person dafür. Wo wir aber gerade noch bei den Filmen sind, hatte ich letztens, angestoßen eben von diesem Thema, eine interessante Diskussion mit einer Freundin. Wenn ich uninformiert in einen Horrorfilm gehe, kann ich enttäuscht wieder rauskommen. Erhoffe ich mir eine gruselige Geistergeschichte und bekomme Torture Porn geliefert, kann mich das Gezeigte selbst als Horror-Fan abschrecken, anwidern und absolut nicht mein Horrorbedürfnis befriedigen. Etwas, was mir als Action-Fan vielleicht weniger häufig passieren kann. Action kann vieles sein, Superheldenfilme, apokalyptische Szenarien oder irgendwas mit schnellen Autos. Auch wenn ich Autos an sich vielleicht langweilig finde, wird mir der Film sicherlich an einigen Stellen trotzdem einiges an Adrenalin bieten.

 

Zurück zu den Horrorspielen

Selbiges „Problem” ergibt sich auch bei Horrorspielen. Viele würden vielleicht ein „Outlast” als gutes Horrorspiel aufzählen, funktioniert bei mir jedoch überhaupt nicht. Für die anderen ist hingegen ein „Yomawari” oder „Little Nightmares” nicht ansprechend oder Horror genug. Mir war der Body Horror in einem der „Saw”-Spiele zu krass, als ich nur in der Demo mein Auge mit einem rostigen Messer bearbeiten sollte, mit dem Stick jede einzelne Bewegung ausübend, wohingegen ich das Gegner-Design in „Silent Hill”, „Resident Evil” oder „The Evil Within” grandios finde. Ich mag actionreiches Gore in „DOOM” und die (zu) ruhige Umgebung in „Layers of Fear”. Es lässt sich schwer definieren, was guter Horror ist. Für einen selbst und vor allem für die Allgemeinheit. Deshalb werden wahrscheinlich alle laienhaften Bemühungen einer Definition immer und immer wieder schwammig ausfallen. Wie auch meine. Denn wer Horror mag, mag nicht gleich den Horror anderer und die gleichen Subgenres. Vielleicht würde es uns einfacher fallen, würden wir auch in diesen Subgenres kategorisieren? Die Frage kam zumindest während des EGX-Panels aus dem Publikum, ob es sinnvoll wäre, Horrorspiele in weitere Genres aufzusplitten und zu vermarkten. Die Meinungen auf der Bühne tendierten zum Nein und ich denke auch, dass das die Masse mehr verwirren würde. Zumal es wirklich selten vorkommt, dass man gänzlich unbefleckt und uninformiert an ein Thema herangeht und meist schon der Infotext auf der Rückseite genügt, dass wir einen Eindruck über eine genauere Kategorisierung bekommen.

 

Was ist denn nun ein gutes Horrorspiel?

Ich denke, dass zumindest in solchen Diskussionen Kategorien jedoch nützlich sein können. So redet man nicht um den heißen Brei „Horror” herum, sondern kommt auf den Punkt. „Was macht für dich guten, psychischen Horror aus?”, „Worauf kommt es bei Survival Horror an?”, „Welches Spiel kannst du mir empfehlen, wenn ich mal wieder richtig guten Body Horror sehen will?”. Was denn nun ein gutes Horrorspiel ist, das kann ich auch nicht so allgemein beantworten. Jeder hat andere persönliche Präferenzen und andere Ängste, Wünsche und Anforderungen an ein Horrorspiel (oder -film). Am Ende möchte ich nun all das, was ich einigermaßen versucht habe aufzubauen, wieder einreißen. Ja, zu krasses ins Gesicht wie bei „Outlast” stößt mich zwar eher ab, aber was ich schon immer an Horrorspielen schätze und worauf es mir bei einem guten Horrorspiel ankommt? Die Story. Horrorspiele gehen auf eine persönliche Ebene, die des Spielers und die des Protagonisten, es werden Ängste oder auch einfach nur der reine Überlebenswille angesprochen. Aber warum passiert all dies?

Wie Video- und Horrorspiele aufgebaut sind, das wurde im Live Podcast von Stay Forever kurz und schön definiert. Wir werden in eine Welt gesetzt und runtergebrochen kommt es darauf an, dass wir entweder Ordnung in dieser Welt voller Chaos schaffen oder eben die Ordnung dieser Welt zerschlagen. Horrorspiele haben hingegen meist nur das Ziel, schnell wieder raus aus dieser Welt, dieser Ordnung, diesem Chaos – was ist es nun eigentlich – zu kommen. Ich will keine Ordnung nach „Silent Hill” bringen, genauso wenig wie nach Union aus „The Evil Within 2”, ich will aus diesen Städten keine ruhigen, idyllischen Vorstadtdörfchen machen. Ich will verstehen warum, weshalb und wie – um letztendlich dem Horror entkommen zu können. Und da ich es beim EGX-Talk am besten fand, wenn Äußerungen anhand eines Beispiels erklärt werden, möchte ich auch hier kurz ein Beispiel erwähnen. Wer mich kennt, der weiß, dass „The Evil Within” mein liebstes Horrorspiel ist. Und gerade der erste Teil gefällt mir von der Story deutlich besser als der zweite. Ich weiß zunächst nicht genau wo ich bin, weshalb und was. Ohne nun zu spoilern, beginne ich im Verlauf des Spiels zu verstehen, ich verstehe die Welt, was sie ist und warum sie so ist. Mit dem Ziel, ihr letztendlich zu entkommen (um nochmal auf das simple Schema zu Beginn dieses Absatzes zu kommen). Im zweiten Teil begebe ich mich absichtlich in diese Welt, die ich theoretisch schon kenne, erneut hinein, angetrieben von der Angst um meine Tochter, um sie aus dieser Welt zu befreien. Kein warum mehr, kein weshalb. Nur was: das Ziel, sie lebend heraus zu bekommen. Das funktioniert für mich nicht.

Zuletzt möchte ich eine ähnliche Frage stellen, wie Henne am Ende seines Kommentars. Ich möchte wissen, ob ihr vielleicht (für euch) eine Definition von gutem Horror habt, wie eure Meinungen um eine Definition von Horror sind und welches eure liebsten Horrorspiele sind und warum. Mit diesen Worten: noch einen schönen Horroroctober!

Kommentare
 
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    MonkeyHead
    21. Oktober 2018 at 22:40

    Für mich ist guter Horror wie ein Witz. Er funktioniert in der Regel nur einmal und dann nimmt die Wirkung nach und nach ab. Dann muss es schon Variationen geben um etwas Neues zu bieten.
    Gute Horrorfilme können durch ihre zeitliche Begrenztheit dafür Sorgen, dass ich nicht gelangweilt werde. Die meisten Filme schaffen das aber nicht. Was natürlich auch daran liegt, dass ich schon einige Horrorfilme gesehen habe.
    In Spielen halte ich mich dagegen länger auf und kann mich an die Umstände gewöhnen. Selbst wenn es Fortschritt gibt, weiß ich mit der Zeit was passiert und was ich zu tun habe. Es ist Routine. Und meinem Verständnis nach ist Routine das Schlimmste was einem Horrorspiel passieren kann. Wenn dann noch dazukommt, das der Protagonist oder die Protagonistin im Spiel völlig emotionslos alles hinnimmt, dann überträgt sich das auf mich als Spieler und der Grusel verliert an Wirkung.
    Wie sieht aber für mich nun ein gutes Horrorspiel aus? Ich muss sagen, ich weiß es nicht. Ich liebe Lovecraft, also ein Spiel im Stile Lovecrafts, von denen es schon ein paar gibt. Oder doch lieber etwas eigenständiges? Soll es Action haben? Kann ich mich der Gefahren erwehren? Will ich wissen, dass mich Horror erwartet? Eigentlich ja nicht, denn dann weiß ich ja, dass ich mich potenziell erschrecken oder gruseln werde. Und so wie ich mich nicht selbst kitzeln kann, kann ich mich persönlich auch weniger gruseln, wenn ich weiß, dass es ein Horrorspiel ist.


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