Lesezeit: 2 MinutenMathias Mertens, Tobias O. Meissner und viele anderen Autoren haben sich zusammengetan und ein Sammelsurium von kurzen Kolumnen in einem Buch vereint. Jeder, der sich ernsthaft mit Videospielen und ihrer Philosophie beschäftigen möchte, ist mit dem Buch Ladezeit herzlich dazu eingeladen, einen Schritt weiter zu denken und sich von den Meinungen der Autoren ein paar Denkanstöße mitzunehmen.
Die insgesamt 33 Texte werden in 7 Kapitel mehr oder weniger inhaltsorientiert zusammengesetzt. Eine Gruppe von Autoren teilt Gedanken über Gewalt, Spielspaß, Realität vs. Fiktion und allen erdenklichen Themen mit dem Leser und lassen hier und da einen Denkanstoß zurück. Jedoch kann der Schreibstil jedes Autoren stark vom vorigen abweichen und so wird der Lesespaß nach und nach zum ermüdenden Ackern.
Den Anfang macht Mathias Mertens mit Damals in den 64ern. Sein Thema ist die Nostalgie und die Auseinandersetzung, ja sogar Verarbeitung der Gamer-Vergangenheit, als sie noch in Kinderschuhen steckte. Das macht den Einstieg fĂĽr ein Kind der 90er natĂĽrlich denkbar schwer, denn irgendwie fĂĽhlt man sich direkt von der “Elite” ausgegrenzt und löchert sein Ego mit Zweifeln, ob das Buch einen selbst auch mit zu seiner Zielgruppe zählt. Und hier liegt auch ein wenig der Hund begraben. Denn zwischen den Vergleichen zwischen “Damals” und “Jetzt” und schier nicht enden wollenden Monologen ĂĽber Spiele, die man nicht kennt, verstecken sich nur wenige kleine Perlen, wie der Walkthrough zu Grim Fandango. Mit Humor und Witz schildert Kevin Mentz dem Leser Satz fĂĽr Satz ein literarisches “Let’s Play” und schafft ein erfrischendes Schmunzeln auf sein Gesicht. Detailliert werden Speichervorgänge, Rätsellösungen und die verzweifelte Suche nach dem letzten Hinweis beschrieben und machen Lust auf mehr. Vor allem verspĂĽre ich jetzt den tierischen Drang Grim Fandango nachzuholen. Doch leider bleibt der SpaĂź die Ausnahme. Den absoluten Vogel hat nähmlich die gähnend langweilige Solid Snake Review abgeschossen. Wer es wirklich schafft, sich bis zur letzten Zeile dieses Textes durchzuringen, hat sich ein FleiĂźkärtchen verdient. Denn wo man ein lockeres Auseinandersetzen mit Charakteren und Spiel erwartet, findet man nur eine trockene Review an deren Ende man noch eine Abschlusswertung vermisst. Hier gelangt der Leser an eine der vielen Grenzen, an der er sich fragt, ob es sich lohnt, weiterzulesen.
Was habe ich mir von diesem Buch erhofft? Nun ja, irgendetwas Spritziges. Mit Humor und Kneipen-Plauder-Modus geschriebene Geschichten, Anekdoten, die zum Schmunzeln einladen, vertrautes Terrain. Natürlich hat jede Generation ihre eigene Definition hiervon, vielleicht bin ich also zu jung für dieses Buch. Dann wünsche ich mir aber für die Zukunft auch eine Zielgruppendefinition des Inhaltes. Soviel zu den persönlichen Zeilen.
Objektiv gesehen ist das Buch aber definitiv ein solides StĂĽck Background-Literatur, die zwar nicht durchgehend unterhaltsam, aber dennoch lesbar ist. Meine Empfehlung fĂĽr jeden Gamer aus alten Arcade-Zeiten,Nostalgiker und Philosophen!
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