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Wolfenstein: Youngblood – A Tale of Two Sisters

von am 28. August 2019
DETAILS
 
Spieldauer:

10-15 Stunden

Für Fans von:

Wolfenstein, Destiny, Borderlands

Amazon-Link:

https://amzn.to/2JhO4YH

Pluspunkte

+ Koop-Ballerei
+ in der Theorie interessante RPG-Elemente
+ großes Waffenarsenal

Minuspunkte

- schwache KI auf beiden Seiten
- alleine weitaus langweiliger
- uninspirierte Story
- auf Dauer nervige Hauptprotagonisten
- Kugelschwämme und mitlevende Gegner
- immer wieder auftauchende Gegner in bereits gesäuberten Arealen
- 80er Jahre-Feeling kommt nicht auf

Editor Rating
 
GAMEPLAY
6.0

 
GRAFIK
8.0

 
SINGLEPLAYER
4.0

 
MULTIPLAYER
7.0

 
SOUND
7.0

Gesamt-Wertung
6.0

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Zusammenfassung
 

Mit Wolfenstein: Youngblood wurde leider der schwächste Ableger bis heute veröffentlicht. Hier wurden zu viele Elemente versucht in ein Spiel unterzubringen, doch ergeben sie zu keinen Zeitpunkt eine homogene Masse. Einzig im Koop mit einem menschlichen Mitstreiter macht die Ballerei zeitweise Laune, doch ist eine Langzeitmotivation quasi nicht vorhanden.

 

Ah, die Wolfenstein-Serie. Gibt es in der Welt eine Spielereihe, die die Nazijagd so perfektioniert hat wie die herzzerreißende Story um  B.J. Blazkowicz und seine nicht enden wollende Reise zum Nazi-Abknall-Rekord? Nach einem viel zu langem Winterschlaf feierte die Serie ihr Comeback im Jahr 2014 mit dem fulminanten Wolfenstein: The New Order. Danach kam der großartig-oldschoolige Ableger Wolfenstein: The Old Blood, bevor Machine Games  mit Wolfenstein II: The New Colossus die Reihe noch zu einem würdigen Finale… bitte was? Wolfenstein: Youngblood? Okay, Kommando zurück. Scheinbar haben Machine Games in Kooperation mit Arkane Studios (die Just Cause-Macher) einen weiteren Ableger rausgebracht. Ein Koop-Shooter mit RPG-Elementen. Huh. Nun denn, seien wir mal optimistisch und schauen uns das Ganze mal an.

Hinweis: obwohl mit Wolfenstein: Youngblood das erste Spiel komplett ungeschnitten mit Hakenkreuzen und anderer Nazi-Symbolik frei in Deutschland veröffentlicht wird, hat uns Bethesda die deutsche Version ohne Symbolik zur Verfügung gestellt – daher werden auch die Screenshots die “entschäfte” Version enthalten. Außerdem gilt die Freigabe für Hakenkreuze nur für das Spiel selbst, nicht automatisch für die Berichterstattung darüber. Dies müsste bei der USK im Einzelfall (!) geprüft werden.





Wo ist Terror-Billy?

In der relativ langen Cutscene zu Beginn sieht man den guten (und alt gewordenen) B.J., wie er mit seinen beiden Töchtern, welche die Hauptprotagonisten dieses Titels sein werden, friedlich auf einer Farm lebt und ihnen triviale Dinge wie Jagen oder Selbstverteidigung beibringt. Diese Anfangssequenz ist der einzige Moment, welcher eine emotionale Regung im Spieler aufrufen kann – zumal geizt das Spiel danach mit weiteren Videosequenzen. Ein Jahr später gilt B.J. als vermisst und wurde das letzte Mal im von den Nazis besetzten Paris der frühen achtziger Jahre gesehen. Kurz darauf begeben sich die beiden Zwillingsschwestern Soph und Jess auf die Suche nach ihrem legendären Paps. Zu der Story möchte ich an dieser Stelle nicht mehr viel sagen, da ich a) im Spoilerterritorium landen würde und b) nicht wirklich viel Story dahintersteckt. Die beiden Schwestern treffen auf den lokalen Pariser Widerstand und entwickeln einen Plan, wie sie ihren Vater aus der Bredouille holen können.

Nach einer launigen Intromission auf einem Zeppelin werden wir bereits in die wunderschöne Hauptstadt geworfen. Wir? Ganz Recht – denn zum ersten Mal in der Wolfenstein-Geschichte spielen wir entweder mit Jess oder Soph, die KI oder ein Koop-Partner übernimmt dann die andere Figur. Und ja, ihr habt richtig gelesen. Wolfenstein: Youngblood ist als Koop-Shooter ausgelegt und sollte als solcher auch nur mit einem menschlichen Partner gespielt werden. Dazu später aber mehr. Im Gegensatz zu den Vorgängern kann man sich bereits zu Beginn relativ frei in der Welt bewegen, denn Youngblood ist als Open World ausgelegt. Die Pariser Metro wird dabei als primäres Beförderungsmittel genutzt, um zu den jeweiligen Missionen zu gelangen. Was nach einer Neuerung klingt, stimmt nicht ganz – in dem indizierten Titel aus dem Jahre 2008 konnte man sich ebenfalls in einer fiktiven Stadt frei bewegen und haufenweise Nebenquests erledigen. Allerdings war das schon damals ein weniger beliebter Aspekt des Titels. Ähnlich fühlt es sich auch hier an – es gibt keine Zivilisten oder namenhafte NPCs, Paris ist einfach nur vollgestopft mit schießwütigen Nazis, welche selten einen guten Gesprächspartner abgeben.

Das doppelte Lottchen… mit Gewehren

Aber zurück zum Koop: das große Verkaufsargument von Bethesda (welche den Spieler zwingen, einen Bethesda-Account zu erstellen, um mit einem Freund spielen zu können) klingt erst mal nach einer guten Idee. Und die Tatsache, dass man einen Buddy-Pass zu jeder (Deluxe-)Vollversion erhält macht es einem doppelt schmackhaft. Buddy-Pass bedeutet hier, dass der besitzende Spieler einen Freund dazu einladen kann, das Spiel mit ihm im Koop zu spielen – dazu benötigt der andere die Vollversion nicht. Und da ich ab hier nicht mehr viel Positives sagen werde, will ich an dieser Stelle die Aktion von Bethesda absolut loben! Und es sind auch ein paar sinnvolle Koop-Mechaniken implementiert worden, wie zum Beispiel des gegenseitige Wiederbeleben – allerdings ist dies mit einer abstrusen “Geteiltes-Leben”-Mechanik gekoppelt, sodass bei einer gewissen Anzahl an Toden das gemeinsame Game Over wartet. Besser ist die Mechanik, sich gegenseitig mit Leben oder Rüstung zu boosten, indem man sich zwischendurch ein Daumen hoch oder Metalhörmer gibt (ich musste da an die legendäre “High Five”-Fähigkeit aus Broforce denken).

Bevor man das Spiel beginnt entscheidet man sich, welche Schwester man spielen will. Beide haben dabei die gleichen Grundfähigkeiten, der Unterschied ist nur kosmetisch und hat keinen Einfluss auf die Story. Wie bereits erwähnt stets zusammen unterwegs, wobei menschliche Partner natürlich verschiedene Räume und Gebäude erkunden können – das unsichtbare Gummiband herrscht nur bei einem KI-Partner. Und wenn wir schon bei der KI sind: diese bewegt sich regelmäßig zwischen ganz kompetent und hundserbärmlich. Manchmal reagiert unsere Schwester nicht auf unseren Hilferuf, wenn wir verbluten, manchmal dauert es mehrere Sekunden, bis sie ebenfalls endlich in den Aufzug steigt, damit das Spiel weitergeht. Allerdings muss man der KI-Schwester zusprechen, dass sie sich intelligenztechnisch sehr solidarisch gegenüber der gegnerischen KI zeigt. Dies ist natürlich eine diplomatische Umschreibung für die Dummheit der Gegner. Manchmal reagieren sie kaum, wenn man vor ihnen steht, manchmal machen ihre Laufwege gar keinen Sinn und manchmal gibt es einen Komplettausfall und sie schweben orientierungslos über dem Boden.

Der unbesiegbare Fritz

Der fehlende Grips wird von den Gegner aber durch übermenschlichen Kugelresistenz ausgeglichen, denn Wolfenstein: Youngblood hat sich von Titeln wie Destiny, Borderlands oder dem kürzlichen Far Cry: New Dawn inspirieren lassen und den Gegner Lebensleisten und Level verpasst. Das heißt natürlich, dass auch unsere Helden neben dem bekannten Skillbäumen im Level aufsteigen. So weit, so Standard. Jedoch leveln die Gegner mit – das führt zu dem albernen Szenario, dass sogar stinknormale Soldaten ohne Rüstung ein halbes Magazin aufsaugen können, ohne in die ewigen Sauerbraten-Jagdgründe zu gehen. Und wenn wir schon bei Rüstungen sind: man hatte hier die unglücklich umgesetzte Idee, einigen Gegnertypen verschiedene Rüstungstypen zu geben, gegen die verschiedene Munitionstypen mehr oder weniger effektiv sind. Die Symbole sind dabei so klein und auf den ersten Blick schwer voneinander zu unterscheiden, sodass ein Flammenwerfer-Soldat auch erst nach dem zweiten Magazin immer noch nicht sterben wollte, aber nach ein paar Salven mit der richtigen Munition deutlich schneller einknickt.

Dafür sind die wenigen Bosskämpfe angenehm anspruchsvoll und fordern vom Spieler bereits auf dem normalen Schwierigkeitsgrad voll Konzentration. Doch wehe, man geht in ein Areal, in dem die Gegner leveltechnisch überlegen sind – hier kann bereits eine platzierte Kugel die Schwestern zerlegen und für eine ordentliche Portion Frust sorgen. Zwar hat man auch die Fähigkeit, mit dem  Exo-Suit temporär unsichtbar, doch sobald man auch einen Schritt zu schnell geht, ist man im Sichtfeld des gesamten Bataillons und kann auch direkt wieder den letzten Kontrollpunkt neu laden. Das einzig hilfreiche Mittel gegen diese übermächtigen Gegner ist wie in den Beispielen oben: Grinden, grinden, grinden. Zum Glück (oder Pech) respawnen besiegte Gegner in einem bereits gesäuberten Areal, sodass man theoretisch unendlich Zeit und Möglichkeit hat, sich fit zu machen. Das einzige Problem dabei ist, dass dies nach einer gewissen Zeit unsagbar langweilig wird. Denn so gut die Shooter-Mechaniken sind – und es macht wirklich Spaß! – so eintönig werden sie, wenn man die immer selben Gegner immer wieder abknallen muss.

Die falschen Erben

Wolfenstein: Youngblood ist ohne groß zu überlegen das schwächste Wolfenstein geworden. Auch wenn den Fakt mit einbezieht, dass es sich nicht um einen Vollpreistitel handelt und die eigentliche Spiellänge auch nicht zu kurz ausfällt, wird hier zu wenig geboten. Das Gebotene – Story, Charaktere, Level – kommt zu keinem Zeitpunkt an die anderen Machine Games Titel ran und fühlt sich unfertig an. Trotz des 80er-Settings und einiger witziger “Neue deutsche Welle”-Persiflagen wird nichts aus dem Szenario gemacht – das Paris der 80er sieht nämlich genauso aus wie das Paris der 40er. Hier wurden viele Aspekte für die Koop-Kampagne geopfert, welche ebenfalls nie ihr volles Potenzial ausschöpft. Es fühlt sich halbgar an und man kann nur hoffen, dass Wolfenstein: Youngblood als Experiment gedacht war und nicht als natürliche Entwicklung der Serie.

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