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UFC Undisputed 2009 – Ne dicke Lippe riskiert

von am 14. Juni 2009
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Lesezeit: 6 MinutenDie Luft im Raum ist stickig. Ein furchtbares Gemisch aus Schweiß, billigem Rasierwasser und Zigarrenqualm.
Und heiss ist es. Unerträglich heiss. Ich bin klatschnass geschwitzt, die Brühe läuft an mir herunter, als käme ich frisch aus einem Regenguss, meine schwarzen Short kleben an mir. Der Boden unter mir ist mit kleinen, hier und da auch nicht so kleinen roten Flecken gespränkelt.
Nein.
Eigentlich ist er übersäht davon.
Mein Blick fält auf meine Hände, dann meine Füße.
Überall Blut. Ich fühle über mein Gesicht. Ein tiefer Riss klafft unter meinem rechten Auge, das linke ist halb zugeschwollen. Ich zittere leicht. Dann drehe ich den Kopf zur Seite. Auf dem Boden sitzt Rashad Evans.
Er sieht schlimmer aus, als ich mich fühle. Neben ihm sitzt sein Coach. Und der Arzt.
Noch einmal sehe ich fragend meine Hände an. Dann fällt mein Blick auf meine Hüfte.
Da ist er! Ich habe ihn tatsächlich bekommen.
Zwei Jahre verbissene Arbeit waren nicht umsonst gewesen. Im dritten Kampf hatte ich den amtierenden Weltmeister Rashad Evans endlich in der dritten Runde niedergestreckt. Evans hatte zum Schlag ausgeholt und ins Leere geschlagen. Seine Deckung war offen. Ich tauchte unter seinem noch ausgestreckten Arm hindurch, dann traf ihn mein linker Haken schwer am Kiefer. Seine Körperspannung brach ein, ein rechter Haken schnellte hinterher. Auch er verfehlte sein Ziel nicht. Evans Blick wurde leer, er schien stehend K.O. zu sein, ein wenig wankte er, aber er stand.
Das war die Gelegenheit. Seine Arme begannen bereits sich wieder zu heben. Die Deckung war jetzt schon fast wieder auf Brusthöhe, als der dritte Haken auf seiner Wange explodierte.
Die Augen rollten sich nach hinten, die Lider schlossen sich und er fiel um, wie ein nasser Sandsack.

Nun war ich UFC Light Heavyweight Champion of the World!

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Ja. So war das in der Nacht von Freitag auf Samstag.
So ungefähr um vier Uhr dürfte das gewesen sein.
Daumen und Zeigefinger glühten, die Augen brannten und ich schwitzte tatsächlich als hätte ich gerade selber geboxt.
Das erste, was ich unmittelbar nach dem K.O. tat, war den Xbox 360-Controller auf die Couch neben mir zu werfen, befreiend in die offene Küche zu stapfen und die Arme hochzureissen. Die eine oder andere Schumi-Faust war sicher auch dabei.

Selten habe ich derart emotional ein Spiel auf Herz und Nieren getestet, wie UFC 2009 Undisputed von THQ.
Der Weg nach oben war gepflastert von triumphalen Siegen, herben Rückschlägen und unbequemen Gegnern.
Wie oft ich ins Couchkissen geflucht und gebrüllt habe, um nicht den Zorn meiner Nachbarn auf mich zu lenken kann ich gar nicht zählen.

Zuerst war ich skeptisch, was das Spiel und die Sportart an sich angeht.
Ich liebe Boxen und ich hasse Wrestling. Soviel zur Orientierung für Euch.
Kickboxen finde ich fürs gemütliche zugucken eigentlich zu blutig und die Erinnerungen an einen Bloodsport-Film waren mehr als verblasst. Dennoch reizte mich das Spiel, denn die Trailer die ich bis dahin gesehen hatte, waren sehr interessant.
Meinem besten Freund Seppo habe ich zu verdanken, dass ich das Spiel quasi von hinten aufgezäumt habe.
Er sah bei einem Besuch das Spiel auf meinem Teststapel liegen und fragte, ob er mal reinschnuppern dürfe.
Später am Abend stieß ich dann dazu und wir trugen einen Kampf miteinander aus.
Und noch einen. Und noch einen. Und… na. Ihr wisst wie das endete!
Um halb sechs Uhr morgens verließen wir den Käfig.

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Das Spiel

UFC Undisputed 2009 von THQ ist das offizielle Spiel zur weltweiten “Kampfsport-Liga” Ultimate Fighting Championship. Kein Ring, sondern ein Käfig mit acht Ecken dient als Austragungsort des nicht ganz ungefährlichen Sports. UFC ist schneller als Boxen und härter als Kickboxen zusammen. Dann und wann explodiert der Sport scheinbar zu einer Gewaltorgie.
Und das ist im Spiel nicht anders.
Das liegt aber eigentlich nur daran, dass es ungewohnt hart und schnell zur Sache geht.
UFC Undisputed ist direkt und geht “voll auf die zwölf”.

Der Einstieg ins Spiel dagegen ist seicht.
Natürlich beginnt man standesgemäß mit der Erstellung seines eigenen Kämpfers.
Dazu stehen einem so wahnsinnig viele Faktoren und Komponenten zur Verfügung, dass man sich gut und gerne eine Stunde alleine damit aufhalten kann. Größe, Gewicht, Alter, Hautfarbe, Frisur, Nase, Kiefer-Form, Augen, Augenbrauen, Form der Brustmuskeln, Behaarung, Tatoowierung… eigentlich gibt es nichts, was man nicht anpassen kann. Aber nicht muss. Es lassen sich auch bestehende Kämpfer – derer gibt es übrigens 80 –  laden und modifizieren.
Dann beginnt auch schon die UFC-Karriere!
Ein Testkampf folgt, um zu prüfen, ob ihr Manns genug seid, um wirklich in der UFC anzutreten.
Dann betreten wir zum ersten Mal die heiligen Hallen unserer Boxschule.
Hier werden wir auf die nächsten Kämpfe vorbereitet.
Zwischen den Fights liegen meist mehrere Wochen; meistens nur fünf, manchmal aber auch zwölf  Wochen.
Die grundlegende Aufgabe zwischen den Kämpfen ist: Besser werden!
Training, Training, Training und nochmals Training.
Wochenweise können wir Stärke, Schnelligkeit und Kondition immer weiter pushen. Unsere Fitness darf natürlich nicht darunter leiden. Deshalb sind Erholungspausen ebenso wichtig, wie das Training.
Dann gibt es schließlich noch Sparring, wo unser Partner uns schon mal einen Vorgeschmack auf das gibt, was uns im nächsten Fight erwartet. Beim sparren erworbene Punkte lassen sich dann auf unsere verschiedenen Angriffs- und Verteidigungsfähigkeiten verteilen.
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Die letzte und lehrreichste Möglichkeit euren Kämpfer zu verbessern sind Einladungen von anderen Kampfsport-Schulen. Je nachdem, wie gut Euer Ruf ist, werdet Ihr zu Trainingssessions in andere renommnierte Studios eingeladen, um dort neue Kombos zu lernen und euch in eurer Kampf- und Ringerdisziplin weiter zu bringen.
Je besser ihr euch dabei anstellt, desto schneller könnt ihr neue und noch mächtigere Kombos erlernen.

Autogrammstunden, Videodrehs, und kurzfristig eingeschobene Kämpfe lockern den “UFC-Alltag” auf.
Wer schnell nach oben will sollte den Terminkalender so voll wie möglich stopfen und keinen Termin ausschlagen.
Außerdem zahlt es sich aus, stets den Ranglisten-Höchsten als nächsten Kontrahenten zu wählen. Das bringt nicht nur die meisten Ruhmespunkte, sondern sorgt auch dafür, dass man (Siege mal vorrausgesetzt) binnen eines (zugegeben langen) Tages gegen den amtierenden Champ antreten darf.

Auf dem Weg dahin sammeln wir mit jedem spektakulären Kampf neben Ruhmespunkten auch Pokale und Trophäen ein. “Bester K.O. des Abends”, “Kampf des Abends”, “Intermission des Abends”. Und irgendwann gesellt sich auch der Championship-Gurt dazu.

Fazit:
UFC Undisputed 2009 ist zu Recht ein USK 18-Titel und die moralische Frage nach Sinn oder Unsinn eines Kampfsportes, bei dem man auch zu Boden gestürzte Gegner noch vertrimmen darf, muss sich jeder selbst stellen.
Selbst beim Zugucken verzieht man unfreiwillig das Gesicht, wenn es zu besonders harten Attacken im Kampf kommt.
Aber gerade das macht den Reiz des Spiels aus. Es ist schnell und es ist unbarmherzig.
Anders, als bei manchem Boxkampf gibt es hier keine zweifelhaften Punktsiege. Die meisten Kämpfe enden mit K.O. bereits in der ersten Runde.
Und das, was Wrestler so gerne schauspielen ist hier bittere Realität.
Wer sich darauf einlässt bekommt ein richtig gutes Kampfsportspiel mit Langzeitmotivation geliefert. Grafik und Sound sind absolut in Ordnung (realistischer sollte es bei dem Gewaltgrad auch nicht unbedingt werden) und die Inszenierung mit bekannten Ringrichtern, Kommentatoren und allem drum und dran ist grandios.
Ob man sich – virtuell natürlich – gerne mal mit Freunden gegenseitig auf die Glocke haut, oder ob man an der eigenen UFC-Karriere feilt, Langeweile kommt so schnell nicht auf. Außerdem gibt es noch weitere Spielmodi (wie zum Beispiel die Classic Fights) die absolut sehen- und spielenswert sind.

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UFC Undisputed 2009 hat sich einen Stammplatz in meinem gängigen Xbox 360-Repertoire erkämpft, wird daher wohl noch des Öfteren den Weg in meine Konsole finden und dort für glühende Fingerkuppen sorgen!

Kommentare
 
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  • Storm
    16. Juni 2009 at 10:49

    Auch ich hatte die Gelegenheit, das Spiel testweise zu spielen, und muss sagen, dass ich von den Möglichkeiten beeindruckt bin. Es gibt so viele, individuell unterschiedlich ausgeprägte Fähigkeiten und Spezialbewegungen bei den Kämpfern, dass man in jedem Kampf auf einen völlig anderen Fighter trifft, auf den es sich einzustellen gilt. Hier kommt garantiert keine Langeweile auf.

    Bleibt zu hoffen, dass die Sportart generell (also nicht nur das Spiel!!!) nicht als Botschaft von allen Schwachmaten auf den Schulhöfen und in den U-Bahnhöfen wahrgenommen wird, dass es nur fair und sportlich ist, weiterhin auch noch auf am Boden liegende Menschen einzuschlagen. Und bevor hier jetzt Einige anfangen sich künstlich aufzuregen: Ich weise Konsolen-/Computerspielen keine Schuld für kriminelles Verhalten oder gar Amokläufe zu und stelle auch nicht das Spiel infrage, sondern die Sportart an sich.


  • 16. Juni 2009 at 11:10

    Ich weiß, was Du meinst. Freue mich über jede vernünftige Auseinandersetzung mit dem Thema und verstehe, besonders im Hinblick auf die UFC-Veranstaltung am vergangenen Wochenende in der Kölner Lanxess- Arena die Kritik. An der Qualität und dem Spielspaß des Spiels ändert das nichts. 😉


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