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RAGE 2 – Die Implosion der offenen Welt

von am 2. Juni 2019
DETAILS
 
Für Fans von:

RAGE, Far Cry, Doom, Just Cause 3, Mad Max

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Pluspunkte

+ wuchtige Action
+ tolles Waffenhandling
+ gute Hauptmissionen
+ ordentlicher Originalsprecher
+ upgradefähige Fähigkeiten und Waffen

Minuspunkte

- uninteressante Welt
- verschenktes Potenzial beim Gefährt
- eintöniges Leveldesign
- weniger gute deutsche Vertonung
- viel zu viele Ressourcen zum sammeln

Editor Rating
 
GAMEPLAY
8.0

 
GRAFIK
7.0

 
SINGLEPLAYER
6.0

 
MULTIPLAYER
0.0

 
SOUND
6.0

Gesamt-Wertung
6.0

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User Rating
 
GAMEPLAY
7.6

 
GRAFIK
6.3

 
SINGLEPLAYER
6.6

 
MULTIPLAYER

 
SOUND
7.0

User-Wertung
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6.9

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Zusammenfassung
 

RAGE 2 liefert die beste Shooter-Action des Jahres und überzeugt mit spaßigen Fähigkeiten, vergisst dabei jedoch eine interessante Story zu erzählen oder eine belebte Welt zu präsentieren. Avalanche Studios haben einen großartigen straighten Shooter in einem langweiligen Open World Shooter entwickelt. Eine vergebene Chance.

 

Erinnert sich hier jemand noch an das erste RAGE aus dem Jahre 2011? Ah, das waren noch Zeiten. Ich habe es allerdings erst viel später gezockt, weil 2011 das Shooterjahr schlechthin war. Wer nicht bei Battlefield 3 an der Front war, hatte sein Geld auf Call of Duty: Modern Warfare 3 und seine genialen Spec Ops-Missionen gesetzt, während Konsolenfreunde sich mit Killzone 3 auf der PS3 oder Gears of War 3 auf der Xbox 360 beschäftigt haben. Wie gesagt, DAS Shooterjahr. Und dabei habe ich noch gar nicht Crysis 2, Serious Sam 3, Duke Nukem Forever (ja ja, ich weiß), Bulletstorm oder Resistance 3 erwähnt. Kein Wunder, dass id Softwares Shooter-Comeback in der Masse etwas unterging. Umso verwirrender war letztes Jahr die Ankündigung des Nachfolgers auf der E3 – denn es wirkte nicht so, als ob irgendjemand danach geschrien hat. Aber gut… fühlen wir RAGE 2, der keinerlei Erwartungen erfüllen muss, mal auf den Zahn.


Drehbuch verlegt und vergessen

Eigentlich beginne ich alle meine Rezensionen mit einer kurzen Zusammenfassung der Story, um dem Leser einen Einblick in die Welt zu geben. RAGE 2 nimmt mir diese Arbeit ab, indem es eine so extrem dumme und an den Haaren herbeigezogene Story serviert, dass ich beim besten Willen nicht mal sagen kann, wie der Hauptprotagonist (männlich oder weiblich) heißt. Zudem hilft beim männlichen Charakter in der deutschen Sprachausgabe sein Synchronsprecher kein Stück dabei beim Versuch, diesen Typ in irgendeiner Weise sympathisch zu finden. Womit man eigentlich direkt zu den Dialogen mit den NPCs kommen kann. Diese bewegen sich im Rahmen zwischen belanglos, peinlich und manchmal in Ansätzen sogar witzig. Jedoch ist der Großteil unter “gewollt aber nicht gekonnt” zu vermerken, was ziemlich schade ist, da diese absurde Welt eine ordentliche Portion geschmacklosen Humor vertragen könnte.

Und mit absurder Welt meine ich natürlich die Welt, aus dem ersten RAGE, welche in einen stimmigen Braunton mit manchmal bunten Akzenten gehüllt war und eine wahre Neonexplosion erfahren – allem voran die Farbe pink, die kriegsentscheidend für dieses Spiel ist: alle wichtigen Kisten haben einen pinken Deckel, die Aufzüge lassen sich mit einem pinken Knopf bedienen und natürlich sind alle Leitern…. pink! Das soll aber weniger Kritik sein und wäre wohl noch abwechslungsreichere Alternative zum ewigen grau-braun der heutigen Shooter gewesen, wenn Ubisoft vor ein paar Monaten mit Far Cry: New Dawn nicht eine ähnliche bunte Welt abgeliefert hätte. Und dort wirkte die Flora und Fauna weitaus lebendiger.

Die öde Ödnis

Wenn wir schon dabei sind: warum ist RAGE 2 ein Open World-Shooter? “Weil alle Shooter zur Zeit Open World sind”, wäre wohl die richtige Antwort. Denn es gibt keinen spielerischen Grund dafür. Die Welt ist zwar groß und zumindest auf den ersten Blick von den Szenarien abwechslungsreich (wobei die Sumpfgegend wirklich eklig für das Auge ist), doch besitzen diese gameplaytechnisch keine nennenswerten Unterschiede. Wenn man nicht gerade bei einer der durchaus unterhaltsamen Hauptmissionen unterwegs ist, wird man immer wieder mit den selben Aufgaben versorgt: steige in deinen Wagen, fahre zu A, schieße dort alles kurz und klein, berge Item B und sammle alle Rohstoffe an diesem Ort gefälligst auf! Da Avalanche Studios an diesem Titel mitgerarbeitet haben, war ich bereits skeptisch, weil mich schon die offene Welt in den letzten beiden Just Cause-Teilen nicht wirklich packen konnte.

Zudem ist unser Hauptgefährt nicht halb so cool wie der Interceptor aus Mad Max. Die Fahrmechanik ist technisch einwandfrei und die später freischaltbaren Waffen sind zuweilen echt spaßig, doch scheint die Standard-Gatling-Gun mit Luftgewehrkugeln zu feuern. Anders kann ich mir nicht erklären, wie ich 50 davon in einen stinknormalen Goon pumpen muss, bevor er zur Blutfontäne wird. Nein, der Wagen ist primär zum Transport gedacht und lässt viel Potenzial auf der Strecke liegen. Selbst die optionalen Rennen folgen nach ein paar Durchgängen einer durchschaubaren Formel. Allerdings kann man auch allerlei andere Vehikel kapern und zugegebenermaßen macht es wirklich einen Riesenspaß mit dem Monstertruck durch Gegnercamps zu walzen.

Das “R” in RAGE steht für Shooter

Es klingt bis hierhin, als ob RAGE 2 ein absoluter Reinfall wäre, oder? Nun ja, ich könnte noch weiter über die leere Welt, die schlechten Gesichtsanimationen oder das viel zu verschachtelte Interface schreiben. Doch habe ich bis jetzt noch keine Silbe über die wichtigste Mechanik dieses Shooters verloren. Und es wirkt so, dass die Entwickler genau wussten, wo ihre große Stärke liegt, denn die Ballereien sind das absolute Highlight dieses Spiels! Acht Wummen klingen erst mal nicht nach großer Variation, doch haben alle eine alternative Funktion und fühlen sich durchweg wuchtig und brutal an. Zudem sorgen sie auch für wuchtige und blutige Ergebnisse. Die Katharsis ist vorprogrammiert, wenn sich unser Protagonist im Overdrive-Modus durch die Gegner schießt und Körperteile in alle Himmelsrichtungen fliegen. Und die Shotgun hat man sich direkt vom 2016er Doom ausgeliehen – was in keiner Weise als Kritik aufzufassen ist.

Neben den Waffen hat der Spieler noch eigene Fähigkeiten. Neben dem bereits erwähnten Overdrive gibt es den Dash-Angriff, welcher den Gegner außer Sichtweite schleudert oder den Slam – hier springt der Spieler hoch in die Luft, nur um dann mit einem verheerenden Sturz alles um sich herum zu verwüsten. All’ diese Fähigkeiten sind enorm unterhaltsam und gestalten die Kämpfe abwechslungsreich wie nie. Ebenfalls kann man all’ seine aktiven und passiven Skills upgraden und somit noch tödlicher agieren. Hierzu muss man die Nanoriten für seinen Anzug sammeln, welche an den verschiedensten Orten zu finden und manchmal zu kaufen sind. Auch gibt es zig andere Rohstoffe und unfassbar viele Verbesserungen zu finden. Und hier kommen wir wieder zu einem Negativ-Punkt. Während man dem diesjährigen Metro Exodus vorwerfen konnte, mit seinen zwei Ressourcen das Crafting arg versimpelt zu haben, hat man sich bei Avalanche Studios gedacht, dass es nie genug verschiedene Sammelgegenstände geben kann. Leider kommt zu keinem Zeitpunkt die Sammelwut eines Borderlands zustande, denn dafür ist das Crafting und Upgrademenü viel zu unübersichtlich. Am Ende habe ich gar nicht mehr darauf geachtet, ob ich alle nötigen Rohstoffe für das nächste Upgrade gesammelt habe, weil meine treue Shotgun eh alle unangenehmen Dates schnell beendet hat.

Die Wut in Pink

RAGE 2 ist einfach nur frustrierend. So viele Mechaniken und Designentscheidung lassen einen irritiert zurück, die offene Welt ist absolut verschenkt, die Nebenmissionen und Aufgaben werden mit der Zeit mehr als redundant. Und man bekommt nicht mal eine erzählenswerte Geschichte präsentiert, sondern muss sich mit Charakteren, die selbst für Bulletstorm zu albern gewesen wären, rumschlagen. Doch dann sind da noch die Ballereien – und verdammt nochmal, seit Doom hatte ich nicht so viel Spaß dabei! Die Waffen sind allesamt wunderbar designt, um so viel Schaden wie möglich anzurichten, die Fähigkeiten des Anzugs sorgen ebenfalls für eine neue, rot-pinke Wandfarbe in den meisten Missionen. Wenn RAGE 2 in Rage gerät macht es unsagbar viel Spaß… doch dann ist der Kampf vorbei und man sammelt autistisch jede einzelne Ressource auf, ohne wirklich darauf zu achten, ob man sie überhaupt benötigt und fährt dann zum nächsten Händler, während auf der Rückfahrt wenig bis gar nichts passiert. RAGE 2 ist ein Open World-Titel, der keiner hätte sein müssen und es ist empfehlenswert, es nicht mehr als 1-2 Stunden am Stück zu spielen.

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