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Horror auf hoher See – Man of Medan

von am 10. September 2019
DETAILS
 
Spieldauer:

~4-5 Stunden pro Story.

Für Fans von:

Until Dawn, Horror, Urbanen Legenden

Pluspunkte

+ Spannende Story um urbane Legende
+ Multiplayermodi
+ Zahlreiche Spielverläufe

Minuspunkte

- Eintönige Charaktere
- Grafische Schwierigkeiten
- Lustlose Synchro

Editor Rating
 
GAMEPLAY
8.0

 
GRAFIK
5.0

 
SINGLEPLAYER
8.0

 
MULTIPLAYER
7.0

 
SOUND
9.0

Gesamt-Wertung
7.0

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User Rating
 
GAMEPLAY
6.5

 
GRAFIK
6.3

 
SINGLEPLAYER
7.6

 
MULTIPLAYER
7.4

 
SOUND
8.2

User-Wertung
1 rating
7.2

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Zusammenfassung
 

Man of Medan hat einige große Stärken. Die Inszenierung eines realen, ungeklärten Schiffunglücks der modernen Seefahrtsgeschichte kommt richtig gut rüber und wirkt gut recherchiert, sofern man das mit den gegeben Infos tun kann. Allerdings stolpert das Spiel über seine Klischee-Teenager, deren Story sich schlecht in das Geschehen miteinwebt. Vor allem macht sich Man of Medan durch seine technischen Schwierigkeiten kaputt, die selbst auf der PS4 Pro auftreten. Lags und schwammige Texturen, die ihre Zeit brauchen, werden Gang und Gäbe.

 

Als Supermassive Games ihr neues Spiel ankündigten, reckten sich bei Fans des Horror-Survival Genres gehörig die Köpfe. Die Macher von Until Dawn hatten den Teeny-Horror mit geschickten Mechaniken als spielbaren Film gut etabliert und nun fragte man sich, was und wie sie das nächste Projekt angehen würden. Entstanden ist die Dark Pictures Anthology, die mit Man of Medan ihre erste Episode präsentiert. Wir haben die Gruppe junger Erwachsener auf hohe See begleitet und geschaut, wie gruselig der Ausflug ist.

Eine Seefahrt die ist lustig…

Dachte sich auch eine Gruppe junger Erwachsener. Zu Beginn treffen wir Brad und seinen älteren Bruder Alex. Kurz darauf trift seine Freundin Julia ein, ihren Bruder Conrad im Schlepptau. Die Gruppe wird komplettiert durch Fliss, die Kapitänin der “Duke of Milan”, auf der wir uns befinden. Conrad hat anscheinend vielsagende Koordinaten für einen Tauchgang gefunden und so hat die Gruppe, die durchaus gut betucht ist, die Tour gebucht. Allerdings verbergen die Koordinaten ein gesunkenes Flugzeug aus dem zweiten Weltkrieg. Fliss, als gewissenhafte Kapitänin, möchte das Wrack und damit ein vermeintliches Kriegsgrab melden. Ihre Passagiere sehen das allerdings anders und überreden sie, zu warten, bis sie einmal unten waren. Unweit des Flugzeugs taucht allerdings ein weiteres Wrack auf, die Ourang Medan. Neugierig wie die Gruppe ist, muss hier natürlich ebenfalls erforscht werden.

Die Dark Pictures Anthology

Bevor wir die technischen Aspekte des Spiels beleuchten, gibt es eine kurze Erklärung dazu, worum es in der Dark Pictures Anthology geht. Wie anfangs bereits erwähnt, erwarten euch einige Episoden, wobei die zweite bereits 2020 erscheinen soll. Alle Episoden sind allerdings unabhängig voneinander, behandeln andere Geschichten, Charaktere und, und hier wird es am interessantesten, andere Sub-Genres des Horror. So könnt ihr euch auf Horror in allerlei Facetten freuen, die möglicherweise jeden Fan des Genres ansprechen werden. Zudem wird sich jede Episode um eine andere, urbane Legende drehen. Man of Medan erzählt die Geschichte der Ourang Medan, einem Geisterschiff, dessen Besatzung 1947 auf hoher See aus unbekannten Gründen ihr Leben ließ. Die genaue Geschichte könnt ihr auf Wikipedia hier nachlesen.

Packende Geschichte eines ungeklärten Phänomens

Tatsächlich ist die Geschichte der “Ourang Medan” eines der größten, ungeklärten Seeunglücke aller Zeiten. Bis heute weiß niemand, wie die Crew umgekommen ist und warum das Schiff plötzlich explodierte und auf den Grund sank. Durch einen kleinen Prolog wird euch ein Einblick in die Geschehnisse des Schiffes gewährt, als es noch seetauglich und mit einer lebendigen Crew besetzt war. Zwar nehmen die Ereignisse schnell einen düsteren Verlauf, der teils sehr Hollywood-like abläuft, aber gemäß der Umstände, dass man nicht weiß, wie die Dinge passiert sind, kann man hier nicht böse sein. Im Verlauf des Spiels wird die Legende um die “Ourang Medan” sehr gut erzählt. Hier und da findet ihr alte Überbleibsel der Crew und diese zeichnen das Bild der Menschen, die sie vor ihrem Schicksal waren, sowie den langsamen Verfall.

Der eigentliche Horror: Die Technik

Obwohl die Story einen guten, mechanischen Weg zwischen Ungemütlichkeit, Quick Time-Events und Jumpscares bestreitet, machen sämtliche technische Aspekte dem guten Rezept einen satten Strich durch die Rechnung. Während wir auf der PS4 Pro vor allem unschöne Texturen erleben mussten, die erst nachträglich, während der laufenden Szene schöner wurden, müssen sich die Benutzer der normalen PS4 zusätzlich auf satte Lags einstellen, die vorallem in den QTE’s für ordentlich Frust sorgen werden. Die deutsche Vertonung lässt ebenfalls reichlich zu wünschen übrig. Teilweise sind die Lautstärken schlecht auf einander abgestimmt, teilweise ist der Text oder die Delivery einfach unglücklich und man fragt sich, ob man da nicht eine zweite Version hätte aufnehmen sollen, “zur Sicherheit” wie man in der Branche sagt.

Relative Eindimensionalität der Charaktere

Leider mussten wir feststellen, dass sich Man of Medan förmlich komplett auf die urbane Legender der “Ourang Medan” gemischt mit Horrormechaniken stützt. Zwar beeinflussen eure Dialogentscheidungen zwischen den Charakteren den weiteren Verlauf des Spiels, rückt diese aber in kein gutes Licht. Irrelevant und austauschbar sind sie einfach nur Spielfiguren, die ihr benutzt, um den eigentlichen Horror zu ergründen. Natürlich kann man jetzt sagen, dass es ja eigentlich um das Schiff geht. Allerdings wäre das Spiel runder, wenn die Geschichten der Charaktere dennoch einen wichigen Part für sich oder für die Story hinzufügen würden.

Was aus Until Dawn mitkommt

Wer dem Kurator im Intro begegnet, wird sofort an den Psychiater aus Until Dawn erinnert. Doch im Gegensatz zu diesem, hält sich der Kurator in Man of Medan aus allen Geschehnissen heraus. Leidiglich kleinere Tipps streut er hier und dort ein, aber seine Aktionen haben niemals Einfluss auf die Geschichte, die ihr schreibt.
Neben dem Kurator, der in Zwischensequenzen auftritt, werdet ihr einige Bilder an den Wänden finden. Diese nehmen die Funktionen der Totems aus Until Dawn auf, die euch einen kurzen Blick in die Zukunft werfen lassen und euch Szenen zeigen, die noch vor euch liegen. Wer hier gutes Auge beweist, wird wissen, wie er mit dem Leben aus diesem Moment herauskommt.
Diese Vorahnungen lassen sich im Menü immer wieder anschauen, falls ihr euch unsicher seid.

Zu zweit (oder fünft) hat man weniger Angst

Man of Medan kommt mit zwei Multiplayer-Modi daher. Der Online-Coop spielt sich, wie man es aus A Way Out kennt. Zu jeder Zeit übernehmt ihr die Kontrolle von jeweils einer Person, aus dessen Sicht ihr die Geschichte erlebt und das Areal erkundet, in dem sich eure Person gerade aufhält. Natürlich würdet ihr das Spiel mit einem Freund über Headset spielen und euch gegenseitig zurufen, was der nächste Move sein könnte, allerdings könnt ihr eine ganz besondere Spannung reinbringen, wenn ihr darauf verzichtet, miteinander zu kommunizieren. Für den Online-Coop braucht ihr beide das Spiel.

Wenn euch nach einem schaurigschönen Abend ist, dann holt euch bis zu vier Freunde dazu und und spiel den Movie Night Modus. Hier braucht ihr lediglich ein Spiel, einen Controller und eine große Couch. Jeder übernimmt die Rolle einer Figur bis zum Ende des Spiels. Wenn das Kapitel eurer Figur beginnt, bekommt ihr den Controller in die Hand gedrückt und ab dafür. So lastet für den Moment die Verantwortung auf euch und ihr könnte die Geschichte in gewisse Bahnen lenken. So trägt jeder auf seine Art und seinem Wunsch gemäß zum Spiel bei.

Der Puls beruhigt ich – Das Fazit

Man of Medan macht so einiges richtig gut. Atmosphäre und Story gehen Hand in Hand einher und verbreiten ordentlich Muffensausen in dem düsteren Setting urbaner Legenden. Das Schiff, sowie die zahlreichen Methoden des Sterbens oder Verhindern dessen, halten euren Puls durchaus lange hoch. Allerdings verbaut sich das Spiel einen gänzlich guten Score durch langweilige Charaktere, deren Geschichten einfach nicht spannend genug sind. So verkommen sie eher zu Statisten, die wir durch die Story bewegen, um möglichst viel Horror zu sehen. Wen das nicht stört, wird aber spätestens in den technischen Schwierigkeiten die ungewollte Extraportion Horror finden. Ständige Ruckler auf der normalen PlayStation verbunden mit Texturen, die sich mitten in den Cutscenes entfalten, prägen das Bild. So zerstört sich Man of Medan an vielen Stellen auch die spannenden Setpieces. Ganz untergegangen ist das Spiel hier nicht, aber die kommenden Episoden haben definitiv Wiedergutmachung zu leisten.

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