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Harveys neue Augen – Das Böse hat einen Namen: Lili

von am 29. September 2011
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Lesezeit: 7 MinutenIch sitze eine halbe Stunde an Harveys neue Augen und habe schon über 50 Leute auf dem Gewissen… nein Moment… falsche Review, obwohl der Body Count durchaus in diese Richtung geht. Ich sitze schon eine ganze Weile an Harveys neue Augen und durch eine Verkettung absolut abgefahrener Umstände und Zufälle und ohne bösen Willen habe ich schon sämtliche meiner Mitschüler, einen als Clown verkleideten Psychotherapeuten und einen Barmann um die Ecke gebracht, von einer Taube und einem Weißkopf Seeadler einmal abgesehen. Und jetzt bin ich dabei Edna zu suchen, denn sie ist vor dem gefährlichen Dr. Marcel geflohen!

Dabei wollen wir doch nur helfen!

Denn wir sind die kleine Lili, das bravste Mädchen auf der Welt, eine Klosterschülerin, die von der kinderhassenden Oberin ständig gegängelt und mit irgendwelchen eigentlich ganz harmlosen Aufgaben betraut wird: zum Beispiel den Schaukelbaum vom Termitenbefall zu befreien, oder den Garten umzugraben. Die Fliegerbombe im Beet ist dabei nur ein netter und nützlicher Bonus… und nachdem der Sprengzünder dann auch fachkundig von uns im großen Ofen im Keller entsorgt wurde – nachdem ein Mitschüler, der sich darin versteckt versichert hat, dass das Ding so sicher gebaut sei um selbst eine Bombenexplosion zu überstehen – haben wir endlich Zeit uns weiter um die wirklich wichtigen Dinge zu kümmern. Nämlich das Essen für die Katze der Oberin von der leicht psychopathischen Kantinenfrau Doris zubereiten zu lassen.

Und nebenher muss man ja noch Edna helfen, denn der gemeine Dr. Marcel wurde von der Oberin gerufen um uns Kinder mit zweifelhaften Methoden in willenlose Puppen ohne Fehl und Tadel zu verwandeln.
Und Edna und er haben sowieso noch eine Rechnung zu begleichen – also müssen wir neben den Aufträgen der Oberin auch noch Edna helfen. Denn das tun beste Freunde ja, sie helfen einander.

Lili ist eine wandelnde Katastrophe

Dafür, dass sämtliche Bemühungen Lilis anderen zu helfen in der Regel mit dem Tod von Unschuldigen enden, kann man sie kaum verantwortlich machen. Zu dumm aber auch dass zum Beispiel unser Mitschüler, dem wir hilfreich nicht nur einen Presslufthammer sondern auch den richtigen Plan zum Finden des geheimen Templerschatzes in der Klosterkapelle geben, von dem wackelnden Altarkreuz erschlagen wird. Oder, dasss der abgewiesene schlechtgelaunte Psychotherapeuten-Clown vom herabfallenden Kronleuchter erwischt wird, nachdem wir ihn mit dem von ihm zuvor aus einem Luftballon gefertigten Schraubenschlüssel lose gedreht haben (das entbehrt zwar jeglicher Logik, macht aber irgendwie auch erschreckenden Sinn, oder?).

Alles was Lili anfasst endet im Chaos… und Tod und Verderben und noch mehr Tod und Verderben. Habe ich schon Tod und Verderben erwähnt? Aber wir meinen es nur gut! Wir würden ja nie etwas Böses tun. Und damit das auch so bleibt hypnotisiert uns Dr. Marcel auch gleich mit Hilfe des Stoffhasen Harvey und seinen leuchtenden Augen, um absolut sichere Verbote in unserem Kopf zu installieren. Du sollt nicht Lügen. Du sollst keinen Alkohol trinken. Du sollst nicht mit Feuer spielen. Und so weiter und so fort. Alles sinnvoll, aber hinderlich in unserer Quest Edna zu finden und zu retten. Also hilft nur eins: wir schlagen ihn mit seinen eigenen Mitteln.

Für jedes Verbot, dass uns behindert, lassen wir uns erneut von Harvey in Trance versetzen und besiegen dann unseren inneren Dämon mit seinen eigenen Mitteln, damit wir das Verbot im richtigen Moment aufheben können. Justizia zum Beispiel treiben wir zum Harakiri, nachdem wir ihr mit einfachen logischen Gleichungen klar machen, dass Lügen doch auch gut sein können. Und schon ist es uns möglich auch in der realen Welt doch hin und wieder zu flunkern.

Bonbongrafik trifft schwärzesten Humor

Für alle denen es bislang noch nicht aufgefallen ist: Harveys neue Augen hat einen so schwarzen Humor, dass man manchmal ganz schön schlucken muss und obwohl es ab 12 Jahren freigegeben ist, werden Kids daran nur halb so viel Spaß haben wie Erwachsene. Es gibt Anspielungen auf alles, nichts ist sicher oder heilig. Online Rezensionen. Hannibal Lecter (ich sag nur “mit einem Häcksler zu Schweinefutter verarbeiten…”). Manga/Anime. Pfadfinder. Kirchenverschwörungen. Rolf Zukowski Konzerte. Zurück in die Zukunft. Chatspeak (absolut genial!) etc. pp.

Die cartoonige und überaus stylische Grafik dazu ist putzig und bunt, trifft aber vielleicht auch nicht jeden Geschmack. Von eher normal bis skurril ist bei den Szenerien alles dabei. Passt aber perfekt. Besonders schön sind ja die Gnome (die aussehen wie Karl Kartoffel…), die in der realen Welt überall dort pinke Farbe verteilen, wo wieder ein bedauernswertes Wesen unseren gut gemeinten Bemühungen zum Opfer gefallen ist. Das Kloster ist jedenfalls verdammt Pink eingefärbt bevor uns endlich die Flucht von dort gelingt. Soviel mal dazu.

Der Soundtrack wird gleich mitgeliefert

Aber verblüfft uns das? Nein, irgendwie nicht. Denn schon das Intro in dem das Lied „Ich kann Kinder nicht bluten sehen“ spielt, stimmt uns irgendwie darauf ein was noch kommen wird (ich hatte ja keine Ahnung!). Soundtechnisch ist Harveys neue Augen auch ganz unterhaltsam. Alle Figuren sind vertont (die eine oder andere Stimme erkennt man auch sofort aus Film und Fernsehen) und der Erzähler hat meiner Meinung nach eine besonders sympathische Stimme.

Unterhaltsam sind auch die Dinge die gesagt werden, wenn wir wieder einmal die falschen Dinge miteinander zu versuchen kombinieren, weil wir total auf dem Schlauch stehen und uns denken “das macht zwar keinen Sinn aber irgendwie muss es ja gehen”! Zugegeben, nach dem x-ten Mal gehen einem die Sprüche dann doch auch auf den Nerv, aber das Spiel kann ja auch nichts dafür, dass wir nichts dazugelernt haben.

Die Hintergrundmusik ist relativ unauffällig und schafft zusammen mit der Spezialeffekt-Geräuschkulisse die passende Atmosphäre zu jeder Szene. Der Soundtrack liegt übrigens auch gleich auf einer zweiten CD dem Spiel bei.



Harveys Neue Augen - Jede Gesellschaft braucht Regeln




Die Rätsel: von relativ einfach, über knifflig bis sauschwer ist alles dabei (IMHO)

Gut kommen wir jetzt zum Dreh und Angelpunkt eines jeden Point & Click-Adventures. Und hier muss ich gestehen, dass ich sonst eigentlich kein so großer Fan von dieser Art von Spielen bin – von Harveys neue Augen war ich hauptsächlich deshalb angetan, weil es versprach so bitterböse zu sein (und es auch ist). Deshalb ist es schwer für mich einen Vergleich der Schwierigkeiten aufzustellen. Ich fand einige der Probleme, vor die ich gestellt wurde, durchaus schwer, an einigen hätte ich wohl beinahe graue Haare bekommen und habe sie letztendlich nur nach Internetrecherche mit Hilfe der Musterlösung gelöst. Was nicht heißen soll, dass die Lösung irgendwie unlogisch gewesen wäre. Am Ende sitzt man da und denkt sich dann: “Mann! Da hätte ich auch selbst drauf kommen können, ist doch ganz simpel.” Einige der Rätsel sind auch sehr straight forward, um nicht zu sagen einfach (selbst für absolute Point & Click-Volldeppen wie mich). So wie ich das sehe variieren also die Schwierigkeitsgrade der Rätsel, aber die Lösungen sind alle logisch – wohl auch, um ohne größere Probleme lösbar zu sein.

Fazit:

Böse, unterhaltsam, gut! Harveys neue Augen als Nachfolgespiel zu Edna bricht aus macht Spaß. Es ist unterhaltsam, schön anzusehen, meistens genau in der richtigen Art und Weise knifflig und bitterböse in seinem schwarzen Humor (dafür gibt’s in meiner Werteskala glatt einen extra Bonus Punkt). Wer Edna bricht aus gemocht hat, wird vermutlich auch Harveys neue Augen mögen. Für andere mag vielleicht die Grafik oder auch der schwarze Humor etwas abschreckend sein.

Was vielleicht noch zu erwähnen wäre: Harveys neue Augen setzt als Kopierschutz auf eine Code-Drehscheibe, aus der man bei Start des Spiels aufgefordert wird bestimmte Gesichter zusammenzustellen und dann die richtigen Werte angeben muss, so richtig schön “old school” halt. Das ist eine echt geniale Idee und wesentlich weniger nervig als andere Kopierschutzvarianten die einem in letzter Zeit von den Publishern zugemutet werden (ich sag nur SECUROM…). Das einzige Problem hier: Die Code-Drehscheibe die beiliegt ist bei einigen Kombinationen offenbar fehlerhaft; schade, wenn auch meist nicht so schlimm, man kann es ja noch mal mit einer neuen Kombination versuchen. (Ist mir bereits zweimal passiert, dass eines der Code-Kästchen leer blieb, und nein, soweit ich das beurteilen kann liegt das nicht an einem Bedienungsfehler, sondern ist auch bei anderen schon aufgefallen.) Geliefert wurde das Spiel übrigens in einer sehr stylischen Papp-Verpackung die aussah wie eine Kellog’s-Schachtel, mit Harvey’s Augen als Cornflakes; sehr schön oder eben vielleicht auch eklig, je nachdem wie man das sehen will (es gibt auch eine Version ohne die Pappschachtel).

Wer jetzt richtig Lust auf bitterbösen schwarzen Humor hat, kann direkt auf amazon.de Harveys neue Augen für den PC bestellen.

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