Fight Night Round 4 – It’s Time to Fix your Face!
Lesezeit: 5 MinutenDer Kampf dauert nun schon eine ganze Weile. Mein Gesicht und das des Gegners sind gezeichnet mit Schweiß, Schwellungen sowie kleineren Schnittwunden. Das Publikum in der ausverkauften Arena jubeln und schreien. Jesse Black, mein überaus muskulöser Gegner, stampft auf mich zu. Fäuste hageln auf meinen Körper ein. Ich versuch die Deckung aufrecht zu erhalten. Mein Kopf weicht den Schlägen relativ erfolgreich aus. Sein Haken verfehlt meinen Kiefer. Ich sehe meine Chance und lasse einen druckvollen rechten Schwinger gegen seine Schläfe krachen. Er fängt an zu taumeln. Ich höre mein Herz laut pochen. Jetzt kann ich den Sack zumachen! Ich setze nach. Ein paar Jabs und Aufwärtshaken später sackt er zusammen. Der Schiedsrichter zählt nicht mal bis zehn durch und beendet den Kampf.
Alter Schwede! Nicht nur mein Kämpfer lässt sich erleichtert feiern, auch ich lasse es mir nicht nehmen, von der Couch aufzuspringen und trimuphierend durch die Wohnung zu springen. Fight Night Round 4 ist intensiv und verlangt vom Spieler zu jeder zeit volle Konzentration. Denn nur eine kleine Unaufmerksamkeit kann das Aus bedeuten.
Doch wer einfach nur blind versucht, den Gegner mit möglichst vielen Treffern zu bezwingen, wird den Ringboden öfters küssen als einem lieb ist. Aber auch so ist der Einstieg in das Spiel alles andere als einfach. Denn anstatt einfach durch Buttonsmashing die Fäuste sprechen zu lassen, kommt schon wie beim Vorgänger die „Total Punch“-Steuerung zum Einsatz. Je nachdem, wie man den rechte Analogstick bewegt, schlägt der Boxer auf den Gegner ein. Betätigt man zusätzlich die linke Schultertaste, gehen die Aktionen gegen den gegnerischen Körper. Blocken und Körpertäuschungen funktionieren nach dem gleichen Prinzip.



Gerade am Anfang erwischt man seinen Kämpfer das ein oder andere mal dabei, wie er einen falschen Schlag ausführt. Hier ist Präzision gefragt. Und Geduld. Aber nach einigen Kämpfen minimiert sich die Fehlerquote.
Die neue Engine lässt nicht nur optisch die Muskeln spielen, sodass man am Körper sogar Adern und die Anspannung der Muskeln deutlich erkennen kann, auch gameplaytechnisch packt FNR 4 eine ganze Schüppe drauf: Vorbei sind die Zeiten, in denen Hitboxen und Trefferzonen das Spiel bestimmten. Nun können die Fäuste bei gegnerischen Hautkontakt gerne mal das Ziel verfehlen und abrutschen oder verkeilen sich nach einem schlecht platzierten Haken. Dementsprechend gering ist dann aber auch die Schadensausbeute. Aber alles zu jederzeit super flüssig bei 60 Frames pro Sekunde.
Während man in Fight Night Round 3 zwischen den Runden sogar den angeschlagensten Boxer durch wildes „Kühleisen-über-das-Gesicht“-Schrammeln wieder fit machen konnte, setzen die Entwickler im vierten Teil auf ein Punktesystem. So sammelt man während der Runde für erfolgreiche Schläge und Knockouts Punkte, die man dann in der Pause in den Bereichen „Schaden“, „Ausdauer“ und Gesundheit investieren kann. Je besser man sich anstellt, um so größer wird das Punktekonto.
Erstmalig in der Fight Night-Serie spielt auch die Reichweite der Athleten eine große Rolle. So sollten Kämpfer mit langen Armen ihre Gegner auf Distanz halten und mit Jabs und Geraden das Tempo des Kampfes bestimmen. Fighter mit relativ kurzen Extremitäten hingegen erzielen den größten Erfolg, wenn sie in den Infight gehen und den Feind mit schnellen Haken malträtieren.
Wie im echten Boxen dreht sich bei Fight Night Round 4 alles um die Karriere. So kann man mit einem bereits bestehenden Kämpfer auf Titeljagd gehen oder sein eigenen Recken mit Hilfe des mächtigen Editors erstellen. Besitzt man eine Eye Toy- oder Xbox Live Vision-Kamera, kann man sogar sein eigenes Gesicht ins einfügen. Doch wer jetzt schon in den nächsten Gaming-Store seines Vertrauens rennen möchte, dem sei gesagt: Es gibt noch eine andere Möglichkeit. Auf Easportsworld.com kann man Fotos von seinem Kopf hoch- und im Spiel wieder runterladen. Auf Basis der Fotos wird dann das Gesicht erstellt. Und das Ergebnis kann sich in beiden Fällen wirklich sehen lassen.



Hat man seinen Boxer erstellt und sich für die unzähligen Haltung- und Schlagstile entschieden, geht es los. Anfangs kämpft als unbekannter in kleinen Fitnesstudios oder Boxing-Clubs. Um in der Karriereleiter aufzusteigen, müssen bestimmte Ziele erfüllt, Siegesquoten erreicht und Popularität gewonnen werden.
Hat man seinen Gegner ausgewählt, geht es ans Training. Denn nur hier kann sich der Newcomer in den verschiedenen Attributen verbessern. Zur Auswahl stehen sechs unterschiedliche Trainingseinheiten, die verschiedene Fähigkeiten, verbessern, aber auch verschlechtern. Deswegen sollte man immer darauf achten, die Übungen immer zu variieren. Wer lieber gleich Kämpfen möchte, kann diesen Schritt auch simulieren.
Leider entpuppt sich der Karriere-Modus schnell als relativ trocken. Außer den Kämpfen und den Trainingseinheiten gibt es nicht viel zu erledigen. Dafür lassen sich umso mehr Statistiken aufrufen. PR-Aktionen, Autogrammstunden und das traditionelle Wiegen vor den Kämpfen in Form von Minispiele hätte hier wahre Wunder bewirkt.
Dafür geht online ordentlich die Post ab. Neben schnell gestarteten Kämpfen könne auch ganze Weltmeisterschaften ausgetragen werden. Desweiteren hat man die Möglichkeit, die selbsterstellten Kämpfer anderer Fight Night-Spieler runterzuladen. Neben wirklich schrillen Kreationen haben einige User auch schon Boxer wie die Klitschkos, David Haye, Oscar de la Hoya oder Rocky Balboa erstellt. Auch ein gewisser Präsident Obama lässt sich unter den zahlreichen erstellten Kämpfer finden. Somit kann man das ohnehin schon üppig gefüllte Roster mit Kämpfern wie Tyson, Ali, Foreman, Paquia oder Hatton nach belieben erweitern. Der ESPN-Podcast versorgt währenddessen mit den neusten Infos aus der Welt des Sports.
Fazit:
Fight Night Round 4 ist die vorzeige Boxsimulation auf der Playstation 3 sowie Xbox 360. Noch nie wurde der Boxsport so realistisch, so authentisch für eine Videospielkonsole umgesetzt. Von der Grafik bis zum Spielgefühl stimmt einfach alles. Da nimmt man auch gerne einen etwas drögen Karriere-Modus in Kauf, der Online-Modus bügelt das wieder aus.








