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FIFA 20 – Was VOLTA mehr?

von am 16. Oktober 2019
DETAILS
 
Spieldauer:

20-50 Stunden (inkl. Multiplayer)

Für Fans von:

Fußballsimulationen

Pluspunkte

+ Volta-Modus
+ massig Lizenzen (700 Teams, 30 Ligen)
+ sehr viel Inhalt, fühlt sich nicht nur wie ein Update an
+ großartige Stadionatmospghäre
+ sinnvolle Verbesserungen im Gameplay

Minuspunkte

- Storymodus von Volta verbesserungswürdig
- Klonspieler bei Volta
- die Existenz von Ultimate Team
- Bugs und Aussetzer
- Switch Version quasi Fifa 19 mit aktualisierten Teams und Lizenzen

Editor Rating
 
GAMEPLAY
8.0

 
GRAFIK
8.0

 
SINGLEPLAYER
6.0

 
MULTIPLAYER
7.0

 
SOUND
6.0

Gesamt-Wertung
7.0

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Zusammenfassung
 

"FIFA 20" bietet die gewohnte Fifa-Qualität und bringt mit Volta den lang ersehnten Straßenfußball wieder zurück auf die Konsolen. Zwar kann der dortige Storymodus nicht überzeugen, doch macht das Gameplay unheimlich Spaß. Abseits davon wurde bei der KI und Physik, als auch beim Karrieremodus wieder ein wenig geschraubt und bleibt uns die großen Innovationen wieder schuldig. Ob das genug für einen ist, muss jeder Spieler für sich selbst entscheiden.

 

Lesezeit: 6 MinutenWenn man jedes Jahr die Tests von der Fachpresse als auch von Fans zu dem jeweils neusten Fifa durchliest, scheint es genau zwei Lager aufgeteilt: die einen nehmen jede noch so kleine Veränderung als Revolution wahr und behaupten, dass dieses Fifa endlich das Rad neu erfindet. Die anderen hingegen scheinen jede Innovation zu ignorieren und stempeln den neuen Ableger als extrem teures Kaderupdate mit unnötigen Änderungen ab. Beide Lager sind da natürlich sehr polemisch und einseitig, daher sollte man als Rezensent natürlich immer darauf achten, nicht mit der Welle mitzureiten oder als aus opportunistischer Motivation sich auf die Gegenseite zu schlagen, damit die Review aus dem Sumpf der immergleichen Aussagen raussticht. Welchen Weg dieser Test bei FIFA 20 gehen wird? Das werdet ihr wohl erst rausfinden, wenn ihr die nächsten Absätze auch lest.


Endlich wieder Straßenfußball!

Erinnert sich noch irgendjemand an die Fifa Street Reihe? Es wäre nicht verwunderlich, wenn der Großteil der Leser es verneinen würde, da der letzte Ableger noch 2012 für die PS3 und Xbox 360 rauskam und die Serie seitdem sich im Winterschlaf befunden hat. In FIFA 20 erfährt dieser Modus seine lang ersehnte Renaissance und nennt sich mittlerweile Volta. Und was soll man sagen – es macht richtig Laune! Falls nicht bekannt, treten in Volta zwei Teams (3 bis 5 Spieler) gegeneinander auf kleineren Fußballfeldern auf der Straße oder in der Halle gegeneinander in verschiedenen Variationen des Straßenkicks gegeneinander an. Das Gameplay ist im Gegensatz zum “herkömmlichen” Fifa weitaus schneller, die Figuren haben eine andere Dynamik und das Pass/Schussgefühl ist für Nichtveteranen zu Beginn erst mal gewöhnungsbedürftig. Jedoch groovt man sich relativ schnell rein und kann mit den Dribblings einige imposante Moves präsentieren (allerdings weitaus weniger als in der 2012er Version). Hohe Bälle sollte man aber nach Möglichkeit vermeiden, da diese erfahrungsgemäß selten ihr Ziel erreichen – der Schlüssel zum Sieg liegt hier bei kurzen und schnellen Pässen.

EA Sports hat dieses Jahr ihren Storymodus mit dem Voltamodus verknüpft. Da die “Journey”-Story rund um Alex Hunter im letzten Teil ihren Abschluss gefunden hat, hat sich der Wechsel hier angeboten – jedoch kann die Storykampagne in keinem Moment an die bereits wenig dramatische Story vom Vorgänger rankommen. Das Ziel unseres Teams (inkl. selbst kreierten Charakter!) ist die Volta-Weltmeisterschaft in Brasilien und man kämpft sich weltweit von Turnier zu Turnier und besiegt diverse Truppen. In meinem Playthrough war es allerdings besonders peinlich, wie wenige Charaktermodelle eigentlich zur Verfügung stehen, denn ich durfte mit meinem individuellen Team direkt im zweiten Match gegen ein anderes individuelles Team antreten… mit zwei Charaktermodellen, die genauso aussahen, wie meine Teamkameraden. Außerdem hebt EA Sports in der Storykampagne den Cringe-Faktor auf ein neues Level. Die coolen Turniersprecher kennt man bereits aus den Street-Vorgängern und sie sind auch passend für die Situation (zudem jeweils immer in der Landessprache). Doch kann man schwer die gezwungen coolen Torjubel, Sprüche (“sicke Skills”), Klamotten-Freischaltungen und mehr als peinlichen Dialoge in den Zwischensequenzen verzeihen. Hier wurde FIFA definitiv mit NBA 2K verwechselt.

Karrieretyp mit Hindernissen

Doch was ist mit allen anderen, die kein Interesse am Straßenfußball haben? Na ja, zuerst ist das ziemlich traurig, doch kein Weltuntergang. Denn vor allem Ultimate Team… nein, nein. Ich werde nicht über FUT 20 schreiben. Jede Zeile, die ich für diesen “Modus” opfern würde, müsste indiziert werden. Deswegen springe ich direkt weiter zum überarbeiteten Karrieremodus, über den ich weitaus jugendfreundlicher berichten kann. Man kann wie gewohnt als Trainer oder Spieler eine Karriere starten und sich an die Weltspitze kämpfen. Hier hat man sichtlich Mühe gegeben, um die Spiele herum mehr Atmosphäre zu schaffen – positiv sticht die Möglichkeit raus, dass man bei Interviews und Pressekonferenzen (als auch Einzelgesprächen mit den eigenen Spielern) auf ein (recht abgespecktes) Dialog-Diagramm zugreifen kann und diese Momente dadurch weniger statisch wirken. Und natürlich wurden die Lizenzen erneut und einige hinzugefügt. Moment, alle Lizenzen? Nein, denn ein kleines Dorf im Norden Italiens hat sich rigoros und mutig geweigert, den übermächtigen Eroberern von EA Sports ihren Vereinsnamen anzuvertrauen. Deswegen dürfen in der Serie A den Nicht-wirklich-Neuling “Piemonte Calcio” (AKA Juventus Turin) begrüßen. Und nicht wundern, die meisten Spielernamen sollten euch ebenfalls bekannt vorkommen, da diese Lizenzrechte nicht von der Abkehr Juves betroffen sind. Und hey, dafür gibt’s nun die rumänische erste Liga. Ist doch auch was.

Zudem hat der Karrieremodes momentan noch mit einigen Problemen zu kämpfen. Zum einen stellen sich die gegnerischen Teams bei der Taktik sehr transparent an, sodass man die immer gleichen Spielzüge und Aufstellungen früh bemerkt und aushebeln kann. Außerdem hat die Aktualisierung der Kader fast drei Wochen benötigt, was selbst für EA-Verhältnisse langsam ist. Die Aktualisierung bei FUT 20 kamen seltsamerweise relativ fix, da es ja hier um… uff, das war knapp. Ich wollte fast wieder was über FUT 20 schreiben. Bleiben wir auf der anderen Baustelle. Trotz des Patches wird der Karrieremodus noch von einigen Bugs heimgesucht – vor allem die Aussetzer bei gegnerischen Abwehr sind immer noch prominent vorhanden. Hier muss EA schnellstmöglich nachbessern.

Was auf dem Rasen passiert

Kommen wir aber zum wohl wichtigsten Aspekt jedes neues Fifa-Teils, nämlich FUT… verdammt nochmal, nein! Nicht bei mir! Weg mit dir, du virtueller monetärer Blutsauger und Grund für… Sorry, sorry. Tut mir wirklich leid, ich versuche wirklich nicht meinen Senf zu diesem Thema abzugeben. Also nochmal von vorne: Gameplay! Was gibt es Neues auf dem Rasen? Auf dem ersten Blick nicht besonders viel, doch merkt man nach den ersten Partien die feinen Unterschiede. Die Standards wurden zum Beispiel komplett überarbeitet, Elfmeter und Freistöße erfordern nun mehr Finesse, können aber bei Meisterung zu deutlich mehr Erfolgsmomenten führen als noch im Vorgänger – ich kann meine Freistoßtore in Fifa 19 an einer Hand abzählen. Zudem gibt es neue Schuss- und Dribbelmechaniken, welche vor allem in der Offensive zu neuen Spielzügen führen. Zum Beispiel gelingen durch das veränderte Abwehrverhalten mehr tödliche Pässe durch die Mitte, welche vorher in neun von zehn Fällen zum Ballverlust geführt haben. Außerdem wurde die Ballkontrolle beim Dauersprinten verschlechtert, sodass man dem ballführenden Spieler leichter die Kugel abnehmen kann.

Das Gameplay wurde insgesamt etwas verlangsamt, sodass sich die Spielzüge auch taktischer anfühlen und allseits bekannte Hektik sich seltener einstellt. Flanken führen nun zu mehr Chancen, Seitenwechsel machen zum ersten Mal seit langem mehr Sinn und die leicht veränderte Ballphysik sorgt dafür, dass der Ball auch häufiger mal abprall – vor allem beim Torwart wird man das spätesten beobachten könnten, was zu mehr Nachschussmöglichkeiten führt. Die Schwächung der KI-Abwehr hat aber auch seine Nachteile, da z.B.nicht immer alle Spieler sinnvoll nach hinten laufen und dem Gegner dadurch mehr Angriffsmöglichkeiten erlauben. Es herrscht also zur Zeit noch eine fehlende Balance zwischen Angriff und Abwehr, jedoch war dies auch letztes Jahr in andere Form der Fall und wurde nach einigen Patches komplett verändert. Daher kann es gut sein, dass bereits im November all diese Beschwerden obsolet sein werden.

Das Stiefkind

Eine Sache, die hier noch erwähnt werden muss ist die Switch-Version von Fifa 20. Hier zieht EA Sports – ähnlich wie damals bei der PSVita – eine Mogelpackung aus dem Hut und präsentiert quasi FIFA 19 mit aktualisierten Kader. Aber warum auf mich hören, wenn man einfach kurz in die FAQ auf Homepage von EA schauen kann:

“Die FIFA 20 Legacy Edition enthält eine aktualisierte Präsentation (Ingame-Menüs und Übertragungs-Einblendungen) sowie die neuesten Trikots und Kader-Updates für die bevorstehende Saison. Es sind jedoch keine neuen Spielmodi oder Gameplay-Innovationen enthalten.”

Man kann also EA nicht vorwerfen, nicht komplett transparent mit ihrer Firmenpolitik zu sein. Switch-Besitzer sollten daher einen großen Bogen um die Legacy Edition machen oder zumindest einen deutlichen Preisverfall abwarten.

Kein großer Wurf, keine Katastrophe – ein Fazit

Also was bleibt beim Fazit? Wenn man die freche Switch-Version außen vor lässt und nicht über FUT 20 redet bleibt eine gewohnt großartige Fußballsimulation, welche seit Jahren das größte Inhaltsupdate inkl. dem wirklich unterhaltsamen Volta-Modus abliefert. Ist die Story zum vergessen? Absolut. Wären mehr Innovationen möglich gewesen? Natürlich. Und unter dem Aspekt kann man Fifa eher Tippelschritte als Sprünge vorwerfen – jedoch präsentiert sich das Gesamtpaket mehr als homogen. Die Stadionatmosphäre und Kommentare sind immersiver als zuvor, die Animationen flüssig und das Gameplay macht nach wie vor großen Spaß, vor allem gegen menschliche Spieler. Eine Kaufempfehlung ist hier nicht nötig, Fans werden weiterhin die neuen Teile kaufen und wer vorher noch kein Freund von FIFA war, wird auch mit FIFA 20 nicht bekehrt werden.

 

 

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