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Devil’s Third – Stigmatisierter Höllentrip?

von am 8. September 2015
DETAILS
 
Für Fans von:

Counter Strike, House of the Dead, 80s Action Movies, Trash Movies,

Pluspunkte

+ Starker Online Multi-Player
+ Viel Raum zum Experementieren
+ Teilweise sehr trashig
+ Coole Finishing Moves
+ Maschinengewehre mit Flammenwerfern

Minuspunkte

- Grafisch eher... meh
- Langweilige Texturen
- Online Zwang für Multi-Player
- Pro Controller für angenehme Steuerung nötig
- Dünne FIguren und Storytelling
- Nicht das, was 2011 versprochen wurde
- Server für Multiplayer mittlerweile Offline

Editor Rating
 
GAMEPLAY
6.0

 
GRAFIK
6.0

 
SINGLEPLAYER
6.0

 
MULTIPLAYER
8.0

 
SOUND
6.0

Gesamt-Wertung
6.0

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Zusammenfassung
 

Die WiiU ist nun um einen 18+ Exklusiv Titel reicher. Devil’s Third hat es nach langem hin und her endlich auf Nintendos aktuelle Heimkonsole geschafft. Leider schafft es Tomonobu Itagakis neuester Schößling nicht so ganz die Erwartungen, die er 2011 gesetzt hat zu erfüllen. Die Story ist zu löchrig, die Figuren zu simpel, die Steuerung für einen Shooter oft zu hakelig und es fehlt einfach überall an der gewissen Raffinesse, die man von so einem Gamedesigner erwarten würde.
Trotzdem hat das Spiel auch seine guten Seiten. Einen netten Trash Charakter, übertriebene Gewalt, nette Wechsel zwischen Fern- und Nahkampf, bunte Bossgegner, und ein verheißungsvoller Online Multiplayer Modus, mit massenhaft Gestaltungsmöglichkeiten euch auszutoben, heben das Spiel dafür wieder etwas aus der grauen Shootermasse hervor. Wenn ihr für 40 Euro ran kommen solltet, gebt euch einen Ruck und diesem ungeschliffenem Diamanten eine Chance.

 

Lesezeit: 7 MinutenEin sinnleerer Titel, ein sinnleerer Plot und ein sinnleeres Geballer. Ist an der unheiligen Dreifaltigkeit, welche man Tomonobu Itagakis neuestem Shooter, Devil’s Third, bereits lange vor dem Release vorwirft überhaupt etwas dran? Ob diese Schelte Gerechtfertigt ist oder ob das Internet einfach wieder nur höllisch übertreibt, werdet ihr in den nächsten Zeilen herausfinden (außer ihr habt euch das Spiel schon gekauft in dem Fall, bitte ruhe im Kommentarbereich).

Eine Serie an Hiobsbotschaften

Devil’s Third hatte es tatsächlich nicht einfach. Auf der E3 2011 erstmals vorgestellt, gab es damals noch drei Protagonisten, Schwertkombos wie aus Ninja Gaiden, Prügel wie in Dead or Alive und Schusswechsel die direkt aus Max Payne hätten stammen können. Alles vermischt zu einem ziemlich abgefahrenem Gameplay-Süppchen. Leider ist THQ zwischenzeitlich pleite gegangen (womit auch alle Hoffnungen auf ein neues Darksiders entschwunden sind…schnüff…) und es war lange Zeit still um die Teufelsballerei. Nun springt überraschenderweise Nintendo in die Bresche und dreht wieder Geldhahn auf, um Itagakis Vision doch noch wahr werden zu lassen.

Leider ist von dieser Vision nicht viel übrig geblieben. Sei es aus Geld oder Zeitgründen, sei es, weil die WiiU einfach nicht die Hardwarevoraussetzung liefern kann, um so etwas zu wuppen oder weil einfach niemand mehr (außer Itagaki selbst) an das Projekt geglaubt hat, aber nach einem langen hin und her, kam nun letztendlich eine abgespeckte Version von allem was wir im Trailer gesehen haben. Nun haben wir einen statt drei Protagonisten, nun gibt es keine nahtlose Vermischung mit vernichtenden Kombos aus Nah- und Fernkampf und nun müssen wir uns auch grafisch ein wenig einschränken. Aber ist Devil’s Third trotzdem so ein Rotz wie alle behaupten? Sind Itagakis Versuche der vehementen Verteidigung seines „Babys“, der letzte Strohhalm, um zu versuchen, das Spiel unter allen Umständen unter die Leute zu bringen und so etwas wie einen „Hype“ zu generieren? Nun, wir werden es nicht wissen, bevor wir es nicht selbst gespielt haben. Also, schnallt euch an und macht euch bereit, mit einem der am heissesten diskutierten Spiele des Jahres endlich auf Tuchfühlung zu gehen.

Erklärungen? Sind nur für Leute, die einer Sache Sinn geben wollen!

Schon mal was vom Kessler-Effekt gehört? Ich auch nicht. Ist auch nicht schlimm, das Spiel macht sich nur ganz kurz die Mühe, zu erklären, warum es zu einem weltweiten Stromausfall gekommen ist, nur um genau das dann bis auf einige In-Game-Szenarien komplett zu ignorieren. Schade, das hätte einige Interessante Gameplayelemente bieten können. Aber was solls, solange der Rest Spaß macht, gibt es sicher schlimmeres. Wir befinden uns also in der Haut eines ehemaligen russischen Spezialagenten/Terroristen/Killers Ivan.

Ivan verbringt seine Zeit in einer luxuriös ausgestatteten Zelle, viele Meter tief im „Gefangenenfreizeit-Camp“ Guantanamo Bay. Voll ausgesattet mit Diskolichtern, Riesen TV, Drums, und Gitarren, die er alle als Geschenke für seine (geheimen) Dienste im Auftrag der großartigsten Nation dieser Welt getätigt hat. Da seine“Suite“ relativ weit unter der Erde ist, scheint ihn der Stromausfall erst einmal nicht zu tangieren und er lässt ein Over-The-Top-Drum-Solo vom Stapel. Eigentlich ein perfekter Einstieg in so ein, vor Testosteron überquellendes Spiel, wie Devil’s Third.

Leider hat er das Pech, eben jener Russe, mit einer Abneigung gegenüber jedweder Oberkörper-bekleidung zu sein, welcher nunmal einfach der „BESTE“ ist, weswegen Ivan (*B*ooze) schnell mal die Welt retten soll. Vorher muss er sich nur noch aus dem Gefangenenlager frei kämpfen, da durch den Stromsaufall die Gefangenen eine Revolte angezettelt haben und er nun mal irgendwie unbeschadet an Frischluft kommen muss. Dabei lernt ihr auch gleich mehr oder minder die Grundlagen des Kampfsystems und ballert, schlagt und schnetzelt euch durch Südamerikas geselligsten Gefängniskomplex. Auch werden hier zum ersten Mal die Fledermäuse vorgestellt, die keinerlei anderem Zweck dienen als euch zu nerven, ohne Grund immer wieder euren Weg zu kreuzen, und auch sonst durch sinnvollere Dinge, wie etwa mutierten Hunden hätten ersetzt werden können. Aber wer bin ich schon, Design-Entscheidungen eines Videospiels zu kritisieren?…

Gameplay aus der Hölle?

Die schlechten Wortspiele mal bei Seite, aber ist das Gameplay von Devil’s Third wirklich schlecht, nur weil es nicht mehr das ist, was man uns versprochen hat? Das lässt sich so nicht sagen, da es zumindest immer noch Zweckmässig ist. Nicht überragend, nicht Genial. Man hat besseres gesehen, aber es ist bei weitem auch nicht schrecklich oder fürchterlich. Statt spektakulärer Kombos, wird nun auf eine einfache, aber effiziente Art, die Gegner loszuwerden, gesetzt. So könnt ihr eure Nahkampfwaffen auf eure Gegner werfen, im Sprint an sie ranrutschen, während ihr aus allen Rohren ballert und gleichzeitig zum Abschluss noch mal ein paar Schnitte mit der Machete verteilen.

Zwar gibt es keine Belohnungen in Form von Stil-Punkten, wie man da etwa von Devil May Cry kennt, aber ich persönlich finde das gar nicht schlimm. Das nimmt einem etwas den Druck aus dem Hinterkopf, immer noch höhere Punktzahlen erreichen zu müssen, nur um der Punkte willen, Punkte machen. Hier kann man noch stylish metzeln um des Styles willen. Wenn die Steuerung nur nicht so hakelig wäre. Ich bin wirklich froh, dass es einen Aim-Assistant gibt und ich ein Pro-Pad habe, denn mit dem Tablet-Controller lässt es sich wirklich noch einmal eine ganze Ecke schwerer Steuern. Wobei ich persönlich die Zielhilfe im späteren Verlauf ausgeschaltet und den Schwierigkeitsgrad hochgeschraubt habe, um wenigstens ein wenig Herausforderungsluft zu schnuppern.

Die Bossgegner in Devil’s Third sind zwar allesamt recht bunt und errinerungswürdig, aber zumindest im normalen Setting viel zu einfach. Ein paar Schläge mit der Faust, ein paar Hiebe mit dem Schwert, hier mal ausweichen, fertig ist die Laube. Etwas Schade, aber vertretbar. Ebenso die vielen und fairen Rücksetzpunkte, die einem das Shooter Leben wirklich erleichtern und dadurch, Gott sei dank, zum Experimentieren einladen. Wie oft bin ich schon gestorben, weil ich Katana voraus in eine Meute Sturmgewehr schwingender Wahnsinniger, mutierte Kellerratten oder auf Steroide gesetzte Robocops gehechtet bin. Aber hey, das ganze Spiel lädt nun mal nun auch nicht gerade zur subtilität ein.

Viele Figuren, aber kaum Charaktere

Ja klar, die Story ist Müll. Der Plot erinnert an einen schlechten Steven Seagal Film und die Set-Pieces werden wirklich nur Lose durch die löchrige Handlung zusammengehalten. Ivan ist zwar relativ interessant, da er nicht der typische, besserwisserische Superheld ist, sondern ein wirklich stiller Russe, der lieber Taten statt Worte sprechen lässt. Er trinkt und raucht, wenn man sich mal ein paar Sekunden nicht bewegt, was dem ganzen Tatsächlich einem gewissen Coolness-Faktor gibt, aber abseits davon hat man nur seine schlecht erzählte, dunkle Vergangenheit, die ihn ausmacht. Die anderen Figuren (exklusive der Bosse), sind alle ziemlich austauschbar und schnell zu vergessen. Wie schön wäre es denn gewesen, wenn man Ivan, der nun gegen seine alten Kollegen und auch Freunde kämpft, ein wenig mehr… Leben einhauchen würde. Die Interaktionen etwas… dramatischer gestalten würde? Ich liebe Trash, aber der lebt nun mal auch davon, dass alles irgendwie „over-the-top“ ist. Nicht nur Stellen daraus.

Dafür, dass das Setting so übertrieben ist, und das Gameplay stellenweise wirklich etwas zu fummelig und unintuitiv, nimmt sich das Spiel trotzdem etwas zu ernst. Ich kenne das nun mal von selbst, wenn man sich nicht ganz entscheiden kann, welchen Weg man mit einer Geschichte gehen will, und sich deswegen irgendwo unentschlossen in der Mitte ansiedelt. Das kann gut gehen, man entdeckt aber leider als Aussenstehender zu schnell, dass da irgendwo einfach eine klare, unterhaltende und packende Linie fehlt. Beste Beispiele hierfür sind (um mal bei Nintendo zu bleiben), No More Heroes, House oft he Dead: Overkill und Mad World. Devil’s Third hätte sich perfekt hier einreihen können, verschenkt aber leider viel Potential.

Ungenutztes Potential und ärgerliche Designfehler

Devil’s Third will durch sein Gameplay und dessen Mechaniken überzeugen. Ihr kombiniert, nicht besonders umfangreich, aber zweckmässig, Nah- und Fernkampf, ladet durch ein paar saftige Ohrfeigenkombos eure Enbaku-Leiste auf (quasi so etwas wie ein overdrive Modus, der euch mehr Ausdauer und Nahkampf-Power gibt und eure Tattoos zum Leuchten bringt) und habt eine Multifunktionsbrille, mit Infrarot und Airstrike-Kurzwahl.

Leider verkackt das Spiel, diese ganzen Goodies vernünftig über einen längeren Zeitraum zu intgerieren. Nicht, dass es immer notwendig ist…aber warum mir ein cooles Spielzeug in die Hand drücken, wenn ich es eh nur einmal benutze? Ein paar Beispiele. Eure Brille verfügt über Infrarot. Damit sollt ihr in einer Mission versteckte Bomben entdecken. Ok, cool. Nettes Gimmick, kann man machen. Im späteren Verlauf kommt auf euch eine Gegnerhorde zu, welche über eine optische Tarnvorrichtung verfügen (dieses “schimmernde Durchsichtige” was oft als “unsichtbar” gilt). Wäre ja geil, wenn man die mittels Brille Orten und Markieren könnte (wie bei den Bomben). Oh…anscheinend sind wohl die Batterien leer, denn diese Option wurde mit dem lettzen Level über Board geschmissen.

Auch eure Enbaku-Leiste ist ein zweischneidiges Schwert. Eigentlich sollte sie euch ja irgendwie motivieren, in den Nahkampf zu gehen. Man schlachtet sich also durch einen kompletten Levelabschnitt, vorbei an mit Sturmgewehren fuchtelnden Baddies, segnet unzählige Male das Zeitliche, prägt sich die Strategie und Standorte der Gegner ein, um sie alle möglichst Stilvoll zu zerhacken, um zumindest beim Boss, mit einer schön leuchtenden “ich geb dir jetzt mal ein paar ordentliche Schellen” – Leiste zu stehen. Blöd nur, dass das alles umsonst war, wenn ihr beim Endboss (oder an beliebiger anderer Stelle) ins Gras beisst. Dann ist Enbaku nämlich leer und ihr hättet euch auch stumpf durch das Level knallen können. Was ihr dann immer öfter auch macht. Wenigstens sind die Entwickler so nett euch nach jedem Ableben mit vollen Munitionsleisten auszurüsten.

Multiplayer mit Aussicht auf teuflisches Vergnügen

Devil’s Third hat auch einen Multiplayermodus. Interessant dabei sind zwei Sachen. Die erste ist, obwohl der Titel als Nintendo-Exklusive erscheinen sollte, soll zumindest der MP einen Ausflug auf den PC machen. Und ich bin ehrlich, das kann wirklich Potential haben, was direkt zum zweiten Punkt führt. Die Möglichkeiten des Multiplayers.

Nun muss ich erst mal zugeben, dass ich kein Online-Shooter-Veteran bin und ich durch eine etwas… lahme Internetleitung, sowie auch aus mangelndem Interesse immer einen großen Bogen um Counter Strike und Co gemacht habe. Zwar gab es mal eine Ausnahme, in der ich es mit Team Fortress probiert habe, aber mangels Talent und einer geschnittenen Deutschland Version, habe ich es bald wieder Deinstalliert.

Nun bietet Devil’s Third mir als Quasi…Neuling auf diesem Gebiet viele Interessante Features. Zum einen natürlich einen für Shooter wirklich ausgiebigen Figuren-Editor, mit dem man sich oder seinen Traumpartner erstellen kann (zumindest was Gesicht Geschlecht und Frisur betrifft). Später kann man durch verdientes Geld noch zusätzliche Outfits kaufen, die die Figurenwerte verbessern, sein Ausssehen und Geschlecht wieder ändern oder halt einfach neues Equipment klar machen. Es gibt klassische Modi, wie “Capture The FLag” und “Battle Royal”. Aber auch abgefahrene wie “Obst Klauen” und “Hühner fangen”. Dazu kann man sich noch in Clans zusammentun, eigene Festungen bauen und ausstatten und und und. Auch lassen sich alle Waffen, die man kaufen kann, vorher noch einmal ausgiebig ausprobieren. Wenn das richtig angegangen wird, hat der Multiplayermodus wirklich viel Potential für einen Hit. Nur schade, dass es man keine offline-Partien mit Freunden machen kann. Ich dachte, da würde Nintendo etwas traditioneller sein, aber gut.

Tonys Final Thoughts

Es gibt eigentlich noch unendlich viel mehr, was ich noch alles über das Spiel schreiben könnte. Aber es ändert nichts an der Sache, dass wir hier nun mal einfach einen mehr oder minder soliden Shooter zu tun haben, der nur leider 4 bis 5 Jahre zu spät kommt. Sei es grafisch, Gameplay-mäßig oder einfach vom Setting. Man sieht, dass eine gewisse Liebe reingeteckt wurde, aber das täuscht leider nicht über die, nun mal nur mäßige Ausführung hinweg. Und trotzdem. Gerade im höchsten Schwierigkeitsgrad, hat mich Devil’s Third irgendwie gepackt und gefordert. Ich war wütend, ich war glücklich, ich war enttäuscht, ich war überrascht. Kurzum, ich wurde unterhalten. Und ich denke, darauf kommt es bei einem Spiel letztendlich an. Wenn ihr das das Ding für 40 € findet, und mal nach neuem Shooter-Futter mit ein, zwei netten Ideen sucht, Interesse an cooler Onlinemultiplayer-Action habt, aber Splatoon euch zu sehr an eure letzte Bukake-Session erinnert und mit einigen Macken seitens des Gameplay leben könnt, gebt dem Spiel gerne eine Chance.

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