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Daemon X Machina – Mittelmaß aus der Maschine

von am 12. Oktober 2019
DETAILS
 
Spieldauer:

Plusminus 20 Stunden

Für Fans von:

Mechas, God Eater, Gundam, langatmigen Anime-Storylines

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Pluspunkte

+ unzählige Möglichkeiten, den eigenen Arsenal zu gestalten
+ intuitives Kampfsystem
+ alle Charaktere mit Voiceacting

Minuspunkte

- schlechte Story, unspannendes Storytelling
- nervtötende Charaktere
- repetitive Musik
- Teils unhandliche Steuerung

Editor Rating
 
GAMEPLAY
5.0

 
GRAFIK
7.0

 
SINGLEPLAYER
6.0

 
MULTIPLAYER
6.0

 
SOUND
5.0

Gesamt-Wertung
6.0

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Zusammenfassung
 

"Daemon X Machina" wäre ein wirklich gutes Spiel, wenn es nicht versuchen würde, mehr zu sein, als es ist. Coole, schnelle Kämpfe und ein extrem weit ausgebautes Mecha-Bausystem wären eigentlich schon genug gewesen. Beides wird jedoch durch eine viel zu langatmige, uninteressante Story gebremst und irgendwann zum gefühlten Stillstand gebracht. Missionen, die sich entweder wiederholen, oder einfach nerven, vermitteln auch das Gefühl, nur als Rechtfertigung für den langgezogenen Plot zu existieren.
Ganz klar hat sich Marvelous First Studio hier mehr vorgenommen, als machbar war.

 

Lesezeit: 5 MinutenDaemon X Machina. Wer den Trailer dazu gesehen hat, verbindet diesen Titel wahrscheinlich vor allem mit bunten Farben, Explosionen und Robotern. Vielen, vielen Robotern. Allgemein wirkt dieses Spiel auf den ersten Blick wie ein spaßiges Hack’n’Slash, in dem Cyborgs in riesigen Robotern gegen noch riesigere Roboter kämpfen. Und während das tatsächlich Teil der Erfahrung ist, vernachlässigt Entwickler Marvelous First Studio bei Daemon X Machina doch ein paar der anderen Punkte, die ein gutes Spiel ausmachen würden.


Eine Reihe verwirrender Ereignisse

Beginnen wir am besten mit der Story, welche meiner Meinung nach auch den größten Schwachpunkt markiert. Was in der Theorie nicht sein müsste. Denn eigentlich hätten wir es mit einem “klassischen” Apokalypse-Szenario zu tun, das man auch gut aufziehen könnte:
Man stelle sich eine Welt vor, mit der gerade ein Teil des Mondes kollidiert ist. Seither schwirren sogenannte “Femto”-Partikel durch die Atmosphäre und verändern sowohl Maschine als auch Mensch. Die Maschinen und AIs werden, ganz wie es uns Terminator gelehrt hat, selbstständig und verschreiben sich der Ausrottung der Menschheit. Nun nehme man sowohl die korrumpierten künstlichen Intelligenzen, wie auch die verstrahlten Menschen in ihren Mecha-Arsenals und lässt sie gegeneinander kämpfen.

Fertig wäre Daemon X Machina. Hätte man sich mit einem stylischen Casual Mecha-Shooter begnügt.

Aber nein. Das ist erst der Anfang. Wie kaum anders zu erwarten ist, spielt man selbst in der Rolle eines Piloten. (Ein Pilot, welcher während des gesamten Spielverlaufes nur als “Rookie” adressiert wird. Egal wie viele Riesenroboter man erledigt hat. Merkwürdig.) Wir sind ein Söldner, der zusammen mit anderen Söldnern Missionen erledigt. Die anderen Söldner gehören ihrerseits jeweils verschiedenen Fraktionen an, die wiederum unterschiedliche Charakteristika aufweisen. Was an sich kein Problem wäre, hätte man nicht versucht, wirklich jeden einzelnen dieser Söldner zu überzeichnen. Spätestens hier wird noch einmal unterstrichen, dass Marvelous First Studio nicht nur ein Spiele-, sondern auch ein Anime-Studio ist. Denn die Story ist in den Grundzügen okay, aber je länger sich das Spiel zieht – und es zieht sich wirklich lange – desto dünner und vorhersehbarer wird der Plot. Bis man sich einfach wünscht, dass er ein Ende nimmt. Einer der Gründe für das Ziehen wäre…

Die Sache mit dem Storytelling

Denn allgemein vollzieht sich das Storytelling auf folgende Arten:
Entweder

  • Zu Beginn einer Mission, direkt nach dem Briefing, welches von unserem Freund und Helfer “Four”, einer freundlichen AI übernommen wird. Hier treffen sich Söldner verschiedenster Fraktionen in einem Gruppenchat und bereden den Inhalt der Mission.
  • Während der Missionen, über einen Funkkanal, in welchem allerdings, neben 20% tatsächlich interessantem Plot, 80% immer wiederkehrende Catchphrases gespamt werden
  • Während einiger, relativ kurzer, aber doch lang wirkender Cutscenes.

Eines muss man Daemon X Machina zugutehalten: Jeder einzelne Charakter wurde mit vollem Voiceacting versehen, welches auch wirklich solide gemacht wurde. Man nimmt den Leuten ihre Rolle ab. Allerdings hilft das nur wenig, wenn wirklich jede Rolle die Verkörperung eines Anime-Stereotyps ist. So haben wir einerseits die absolut verrückten Goofball-Verbrecher, die durchgehend schreien. Andererseits haben wir die hart gesottenen Generäle und übermütigen Heldentypen, dicht gefolgt von Manic Pixie Dream Girls und eingebildeten Naturtalenten.
Eines haben jedoch alle gemeinsam: Wirklich jeder von ihnen hält sich für einen Philosophen. Was dann zu regelrechten Textmauern innerhalb des Spielgeschehens führt und irgendwann einfach nur noch albern ist.

DXM Philosophy

“Mission failed, we’ll get ’em next time…”

Ja nun. Die Missionen, natürlich einer der Hauptfaktoren der Story, sind… in Ordnung, würde ich sagen. Natürlich haben wir es hier hauptsächlich mit Kämpfen, Kämpfen, Kämpfen zu tun. Und in dieser Hinsicht wiederholen sich die Missionsarten auch mit einer mittleren Häufigkeit. Es gibt nur begrenzt viele Formulierungsweisen von “Besiege jene Mini-Armee von austauschbaren Wegwerf-Gegnern”. Was jedoch nicht wirklich schlimm aufgefallen wäre.

Wirklich mühsam werden die Missionen, sobald “Teamwork” involviert wird. Denn egal, mit welchem Piloten man zusammen in die Schlacht geschickt wird, am Ende kämpft man absolut alleine gegen drei Arsenals oder einen Immortal (super große Bösewicht-Roboter). Und spätestens bei Escort- oder Verteidigungs-Missionen zehrt die Käse-KI der Mitstreiter doch an den Nerven.
Ebenfalls würde ich hier noch kurz anmerken, dass der Flugkampf zwar bis zu einem gewissen Punkt Spaß macht, aber spätestens bei herumteleportierenden Gegnern verblüffend desorientierend und unhandlich ist.

DXM Battle

Hello, my Name is…

Nun jedoch zu Dingen, die Daemon X Machina gut hinbekommen hat. Angefangen mit der Charaktererstellung. Denn ja, hier hat man vollkommene Macht darüber, wie der eigene Charakter im Laufe des Spieles auszusehen hat. À la Monster Hunter World, kann man auch während des Spieles noch gegen kleines Entgelt das Aussehen verändern, oder auch Modifikationen erwerben, die ein wenig… drastisch erscheinen, aber je nach Preisstufe gute Boni mit bringen. Und wer braucht schon organische Unterschenkel, wenn man mit implantierten Metallstelzen 15% schneller Rennen kann?
Beruhigend auch: Man muss sich während der Charaktererstellung keine Sorgen darum machen, in allfälligen Cutscenes albern auszusehen. Denn, wie schon erwähnt, bedienen die anderen Charaktere wirklich alle Klischees und sehen somit auch aus, als hätte man allesamt durch einen Randomizer gejagt.

Mein Mächtiger Mecha

Wenn wir nun endlich zum Fokuspunkt des Spiels, den Mechas, bzw. Arsenals, kommen, bleibt nicht viel zu sagen bis auf: Wow. Denn auch hier punktet Daemon X Machina auf fast allen Ebenen. Bereits der erste Standart-Issue Arsenal sieht angemessen cool aus und versprüht schon im Hangar sofortiges Anime-Feeling. Wenn man dann im Laufe der Missionen so ziemlich alle verschiedenen erbeuteten Arsenal-Teile und Waffen miteinander kombinieren, und individuell farblich gestalten kann, schlägt das Herz doch höher.
Wie schon angedeutet passiert dieses Upgraden primär durch Teile, die man sich während der Missionen von besiegten Arsenals klaut. Das geht dann über Köpfe, Arme, Beine bis hin zu Waffen verschiedenster Art. Diese kann man dann im eigenen Hangar nach Lust und Laune, mit dem geeigneten Bauplan und ein wenig Geld, verbessern und einbauen. Und hier fällt auf, die Variation ist gigantisch. Jedes Set sieht unterschiedlich aus, jedes Set hat seine ganz eigenen Specs, die zu unendlichem Micro-Managing einladen.

DXM Hangar

Mission Briefing Over

Abschliessend sei gesagt: Daemon X Machina ist wirklich kein schlechtes Spiel. Das, was der Trailer verspricht, wird gut gemacht. Selten bekommt man die Chance, mit gigantischen Robotern durch die Gegend zu fliegen und andere Roboter mit Keulen und Laserkanonen zu zerlegen. Wäre es dabei geblieben, würde das Fazit besser ausfallen. Aber eben weil Daemon X Machina versucht, so viel mehr zu sein, wird die Gesamterfahrung von der langweiligen, ja albernen Story runter gezogen. Auch die stereotypisierten Mitstreiter tragen nicht zur Rettung des Spiels bei. Angesichts dessen, dass ein Komplett-Durchlauf mehr als 18 Stunden in Anspruch nimmt, würde ich tatsächlich eher dazu raten, die Zeit woanders zu investieren.

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