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Ape Out – Affentheater für Zwischendurch

von am 21. März 2019
DETAILS
 
Für Fans von:

Hotline Miami, Freejazz

Pluspunkte

+ Freejazz hält auf Trab
+ simples, aber ausreichendes Spielprinzip
+ Darstellung von Gore = guter Stilbruch

Minuspunkte

- wenig Abwechslung
- wenig Mut mit funktionierendem Spielsystem

Editor Rating
 
GAMEPLAY
6.0

 
GRAFIK
8.0

 
SINGLEPLAYER
5.0

 
MULTIPLAYER
0.0

 
SOUND
7.0

Gesamt-Wertung
7.0

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GAMEPLAY

 
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SINGLEPLAYER

 
MULTIPLAYER

 
SOUND

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Zusammenfassung
 

Ape Out ist ein guter Begleiter für Unterwegs. Das simple Spielprinzip und die kurze Spieldauer ist für jedermann zugänglich und lässt sich einfach anfangen und jederzeit weiterspielen. Greifen oder wegboxen, mehr Auswahl gibt es nicht und braucht es auch nicht. Kloppt euch durch die schier endlosen Gegnerwellen in die Freiheit. Wem wildes Getrommel mit Crashexzessen zu viel ist, wird hier wenig Freude haben, denn eine andere Geräuschkulisse gibt es nicht. Zudem geizt Ape Out mit seinen Ambitionen und wirft nur selten neue Gameplay-Elemente in den Ring, die dann meistens lediglich anders schießende Gegner sind.

 

Gabe Cuzillo hat uns auf der gamescom 2018 schon einiges über sein kommendes Werk Ape Out erzählt. Nun ist es endlich soweit und der Affe wird aus dem Sack gelassen. Mit Ape Out bekommen Top-Down-Klopper-Veteranen und Fans von freizügig losgelöstem Jazz das volle Programm für den PC und die Switch. Wir haben unsere pelzigen Ärmel hochgekrämpelt und uns durch allerlei Stockwerke geprügelt.

Gib dem Affen Zucker, sonst gibt es Saures

Wenn man Ape Out auf Deutsch übersetzen müsste, dann wäre wohl im wahrsten Sinne des Wortes der Affe los. Eine Tausendschaft an gesichtslosen Handlangern hat euch, einen Gorilla, gefangen genommen und hinter Gitter gesteckt. Schade, dass statt es sich bei den Gittern um eine Wand aus Glas handelt und ihr eben ein ausgewachsener Gorilla seid. So zerschmettert ihr das Glas und den davorstehenden Wächter, an der nächst gelegenen Wand zu einer blutigen Masse und boxt euch Richtung Freiheit. So und nicht anders beginnt eure Flucht aus den Fängen der… Menschen. Diese sidn allerdings mit ordentlich Feuerkraft ausgerüstet und sind auf der erneuten Jagd auf euch. Zudem ist euer Weg alles andere als gerade.

Ein Affe trifft auf Jazz, Saul Bass und Splatter – Und es ist grandios!

Wenn ihr den Trailer gesehen habt, habt ihr bereits so ziemlich alles gesehen, was Ape Out zu bieten hat. Ist das schlecht? Keinesfalls! So simpel die Elemente zusammen erscheinen, desto besser passen sie zusammen. Die Levels erstrecken sich in fast endlosen Labyrinthen, die es zu durchqueren gilt. Im Stile des amerikanischen Grafikers Saul Bass flimmern die Wände der Areale über euren Bildschirm und zeigen euch die Grenzen auf. Allgemein herrscht eine große Simplizität in der Grafik. Vereinzelt schmücken Büroausstattungen oder lose Kabel die Szenerie. Der Gorilla strahlt in Orange, die Bösewichte in einfachem Weiß mit wenigen Details entsprechend ihrer Fähigkeiten. Einzig die Flammen von Ölfässern, die Patronen der Gewehre oder leuchtende Alarmsirenen bringen farbliche Highlights in die Action.

Das wohl auffälligste Merkmal von Ape Out ist aber wohl das musikalische Chaos, wie es manch einer nennen würde. Die Freejazz-Schlagzeuger hingegen werden vermutlich eher Freudentränen vergießen. Bereits bei der Levelauswahl wird die musikalische Komponente deutlich. So kloppt ihr euch nicht etwa durch Welten, sondern durch musikalische Alben, samt Cover und A-, bzw. B-Seite. Sobald ihr eure ersten Schritte macht, beginnt ein manchmal taktvolles und dann wieder völlig verlorenes Schlagzeug, eure Abenteuer mit großer Schlagzahl zu untermalen. Jeden Handlanger, den ihr dabei auf den anderen schleudert oder an der Wand zermatscht, steuert ordentliche Eskalation der Becken zum Schlagzeug dazu. Ganz im Stile des Freejazz sorgt ihr hier und da also für völlig überraschende Akzente der Musik. Das nie endende Schlagzeug, dass lediglich euren Bewegungen entspricht, vermittelt das Gefühl von Rastlosigkeit und verdeutlicht die Not des gefangenen Wildtieres.

Wenn Einfachheit sich mit knalliger Farbe vermengt

Komplexe Mechaniken oder sonstige Gameplay-Finessen werdet ihr bei Ape Out nicht finden. Die größte Abwechslung zum Bewegen und Schubsen/Boxen ist eure Greiffähigkeit, mit der ihr euch menschliche Schilde greift, die euch eben noch abschießen wollten. So könnt ihr aber nicht nur eure mickrigen drei Trefferpunkte (jeder Treffer verursacht einen Schaden) schützen. Ein vom Gorilla gepackter Mensch verfällt in Panik und schießt wie wild um sich. Blöd, wenn sein eigentliches Ziel hinter ihm ist. So mäht ihr eure Gegner mit ihren eigenen Kugeln um. Wenn ihr des kleinen Menschen überdrüssig geworden seid, muss sein Körper als letzte Geschossinstanz herhalten.

Neben der Musik steht aber vor allem das Design an einigen Stellen im Fokus. So minimalistisch Ape Out daherkommt, so übertriebener wirken die farbigen Effekte, wenn ihr die Leben eurer Peiniger beendet. Egal ob an der Wand, per Explosion oder aus dem Fenster geworfen: es spritzt und hinterlässt reichlich Blut und lässt euch sogar noch Körperteile werfen. Durch den gewählten Artstyle erscheint der hohe Gore-Anteil komplett unangebracht, aber durch die knallige Farbwahl entkräftet er sich direkt wieder und hält das Spiel durchgehend auf einer semi-ernsthaften Schiene.

Wem das Spiel im ersten Durchlauf zu einfach erscheint, kann sich auf einen Hardcore-Modus freuen. Mehr Gegner, mehr Gewehrläufe, die auf euch zeigen und noch mehr Freejazz freuen sich, euch erneut durch die Level zu scheuchen und zur Strecke zu bringen. Wer sich mit seinem Gorilla auf der Highscore-Liste eintragen möchte, kann sich alle Levels im klassischen Arcade-Modus zu Gemüte führen.

Schlussakkord: Das Fazit

Macht Ape Out Spaß? Aber hallo! Besticht es durch einfaches Design an allen Fronten (und wilden Jazz) und ist dennoch interessant? Absolut! Aber warum, kriegt es dann keine glatte 10/10? Ape Out macht im Kern alles richtig, was es macht. Allerdings ist das auch ein wenig das Manko. Die größten Gameplay-Abwechslungen verstecken sich im farblichen Hintergrund und wechselnden Gegnern. Das funktioniert alles ganz gut, stellt den Spieler aber nur bedingt vor Herausforderungen. Einige Bosse, versteckte Collectables oder sonstige Elemente, die das kleine, aber sinnvolle Skillset des Gorillas in Szene setzen, hätten dem Affentheater ein wenig mehr Frische und auch Langlebigkeit gegeben. Für die Switch – und damit vorzugsweise unterwegs – ist der Titel absolut gelungen und überbrückt für eine kurze Zeit die Monotonie – beispielsweise auf Reisen. Für längere Sessions am PC ist es einfach nicht packend genug und wird schnell eintönig. Ape Out lässt ein paar Punkte liegen, weil es sich mit seiner Einfachheit nicht traut, größere Schritte zu machen.

Wie Anfangs bereits erwähnt, hatten wir auf der gamescom 2018 bereits mit Gabe Cuzillo gesprochen. Um zu sehen, wie er uns die Formel Ape Out erklärt,schwingt ganz einfach hier entlang.

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