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Yooka-Laylee – Banjo’s Bad Re-Skin

von am 26. April 2017
Pluspunkte

+originalgetreue Musik

Minuspunkte

-anstrengende Mechaniken
-schlappe Bosse
-unausgefüllte Welten

Editor Rating
 
GAMEPLAY
4.0

 
GRAFIK
5.0

 
SINGLEPLAYER
4.0

 
MULTIPLAYER
0.0

 
SOUND
8.0

Gesamt-Wertung
5.0

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User Rating
 
GAMEPLAY
8.9

 
GRAFIK
9.5

 
SINGLEPLAYER
9.3

 
MULTIPLAYER
9.3

 
SOUND
8.8

User-Wertung
2 ratings
9.2

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Zusammenfassung
 

Voller Sehnsucht wurde der spirituelle Nachfolger zu Banjo-Kazooie erwartet. Und dann war es endlich soweit und einer der erfolgreichsten Kickstarter aller Zeiten schlüpfte aus seinem Kokon. Mit Yooka-Laylee werden Bär und Vogel durch Chamäleon und Fledermaus getauscht und durch eine Hand voll bunter Welten gesprungen, gerollt und geflogen um die goldenen Pagies zu sammen und den Bösewichten Dr. Quack und Capital B. Einhalt zu gebieten.
Der Charme des Rare Klassikers vom N64 stellt sich aber nie so richtig ein. Schlagfertige Dialoge sucht man vergebens, die Welten sind zwar groß und schön anzusehen, aber ebenso austauschbar. Mit über 220 Collectables pro Welt gibt es eine Menge zu tun, eine richtige Genugtuung erfährt man jedoch nicht. Einzig die Musik lädt zum Träumen an die alten Zeiten ein und paart sich perfekt mit dem Thema jeder Welt. Trotz der Zusammenarbeit mit vielen der alten Rare Mitarbeitern, hat Yooka-Laylee nicht das Zeug zum Ohrwurm.

 

Lesezeit: 6 Minuten

Nostalgiker auf der ganzen Welt konnten den diesjährigen April kaum erwarten. Ihre Kindheit sollte einen zweiten Frühling erleben, wenn all’ ihre Erinnerungen an Rare in einer einzigartigen Neuauflage vor ihren Augen flimmern. Der lang ersehnte, geistige Nachfolger von Banjo Kazooie erblickte endlich das Licht der Konsolen und PCs. Yooka-Laylee von Playtonic Games nach erfolgreichem Kickstarter entwickelt, sollte den Charme des N64 in die heutige Zeit transportieren. Wie gut das Spiel klingt oder wie groß die Dissonanz ist… wir haben ganz besonders hingehört.

Wir suchen… ein Buch?

Die Story von Yooka-Laylee beginnt auf idylischem Rasen. Unsere Helden Yooka – ein Chamäleon – und seine Freundin Laylee – eine rosa Fledermaus – genießen den Tag, während nicht weit von ihnen ein teuflischer Plan ausgeheckt wird. Capital B, der Chef des Konzerns “Hivory Towers”, hat es sich zur Aufgabe gemacht, alle Bücher der Welt zu stehlen und sie in reinen Profit umzuwandeln.

Sie würden auch damit durchkommen, wenn sie dabei nicht zufällig auch das Buch unserer Titelhelden absorbieren würden. So macht sich das Gespann auf den Weg in die Produktionshallen von Hivory Towers, um ihr Buch retten. Dabei gibt es ordentlich Haue für die Schergen und zwischenzeitlichen Ratespaß mit Vizechef Dr. Quack.

Disclaimer: Im Folgenden werden die einzelnen Spielelemente systematisch mit Banjo-Kazooie verglichen, um darzustellen, was bei Yooka-Laylee funktioniert und was nicht.

3D-Charaktere – 2D-Persönlichkeiten

Der Bär und der Vogel aus dem Original hatten eine verboten scharfe Zunge gegenüber einander und auch teilweise gegen die NPCs. Kazooie war hierbei sogar noch ein wenig krasser drauf, als Banjo es sich je wagte. Dennoch waren Beide von vornherein sympatisch. Nicht zuletzt dadurch, dass Banjo seine Schwester Tootie retten will. Wenn den Beiden Aufgaben zu anstrengend waren oder, ihrer Ansicht nach, nicht ihr Problem, hatten sie keine Sorge damit, jenes entsprechend zu kommunizieren.
Yooka im Gegenzug ist der reinste Ja-Sager und lässt sich nicht nur von sämtlichen NPCs Aufgaben reindrücken, sondern muss sich teilweise sogar von Laylee Dinge anhören. Alles, ohne jemals eine Art der Gegenwehr zu leisten. Laylee auf der anderen Seite schöpft ihre Antworten mal aus dem Ironie-Topf oder schüttelt mal eben ne sexuelle Zweideutigkeit aus dem Ärmel.
Man könnte die Textpassagen von Yooka womöglich gänzlich rausstreichen und es würde niemanden stören.

Die Bösewichter von Yooka Laylee: Capital B und Dr. Quack

Auf der anderen Seite haben wir Dr. Quack und Capital B. Und ganz ehrlich. Die sind beide einfach stroh-f***ing-dumm. Gruntilda hatte ein ganz persönliches Ziel und der Fehlschlag lag immer an ihren Handlangern, bis sie dann im Duell gegen Banjo den Kürzeren zieht. Die beiden Bösewichte, die wir bei Yooka-Laylee haben, machen von vornherein nicht den hellsten Eindruck, verplappern sich in einer Tour oder schieben Niederlagen auf ihre eigene Dummheit. Das ist anfangs ganz witzig, verliert aber schnell den Reiz, denn wer will schon gegen einen idiotischen Bösewicht die Welt retten.

Mehr Welt – Leerwelt

Die Puzzleteile aus Banjo Kazooie feiern in der Form der Pagies, goldene Buchseiten, ihr Comeback. Pagies schalten die einzelnen Spielwelten frei, in denen es gilt, noch mehr Pagies für die nächsten Welten zu sammeln. Nach dem Freischalten habt ihr die Möglichkeit, die Spielwelt gegen ein paar weitere Pagies zu erweitern und so weitere Aufgaben und Gebiete freizuschalten, die eben wieder Pagies und andere Collectables beinhalten. Das Problem daran ist, dass die Welten ziemlich groß und die Collectables teilweise so weit verstreut sind, dass es ein sinnbefreites Überqueren der Karte wird, bis man bei einem Punkt angekommen ist.

Im N64-Klassiker sind die Welten kleiner, aber vollgepackt mit Aufgaben und Gegenständen. Egal wo man sich auf der Welt befindet geht immer etwas ab. Apropos….

…Federn, Pagies, Ghostwriter

Die Welten haben alle das gleiche Muster. Es gibt die Pagies, die man für das Erfüllen von Aufgaben oder Rätsel bekommt. Die Federn sind überall in der Welt und lassen sich problemlos einsammeln, der adäquate Notenersatz aus dem Original. Die Ghostwriter ersetzen die Jinjos, das Quintett, dass in jeder Welt für ein Puzzleteil zu finden war. Die Ghostwriter sind zwar auch zu fünft, bedürfen aber jeder ihrer eigenen Strategie, um sie einzusammeln. Füttern, kämpfen, retten, entdecken und fangen sind die Stichworte, wenn man sich ihr Pagie unter den Nagel reißen möchte.

Eine nette Idee, die aber in der Praxis eher anstrengt als reizt. Auch wenn sich die Aufgabe bei der Mehrzahl erschließt, ist vorallem der Ghostwriter, der erst nach einer Sonar-Attacke sichtbar wird, eine Qual der Unwissenheit. Erkärungen bleiben komplett aus.
Kleine Randnotiz: Die Welten in Banjo-Kazooie hatten jeweils Zehn Puzzleteile und 100 Noten. Die Spielwelten in Yooka-Laylee warten mit 25 Pagies und 200 Noten.

Volle Energie für Specialmoves

Kazooie konnte fliegen, Eier schießen, Banjo mit seinen Flügeln unverwundbar machen, einen Supersprung hinlegen, den Bären huckepack nehmen und Eier sogar aus dem Hintertürchen loslassen. Banjo konnte dabei halt lediglich zuhauen und hat Kazooie dahingetragen, wo was getan werden musste. Yooka-Laylee bringt ein größeres Gleichgewicht in die Aufgabenverteilung. Laylee übernimmt natürlich den Part in der Luft und erhält zusätzlich Attacken, die auf Sonar basieren, aber Yooka bekommt auch ein eigenes Moveset. So kann das Chamäleon nach dem Verzehr interessanter Beeren vom Strauch für eine Zeit selber zur Artillerie werden oder die Attribute der Dinge annehmen, die er mit der Zunge berührt, zum Beispiel so schwer werden wie eine Kanonenkugel um starken Windböen zu widerstehen.

Für einige Moves, wie das Fliegen von Laylee beispielsweise, gibt es eine Spezialleiste. Das erinnert an die sammelbaren roten Federn, die beim Fliegen mit Kazooie verbraucht wurden. Allerdings weist die Spezialleiste einen Riesenfehler auf: Alle Moves teilen sich die gleiche Leiste und vorallem der Roll-Move, ein Move der benötigt wird, um steile Hänge hinaufzukommen, aber auch einfach die Reisegeschwindigkeit erhöht leert die Leiste anfangs schneller als man Yooka-Laylee sagen kann. Das mag kleinkarriert erscheinen, aber Yooka läuft einfach unglaublich langsam.

Dialoge – FSK zwischen 6 und 18

Wer Banjo-Kazooie oder auch Conker’s Bad Fur Day gespielt hat weiß, dass Rare sich bezüglich der Sprache gut was getraut hat. Flüche, Beleidigungen, Innuendos waren keine Fremdwörter und gaben den Charakteren eine große Brise Echtheit. Laylee ist die letzte Erinnerung an diese Zeiten. Das Problem daran ist, dass man nie weiß, für welche Altersgruppe Yooka-Laylee sein soll. Manchmal liest man Dialoge, die von Kindergartenkinder geschrieben sein könnten und dann fliegen plötzlich böse Spitzen oder Witze über Yookas orale Fähigkeiten durch den Raum. Warum nicht mehr davon…Wenn schon Rare dann richtig Rare.

Schwierigkeitsgrad und Dauer

Ich habe das Spiel samt aller Trophäen nach guten…25 Stunden durchgehabt. Davon lief meine PS4 meist im Hintergrund, während ich am PC war oder ich hab mir mal die Mühe gemacht, die letzte Feder auch noch zu finden. Der Storymodus ohne Achievements ist recht schnell durchgespielt, was teilweise der Vielzahl an findbaren Pagies und günstigen Freischaltpreise zu verdanken ist. Um die Länge künstlich hochzuschrauben, erfordert der Endgegner 100 gesammlte Pagies. Jede Welt kommt mit einem Boss daher. Allerdings sind viele der Bosse als auch der Endgegner simpel konstruiert und bedürfen oft nur das Merken eines Angriffsmusters. Eine richtige Herausforderung bleibt fast das gesamte Spiel über aus.

Die größte Sünde, derer sich Yooka-Laylee schuldig macht ist jedoch das Backtracking. Viele Pagies in den ersten Welten sind erst mit Fähigkeiten der späteren Welten erreichbar. In einem solchen Spiel gehört sowas meiner Meinung nicht hin. Vorallem nicht, wenn es bei Banjo-Kazooie schon so war, dass man jedes Level mit den dort erlernbaren Skills komplett meistern konnte.

Der Schlussakkord

Yooka-Laylee ist kein schlechtes Spiel, aber es ist eine undankbare Fortsetzung dessen, was Rare mal so groß gemacht hat. Der spritzige Witz, die spannenden Welten, die liebevollen Charaktere, der schier perfekte Guss aus Musik und Level-Design…nahezu nichts davon wurde richtig berücksichtigt. Die einzigen Dinge, die Banjo-Kazooie und Yooka-Laylee gemeinsam haben sind die Tatsachen, dass sie beide ein Instrument als Namensgebung haben, dass beide ein zweibeinigen Protagonisten haben, der von einem Flieger untersützt wird und dass beide ein Collectathon sind.

Banjo-Kazooie hat eine Formel vorgegeben, bestehend aus Simplizität und einem Schuss Mut hier und da. Aber gerade die Simplizität, die Einfachheit geht Yooka-Laylee gänzlich verloren. Riesige Welten, platte Dialoge mit seltenen Highlights und ein Chamäleon, das mit seiner Fledermaus-Freundin sein Buch zurückholen möchte; das ist einfach an allen erdenklichen Ecken verkehrt. Besonders bedenklich, wo doch einige vom alten Rare-Team an der gesitigen Fortsetzung mitgewirkt haben. Einzig der Soundtrack kommt in die Nähe der Genialität von Banjo-Kazooie. Es hat mich persönlich schon etwas verletzt, dass ich nach all dem Hype “nur” dieses Spiel in Händen halte. Es wurde so viel gesprochen, so viel spekuliert. Für all das, liefert Yooka-Laylee einfach zu wenig und ist für mich auch einfach viel zu weit von dem entfernt, was es sein wollte.

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