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Yakuza 0 – Der Anfang einer unterschätzten Serie

von am 7. Februar 2017
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Plattform
Entwickler
Publisher
Spieldauer

Rund 35 Stunden für die Hauptgeschichte allein und noch mal so 40 Stunden für alle Nebenmissionen.

Für Fans von:

Yakuza, Sleeping Dogs

Pluspunkte

+ spannende Yakuzastory mit Intrigen, Verrat und Ehre
+ viele Nebenbeschäftigungen (Substories, Sport, Karaoke uvm.)
+ guter 80er-Jahre-Flair (Musik, Optik)
+ intuitives und spaßiges Kampfsystem

Minuspunkte

- fehlende deutsche Sprachausgabe/Bildschirmtexte
- Geschichte in der zweiten Hälfte nicht mehr stringent
- kurze, aber häufige Ladezeiten

Editor Rating
 
GAMEPLAY
9.0

 
GRAFIK
10

 
SINGLEPLAYER
9.0

 
MULTIPLAYER
0.0

 
SOUND
9.0

Gesamt-Wertung
9.0

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GAMEPLAY
8.9

 
GRAFIK
8.3

 
SINGLEPLAYER
7.9

 
MULTIPLAYER

 
SOUND
9.0

User-Wertung
1 rating
8.5

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Zusammenfassung
 

Schlüpft in die Rollen von Kiryu und Majima und erlebt zwei Geschichten voll Verrat, Ehre und Gewalt. In einer rund 35-stündigen Story kloppt ihr euch so durch fiktive Rotlichtviertel von Tokio und Osaka und sammelt nicht nur Erfahrung, sondern auch eine Menge Geld. Das investiert ihr wiederum in eure Kampfstile und in die Welt an sich. Immerhin gibt es abseits der Hauptgeschichte so viel zu tun, wie sonst nirgendwo. Spielt Baseball, geht Karaoke singen, trinkt in Bars, baut ein Immobilienimperium auf oder trefft euch mit Hostessen. An Nebenbeschäftigungen mangelt es nicht. Dafür allerdings an deutschen Bildschirmtexten, für Englischunbegabte. Abseits davon gibt es aber nur wenig Argumente diesen interaktiven Yakuzafilm mit verrückten Humor, guter Musik und grandioser Action zu verpassen.

 

Als ich erfahren hab, dass Yakuza 0 endlich lokalisiert im Westen erscheint, konnte ich nicht anders als Freudensprünge zu machen. Als Japanologe in spe mit Interesse an der “Darkside of Japan”, gibt es für mich keine interessantere Serie als diese. Das wir hier nicht von akkuraten Yakuzastorys sprechen, dürfte uns allen wohl klar sein. Dennoch ist die Yakuza-Serie eine sehr unterschätzte Serie, die oft als simpler GTA-Klon abgestempelt wird. Mit Yakuza 0 und diesem Review plane ich dieses Bild zu zerstören und zu beweisen, dass ihr euch diese Serie definitiv anschauen solltet.

Angesiedelt in fiktiven Nachbildungen der Rotlichtviertel von Tokio und Osaka, schlüpft ihr in die Rollen des langjährigen Protagonisten Kiryu Kazuma und seines “Frenemy” Majima Goro. In Yakuza 0 werdet ihr als Kiryu in eine Verschwörung geworfen und müsst einen Mord aufklären, der euch angehängt wird und dazu zwang die Yakuza zu verlassen. Auf Majimas Seite werdet ihr verstehen kriegen, wie er zu der verrückten Person wurde, die er in anderen Teilen verkörpert. Zeitlich spielt der Titel in den 1980ern, der Periode der “Bubble Economy”, einer wirtschaftlichen Hochzeit in Japan, in der gefühlt jeder mit Geld nur so um sich warf. Das bietet eine interessante Grundlage, da gerade diese Zeit sehr verrückt war und die Jungreichen machten, was sie wollten.

Brutale Kämpfe am Tag – Dates mit Hostessen in der Nacht

Wie auch in anderen Teilen der Serie, wird die Story in einer Aneinanderreihung von Missionen, inklusive Cutscenes, erzählt. Das Missionsdesign bleibt dabei der Reihe treu, sodass ihr meistens irgendwo hingeht/hinfahrt, um dort so richtig auf die Pauke zu hauen. Nach einer gewissen Anzahl an Gegnern trefft ihr dann auf einen Obermotz, den ihr ebenfalls bis zum nächsten Stern prügelt. Die Kämpfe werden in einer klassischen Brawler-Manier abgewickelt. Blockt die Schläge eures Gegenübers und teilt selbst aus. Allerdings wäre ein Yakuza kein Yakuza, wenn alles nicht etwas “over-the-top” wäre. Beispielsweise könnt ihr Fahrräder oder Straßenschilder als Waffen nutzen und prügelt eure Gegner bis zum Ruin. Gemeint ist natürlich der finanzielle Ruin, denn jeder Geschlagene “blutet Yen”, und zwar nicht gerade wenig. Das hart verdiente Geld könnt ihr dann entweder in euch selbst investieren, um die verschiedenen Kampfstile eurer Charaktere aufzubessern oder in die Städte und ihre Abenteuer investieren. Gerade diese verschiedenen Kampfstile bieten eine gewisse Abwechslung in den Kämpfen und lässt euch die jeweiligen Charaktere ganz individuell spielen.

Eine Besonderheit der Yakuza-Spiele ist mit ziemlicher Sicherheit die Bandbreite an Dingen, die ihr abseits der knapp 35-stündigen Hauptgeschichte machen könnt. Die beiden Nachtbezirke von Osaka und Tokio blühen nur so vor Möglichkeiten und laden nicht nur einmal dazu ein, die Storyline zu vernachlässigen. So gibt es rund 60 Nebenstorys, die auf euch warten. Darunter spannende Geschichten, wie die eines investigativ Journalisten, der einen Waffendealer aufdecken will, bis hin zu komplett absurden Dingen. Und das ist noch lange nicht alles. Partynächte mit Alkohol, Karaoke und Disco, Videospiele in Arcades, Baseball oder Bowling, Dates mit Hostessen, ein Immobilienimperium verwalten und noch viel mehr ist möglich, wenn ihr die Hauptgeschichte mal ignoriert. Yakuza 0 ist in der Hinsicht nicht wie andere Titel, die zusätzlich zur Story noch “ein bisschen Drumherum” abliefert, sondern hier gehen Geschichte und Zeitvertreib Hand in Hand. Ähnlich wie die Verrücktheit mit der Ernsthaftigkeit der grandiosen Gangstergeschichte.

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Ehre und Verrat in den 80ern

Wie bereits angesprochen, bildet Yakuza 0 den Auftakt der Serie und etabliert nicht nur die Charaktere, sondern auch einige Begebenheiten. Um dabei möglichst authentisch zu wirken, haben SEGA erneut einige berühmte japanische Schauspieler an Land gezogen, die ihre Yakuzarollen definitiv überzeugend spielen. Wer einmal einen solchen Gangsterfilm mit Originalton angeschaut hat, wird wissen, wovon ich spreche. Und genauso wirkt auch Yakuza 0, wie ein klassischer Yakuzafilm. Eine Geschichte rund um Ehre, Verrat und den Versuch seine “Brüder” und seinen “Vater” zu schützen. Teilweise wirkt es fast ein bisschen so, als würdet ihr einen Film schauen. Doch genau da liegt auch der Charme. Die Serie ist seit Jahren immer gleich gestrickt. Verrückte Fights, verrückter Humor, klassische Yakuzawerte und dazu noch viel Freiheit. Mehr braucht es manchmal nicht.

Natürlich hat das Verwenden des immer selben Schemas auch seine Nachteile. Die Kämpfe werden irgendwann eintönig, auch wenn ihr immer stärkeren Gegnern gegenübersteht. Auch ist die Story im späteren Verlauf weit nicht mehr so stringent, wie noch am Anfang. Zudem könnte einigen Spielern die Substanz fehlen. Immerhin erwartet euch ein riesiger Spielplatz, der aber auch schnell langweiligen werden kann, wenn erst mal alle Dinge ausprobiert wurden. Doch das wirkt schon fast wie meckern auf hohem Niveau, denn wer Spaß an Brawlern hat und ein Freund von Gangsterstorys ist, wird sich hier nicht langweilen. Grafisch und vor allem musikalisch weiß Yakuza 0 ebenfalls zu überzeugen. Egal, ob 80er-Popsongs beim Karaoke oder rockige Einlagen in spannenden Kämpfen, hier wird geklotzt und nicht gekleckert.

Das Fazit auf den Rücken tätowiert

Yakuza 0 ist nicht nur ein Prequel zur gesamten Serie und somit ein guter Einstieg für Neulinge, sondern meiner Meinung nach auch einer der besten Teile der Serie bis jetzt. Nachdem die westlichen Fans unnötig lange auf den Support der Serie im Westen warten mussten, scheint sie nun endlich angekommen zu sein. Das wird nicht nur durch den Release von Yakuza 0 klar, sondern auch die Ankündigung zweier, weiterer Titel für die nahe Zukunft. Zero schafft es indes mit einer guten Story, die leider in der späteren Hälfte etwas schwächelt, und viel Spielspaß zu überzeugen. Egal, ob ihr einfach nur durch die Hauptgeschichte rast und eine klassische Mafiageschichte erleben wollt oder durch die Rotlichtviertel spaziert, um zum Beispiel eine Runde Shogi zu spielen, in Yakuza 0 könnt ihr frei entscheiden. Dazu kommen noch verrückter, japanischer Humor und ein grandioser Soundtrack und schon haben wir ein rundes Ding, fast wie leckeres Sushi.

Kommentare
 
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  • 2. Juli 2017 at 21:52

    So! Ich habe fertig! Am Ende hat es das Spiel, aufgrund meines zwanghaften Komplettierungs-Tick, auf satte 170 Stunden gebracht! Ob in diese Spielzeit auch die “Zwischensequenzen” (die gut und gerne mal mit 20 Minuten zu Buche schlagen können…) miteinfliessen ist mir allerdings nicht bekannt.
    Fazit: Großartiges Spiel welches hierzulande sträflich unter dem Radar gehandelt wurde.
    Alle reden von ihren Open-Worlds und deren Größe aber was nützt das denn wenn diese am Ende des Tages nur mit den immergleichen seelenlosen Kartenmarkierungs-Abklapper-Quests gefüllt wird?
    Yakuza Zero mag zwar mit der “Größe” seiner Karte prahlen…füllt diese jedoch mit unzähligen Beschäftigungstherapien und jede Menge Wahnsinn! Dieses Tokyo strotzt vor Leben. Unzählige NPCs in den manigfaltigsten Bewusstseinszuständen (vorallem wenn man sich ins Nightlife stürzt). Yakuza Zero fühlte sich beim Spielen durchgehend an als ob der Zirkus in der Stadt wäre. Ganz, ganz großes Kino! 😀

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    • Roxasu
      1. August 2017 at 13:46

      Freut mich, dass es noch jemanden gibt, der so angetan von dem Spiel/der Serie ist.
      Ich stimme dir voll und ganz zu!
      Die Yakuza-Serie ist zwar definitiv nicht der Vorreiter des “Open-World”-Genre, schafft es aber durchgehend zu unterhalten.
      Die ganzen (verrückten) Nebenmissionen und die Hauptgeschichte mit Dramaeinschüben packen einen bis zum bitteren Ende. Ein GTA kann da nicht mithalten.
      Ich für meinen Teil freue mich jetzt schon auf KIWAMI und natürlich den 6. Teil und überlege sogar in naher Zukunft ein paar Yakuza-Titel zu streamen.

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