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The Wonderful 101 – Power Rangers auf Speed

von am 31. August 2013
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Nach einer viel zu langen Durststrecke wird Nintendo die Schlagzahl für die Veröffentlichungen von Wii U-Spielen bis zum Ende des Jahres ordentlich erhöhen. Allerdings machen nicht Mario, Zelda oder Donkey Kong den Anfang, sondern das exzentrische The Wonderful 101 von Platinum Games. Doch wie gut spielt sich der actiongeladene Superheldenauflauf? Und hat das Gameplay eigentlich etwas mit Pikmin zu tun, oder doch eher mit Bayonetta?

Die Hintergrundgeschichte klingt schon mal richtig schön überdreht: Fiese Aliens namens Gethjerk greifen die Erde an. Und weil die Bewohner unseres Planeten in der Vergangenheit bereits schlechte Erfahrungen mit denen gemacht haben, wurde die Heldentruppe Wonderful 100 aufgestellt. Mit speziellen Anzügen ausgerüstet sind sie nicht nur deutlich stärker und widerstandsfähiger als normale Menschen, sie können sich auch mithilfe von Kraftfeldern zu gigantischen Gebilden zusammenfügen. Im Falle eines Kampfes sind das natürlich in erster Linie Waffen wie Riesenfäuste, Schwerter oder zeitverlangsamende Bomben. Der Clou ist: Ihr steuert eben nicht nur einen ausgewählten Helden, sondern alle auf einmal, was euch zum 101. Teammitglied macht.

Wie Pikmin mit Laserkanonen?

Aufgrund des Wuselfaktors sieht ein kurzer Ausschnitt des Spiels so aus, als wären Nintendos knuffelige, kleine Pikmin in die Muckibude gegangen und hätten da dann auch noch Kontakt zu halluzinogenen Stoffen bekommen. Schließlich wirkt das Geschehen auf dem Bildschirm als wüte eine Horde zügelloser Mini-Power Rangers durch SimCity und möppt dabei Dinosaurier-Transformers zusammen. Wie ihr merkt, ist schon das Grundgerüst des Spiels ein ganz anderes, als bei Nintendos niedlichem Knobelspaß. Hier werden Außerirdische verdroschen! Und zwar ultrakrass! Das Gameplay ist also eher im Lager von God of War und Bayonetta zu Hause, wenn auch mit einigen deutlichen Unterschieden.

Ihr steuert einen Helden des Teams direkt. Der Rest läuft hinter euch her. Springt der Chef, springen auch alle anderen Helden. Schlägt der Chef, schlägt der ganze Trupp. Wird der Heldenmob getroffen, fliegen einige (oder eventuell auch sehr viele) eurer Kollegen ausgeknockt weg und sind für einige Sekunden aus dem Spiel. Das senkt eure Kampfkraft. Aber nur wenn der Anführer was abbekommt, verliert ihr auch Lebensenergie.

Zwei Steuerungsoptionen und keine funktioniert richtig

Um die, teils riesigen, Gegner jedoch effektiv erledigen zu können, müsst ihr auf die erwähnten Morph-Angriffe zurückgreifen. Denn nur, wenn sich eure Helden gemeinsam in Riesenwaffen verwandeln, haben eure Schläge auch genug Bums um die teils häuserblockgroßen Gegner zu erledigen. Um eine Verwandlungen durchzuführen werden aber keine Tasten gedrückt, vielmehr müsst ihr eine Form auf den Touchscreen des Gamepads zeichnen. Ein Kreis erzeugt beispielsweise eine gigantische Hand. Alternativ könnt ihr dafür auch den rechten Stick nutzen. Und da haben wir dann leider auch ein ernstes Problem des Spiels. Das Zeichnen funktioniert nämlich einfach nicht so, wie es sollte. Anfangs scheint zwar noch alles recht gut von der Hand zu gehen, da man nur einige Moves zur Verfügung hat, die auch noch mit einfachen geometrischen Formen ausgeführt werden. Doch je mehr Angriffe ihr erhaltet, desto komplizierter werden die Zeichnungen. Und da kommt der Algorithmus, der eure Kritzeleien interpretieren soll, anscheinend nicht mehr so mit, wie er müsste. Oft wird die Eingabe falsch interpretiert und ihr erhaltet die falsche Waffe. Das ist aber fatal, denn The Wonderful 101 ist eigentlich kein dumpfes Haudrauf-Spiel. Hier muss taktisch gekämpft werden. Doch dafür braucht man die richtige Ausrüstung zur richtigen Zeit.

Ein weiteres Problem in diesem Zusammenhang ist die Spielgeschwindigkeit. Das Gameplay ist viel zu hektisch und die Gegner gnadenlos schnell. Mal eben kurz auf’s GamePad schauen ist also nicht so einfach. Insbesondere, da man sich durch die wuselige Darstellung erst mal wieder orientieren muss, wenn man seinen Blick zurück auf den Fernseher richtet. Jetzt denkt ihr sicherlich, der rechte Stick als Zeicheninstrument ist die Erlösung, doch weit gefehlt. Damit bekommt man selbst nach einiger Übung die komplizierten Formen praktisch gar nicht hin. Eure Bewegungen sind oft zu langsam. Und es ist schwierig ein Gefühl dafür zu bekommen so etwas wie die Umrisse einer Bombe in Sekundenschnelle zu zeichnen.

Gegen die Lernkurve geprallt

Dabei sind zeichnerische Fehlversuche – insbesondere auf der knackigen Spielstufe “Normal” – gar nicht eingeplant. Schade, denn alle anderen Eingaben funktionieren Platinum-typisch extrem präzise. Weniger perfekt ist dann aber wieder die Spielbalance. In einigen Levelabschnitten stellt sich auch nach zahlreichen Bildschirmtoden kein richtiger Lerneffekt ein. Das ist zwar kein durchgängiges Problem und der überwiegende Teil der Kampagne hat eine gute Trail-and-Error-Lernkurve, doch ab und an wird die Motivation gnadenlos in den Keller gerissen. Insbesondere bei den mehrmaligen Duellen mit dem arroganten Alien-Prinzen Vorkken und seinem ganz eigenen Heldenteam.

The Wonderful 101 soll von euch eigentlich mehrfach durchgespielt werden, da es sammelbare Objekte und Trophäen für jeden Level gibt. Doch warum solltet ihr damit anfangen, wenn ihr genau wisst, dass ihr in einzelnen Abschnitten niemals eine brauchbare Wertung bekommen werdet?

Unglücklicherweise ist das aber nicht der letzte Mangel des Spiels. Zwischen den Missionen könnt ihr im Shop Upgrades und neue Fähigkeiten kaufen. Das ist sehr motivierend und teilweise auch extrem wichtig. Wie im Falle des Unite-Pudding mit dem sich eure Helden in ein Riesendessert verwandeln, das Angriffe blockt. Leider ist es zwischen haufenweise anderer Upgrades versteckt und viele Spieler dürften es zu spät kaufen, was die Kämpfe deutlich schwieriger (und leider auch unfairer) macht. Sämtliche Einkäufe sind außerdem verdammt teuer. Fehlinvestitionen werden also ein echtes Problem, weil man eventuell erst mal sparen muss, um die fehlende Ausrüstung noch zu bekommen. Was man braucht sollte also besser erklärt werden, denn diese Kleinigkeiten nicht zu wissen macht das erste Durchspielen – insbesondere, wenn man einen höheren Schwierigkeitsgrad wählt – ziemlich nervig.

Ohnehin erklärt euch The Wonderful 101 sehr wenig. Wie wichtig beispielsweise der Standardangriff eures Trupps ist, wird erst nach zahlreichen Toden eurer Helden klar. Bei jedem Druck auf X schlagen eure Helden nämlich nicht nur zu, einige Mitglieder des Teams hängen sich zusätzlich an den getroffenen Gegner und verlangsamen ihn so. Tummeln sich zu viele Wonderful Ones auf dem Feind, stoppt er gar komplett. Ein weiteres Problem dabei ist, dass eure Teammitglieder auf den hohen Schwierigkeitsstufen zu oft abgeschüttelt werden, was zu einer weiteren Schieflage bei der Spielbalance führt.

Bereit für krasse Japano-Superhelden-Cyborgdinosaurier-Weltuntergangs-Alien-Action?

Auf der Präsentationsebene gibt es allerdings praktisch keine Patzer. Ganz im Gegenteil. Das Gegnerdesign ist einfach nur herrlich überdreht und absolut stimmig. Gleiches gilt für die zahlreichen Zwischensequenzen. Die parodieren diverse Vormittags-Zeichentrickserien und der Humor ist dabei ein richtiger Brüller. Etwa, wenn der Anführer des Teams, Wonder Red, jeden neuen Gesprächspartner mit übertrieben langen Beschreibungen der jeweiligen Person begrüßt. Oder wenn sich eine heldenhafte Pose am Ende einer Sequenz eben nicht als Standbild entpuppt, weil jemand anfängt zu zittern. Dabei entsprechen alle Helden des Teams bestimmten Klischees. Vom pflichtbewussten Saubermann-Anführer Red, über den dickköpfigen Draufgänger Blue bis zum (völligen Blödsinn) philosophierenden Martial-Arts-Guru White ist alles dabei. Die Sprachausgabe dazu gibt es nur auf Japanisch und Englisch, dafür ist sie aber absolut hervorragend. Die deutschen Untertitel kommen da nicht ganz mit. Dialoge laufen mit spärlich, aber extrem stimmig, animierten Portraits ab, die vor das Geschehen projiziert werden.

Auch der Soundtrack kann rundum überzeugen. Besonders witzig sind die passend auf bestimmte Figuren komponierten Themen. Auch die Grafik ist spektakulär, ohne jedoch technische Maßstäbe zu setzen und präsentiert das Geschehen in einem offensichtlich gewollten Plastiklook, der die Protagonisten wie bunte Actionfiguren wirken lässt. Lediglich die Kamera erlaubt sich seltene Schwächen, was bei einem so schnellen Spiel schon mal ärgerlich werden kann.

Insbesondere die Bosskämpfe sind aber perfekt durchinszeniert. Was man hier an Japano-Action-Wahnsinn zu sehen bekommt lässt selbst gestandenen Nerds die Kinnlade runterklappen. Genretypisch ist das Geschehen dabei natürlich extrem durchgescriptet und wird mit zahlreichen Quick-Time-Events gespickt. Das muss man mögen. Es sorgt jedoch in jedem Fall für reichlich Augenfutter.

Abgerundet wird das Gesamtpaket durch einen Offline-Mehrspielermodus für bis zu fünf Spieler. Hier können extra für den Koop gestaltete Missionen gemeinsam bestritten werden. Das ist sehr kurzweilig, mit zunehmender Spielerzahl aber auch extrem unübersichtlich. Schließlich verfügt hier jeder Spieler über sein eigenes Team aus Superhelden. Ärgerlich ist dann natürlich, dass mangels zusätzlicher GamePads die Spieler zwei bis fünf mit Pro Controllern oder Wii Classic Controllern ran müssen. Das macht die Ausführung der Morph-Angriffe natürlich sehr viel schwerer und kostet Spielspaß. Dieses Problem tritt auch beim Off-TV-Play auf. Da sieht man (logischerweise) das eigentliche Spielgeschehen auf dem Touchscreen selbst und kann ihn nicht anderweitig nutzen.

Fazit: Viel Heldenhaftes und einige schurkische Fehler

Tja, The Wonderful 101 macht es einem nicht leicht. Auch wenn sich viele Kritikpunkte erst in den höheren Schwierigkeitsstufen voll entfalten, sind sie doch ein ernsthaftes Problem für ein Spiel, das aufgrund seines Konzepts durch perfekte Kontrolle punkten müsste. Spaß hat man (ganz besonders in den leichten Modi) trotzdem. Denn abseits der (wirklich relevanten) Kritikpunkte macht The Wonderful 101 einfach zu viel richtig. Man verzeiht daher auch einige Fehler. Das sollte man auch, denn der Titel enthält viele frische Ideen. Und die sind bekanntlich nur schwer im ersten Versuch perfekt umzusetzen. Doch insbesondere die Probleme beim Zeichnen der Unite-Morphs und die unfairen Spielabschnitte bleiben Makel, die nur schwer zu übersehen sind. Im Gegenzug erhält man jedoch eine Wagenladung Charme und Humor verpackt in einem vollkommen überdrehten Action-Trip mit überbordendem Japano-Flair. Wer also keine perfekt glattgebügelte Spielerfahrung braucht, sollte zuschlagen und nebenbei auf einen Nachfolger hoffen, der die Fehler des Erstlings ausmerzt.

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