Lesezeit: 7 MinutenDass The Last of Us wahrscheinlich einer der letzten großen PlayStation-3-Titel ist, sollte niemanden an dieser Stelle überraschen. Dutzende Auszeichnungen und Top-Bewertungen an jeder Ecke hat der Titel aus dem Hause Naughty Dog eingeheimst. Dass wir dieses Top-Spiel nicht früher bei uns auf der Seite hatten, liegt daran, dass so ein Spiel nach dem Spielen erst einmal in unseren Köpfen reifen muss. Was dabei am Ende rauskam, erfahrt ihr hier.
Überlebenskampf nach der Apokalypse
Die Nachrichten im Fernsehen überschlagen sich. Die Zahl der Toten nimmt immer weiter zu und noch weiß niemand, was wirklich vor sich geht. Joel stürmt ins Haus, greift seine kleine Tochter Sarah und flieht mit seinem Bruder zusammen aus der Stadt. Die Autobahnen sind dicht, also kehren sie um. Von überall hört man Schreie, Panik und plötzlich Schüsse. “Alles wird gut”, flüstert Joel seiner Tochter immer wieder zu. “Alles wird gut…”
Cut! 20 Jahre später lebt Joel alleine in einer der einzigen intakten Städte der Welt. Irgendwo in den Weiten von Amerika versucht er sich mit Waffenschmuggelaktionen durchzuschlagen. Ein Kinderspiel für ihn und Tess – seine Begleiterin – denn sie kennen die geheimen Gänge, die raus aus der Stadt führen. Raus aus der Sicherheit. Weg vom Militär. Hinein in die versuchte Umgebung der Stadt, in der Clicker und Runner ihr Unwesen treiben. Clicker, diese Menschen, die von einem Pilzbefall getötet wurden und nun von diesen Pilzen weitergesteuert werden. Diese Infizierten, die mehr Pilz als Mensch sind und gegen die es keinen anderen Ausweg als Schusswaffen und Baseballschläger gibt.
Zombie-Survival von Naughty Dog
Dieses Szenario bildet die Grundlage von Naughty Dogs The Last of Us. Der Exklusivtitel für PlayStation 3, der seit dem 14. Juni 2013 in Deutschland erhältlich ist. Was soll man bloß von noch einem Horror-Survival-Spiel von den Machern von Uncharted halten? Sehr viele Schießereien und vor allem viel Herumgelaufe? Vereinfacht gesagt: Ja. Wer möchte, schleicht sich stundenlang von einem Ort zum anderen und knallt unterwegs ein paar Zombies ab, ABER das Spiel kann auch sehr viel mehr.
Es kann vor allem eine überzeugende Geschichte erzählen. Vom Überleben in einer Welt voller Infizierter und Militärsoldaten, aber auch von der wachsenden Beziehung zwischen dem mittlerweile abgeklärten Joel und dem jungen Mädchen Ellie. Die Bedrohung durch die Clicker, aber auch durch Menschen, liegt immer in der Luft. Clicker sind vor allem deswegen gefährlich, weil sie nicht sehen können (der Pilz hat ihre Gesichter überwuchert), während sich dafür ihr Gehör verbessert hat und sie sensibel auf jedes Geräusch reagieren. Einmal auf uns aufmerksam geworden, gibt es nur schwer ein Entkommen. Es ist nun am Spieler zu entscheiden, wie die beiden vorgehen sollen. Schleichen sie sich an den anderen Überlebenden vorbei; stellen sie Fallen auf oder laufen sie – sehr klassisch – mit einer großen Menge an Schusswaffen durch ihre Verstecke, erschießen sie alle und klauen ihre Vorräte? Nebenbei müssen hier und da ein paar Pilz-Zombies in verschiedenen Mutationsstadien besiegt werden und dann geht es schon weiter zur nächsten Region.
Damit Joel auch immer gut vorbereitet und ausgestattet ist, findet er in allen offenen Häusern Objekte, wie Nägel, Schere und andere Dinge, mit denen er Molotow-Cocktails, Stolperdrähte oder auch Medi-Kits herstellen kann. Weiterhin findet Joel gelegentlich bestimmte Maschinenteile, die er benötigt, um an speziellen Werkbänken seine Schießeisen aufzurüsten. Überall findet man Sammelgegenstände, wie Comics oder Notizen, die am Ende nicht viel bringen, aber mehr Hintergrundwissen vermitteln. Leider nehmen diese Collectibles auch etwas von der Stimmung, da man jede dunkle Ecke absucht, anstelle die Umbegung zu genießen, die wirklich beeindruckend aussieht. Die Steuerung funktioniert recht klassisch über das Gamepad. Zwischendurch gibt es ein paar Quicktime-Events, aber im Großen und Ganzen darf der Spieler einfach von Ort zu Ort laufen. An jedem neuen Ort gibt es eine Videosequenz, die verrät wohin die Reise als Nächstes führt und wie sich die Beziehung von Ellie und Joel entwickelt.
Werfen wir einen Blick auf die weitergehende Handlung, wird auch sehr schnell klar, warum dieses Spiel von vielen Kritikern und Gamern so hochgelobt wird. Denn großartige Musik und Grafik machen leider noch kein gutes Spiel aus. Wo waren wir? Ach ja: Joel und Tess arbeiten also als Waffenschmuggler, bis ihnen ein großer Deal vorgeschlagen wird. Sie sollen das Teenager-Mädchen Ellie zum Hauptquartier der Fireflies, eine Rebellengruppe, die versucht ein Heilmittel gegen die Infektion zu finden, bringen. Dafür sollen Joel und Tess eine riesige Waffensammlung erhalten. Was soll bei diesem Deal schon schief gehen?
Damit das Spiel nicht direkt zu Ende ist, ist das Hauptquartier der Fireflies natürlich verlassen, die Gruppe um Joel wird mehrere Male von Zombies angegriffen und plötzlich sind Joel und Ellie alleine auf dem Weg in eine neue Region, in die sich die Fireflies angeblich zurückgezogen haben. Und hier beginnt das eigentliche Spiel, denn plötzlich müssen die beiden eine Art Schnitzeljagd durch die USA unternehmen, auf der sie schnell merken, dass die Zombies nicht die einzigen Gegner sind, sondern auch die anderen Überlebenden, die jederzeit aus irgendwelchen Gebäuden auftauchen und versuchen Joel und Ellie ihre Vorräte und am besten auch ihr Leben abzunehmen. Von hier an müssen die beiden zusammenhalten und wachsen schnell zu einem Team zusammen.
Nach dem Spiel ist vor dem Spiel
Nach knapp 14-16 Stunden ist das Spiel durch und man möchte mehr. Mehr von Joel, der brummig durch verlassene Gebäude stapft und davon erzählt, wen er schon alles in der Zombieapokalypse verloren hat. Mehr von Ellie, die darum bettelt endlich nicht mehr nur mit einem Messer kämpfen zu dürfen und dann feststellen muss, dass es gar nicht so einfach ist zu töten. Mehr von den sonnenbeschienen Wiesen, die so friedlich aussehen und in denen sich natürlich Gegner so einfach verstecken können. Und vor allem mehr von den kleinen Dialogen, die entstehen, während man herumläuft und Comics und kleine Andenken findet, die immer wieder Anekdoten an eine heile Welt auslösen.
Und obwohl dieses Spiel am Ende einfach nur Lust auf mehr macht – was übrigens durch die Prequel-Comicreihe The Last of Us: American Dreams und den Multiplayer-Modus befriedigt werden kann – gibt es diese kleinen Fehler, die dieses Spiel dann doch nicht perfekt machen und den Spieler immer wieder zurück in die Realität ziehen. Da wäre zum Beispiel die Sache mit den Fußspuren. Manchmal gibt es sie, aber gerade dann, wenn man sie erwartet – zum Beispiel wenn man aus dem Wasser kommt und tropfend auf Steinen herumläuft – bleiben sie einfach aus. Auch die gelegentlich auftretenden Bugs, bei dem die Spielfigur plötzlich nach vorne oder hinten geschleudert wird, sind eher störend. Besonders nett war diese eine Stelle, an der mich der Bug mitten in eine Gruppe von Angreifen geschleudert hat, an die ich mich vorher mühevoll herangeschlichen habe um sie geschickt von hinten nacheinander zu erwürgen. Offenbar hatte das Spiel da andere Pläne.
Mich stört es auch, dass man mit so vielen Gegenständen interagieren kann, aber dann eben nicht mit allen. Klar ist es wesentlich aufwendiger, aber warum kann ich keine Dose werfen, die auf dem Boden herumliegt, wenn ich jede dämliche Flasche für ein Ablenkungsmanöver verwenden kann? Vielleicht bin ich an dieser Stelle auch ein wenig überkritisch, aber mehr Interaktionsmöglichkeiten, würden sicherlich noch mehr Freiheiten für den Spieler bedeuten.
Wo wir gerade bei störenden Dingen sind. Der Multiplayer-Modus von The Last of Us wirkt zwar sehr ambitioniert, ist aber in Wirklichkeit nur durchschnittlich gut. Naughty Dog versuchen fast schon verzweifelt, eine Brücke von Single- nach Multiplayer zu schlagen. Deshalb gibt es eine Art von Storyline, die um Team Deathmatch-Kämpfer herumgesponnen wurde. Es stehen zwar verschiedene Spielmodi zur Auswahl, aber im Endeffekt ist der Mehrspieler-Part von The Last of Us schlechter als der von Uncharted 3, das schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat. Dazu trägt unter anderem die Einführung von “unsichtbaren Läden” bei, in denen ihr jederzeit bestimmte Sachen (Munition, Rüstung etc.) erwerben könnt, aber auch das Übernehmen der Einzelspieler-Kampagnen-Währung in Form von “Schrott”. Die Entwickler waren wirklich ambitioniert, was den Multiplayer-Modus angeht, das merke ich, aber letztlich sind sie daran gescheitert.
Großartige Atmosphäre
Beindruckend ist die wirklich großartige Grafik. Alles wirkt so unfassbar real, dass man einen Moment stehen bleiben und die Welt genießen möchte. Jeder Ort ist präzise durchgeplant und vermittelt den Eindruckt, dass die Zivilisation nicht nur durch die Pilz-Zombies, sondern vor allem durch die Natur verdrängt wurde. Aus den halb eingestürzten Häusern wachsen riesige Bäume in die Höhe und alles ist mit Gras und Moos bedeckt. Dazwischen liegen vereinzelte Gegenstände, die an die früheren menschlichen Bewohner erinnern. Die vielen Details beleben die Welt ohne sie zu überfüllt wirken zu lassen.
Zusammen mit der ruhigen Musik von Gustavo Santaolalla – Babel, 21 Grams und Brokeback Mountain – entsteht langsam eine recht greifbare Atmosphäre, die durch das Spiel von Licht und Schatten, Jahreszeiten und natürlich der Handlung unterstützt werden. Es ist angenehm in einem Zombiespiel nicht nur an eine Tageszeit gebunden zu sein, sondern den Wechsel von Tag und Nacht erleben kann.
Fazit – Überzeugendes Action-Adventure
Alles in allem ist dieses Spiel einfach ein sehr, sehr überzeugendes Action-Adventure mit Pilz-Zombies und einer wirklich spannenden Handlung, die in einer wunderbaren Atmosphäre eingebettet ist. Mehr aus dem The Last of Us-Universum gibt es hoffentlich bald, wenn man den Gerüchten trauen darf, schließlich verwies Neil Druckmann (Creative Director) kurz auf einen geplanten zweiten Teil in einem Interview mit der Internetplattform Reddit. Sollte die Reihe wirklich fortgesetzt werden, muss das Spiel definitiv in sehr große Fußstampfen treten!
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