NBA 2K10 – Alte Liebe rostet nicht
Lesezeit: 5 MinutenHach ja, Basketball. Auch wenn ich gerade arg subjektiv klinge, aber es gibt einfach keine schönere, spannendere und packendere Sportart. Krachende Dunks, filigrane Spielzüge und Taktik wohin man schaut. Und spätestens seit NBA 2K7 zelebriert 2KSPORTS diese Zauberei rund um den Lederball in Perfektion. Da sollte man doch meinen, dass Basketball-Fans zum zehnjährigen Jubiläum den heiligen Grahl serviert bekommen, oder?
Eine positive Nachricht vorweg: Das Menü wurde endlich umstrukturiert: Bewegt man den rechten Stick erscheint ein bildschirmgroßes Menü, das in neun Felder eingeteilt ist. So kommt man meistens mit nur einer Bewegung zum gewünschten Punkt. Auch wenn man am Anfang ein wenig auf der Suche ist, findet man sich schon nach sehr kurzer Zeit zurecht. Nach dem Startbildschirm findet man sich bei NBA-Today wieder: Sofern Eure Konsole am Internet angeschlossen ist, erfahrt ihr hier täglich die neusten Infos aus der NBA inklusive Spielergebnisse. Wenn ihr wollt, könnt ihr vorher auch die Partie spielen, dabei greift das Spiel auf die aktuellen Kader der NBA zurück: Spielt ihr also zum Beispiel mit den Housten Rockets, könnt ihr euch von dem Gedanken befreien, in naher und ferner Zukunft mit der chinesischen Centermacht Yao Ming im Low Post für Angst und Schrecken zu sorgen.
Mittendrin statt nur dabei
Ebenfalls seinen Einstand feiert der MyPlayer-Modus. Hier bastelt ihr euch euren eigenen Basketballspieler nach Maß und durchlebt mit ihm die Höhen und Tiefen des Basketballsports. Angefangen vom Summer Circuit, über das NBA-Trainingscamp bis hin zur Draft und eventuell in ferner Zukunft Titelgewinne ist alles drin. Dabei müsst ihr in jedem Spiel bestimme Aufgaben erfüllen und (Eurer Position entsprechend) möglichst gescheit spielen, um die heiß begehrten Erfahrungspunkte zu kassieren, die ihr dann in die verschiedensten Attribute wie zum Beispiel Freiwürfe, Steals, Ausdauer, oder Dunks einsetzten könnt. In Trainingseinheiten könnt ihr darüber hinaus euren Spieler ebenfalls verbessern.
Und wenn ihr nicht dem Anspruch des NBA-Trainers genügt, dann geht es in die Development-League. Hier werden Talente gefördert und auf die NBA vorbereitet. Kann sich euer Spieler hier beweisen, winkt vielleicht schon bald wieder ein Vertrag mit einem Profi-Team. Im Associations-Modus könnt ihr dann Eure Trainerfähigkeiten auf die Probe stellen. Ihr müsst nicht nur auf dem Platz überzeugen, sondern auch neue Talente besichtigen, Trainings einsetzen, Spieler tauschen oder Verpflichten und euch um das personal kümmern. Alles wie gehabt. Eigentlich.



Auf dem Platz ist nicht mehr alles Gold, was glänzt
Die Begegnung steht. Der Sprecher aus dem Off kündigt die beiden Teams an. Der Bildschirm wird schwarz. Man hört tosenden Applaus. Die Halle ist dunkel. Überall kreisen Lichtkegel durch die Arena. Die Musik ist laut. Die Fans sind lauter. Die Kommentatoren Kevin Harlan und Clark Kellogg besprechen die Partie. Das Spiel geht los. Und sofort stellt sich das wohlige Gefühl ein, dass auch schon die letzten Jahre eintrat, wenn man die Spieler beim Aufposten beobachtet, Spielzüge ansagt oder nach einer gekonnten Finte mit dem Ballführerenden Spieler zum Korb zieht. Doch was ist das? Nicht nur der gegnerische Center sondern auch die Framerate geht in die Knie, als ich mit meinem Power Foward den Ball durch die Reuse pfeffer. Und schon wieder. Und schon wieder? Erst eine etwas weiter entfernte Kamera behebt das Problem. Meine Euphorie bekommt einen Dämpfer.
Auch wenn sich NBA 2K10 wieder einmal vorzüglich spielen lässt und es einfach keine realistischere Basketballsimulation gibt, sind es gerade Slowdowns, die den Spielspaß vermiesen. Gerade wenn dadurch Pässe nicht ankommen oder Würfe nicht ins Netz gehen. Hier hat 2KSPORTS nicht gerade saubere Arbeit geleistet.
Außerdem scheint das Spiel an vielen Stellen unfertig zu wirken: Im Online-Modus hagelt es Verbindungsabbrüche, flüssige Spiele sind kaum möglich. Doch die größten Ärgernisse traten im MyPlayer-Modus auf: Man kann die Viertellänge nicht einstellen. Man ist gezwungen fünf Minuten pro Viertel zu spielen. An sich ja nicht so das Problem. Doch die Spiele der anderen Vereine werden in zwölf Minuten pro Viertel simuliert. Wenn man also nicht wie der letzte Berserker offensiv spielt, sind realistische Ergebnisse nicht möglich. Saisonziele können nicht erreicht werden und die eigenen Statistiken sind niedriger als bei den anderen Spieler in der NBA. Dank eines Bugs kann es sogar soweit kommen, dass bei einem Vereinswechsel ein Klon entsteht. So spielt man eigentlich beim neuen Team, während plötzlich der Klon vom kreierten Spieler im alten Team weiter punktet. Trotzdem werden die Statistiken insgesamt halbiert. Das darf eigentlich nicht passieren.



Der erlösende Patch
Seit dem sechsten November ist ein Patch für die Xbox 360-Version draußen, der sich um viele Probleme kümmert. Das Spiel auf dem Court ist nun endlich wieder schön flüssig. Einbrüche in der Framerate sind so gut wie nicht existent. Außerdem agiert die Defensive nun eine ganze Ecke besser und verhindert Würfe aus der Zone viel effektiver. Der Kontakt zweier Spieler in der Luft sieht nun aus wie eine Augenweide und der Klon im MyPlayer-Modus gehört nun auch endlich der Vergangenheit an. Außerdem kann man nun auch die Viertellänge nach belieben im eben jenen Modus einstellen. Man ist endlich nicht mehr auf fünf Minuten beschränkt. Online-Spieler laufen nun ebenfalls besser, auch wenn Verbingsabbrüche auftreten können. Nun kann man aber auch problemlos mehrere Spiele am Stück durchspielen. Vor dem Patch war das undenkbar.
Fazit:
Das gibt ein blaues Auge 2K! Es kann einfach in der heutigen Zeit nicht angehen, so ein unfertiges Produkt auf dem Markt zu bringen. Auch wenn die Präsentation einfach ausgezeichnet ist, die Kommentatoren mit vielen informativen und unterhaltsamen Konversationen begeistern und das Gameplay gewohnt sehr gut ist, kann man nicht von der Hand weisen, dass der MyPlayer-Modus die ersten vier Wochen nach dem Release einfach nicht spielbar war und der Online-Modus für Frust pur sorgte. Die einzige Rettung vor dem Wertungskeller ist das jüngst erschienene Update, dass vieles ausbesserte.
Nun kann man beruhigt zuschlagen: NBA 2K10 ist wieder der König auf dem Platz. Doch nicht mehr der scheinende, schillernde und erhabene König. Vielmehr sollte 2K aus den Fehlern lernen und dafür sorgen, dass mit NBA 2K11 (Denn die Entwickler sitzen schon daran, sehr zur Freude der Community!) nicht das Gleiche passiert. Denn EASports lauert. Und wer keine Internetverbindung daheim besitzt, der sollte sich wirklich überlegen, nicht vielleicht doch zu NBA Live 10 zu greifen.











