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Mutant Year Zero – Eine tierische Postapokalypse

von am 30. Dezember 2018
DETAILS
 
Spieldauer

10 - 15 Stunden, je nach Schwierigkeitsgrad

Für Fans von:

XCOM, Jagged Alliance

Pluspunkte

+ tolle Atmosphäre und stimmige Welt
+ interessanter Mix aus Echtzeit und Rundentaktik
+ intuitive Steuerung
+ fordernde Kämpfe
+ clevere KI

Minuspunkte

- rudimentäre Story
- teilweise Pop-Ups
- abruptes Ende

Editor Rating
 
GAMEPLAY
9.0

 
GRAFIK
8.0

 
SINGLEPLAYER
8.0

 
MULTIPLAYER
0.0

 
SOUND
7.0

Gesamt-Wertung
8.0

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Zusammenfassung
 

Mutant Year Zero: Road to Eden ist eine der Überraschungen des Jahres! Eine wunderschöne postnukleare Welt, ein unterhaltsames Gespann und wirklich exzellente Rundentaktik sorgen für ein rundes Gesamtpaket. Falls es einen zweiten Teil geben sollte, können die Entwickler aber gerne mehr in Variation und Story investieren, denn das Gameplay ist fast makellos!

 

“Dieser Spieletitel klingt… unfassbar uninteressant.”

Das war der erste Gedanke, den ich hatte, als ich im Frühjahr zum ersten Mal von Mutant Year Zero: Road to Eden gehört habe. Der Name klingt so unsagbar generisch, dass der Leser in den nächsten Absätzen immer wieder den Titel checken wird, weil er bis dahin wieder vergessen sein wird. Warum nicht einfach Mutant Year Zero? Der Weg nach Eden ist definitiv im Fokus der Story, aber man lässt es so klingen, als sei dies’ der Beginn einer groß angelegten Trilogie. Und das ist es absolut nicht. Es ist in erster Linie das ambitionierte Erstlingswerk des Indiestudios The Bearded Ladies (DAS ist mal ein Name!). Und es ist eines der interessantesten Spiele dieses Jahres. Warum? Das erfahrt ihr nun.

What the quack?!

Also, was ist hier los? Warum steuern wir ein grimmiges Wildschwein und eine Sprüche-klopfende Ente? Und wieso muss ich bei der Ente an Nathan Drake denken? Wie sich schnell herausstellt, ist die menschliche Rasse auf Grund eines unglücklich verlaufenden Atomkrieges in absentia. Mutierte Tiere und Humanoide bevölkern nun die neue Welt und versuchen in dieser zu überleben. Die wenigen übergebliebenen Zivilisationen leben in der Höhe zusammengebastelten Städten – bei unseren Helden genannt “The Ark” – in einer aus Kompromissen resultierenden Harmonie. Die wenigen fähigen Mutigen unter ihnen – die Stalker – begeben sich auf den Grund der Welt und suchen nach Ressourcen, Schrott und Artefakten. Eines Tages fällt die Wasserversorgung der Ark aus und die dafür zuständigen Techniker verschwinden ebenfalls spurlos. Daher begeben sich unsere beiden Protagonisten Dux und Bormin nach unten, um das Mysterium zu lösen.

Los geht’s

Kaum ist man unten auf der Welt, merkt man, dass dieser Atomkrieg einige hundert Jahre her sein muss: die Natur hat sich nämlich alles wieder zurückgeholt. Asphaltstraßen sind nicht mehr zu sehen, die alten Gebäude, Autos und Züge sind überwuchert, die atomare Zerstörung ist mit der Natur verschmolzen. Das hat alles eine ungemein dichte Atmosphäre, denn hier wird mit Bildern statt mit Worten gearbeitet. Unsere Protagonisten haben kein Konzept von der vorherigen Welt, für sie ist ein verrosteter Bus ein seltsames Werk aus der alten Zeit. Überhaupt ist die Spielwelt weitaus überzeugender als die eigentliche Story, welche ohne große Höhepunkte auskommt und relativ abrupt endet. Daran und an den spärlichen Zwischensequenzen merkt man dann doch, dass hier das AAA-Geld gefehlt hat. Zudem kann neben unserem Schwein-Ente-Duo kein weiterer Charakter überzeugen. Sie bleiben durchweg blass.

Ruhe bitte, hier wird gekämpft

Die Spielwelt ist in einzelne Gebiete aufgeteilt, die im Verlauf nicht unbedingt linear abgelaufen werden müssen, jedoch größer hätten ausfallen können. Man bewegt sich in Echtzeit über die Map, kann Schrott (die Währung in dieser Welt), neue Waffen oder Artefakte sammeln. Dabei steuert man immer eine Figur, der Rest kann auf Befehl folgen oder sich positionieren und warten. Die Kamera ist dabei frei schwenkbar und gewährt dem Spieler immer den besten Blick auf die Map. Trifft man während der Erkundungen auf Gegner – sogenannte Ghouls jedweder Art – springt das Spiel in einen Rundentaktikmodus. Und ja, dieser Modus ist so extrem von XCOM abgekupftert, dass sich selbst dieses seltsame Mario + Rabbids-Spiel hinten anstellen kann. Ob ich, der größte XCOM-Fan in der Redaktion, ein Problem damit habe? Hust hust…

Taktikveteranen vortreten!

Um mal wieder ernst zu werden: ja, der Rundentaktikmodus ist sehr von der Alienabschlachtreihe inspiriert, macht deshalb aber nicht minder Spaß und ist zudem knüppelhart. Schleichen und das lautlose Ausschalten von isolierten Gegner ist essentiell für den Sieg, denn die Gegner sind meist einige Level höher und haben teils abstrus viele HP. Man hat aber im Gegensazu zu XCOM in Mutant Year Zero: Road to Eden die Möglichkeit, das bevorstehende Schlachtfeld in Echtzeit zu inspizieren und seine Kämpfer klug (= auf erhöhter Position) in Stellung zu bringen. Wenn man es dann schafft, den oder die Gegner innerhalb einer Runde zu erledigen, wird kein Alarm ausgelöst. Sollte der andere Fall eintreten, kann man fast schon den Speicherpunkt neu laden. Denn was da an Verstärkung ankommt, ist bei Mangel an Medikits und Munition fast unschaffbar und extrem anstrengend.

Selbst auf dem normalen Schwierigkeitsgrad wird es einige Frustmomente gebe. Diese steigern sich exponentiell mit “schwer” oder “sehr schwer” und verlangen Taktik-Veteranen einiges ab. Das liegt aber auch an der KI der Widersacher, welche man einfach nur als gelungen bezeichnen kann. Die Gegner antizipieren Angriffe, gehen clever in Deckung und versuchen stets, unseren Trupp zu flankieren. Und wehe, wir kommen auf die Idee und stellen unsere Truppe nah beieinander. Die explosiven Geschosse einiger Gegner wirken dann doppelt verheerend.

XCOM mit Fell und Federn

Allerdings fühlen sich dann die Siege umso befriedigender an! All’ das steuert sich angenehm und intuitiv mit dem Controller, man hat stets die Kontrolle über seine Truppe und die Situation. Auch gibt es Deckungsmöglichkeiten und gleichzeitig die Option diese mit der richtigen Wumme zu zerlegen. Waffen können auf den Maps gefunden oder von getöteten Gegnern fallengelassen werden. Jeder Charakter kann bis zu zwei Hauptwaffen tragen und sich zusätzlich mit Granaten, Panzerungen, bescheuerten Hüten und Hilfsitems ausstatten. Auch kann man mächtige Waffen in der Ark beim Händler erwerben – weswegen sich Erkundungen auf den Haupt- und Nebengebieten absolut lohnen. Vor allem die Artefakte sind sehr wertvolle und gern gesehene Tauschgegenstände. Ähnlich wie in XCOM erhalten unsere Protagonisten Erfahrung durch das Erlegen von Ghoulen. Diese Erfahrungspunkte werden dann in relativ rudimentär gestalteten Skillbäumen eingelöst. Diese sind recht linear und kommen nicht an die Tiefe der XCOM– oder Jagged Alliance-Reihe ran.

Die technische Seite

Technisch kann man dem Spiel auf dem ersten Blick nicht viel vorwerfen. Die posthumane Welt ist stimmig und liebevoll gestaltet, auch wenn die teilweise schlauchigen Passagen deplaziert wirken. Die Zwischensequenzen sind budgetbedingt nicht animiert, sondern wunderschön gezeichnet und passen in das Gesamtkonzept. Auch beim Sound braucht sich Mutant Year Zero: Road to Eden nicht vor den Großen zu verstecken. Die Musik ist wundervoll und das Voice Acting – englisch vertont – ist vor allem bei Dux und Bormin vorbildlich. Die Dialoge der Beiden während der Missionen wirken ungemein harmonisch und natürlich und machen die beiden Kerle mit zu den sympathischsten Charakteren der letzten Zeit. Allerdings gibt es auch ein paar wenige Dinge zu beklagen. Die Ark hätte ein besseres Design verdient und ist viel zu statisch geraten. Etwas mehr Interaktion mit den Bewohnern wäre wünschenswert gewesen. Zudem gibt es zum jetzigen Zeitpunkt vereinzelt Abstürze oder Probleme beim Laden von Spielständen (welche aber dadurch nicht beschädigt werden). Außerdem gab es zeitweise auffällig viele Popups und Glitches während des Echtzeitmodus.

Eine Perle der Postapokalypse

Ich habe einige Sachen zu kritisieren: die Story hätte ausgearbeiteter sein können, die Welt interaktiver, die anderen Charakteren neben den Haupthelden etwas weniger blass. Aber nach einem Jahr, in dem gefühlt nur Third-Person-Action oder Shooter-Einheitsbrei den Markt beherrscht haben, war ich mehr als froh, einfach ein entspanntes und zugleich hoch spannendes Taktik-Spiel in den Händen zu haben. Die Mischung aus Echtzeit und Rundentaktik ist wunderbar realisiert worden, die Welt erzählt mit wenigen Worten und vielen Bildern eine tolle Geschichte und die beiden Protagonisten besitzen eine tollte Chemie.

Das Ganze gepaart mit einer KI, die sich selbst die Schuhe binden kann und selbst erfahrene Strategen fordert sorgt, trotz der offensichtlichen Parallelen zum Vorbild XCOM dazu, dass die Damen und Herren von The Bearded Ladies mit Mutant Year Zero: Road to Eden einen der außergewöhnlichsten Titel des Jahres rausgebracht haben. Man darf gespannt, was dieses junge Studio in den nächsten Jahren noch auf die Beine stellen wird. Ich hoffe, dass sie bis dahin jemanden für eine bessere Namensgebung konsultiert haben.

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