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Metro Exodus – Querfeldein durch Russland

von am 11. März 2019
DETAILS
 
Spieldauer

15-20 Stunden

Für Fans von:

Metro und allen Singleplayer-Shootern

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Pluspunkte

+ immersive Welt
+ gute Synchronsprecher
+ viel zu entdecken
+ Tag-Nacht-Zyklus mit Gameplayveränderung
+ interessante Nebencharaktere

Minuspunkte

- träge Steuerung
- dämliche KI
- Ladezeiten
- Clippingfehler

Editor Rating
 
GAMEPLAY
8.0

 
GRAFIK
9.0

 
SINGLEPLAYER
9.0

 
MULTIPLAYER
0.0

 
SOUND
8.0

Gesamt-Wertung
8.0

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GAMEPLAY

 
GRAFIK

 
SINGLEPLAYER

 
MULTIPLAYER

 
SOUND

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Zusammenfassung
 

Mit Metro Exodus kommt der lang erwartete Nachfolger zu der exzellenten Metro-Reihe. Zum ersten Mal spielt man größtenteils an der Oberfläche in einer Semi-Open-World und erkundet halb Russland. Während Atmosphäre, Technik und die Gameplayideen teilweise großartig sind, schwächelt das Spiel bei der Steuerung, KI und den brutal langen Ladezeiten.

 

Hier sind wir nun also. Metro Exodus und ich. Wie oft ich den E3-Trailer von 2017 gesehen, wie viele News ich verschlungen und welch’ absolut unrealistischen Erwartungen ich in dieses Spiel gesteckt habe. Nach dem fantastischen Metro: Last Light habe ich nicht weniger, als ein absolutes Meisterwerk erwartet, eine sinnvolle Weiterentwicklung von einem Spiel, was für mich bis heute zu den bestern Shootern aller Zeiten zählt. Also ja, kein Druck 4A Games –  es bestand niemals die Chance, dass ich in irgendeiner Weise enttäuscht werden könnte. Oder?

Der muss mal raus, der Artjom!

Worum geht es überhaupt in Metro Exodus? Hier steckt bereits die erste große Veränderung: während man in den beiden Vorgängern nach dem großen Atomkrieg noch die gewaltige Metro Moskaus erkundet hat, verlässt unser Held Artjom bereits in der ersten Spielstunde den Untergrund und begibt sich an die frische Luft. Und dies (fast) ohne Gasmaske, denn mittlerweile ist die Atmosphäre semitödlich für die Lungen geworden. Recht früh erfahren wir ebenfalls, dass a) der eigentlich Krieg nie beendet wurde und b) weitaus mehr Menschen überlebt haben! Mal ehrlich, halb Russland scheint noch mehr oder minder auf den Beinen zu sein. Das nimmt erst mal die Obskurität und Einsamkeit der Oberwelt (wenn man nicht bereits das Buch Metro 2035 gelesen haben sollte), doch fühlt es sich nach einer kurzen Umgewöhnungsphase wie der nächste sinnvolle Schritt an.

Kaum sind wir raus der geliebten Metro, wird auch fix ein Zug – die Aurora . geklaut und schon geht es mit einer unterhaltsamen und sympathischen Truppe quer durch Russland. Die Aurora funktioniert hierbei als Transportmittel, Hauptstützpunkt und Schlafstätte. Zudem holen wir uns hier die Befehle vom aus den Vorgänger bekannten Miller ab – unserem Schwiegervater. Seine zwischen den Spielen wirklich viel hübscher gewordene Tochter Anna begleitet uns nämlich auch auf der Reise und hilft uns, wie auch andere Crewmitglieder, bei einigen Missionen. Doch haben auch alle anderen Gefährten unverwechselbare Charakterzüge, einen witzigen Spruch auf den Lippen und sind nebenbei alle exzellent synchronisiert. Lediglich Anna selbst fällt mit ihrer Synchronstimme leicht negativ auf. Unser Held Artjom bleibt serientypisch wieder stumm, was zeitweise irritierend wirkt, da viel mehr Interaktion zwischen den Protagonisten herrscht. Seltsamerweiser hat er auch einen sehr guten deutschen Sprecher – dieser darf aber nur bei den Tagebucheinträgen (Ladebildschirmen) reden. Nach drei Spielen kann man Artjom eine gewisse Sozialphobie nicht mehr absprechen.

Wunderschöne Apokalypse

Doch wie sieht die Welt außerhalb von Moskau aus? Mit einem Wort: wunderschön. Metro Exodus sieht einfach nur großartig aus und entfaltet alleine durch seine Farben in den verschiedenen Gebieten (Wolga, Kaspisches Meer, Taiga) eine extrem dichte Atmosphäre der Endgültigkeit unserer Zivilisation. Das Lichtspiel ist einmalig, die Detailverliebtheit bei den Animationen kann nicht genug gepriesen werden und vor allem bei Nacht herrscht eine bedrückende und bedrohliche Stimmung – auf einmal scheint man überall ein leisen Gurgeln, einen entfernten Schrei oder sich langsam nähende Schritte zu  hören. Denn uns erwartet auf der Oberfläche eine bunte Mischung aus menschlichen/menschenähnlichen Gegnern und teilweise wirklich widerlich mutierten Tieren. Und ja, ich meine euch abscheuliche Krabben, die mein Ruderboot kippen wollten! Und fangen wir gar nicht bei den Dämonen an.

Dabei wirkt sich auch der Tag-Nacht-Zyklus auf das Verhalten und die Art der Gegner aus. Wenn wir zum Beispiel ein Banditenlager attackieren wollen, können wir dies tags- als auch nachtsüber machen. Dies hat den Vorteil, dass ein Großteil der Gegner schläft und nur wenige Wachen aufgestellt sind. Allerdings laufen, krabbeln und fliegen auch ganz andere Wesen herum, sobald die Sonne untergangen ist. Ein schönes Feature und für einen Stealth-Run unabdingbar ist das lautlose Ausschalten von Gegnern – dabei dürfen wir sogar wählen, ob wir den Gegner töten oder nur ausknocken möchten und dadurch wertvolle Ressourcen sparen. Geschickte Spieler schaffen dies übrigens auch bei menschlichen Mutanten. Und glaubt mir, die wollt ihr im Dutzend nicht aufscheuchen.

Survival Light

Wir müssen uns aber auch in Gefahr begeben, da wir auf die verschiedenen Rohstoffe auf kurz oder lang angewiesen sind. Denn wie jedes ordentliche Open World Spiel hat Metro Exodus Crafting-Elemente, wenn auch extrem versimpelt. Es gibt keine “gute” Munition mehr, welche als Währung genutzt wurde – jetzt kann Munition entweder direkt gesammelt oder hergestellt werden. Dabei werden die selben Stoffe wie für Medikits, Granaten oder Filter für die Gasmaske benutzt. Auch wenn die Änderung spielerisch sinnvoll ist, nimmt es etwas die Immersion und den Survival-Charakter. Auch kann man von erledigten Gegnern Erweiterungen für seine Waffen aufsammeln und diese direkt anbringen. Apropos Waffen: diese müssen nun regelmäßig bei der Werkbank gereinigt werden, andernfalls kann es zu ungünstigen Ladehemmungen kommen, während ein mutierter Wolf sich auf einen stürzt.

Überhaupt wirkt Artjom im dritten Teil am verwundbarsten – selbst auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad bin ich häufiger in der Wolga abgesoffen als in beiden Vorgängern zusammen. Manche mögen das als willkommene Abwechslung begrüßen, doch es gab vor allem in den ersten Spielstunden Momente, die für unheimlich viel Frust gesorgt haben. Ein Beispiel: ich bin in einer riesigen und verwinkelten Lagerhalle, habe alle meine Medikits verbaucht und muss nur bis zum Ausgang kommen. Allerdings bin ich schwer verwundet, sodass nur ein einziger Hieb von einem Mutanten für mein Ende sorgt. Ich habe drei Kugeln in meiner Schrotflinte und meine AK ist so verdreckt, dass sie nach der ersten Salve klemmt. Ich habe diese Sequenz so häufig gespielt, dass ich kurz davor war einfach aufzugeben und die Wand mit meinem Controller zu dekorieren.

Artjom ist auch nicht mehr der Jüngste

Und wenn wir schon beim Controller sind, kommen wir zu meinem größten Kritikpunkt: ich habe bisher noch nie alle Empfindlichkeitsslider auf Maximum stellen müssen, um einen Shooter relativ smooth spielen zu können. Doch Metro Exodus scheint seinen Protagonisten vorher in Teer gebadet zu haben, selten hat sich eine Figur zu behäbig steuern lassen. Die Metro-Spiele waren niemals in der hektischen Liga von Call of Duty und Co., doch hier haben 4A Games definitiv übertrieben. In den schlimmsten Momenten fühlte ich mich an den Klassiker S.T.A.L.K.E.R. – Clear Sky erinnert, welches ein extrem atmosophärisches Abenteuer war, aber neben seinen vielen Bugs sich auch extrem klebrig gespielt hat. Zudem scheint Artjom seine sportlichstenTage hinter sich zu haben, denn seine Sprints dauern nicht besonders lange an, bevor er wie ein Asthmatiker nach Luft schnappen muss.

Auf der technische Seite sammeln sich sowohl Lob, als auch Kritik: wie bereits erwähnt sieht die Spielewelt wunderschön aus und saugt den Spieler förmlich ein. Wenn Artjom auf einem verrosteten Kran steht und in die weite Ferne schaut, zeigt sich das Spiel von seiner besten Seite und kann mit anderen Top-Titeln problemlos konkurrieren. Einzig die Texturen wirken aus nächster Nähe etwas verschwommener als bei vergleichbaren Shootern. Jedoch herrscht aus nächster Nähe auch das Problem der Kollisionsabfrage – manchmal will Artjom einfach nicht über die kniehohe Mauer steigen oder bleibt an vermeintlich kleinen Hindernissen hängen, während er sich an einen ahnungslosen Wachmann ranschleichen möchte. Wenn er dann wieder undankbar ins Gras beißt, darf der Spieler auf den Ladebildschirm starren. Auf den Ladebildschirm. Und das nicht zu kurz: Auf der PS4 Pro kann es vom Titelbildschirm bis zum Spiel selbst bis zu drei (!) Minuten dauern. Hier können 4A Games gerne noch nachbessern.

Beim Sound haben die Jungs sich aber nicht lumpen lassen. Hier klingt es alles wie aus einem Guss: von der dezenten Hintergrundmusik über die verschiedenen Tiergeräusche zu den motivierten Synchronsprechern – hier passt es wirklich. Selbst die manchmal deplazierten und unfreiwillig komischen Ansagen von den Gegnern (“Er ist hinter der Mauer!”) passen in das Gesamtbild. Leider kommt auch die gegnerische K.I. zu kurz, die Feinde reagieren manchmal alles andere als strategisch und lassen sich mit simplen Taktiken austricksen. Das macht die Feuergefechte absurd einfach, während die nichtmenschlichen Gegner zeitweise recht unfair aus den unmöglichsten Ecken auftauchen und für ein weiteres Game Over sorgen.

Die (R-)Evolution gelingt… fast

Metro Exodus ist wunderschön. Metro Exodus ist extrem frustierend. Metro Exodus ist immersiv. Metro Exodus extrem frustrierend. Dieses Spiel ist ein wahres Wechselbad der Gefühle und war bisher für mich persönlich der schwerste Test. Hier treffen abstruse Erwartungen auf eine schwammige Steuerung, Clippingfehler und eine teilweise hundsdämliche K.I. Auf der anderen Seite saugt das russische Hinterland einen mit einer einzigartigen Atmosphäre ein, erzählt eine motivierende Geschichte und bietet dem Spieler eine Entourage an tollen Mitstreitern – die zugegebenermaßen mit einen stummen Helden kommunizieren müssen, aber anscheinend dennoch seine Antworten deuten können. Metro Exodus ist ein Shooter, auf den man sich einlassen muss, welcher Anlaufzeit braucht und Kompromisse erfordert. Dennoch ist es unterm Strich eine lohnenswerte Reise quer durch Russland und bleibt auch nach dem Abspann im Kopf. Oder um es kurz zu sagen: ist es besser als Metro: Last Light? Nein. Ist es trotzdem ein tolles Spiel? Definitiv.

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