Great Empires: Rome – Teile und herrsche
Lesezeit: 7 MinutenGreat Empires: Rome von Entwickler Slitherin und Publisher BlackBean erreichte mich bereits vor geraumer Zeit. Ich hatte mich in dem Moment, da ich damit begann den Süden Englands zu erobern, dazu entschieden erst dann einen Test zu schreiben, wenn mir dieses Vorhaben gelungen war. Nun ist es soweit. Der Süden ist mein, oder vielmehr den Römern und ich kann euch diesen Test servieren.
“Divide et impera! – Teile und herrsche!
Ein fesselndes, historisch genaues Spiel, das eine komplexe Mischung aus Strategie, Diplomatie und Kriegsführung in Reichweite ihres Nintendo DS-Touchpens bringt.”
So steht es auf der Verpackung. Und was ist davon im Spiel zu spüren?
Historisch genau ist das Spiel auf jeden Fall und es ist in der Tat eine wirklich komplexe Mischung all jener auf der Packung genannten Genres. Lässt sich sowas aber auf dem DS wirklich umsetzen und grafisch ansprechend herüberbringen? Diesen Fragen gehen wir jetzt mal auf den Grund.
Was die Geschichte und damit auch das Spielziel angeht, erwartet den Spieler ein durchaus umfangreiches Arsenal an Szenarien: Britanniens Süden (43 n.Chr.), Germanien (81 n.Chr.), Hispanien (237 v.Chr.) Britanniens Norden (70 n.Chr.), Gallien (60 v.Chr.), Italien (367 v.Chr.).
Nachdem man sich hier nun eines der zu erobernden Gebiete ausgesucht hat, gilt es zu entscheiden, ob man den historischen Rahmen einhalten will, oder ob man alternative Schauplätze bevorzugt. Im ersten Fall schlüpft man grundsätzlich in die Rolle des historischen Angreifers (die Römer) und muss sich gegen ursprüngliche Bevölkerungsstämme zur Wehr setzen. In letzterem Falle können wir uns nun aus vier vorgegebenen Möglichkeiten die eigene Seite aussuchen und uns ebenfalls aus vier gegnerischen Seiten unser Gegenüber auswählen. Egal ob historische oder alternative Schauplätze: drei Schwierigkeitslevel warten darauf bewältigt zu werden.
In meinem Fall entschied ich mich für den Süden Britanniens. Hier werden die römischen Invasoren von 17 stolze “Nationen” erwartet und es gilt insgesamt 50 Städte unter Kontrolle zu bringen. Zu jeder Stadt gehört auch immer ein nicht unerheblicher Landstrich. Erobere die Stadt und der Landstrich gehört dir. Aber keine Angst: in Great Empires: Rome ist das Spiel vorbei, wenn eine Seite mehr als 40% der Städte kontrolliert und mindestens mehr als 25% als die nächstgroße Nation besitzt.
Um dieses Ziel zu erreichen müsst ihr alle Komponenten aus denen das Spiel zusammengebaut wurde unter einen Hut kriegen. Nahrung, Holz und Erze sind die Grundvorraussetzungen für ein funktionierendes Weltreich. Darum müsst ihr euch in jeder eurer Städte (zu Beginn sind es gerade mal zwei) kümmern. Der “Reichsübersichtsbildschirm” verrät Euch alles Wissenswerte in diesen Belangen. Auf dem oberen Bildschirm werden eure Städte angezeigt, mit ihren Einwohnern und den jeweiligen Produktionen. Der untere Bildschirm zeigt die Bilanz für das Reich. Wieviele Ressourcen werden produziert, was verbraucht die Armee davon, wieviel bleibt über und wandert in die Lager und wie voll sind diese?
Aber zurück zu unserer Kampagne. Der erste Screen den wir sehen, nennt das Spiel passender Weise “Kampagnen-Bildschirm”. Auf dem unteren Bildschirm erscheint das Gebiet um eine unserer beiden Städte. Der obere Bildschirm gibt Aufschluss über unsere Nahrungs-, Holz-, Erz-Produktion, sowie über das Terrain, auf dem wir uns befinden. Zusätzlich ist eine farbige Übersichtskarte mit allen Stämmen, Städten und sogar Armeen angeheftet. Würde man nun noch eine der eigenen Armeen anklicken, würde zusätzlich die Truppen-Stärke angezeigt werden, während auf dem unteren Bildschirm der Bewegungsradius der Armee dargestellt wird. Abhängig von der Zusammensetzung einer Armee, verfügt sie in jeder neuen Runde über einen spezifischen Bewegungsspielraum.
Klicken wir nun auf eine Stadt, öffnet sich der Stadtbildschirm. Hier verändern sich beide Screens des DS. Der obere Screen besteht zum Großteil aus einer detaillierten Aufschlüsselung über die Rohstoff-Produktion samt Boni (durch Tempel, Schreine oder Gilden etc.), Steuern (Gebäude der Stadt verbrauchen auch Rohstoffe) und schlie0lich Saldo und Einlagerung. Den Rest des Bildschirms füllen Datums-Infos, eine kleine Miniaturkarte und ein Infofeld über die Ausbildungsstufe, das Spionageniveau und den Bevölkerungszuwachs. Der untere Bildschirm des DS zeigt eine Karte der Stadt mit verschiedenen anklickbaren Gebäuden (Rohstoff-Gebäude, Waffenproduktion, militärische Einrichtungen, Tempel, Schreine, Gilden, Lagerhäuser und so weiter und so weiter. Je mehr Einwohner eine Stadt hat, desto mehr Möglichkeiten ergeben sich. Im Grunde lässt sich in jeder Stadt alles produzieren, aber soviel Platz geben Städte gar nicht her, sodass sich mehrere Städte im Reich ergänzen müssen. Und das ist der knifflige Part. Baut man ein Gebäude neu, oder um, dauert es eine geraume Zeit (mehrere Jahreszeiten), bevor es seinen Dienst aufnimmt. Und auch dann müssen noch genug Arbeitswillige vorhanden sein um ein Gebäude zu betreiben. Die Städte sind ständiger Veränderung unterworfen. Es lassen sich Gebäude bauen, ausbauen und abreissen, Truppen ausheben und mit Waffen bestücken, sowie Garnisonen in der Stadt platzieren, um sie gegen Feindangriffe abzusichern. Denn wie zu Zeiten der Römer gilt: Wird eine Stadt überfallen und nachher zurück erobert, ist nicht mehr viel vom einstigen Glanz übrig.
Kommen wir zum Kampf.
Zieht eine unserer Armeen auf eine feindliche Stadt, oder trifft auf eine feindliche Armee, geht es um die berühmte Wurst. Die Beschreibung des Spiels sagt dazu: “Obwohl die Schlachten in Echtzeit stattfinden, ist Great Empires: Rome kein Echtzeit-Strategiespiel.”
Wie wahr! Denn der “Einsatzbildschirm” entscheidet im wahrsten Sinne des Wortes über Leben und Tod. Die Anteile unserer Armee werden vereinfacht dargestellt und lassen sich hin und her schieben und in zwölf verschiedenen Formationen aufstellen. Ein kleiner Auszug dieser Formationen: organisierte Kolonne, organisiertes Karree, Linie, Keil, Halbmond, Schachbrett……
Dann kann man den verschiedenen Truppenteilen noch Befehle für die bevorstehende Schlacht geben. Wer soll wann wie lange warten, bevor er losstürmt? Und stürmt er richtig los, oder schlendert er gemütlich über das Feld? All’ diese Optionen wollen wohl überlegt sein. Etwa so, wie bei einem Fußballspiel, bei dem der Trainer nach Anpfiff auf die Tribüne verbannt wird. Jetzt hat niemand mehr Einfluss auf den Ausgang der Schlacht. Nur noch die Truppen-Art, deren Motivation und das Terrain können beeinflussend wirken.
Die Schlacht läuft. Der obere Bildschirm zeigt eine Detailansicht des Bildausschnitts, den man auf dem unteren Screen des DS auswählt. Der Bildschirm springt automatisch zu einer Einheit, die man ebenfalls auf dem unteren Display anwählen kann. Ist die Schlacht siegreich beendet worden, gehört die Stadt und ihr dazugehöriges Gebiet uns.
Natürlich kann man über einen Diplomatiebildschirm vorher Nettigkeiten oder eben auch Feindseeligkeiten austauschen und Krieg und Frieden erklären und anbieten. Aber im Prinzip war es das auch schon, was Great Empires: Rome zu bieten hat.
Grafisch ist das Spiel wirklich nicht auf der Höhe der Zeit. Zuviele Infos quetschen sich auf zu kleinem Raum, Texturen und Grafiken kommen matschig und pixelig zugleich daher. Die Frage, ob es besser geht muss man als Zocker mit ja beantworten. Aber wie, ist hier die eigentlich wichtigere Frage. Denn die Fülle der Infos, die man zu jeder Zeit serviert bekommt macht das Design auf einem Bildschirm wie es beim DS der Fall ist, wirklich schwierig.
Der Sound ist auch eher zu vernachlässigen. Die dann und wann gebrüllten Kommandos der Truppen versteht man auch mit Latinum nicht und die restlichen Sounds sind eher kontraproduktiv, was die Konzentration angeht.
Erwähnenswert sind dann noch die vier Minispiele, die die Entwickler in das Spiel eingebaut haben. Eine römische Sudoku-Variante ist ebenso vorhanden, wie ein Bildschieberätsel, ein Quizspiel a la “Wer wird Legionär” und schließlich ein Geografie-Test, der es wirklich in sich hat.
Kommen wir zum Fazit des Spiels.
Zunächst einmal sollte man sich von dem Gedanken verabschieden, dass man einen ganz normalen DS-Titel vor der Nase hat, wenn man sich für Great Empires: Rome entscheidet. Dieses Spiel ist auf eine sehr spitze Zielgruppe ausgerichtet: Strategiespieler mit einem Hang zum Verrückten. Denn hier verliert man sich nicht nur im Detail, sondern ist Fulltime Feldherr. Jede Runde bringt neue Aufgaben mit sich und hat man erst einmal ein paar Gebiete erobert, hat man alle Hände voll damit zu tun Armeen auszuheben, Städte aus- und aufzubauen, Friedensverhandlungen zu führen und immer den Blick für das große Ganze zu behalten. Das Problem dabei ist, dass jeder Schritt eine sehr lange Zeit in Anspruch nimmt. Die Bewegung einer ausgewogenen Armee dauert schier ewig. An Punkt X beginnt man damit, sich Notizen aufzuschreiben, um Strategien zu planen, oder Ähnliches. Das Spiel ist komplex und wird nicht mal eben so im Zug oder Bus für fünf Minuten gespielt. Leider wirkt sich die Komplexität negativ auf jeden guten Ansatz des gut durchdachten Spielprinzips aus, weswegen der Titel den Bereich der Mittelmäßigkeit nicht verlassen kann. Schade eigentlich. Dennoch weiß der Titel zu fesseln. Schließlich will man ja den Süden Britanniens erobern. Oder Germanien, oder Hispanien, oder…..




















