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Kommentar – Schlechte Spiele, gute Laune!

von am 18. Juli 2014
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Lesezeit: 3 MinutenAll die Jahre habe ich es nie gemerkt, aber ich glaube ich bin verliebt. Ja, im Ernst! Ich liebe euch, ihr schlechten Videospiele da draußen! Hinter verwaschenenen Texturen, schlechtem Spieldesign, langen Ladezeiten und kantigen Polygonmodellen liegt mein Glück vergraben. Irgendwo ganz tief in meinem Herzen hatte ich es wohl immer geahnt, aber wirklich bewusst wurde es mir erst jetzt.

Gleich drei richtig grottige Spiele habe ich innerhalb der letzten beiden Monate durchgespielt. Ja, durchgespielt. Von A bis Z. Von Anfang bis Ende. Von Insert Coin bis Thank You For Playing. Und das nicht, weil ich mir momentan nur das Angebot von der Software-Pyramide leisten kann. Millionenseller wie Watch_Dogs oder Tomb Raider schlummern friedlich auf meiner Festplatte und haben mich bislang nur wenig dazu bewegt, durchgespielt zu werden. Doch kaum hatte ich Rambo: The Video Game eingelegt, wusste ich: “Das spielst du jetzt, bis es durch ist.”

Die Stallone-Versoftung ist mit Abstand die beschissenste Form der Unterhaltung, die man sich nur vorstellen kann. Es sieht schlecht aus, hört sich schlecht an und spielt sich schlecht. So ziemlich alles an diesem Spiel was nur schief gehen kann, ist schiefgelaufen. Aber gerade deswegen hat es mich unheimlich fasziniert. Ungläubig verbringt man eine Stunde nach der anderen im Spiel und starrt fassungslos auf ein Produkt, welches einer vollgekotzten Bühne gleich käme, wäre es ein Theaterstück. Virtueller Trash. So schlecht, dass es schon wieder unfreiwillig unterhaltsam ist.

Nach Rambo: The Video Game folgte die nächste schwache Filmumsetzung. Jurassic Park: The Game. QTEs ohne Ende, flache Charaktere, aber verdammt noch mal Jurassic Park! Ich mag das Setting einfach unheimlich gerne und hatte auch dieses Spiel in kurzer Zeit verschlungen. Als der Abspann schließlich über den Bildschirm lief, lugte schon Aliens: Colonial Marines um die Ecke. Das Spiel, welches wohl kaum wie ein anderes in jüngerer Zeit dermaßen von allen Seiten auf die Fresse bekommen hat. Gestern vor meiner Entscheidung, diesen Artikel zu schreiben, war auch Aliens: Colonial Marines durchgezockt und Lara Croft wartet immer noch auf ihre erste Runde um die Insel. Spätestens jetzt wusste ich, was ich euch schon in der Einleitung verraten habe. Ich steh´ auf schlechte Spiele.

Aber warum ist das so? Als ich in Aliens: Colonial Marines einen Boss endlich zu meiner großen Belustigung besiegen konnte, weil er durch einen Bug nicht mehr aus der Ecke kam, wusste ich die Antwort. Spiele sind zu rund geworden. Alles muss heutzutage funktionieren, jede Lücke der potentiellen Unzufriedenheit muss für den Spieler geschlossen werden. Bevor ein Spiel auf den Markt geworfen wird, durchläuft es unzählige Qualitätsmanagment- und Testabteilungen. Die Hersteller müssen auf Nummer sicher gehen, um Kosten der Spieleentwicklung wieder reinzuholen und Gewinn zu machen. Dies hat zur Folge, dass die Chancen, ein wirklich schlechtes Spiel zu bekommen, nicht mehr so hoch sind wie früher. Damals hattest du eine Verpackung mit einem coolen Cover und hoffentlich mehr wie zwei Screenshots auf der Rückseite. Denkt ihr, ich habe mir King of the Monsters für das Super Nintendo gekauft, weil es ein Kritikerliebling war? Da waren einfach zwei Monster auf dem Cover, die eine Großstadt in Schutt und Asche gelegt hatten. Fuck Yeah, gekauft für 150 Mark lang angespartes Taschengeld! Und das Spiel war schlecht. Richtig schlecht. Trotzdem habe ich es verdammt lange alleine und mit Freunden gespielt. Irgendwie versucht man ja selbst aus einem schlechten Spiel so viel wie möglich rauszuholen, um den teuren Geldverlust auf Teufel komm raus auszugleichen. Jeder im Raum wusste, wie scheiße das Spiel ist, aber keiner wagte es je, die traurige Wahrheit laut auszusprechen.

Heutzutage habe ich das Gefühl, von unzufriedenen Kommentaren bombardiert zu werden. Ich brauche mir nur die Kommentare zu Reviews oder Amazon-Bewertungen durchlesen, schon habe ich keine Lust mehr. Wenn es darum geht, ein Spiel richtig scheiße zu finden, sind alle mit dabei. Da mach ich nicht mit, Freunde. Ich habe keine Lust mehr auf das zigste Call of Duty oder die neuste Runde Assassin’s Creed. Selbst Batman klingelt inzwischen jährlich an der Tür und will gespielt werden. Das sind alles objektiv gesehen gute Spiele und machen deutlich mehr richtig wie John Rambo, die Alienbrut oder eine Bande Velociraptoren im QTE-Modus. Aber ich habe keinen Bock mehr auf die rundgelutschte, gewinnorientierte Edelscheiße, die mir auf jeder E3 tonnenweise um die Ohren geworfen wird. Die Auswahl an guten Spielen ist einfach zu groß geworden.

Zum Glück gibt es noch Hoffnung, denn ich bin nicht alleine mit meiner Meinung. Objektiv eher schlecht bis maximal durchschnittlich bewertete Spiele wie Deadly Premonition oder Earth Defense Force 2017 haben nicht umsonst ein Fanlager an Spielern geschaffen, die satt sind. Satt von der an Perfektion grenzenden Spielelandschaft. Spieler, die mal wieder Lust auf etwas hätten, dass eben nicht genau so funktioniert, wie sie es gewohnt sind. Freunde, ich stehe zu euch. Und jetzt lasst uns all die schlechten Spiele der letzten Jahre mal aus dem Regal kramen und ganz dolle drücken. Wir haben euch lieb, auch wenn ihr hässlich seid. Außer dir, Kinect Star Wars. Du bleibst schön in der Tonne, wo du hingehörst.

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