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Das Fest der Spiele – Weihnachtsgeschichten

von am 23. Dezember 2017
 

Lesezeit: 4 Minuten

Weihnachten! Fest voller Familientraditionen und schöner, wie auch skurriler Geschichten. Auch die Mitglieder unserer Redaktion haben zum “Fest der Liebe” schon so manche schöne Gaming-Überraschung erlebt oder sich oder anderen bereitet. Zwar ist niemand von uns das berühmte N64-Xmas-Kid, aber Chucky, Lu und André wollen euch dennoch an ihren Weihnachtsgeschichten teilhaben lassen!

Chucky:

Meine schönste Weihnachtsgeschichte ist ein ganz persönliches Weihnachtswunder. Als Kind wollte ich immer einen Nintendo Game Boy haben. Meine ganze Schulklasse hat damals Pokémon gespielt und ich wollte Teil dieser erlesenen Gruppe sein. Zu meinem Geburtstag erhielt ich dann endlich einen Game Boy Classic und war wunschlos glücklich. Ich spielte Pokémon Gelb und Super Mario Land und Tetris. Mein Leben war schön. Nur ein großes Franchise hatte ich zu jenem Zeitpunkt noch nicht selbst besessen. The Legend of Zelda. Und so wünschte ich mir zu Weihnachten das damals brandneue The Legend of Zelda: Oracle of Seasons. Weihnachten kam und wir saßen alle gemeinsam am großen Familientisch und aßen Salzbraten mit Rotkohl und Klößen. Wir wohnten damals noch im gleichen Haus wie meine Großeltern und die Familie setzte sich wie jedes Jahr an Heiligabend zusammen, lachte und hörte Weihnachtslieder, ehe es schließlich zur Bescherung ging. Nachdem auch meine Tante und ich aufgegessen hatten (wir waren immer die Letzten), wurden die Kinder endlich auf die Geschenke losgelassen. Ich nahm das kleine Paket, öffnete es und et voilá, Oracle of Seasons! Hektisch griff ich meinen Game Boy und das Spiel und rannte ins geheizte Wohnzimmer meiner Großeltern, setzte mich in den Schaukelstuhl meiner Großmutter und holte die Cartridge hervor. Sie sah anders aus und ein übles Gefühl beschlich mich. Auf der Verpackung des Spiels stand „Game Boy Color“. Ich besaß keinen Game Boy Color. Ich besaß einen Game Boy! Ich drehte und ruckelte die Cartridge und versuchte irgendwie, das Spiel in mein Gerät geschoben zu kriegen, aber ohne Erfolg. Am Boden zerstört saß ich also in dem spärlich beleuchteten Wohnzimmer meiner Großeltern und trauerte meinem verpassten Spielerlebnis nach. Meine Mutter fand mich, das Häufchen Elend, dann irgendwann und fragte mich, warum ich so traurig sei. Ich erklärte ihr die Sachlage und innerlich verfluchte meine Mutter wohl mal wieder die Videospielindustrie. Eigentlich tat es ihr aber vermutlich einfach nur leid, dass sie es nicht besser wusste.

Ich war ein tapferer Junge und machte keinen Aufstand. Es war Weihnachten und es gab weitere Geschenke. Ich würde drüber hinwegkommen. Irgendwann im Laufe des Abends klingelte auch unsere Nachbarin bei uns, um kurz vorbeizuschauen. Zufällig hatte sie etwas für mich dabei. Ihr Sohn war wohl zu alt, um damit zu spielen und ihr könnt euch denken, wie meine Augen geleuchtet haben, als sie mir – ohne von meinem Dilemma zu wissen – einen Game Boy Color in die Hand drückte und uns eine frohe Weihnacht wünschte.

Mittlerweile ist unsere Nachbarin leider verstorben, aber jedes Jahr zu Weihnachten denke ich an sie und an dieses kleine Wunder, das für sie nur eine nette Geste war, für mich aber damals die Welt bedeutete. Frohe Weihnachten euch allen.

Lu:

Ich habe meine Portal-Weihnachtsgeschichte bereits im April in der 30 Days Video Game Challenge angeschnitten. Aber ich möchte doch noch einmal gerne eine ausführlichere Erklärung dazu schreiben. Nicht zuletzt, weil ich mich jetzt schon darauf freue, dass es bald wieder so weit ist.

Meine Familie ist sehr… traditionsbewusst. Auch wenn niemand von uns, weder meine Eltern, noch meine Geschwister und sowieso nicht ich, wirklich religiös ist, gehen wir jedes Jahr zum Heiligabend in die Kirche. Weil man das eben so macht, auf dem Dorf. Hat man früher so gemacht, machen wir also auch dieses Jahr und werden wir nächstes Jahr auch wieder machen. Mit zunehmenden Alter hatte ich aber immer weniger Lust auf die Kirche, den immer gleichen Weihnachtsgottesdienst und die ungemütlichen Bänke. Mit 18 Jahren sagte ich meiner Familie dann, dass ich zu Hause bleiben würde und mich stattdessen um den Kaffeetisch kümmern würde. Ich brauchte ja irgendetwas um den Traditionsbruch zu rechtfertigen.

Als meine Familie am 24. Dezember 2013 gegen 15:30 Uhr in die Kirche ging, sollte sich für mich ironischerweise eine neue Tradition etablieren. Um den Tisch herzurichten brauche ich circa 15 Minuten, vor 17 Uhr kommen die Anderen aber nicht zurück. So viel neu gewonnene Zeit will natürlich effizient genutzt werden und so setzte ich mich mit einer Tasse Kaffee vor den Rechner. Was auch sonst? Aus irgendeinem, mir heute immer noch unerklärlichen, Grund, installierte ich plötzlich Portal und begann mich durch die Testkammern zu rätseln, bis der Rest der Familie wieder daheim auftauchte und der Abend seinen gewohnten Lauf nahm. Und auch wenn ich Portal das restliche Jahr über nie spiele, installiere ich es seitdem jedes Jahr am Heiligabend erneut. Tatsächlich haben sich die Testkammern über diese Jahre so sehr eingebrannt, dass ich das Spiel mittlerweile nahezu auswendig kann. Und dennoch werde ich es auch dieses Jahr installieren, durchspielen und mich am wunderbaren Credits-Song erfreuen. Denn was wäre Weihnachten ohne Weihnachtstradition?

André:

Es gibt eine Weihnachtgeschichte, die ich seit Jahre immer wieder erzähle. Nicht nur, weil ich mich gerne an sie erinnere, sondern weil sie meine immense Bindung zur Welt der Videospiele zeigt.

Wir schreiben das Jahr 1999 und klein André war gerade einmal sechs Jahre alt. Die Grundschule besuchte er gerade ein halbes Jahr und Lesen war bis dato noch nicht seine Stärke. Seine Affinität zu allem Digitalen hatte er von seiner Mutter, die ihn früh an das Nintendo Entertainment System und Computer heranführte. Weihnachten 1999 sollte etwas ganz Besonderes werden, denn er bekam nicht nur einen Game Boy Color, sondern im Baum versteckten sich auch noch zwei Pokémon-Editionen, die frisch erschienen waren. Unfassbar glücklich, legte er die Cartridge ein und begann sofort sein Abenteuer als Pokémon-Trainer. Doch schnell stieß er an seine Grenzen. ‘Was steht da?’, dachte er sich. So kam es, wie es kommen musste und André belagerte an diesem Heiligabend alle Erwachsenen, die am Weihnachtstisch saßen und fragte ständig, wie er bestimmte Dinge zu lesen hatte und was sie bedeuteten. Und auch am Folgetag, als er bei seinen Großeltern war, mussten seine Verwandten – und allen voran seine Mutter – immer wieder aushelfen. Schnell wurde ihnen das aber überdrüssig, sodass sie schließlich sagten: “Versuch es selbst.” So setzte André all’ sein begrenztes Verständnis der Deutschen Sprache dafür ein, um sich durch Pokémon Rot durchzubeißen. Wie die Reise verlief, dass vermag er heute nicht mehr zu sagen. Doch eines steht fest: Hätten seine Verwandten ihn weiter verwöhnt, hätte er weitaus langsamer das Lesen erlernt, als es der Fall war. Pokémon lehrte André das Lesen und allein aus diesem Grund, wird diese Serie immer einen Platz in seinem Herzen haben, ganz gleich wie alt er ist.

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