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This is Madness – The Town of Light

von am 22. Juni 2017
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Genre
Pluspunkte

+ perfekte Rekreation der Volterra-Klinik
+ atemberaubende Atmosphäre
+ Voice Acting on point

Minuspunkte

- selten Unklarheiten über den nächsten Schritt

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Zusammenfassung
 

Die Toskana war nicht immer das schöne Reiseziel, dass es heute ist. Entwickler LKA schickt euch mit The Town of Light in die Ruinen des Ospedale Psichiatrico di Volterra, einer Psychatrie schlimmer als die Hölle je hätte sein könnte. Protagonistin Renée wurde 1938 mit 16 Jahren hier eingewiesen und kehrt nun als erwachsene Frau zurück, um ihre Erinnerungen zusammenzusammeln. Dabei durchläuft sie die Station für Station, wie sie es damals schon getan hat. Ihre Zeit in Isolation, Missbrauch, Verwirrung und Hilflosigkeit holt sie langsam wieder ein, das Bild ihrer Jugend wird klarer, doch ist es am Ende die Wahrheit?
Der große Trumpf von The Town of Light, abseits seines minimalistischen, aber perfekten Storytellings, ist die Nähe zur Realität. Die fiktive Geschichte von Renée findet in einer originalgetreuen Nachbildung der echten Klinik von Volterra statt. Räume, Stationen und Gänge sind exakt nachempfunden und übertragen den Horror, der vor 80 Jahren hier stattgefunden haben muss. Zudem kommt das Spiel ohne Jumpscares aus und ist dennoch gruselig und hält euch mit dem Unewissen gut auf Trab.

 

LKA schickt euch in die Psychatrie. Achso nein, nicht das Landeskriminalamt, sondern das italenische Entwicklerstudio. Denn mit The Town of Light geht es für euch in das Italien um 1940, in die Nervenheilanstalt “Ospedale Psichiatrico di Volterra”. Das Besondere an dem gruseligen First Person Thriller: Die Psychatrie in Volterra gab es wirklich und ist im Spiel originalgetreu nachemfpunden. Und auch die Story ist ebenfalls an die Vergangenheit angelehnt, dennoch sind Figuren und Handlung reine Fiktion.

Die Wunden der Vergangenheit

Protagonistin Renée T. kehrt als erwachsene Frau an den Ort zurück, an dem man 1938 ihr Leben beendete, als sie gerade 16 war und in die Klinik Volterra eingewiesen wurde. In dem mittlerweile verfallene Gemäuer in der Toskana versucht sie aufzuarbeiten, was ihr als junges Mädchen widerfahren ist. Von der Beobachtungsstation bis zur Waschküchte durchläuft sie all die Orte, die Jahre lang ihr Gefängnis, ihre Zuflucht und ihr Zuhause waren. Dabei bringen ihre Krankenakten zwar mehr und mehr Licht auf die Sache, einen richtigen Reim kann sie sich allerdings selber darauf machen.

Eine kleine (Trigger-)Warnung

Trotz der Fiktion seiner Handlung und Charaktere, behandelt The Town of Light menschliche Abgründe in ungeschönter Form. In viele Psychatrien der Vergangenheit ging es selten um Rehabilitation und Genesung der Patienten, sondern eher um totale Isolation und das meist lebenslang. Das “Ospedale Psichiatrico di Volterra” war keine Ausnahme. Durch das Zusammenspiel aus Gameplay, Musik, Grafik und Voiceacting wird das Schicksal der Insassen atemberaubend genau veranschaulicht. Daher sprechen wir an dieser Stelle einmal Warnung aus.
The Town of Light verursacht natürlich keinen Schaden, hinterlässt aber dennoch seine Spuren und kann gerade in der aktiven Spielzeit durchaus die Gedanken anregen und aufwühlen.

Wenn Spaß der Perfektion weicht

The Town of Light ist eines der wenigen Spiele, über die man zweifelsfrei sagen muss, dass es nicht wie herkömmliche Spiele ist. Auf der Suche nach Renées Jugend geht es nicht eine Sekunde um Spaß am Rätsellösen oder Ähnliches. Einzig das Verlangen nach der Wahrheit treibt einen durch die Mauern von Volterra. LKA verzichtet auf einen umfassenden Soundtrack, spickt die Klinik stattdessen mit Windzügen, Echos der Vergangenheit und kleinen Klaviereinspielern. Renées innerer Monolog führt uns dabei durch die einzelnen Stationen.

Erinnere dich!

Desto tiefer die Reise in die geschwärzte Erinnerung Renées geht, desto nervenaufreibender wird die vermeintliche Wahrheit. Hier und da entscheidet ihr, wie ihr Monolog weitergeht, die Erinnerungen zusammenlaufen und was Einbildung und Hirngespinst ist. Auch die Pfade und damit dadurch gespielten Kapitel wählt ihr phasenweise nach ganz eigener Empfindung. Das ist nicht nur umso interessanter für all die möglichen Geschichten, sondern kommt dem Wiederspielwert ungemein zu Gute.

Ende gut…alles gut? Das Fazit

LKA gelingt in einer Zeit, in der mit riesigen Welten, facettenreichen Charakteren und Grafik nur so um sich geworfen wird, das quasi Unmögliche. The Town of Light erzählt seine Geschichte mit Liebe zum Detail und dennoch grandiosem Minimalismus. Eine willkommene Mischung. Die Darstellung des “Ospedale Psichiatrico di Volterra” ist absolut on point und unterstreicht das Vorhaben der Entwickler. The Town of Light ist kein Spiel für Spaß. Es ist eher eine Lehrstunde, eine Sensibilisierung über das Thema Nervenkliniken und ihre Praktiken vor rund 40 Jahren. (Die Klinik in der Toskana wurde um 1978 geschlossen.)

Äußerst selten kommt es vor, dass man nicht weiß, mit welchen Objekten man interagieren muss, um forzufahren. Eine Tatsache, die dem ganzen Setting, meiner Meinung nach, noch zu Gute kommt, schließlich sind wir in einer Klinik, die wir jahrelang nicht gesehen haben. Falls die Verzweiflung zu groß wird, gibt es allerdings immernoch den Hilfeknopf, der einen guten Hinweis gibt. Musik, Voiceacting, Optik und Story sind aus einem perfekten Guss und holen den Spieler ganz natürlich in die eigene Welt. Trotz seiner eher kurzen Spieldauer, brennt sich das Meisterwerk von LKA auf ewig ins Gedächtnis ein. Der Wiederspielwert wird durch geschicktes Branching nur ein wenig erhöht. Aber durch die Schwere der Thematik, empfehlen wir eine Pause zwischen Playthroughs, sodass der Kopf frei für neue Storyelemente ist.

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