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The Bard’s Tale IV: Director’s Cut – Stark verstimmt

von am 29. September 2019
DETAILS
 
Spieldauer:

~40 bis 50 Stunden

Für Fans von:

Fantasywelten; künstlich verlängerten Abenteuern

Pluspunkte

+ Musik ist eines Barden würdig.
+ Kampfsystem bringt nette Abwechslung.

Minuspunkte

- grafisch unterm Durchschnitt
- Bugs und Lags pflastern den Weg
- unnötig analoge "Rätsellösung"

Editor Rating
 
GAMEPLAY
5.0

 
GRAFIK
4.0

 
SINGLEPLAYER
4.0

 
MULTIPLAYER
0.0

 
SOUND
8.0

Gesamt-Wertung
5.0

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Zusammenfassung
 

The Bard's Tale IV Director's Cut übernimmt sich bereits mit dem Titel. Wenn das der Director's Cut ist, dann sollte man mit denen mal ein erstes Wörtchen wechseln. Der Höhepunkt, der vor allem die Musik ist, muss sich einer schier endlosen Liste an mechanischen Fehlern und grafischem Grusel geschlagen geben. Fehlende Texturen, leblose NPC's Bugs in Kämpfen legen den Begriff der Seltenheit schnell ab. Richtig lange möchte man diesem Barden nicht zusehen.

 

Lesezeit: 5 Minuten

Während die PC-Spieler seit einem guten Jahr die Fortsetzung der Geschichte des Barden erleben können, bekommen die PS4 und die Xbox One nun den Director’s Cut serviert. Mit neuen Dungeons und allgemein verbesserten Features lockt die Neuaflage. Wer bereits 2018 auf dem PC gespielt hat, kann sich das Upgrade gratis holen. Wir haben uns The Bard’s Tale IV Director’s Cut mal auf der PS4 angeschaut.


Die Welt braucht Bardenteuer

Willkommen in Skara Brae, dem beschaulichen Städtchen am Wasser. Allerdings verheißt der Tag nichts Gutes, beginnt er doch mit der Hinrichtung einer Hand voll Ketzer, wie sie von den Paladinen der Stadt genannt werden. Kaum in der Abenteurer Gilde angekommen, entkommt ihr dem gleichen Schicksal. Unter dem Vorwand, dass ihr euch von der Religion abgewandt habt, will man nun auch euren Kopf. So flieht ihr in den Untergrund, in Alt-Skara Brae, welches schon lange unter der Stadt sein Dasein fristet und die letzte Bastion der Abenteurergilde ist. Von dort aus stellt ihr Forschungen an, was den Sinneswandel der Kirche angeht und kommt schnell zu dem Entschluss, dass die Fäden hier von ganz anderer Seite gezogen werden, die das Schicksal der ganzen Welt betreffen könnten. Also zieht ihr aus, um eure geliebte Heimat zu retten und Recht und Ordnung wiederherzustellen.

Skyrim meets rundenbasiertes Kampfsystem

Der erste Eindruck, sobald wir die Kontrolle übernehmen, könnte nicht Elder Scrolls-lastiger sein. Fantasy-Setting, Ego-Perspektive und der kleine Punkt in der Mitte als Fadenkreuz, alles ist da. Allerdings wird die Ähnlichkeit schnell durchbrochen, wenn der erste Kampf entbricht. Dieser wird nämlich auf einem 4×4 großen Feld ausgetragen, wobei jeder Partei acht Felder zur Verfügung hat. So bekommen die Kämpfe eine spannende Dynamik, da bestimme Angriffe nur Ziele in bestimmten Feldern treffen, beispielsweise jenes, welches sich am nächsten befindet. So müsst ihr eure Aktionspunkte gut einteilen, um das Maximum an Treffern herauszuholen oder verheerende Kombinationen abspulen zu können.

Auch mächtige Magie spielt eine Rolle in The Bard’s Tale IV Director’s Cut. Zusätzlich zu den Aktionspunkten, können eure Helden auch Magiepunkte sammeln und diese für mächtige Zauber und Buffs einsetzen. Durch die Existenz zweiter Aktionspotenziale, könnt ihr eure Party und euer Skillset auf eure Bedürfnisse auslegen und eure Gegner nach Belieben die Rechtschaffenheit der Abenteurergilde näherbringen.

Musik = Mechanik und Atmosphäre

Wie der Name schon sagt, geht es in The Bard’s Tale IV Dircetor’s Cut um die Kunst des Barden, nämlich: die Musik. So lernt ihr über den Verlauf eurer Reise eine Vielzahl an Liedern, die allerhand magische Dinge in der Welt anstellen. Wände einreißen, Geheimverstecke finden, mit den Geistern sprechen oder Teleportationen benutzen sind dabei nur einige von ihnen. Per Radmenü ist der zu spielende Song schnell gewählt und gibt neben dem gewünschten Effekt noch eine wunderbare Melodie zum besten.

Aber auch an der Soundtrack-Front glänzt The Bard’s Tale IV Director’s Cut mit auf den Titel zugeschnittenen Stücken. So erlebt ihr in fast jedem Bereich gebietsangepasste Melodien oder Gesänge. Selten wird eine Szenerie durch “klassische” Musik begleitet. Hier und da hört ihr auch Volksweisen, deren Sprache zumeist einen gälischen Klang haben. Gegeben der Tatsache, dass Skara Brae ein Steinzeit-Dorf auf Orkney, einer Insel vor Schottland, ist.

Vier Klassen, mehr Möglichkeiten

Zu Beginn des Spiels warten vier Klassen auf euch, die durchaus sehr dünnhäutig aussehen. Der Barde, Kämpfer, Magier und Schurke stehen euch zur Auswahl, die allerdings in sich noch einmal komplett unterschiedliche Richtungen aufweisen. So kann euer Kämpfer eine absolute Phalanx werden, die mächtig Schläge verteilt oder eure erste Verteidungslinie mit ausserordentlichen Rüstweren. Euer Barde kann die Bahnen eines Troubadours einschlagen, um die Gegner in seinen Reigen einzuspannen oder als Schlachtensänger seine Kampferprobtheit unter Beweis stellen. Die verstohlenen Wege des Schurken können ihn zu einem Meisterdieb machen, der noch mehr Geld pro Kampf einsackt oder ihn hinterhältig kämpfen lassen, um direkte Rache an seinen Feinden zu üben. Der Magier kann alle möglichen Arten von Magien meistern oder den Weg zum Erzmagier bestreiten, der die teuersten, aber auch mächtigsten Zauber beherbergt. Und dies sind nur ein paar, der Möglichkeiten, die ihr in The Bard’s Tale IV Director’s Cut habt.

Grafik und Technik spüren den “Cut” am stärksten

Schnell stellen wir fest, dass sich die Optik des Spiels drastisch verändert hat. Schwammige Texturen, deren Farbpaletten meistens matte Farben zieren, wenig Lichtreflexe und wenig ausgearbeitete Elemente prägen das Spielerlebnis. Das Downgrade lässt sichin keiner Form leugnen. Zwar begründet Entwickler inXile Entertainment die Veränderungen mit der im Vergleich zum PC schlechteren Leistungen der Konsolen, aber das ist eine absolute Enttäuschung. Neben den Setpieces haben aber auch die Charaktere merkwürdig ungleichen Detailreichtum. Mein Barde beispielsweise sieht in seinem Portrait durchaus realistisch aus, während die anderen Partymitglieder aus jedem beliebigem Abenteuer stammen könnten. Die NPCs, die euch auf dem Weg erwarten, hat es hingegen mit absoluter Breitseite getroffen. Fahle Haut und absolute Ausdruckslosigkeit werden euch in jedem Gespräch begegnen. Das können auch die ansonst guten Synchronsprecher nicht rausreißen.

Technisch ein kompletter Fehlgriff

Während man über das Downgrade der Grafik noch diskutieren kann, werden schnell auch andere technische Mängel schnell sichtbar. Allen voran sind es lange Ladezeiten und teils lange Pausen in den Kämpfen. so kann es passieren, dass ihr die gesamte Runde des Gegners gar nicht zu sehen bekommt und stattdessen nur Zahlen über den Bildschirm rollen, da ihr den Schaden auch ohne die eigentlichen Animationen bekommt. Es sind viele dieser kleineren Sachen, die sich aufsummieren. Auch das Item-Menü bekommt von jetzt auf gleich einfach ne Macke, sodass ihr keine Gegenstände mehr verwenden könnt. Erst neu laden behebt das Problem… für den Moment. Auch gänzliche Spielabtstürze aus dem Nichts sagen gelegentlich “Hallo”.
An jeder Ecke und jedem Ende – diesen Eindruck erweckt das Spiel – wurde massiv eingespart..

Quantität statt Qualität

So könnte man das Motto von The Bard’s Tale IV Director’s Cut wohl am besten beschreiben. Während elementare Dinge einfach nicht ausgereift sind, stapelt das Spiel Content und Loot an allen Ecken und Enden. Auf euch warten zig Quests und Rätsel, die mal schwieriger oder einfacher sind, aber die sich im Großen und Ganzen durch eine Sache auszeichnen: Am Ende hat es sich nicht gelohnt. Die Beute ist in den seltensten Fällen mal ein grandioser Ausrüstungsgegenstand oder sonst etwas, was wirklich weiterhilft. Stattdessen häuft ihr Herstellungsgegenstände an, die ihr äußerst selten verwendet.

Die Opferaltare stellen ein besonderes Exemplar von Verschwendung dar. Über die Welt verteilt, findet ihr große Monolithen, denen ihr ausgewählte Gegenstände darbringen sollt. Woher ihr wisst, welche Items es braucht? Nun, auf dem Stein selbst findet ihr zwei Sternenbilder und einen ab- oder zunehmenden Mond. Diese Konstellation gebt ihr im Internet im zum Spiel gehörigen Coderad ein und erhaltet gewisse Zahlen. Zurück im Spiel müsst ihr nun im Abenteuer-Almanach nachschlagen, für welche Items die Zahlen stehen und so erlangt ihr das Wissen über die nötigen Opfergaben. In der Theorie ein nettes Gimmick, was angesichts des sonst so mittelmäßigen Spiels den Brei einfach noch fetter macht.

Die Dissonanz überwiegt – Der Schlusston

Ich konnte mich einer großen Packung Mitleid nicht erwehren. Ein großer Teil von mir wollte The Bard’s Tale IV Director’s Cut wirklich wirklich mögen. Aber die vielen technischen Probleme, allen voran die eher unterdurschnittliche Grafik an vielen Stellen, sowie die schnelle Monotonie haben dem Spiel jeglichen Anreiz genommen, weiter entdeckt zu werden. Während die Musik allerhand Pluspunkte sammelt, bricht The Bard’s Tale IV Director’s Cut unter der eigenen Prämisse, ein Director’s Cut zu sein, vollends zusammen. Alle Aspekte lassen hier ein Spiel aus den frühen 2010ern vermuten. Es brauch gar keine bahnbrechende Grafik; einfach ein bisschen mehr Liebe zu allem hätte hier schon gereicht, aber so wird die Geschichte wohl nicht geschrieben werden.

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