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Sable – Die verbuggte Schönheit

von am 11. Oktober 2021
DETAILS
 
Spieldauer:

15-20 Stunden

Für Fans von:

The Legend of Zelda - Breath of the Wild, Outer Wilds, Death Stranding

Pluspunkte

+ wunderschöne Welt
+ tolle Dialoge
+ angenehme, träumerische Atmosphäre
+ viele Quests

Minuspunkte

- teilweise erhebliche Bugs
- Clipping-Fehler
- Schnellreise-Funktion nicht immer sinnvoll
- miserable Steuerung über Maus und Tastatur

Editor Rating
 
GAMEPLAY
6.0

 
GRAFIK
8.0

 
SINGLEPLAYER
7.0

 
MULTIPLAYER
0.0

 
SOUND
7.0

Gesamt-Wertung
7.0

Hover To Rate
User Rating
 
GAMEPLAY
8.0

 
GRAFIK
10

 
SINGLEPLAYER
6.5

 
MULTIPLAYER

 
SOUND
6.6

User-Wertung
1 rating
7.8

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Zusammenfassung
 

"Sable" ist ein wunderschöner Titel, welcher mit einer atemberaubenden Welt, aber auch mit vielen technischen Mängel daherkommt. Diese sind momentan noch so präsent, dass einige durchaus interessante Erkundungstouren ein ungeplantes vorzeitiges Ende nehmen könnten. Sobald die Entwickler Shedworks aber diese Masse an Bugs unter Kontrolle kriegen, erwartet den Spieler ein wahrer Indie-Hit.

 

Lesezeit: 5 Minuten“Warum mal nicht wieder ein Indie?” war mein Gedanke, als ich mir den Trailer zu Sable ansah und direkt vom Cel-Shading-Look angetan war. Denn ich habe gemerkt, dass ich mich mit den Jahren trotz der Sympathie gegenüber einigen kleinen Entwicklerstudios – hallo Subset Games, lieb euch! – doch von der Indiegamingszene weg bewegt habe. Ich kriege mittlerweile nur noch über zwei Ecken mit, was der neue heiße Indie-Hit sein soll und merke nach kurzer Anspielzeit, dass es wieder was mit Craften, dem Verlust der Unschuld oder gar eine Analogie zum Thema Depression (manchmal sogar nicht geschmacklos) ist. Vielleicht hat es etwas mit dem Alter zu tun. Vielleicht habe ich keinen Kopf mehr frei für mental herausfordernde oder obskure Titel, die ich mit 23 Jahren noch verschlungen hätte. Ich freue mich zum Beispiel wahnsinnig auf Far Cry 6, obwohl es mit Sicherheit keinen Innovationspreis gewinnen wird – doch mir reicht manchmal die reine Linearität eines Videospiels, um den notwendigen Eskapismus für mich zu erreichen. Na ja, das Ganze klingt irgendwie deprimierend, also gehen wir über zu unserer Kandidatin Sable. Kann sie meine alte Liebe für Indies neu entfachen? Psst, nicht auf die Bewertung schielen!

Sable Launch Trailer


Dune im Okami-Look?

Worum geht es eigentlich Sable? Wir spielen die gleichnamige Hauptprotagonistin, welche bei einem Nomadenstamm lebt und sich auf die Reise begeben muss, um ihre Adolesenz – hier präsentiert durch das Tragen der “richtigen” Maske – zu erreichen. Auf ihrem meist einsamen Abenteuer erlebt sie… was zur Hölle ist mit der Steuerung los? Das ist ja schrecklich! Wartet, lasst mich kurz einen Controller an meinen Rechner anschließen. So, viel besser. Direkt ein eingeschobener Tipp: solltet ihr die PC-Version spielen, empfehle ich euch eindringlich einen Controller zu nutzen, die Steuerung über Maus und Tastatur ist wahrlich nicht das Gelbe vom Ei. Kein Dark Souls, aber trotzdem kein Spaß. Aber ich schweife ab, wobei es gar nicht so viel storytechnisch zu erzählen gäbe, ohne dass ich das Spoilerterritorium betreten würde. Es ist eine simple, aber im Kern schön und entschleunigt erzählte Geschichte über Selbstfindung und Freiheit, welche insgesamt ein besseres Gameplay verdient hätte.

Was meine ich damit? Das Gameplay besteht in der Regel aus zwei Teilen: zum einen steigt man auf sein gebasteltes Hovercraft und kann die Welt relativ frei erkunden. Zum anderen löst man mehr oder minder komplexe Puzzle und bringt den jeweiligen Questgebern den gewünschten Questgegenstand. Und bevor hier irgendjemand “The Legend of Zelda – Breath of the Wild, aber mit Cel Shading” brüllt… ja, ihr habt streckenweise recht. Die frei begehbare Welt, welche vom Stil an den Wüstenplaneten Tatooine aus Star Wars erinnert, wirkt vom Aufbau her wie eine vertrockene Mischung aus Hyrule und dem verbotenen Land aus Shadow of the Colossus. Und in den besten Momenten verliert man sich auch in dieser Ödnis, saust über die Wüsten, entdeckt gewaltige alte Ruinen und Raumschiffwracks aus einer längst vergessenen Zeit. In kleinen Sequenzen ist Sable ein wahrlich wunderbares Spiel…

Wie aus einem Ei

… und ich bleibe erstmal weiterhin beim Positiven. Die Interaktionen mit den NPCs sind fast immer eine angenehme Sache, die Dialoge sind clever, aber nicht überladen geschrieben und Sable selbst kann verschiedene Antworten geben, die zwar nicht oft gameplay-relevant sind, doch häufig zu sehr schönen Gesprächen führen. Dass keine Sprachausgabe existiert, stört mich dabei in keiner Weise, es gibt dem Ganzen im Gegenteil einen schönen Hauch alter JRPGs wie Chrono Trigger oder der Final Fantasy-Spiele der PS1-Ära. Auch ist der Look ein Genuss für’s Auge. Das Cel Shading passt perfekt zur Welt, der Kontrast zwischen der (meist) flüssigen Welt und den Bewegungen des Charakters, welcher absichtlich weniger FPS hat, ist ein interessantes Stilmittel, welches nach einer kurzen Eingewöhnungsphase matched. Wenn man hierbei bedenkt, dass es sich bei den Entwicklern um ein extrem kleines Team handelt, welches über Jahre an Sable gearbeitet hat, kann ich die Optik, welche sich zu keinem Zeitpunkt hinter den AAA-Titeln verstecken muss, nicht genug preisen.

Wie es tönt

Auch tut die Soundkulisse ihr übriges, um eine stimmige Atmosphäre zu schaffen. Die Musik ist dezent, aber stets passend. Die Hintergrundgeräusche erfüllen das Geschehen mit dem nötigen Leben, ohne jemals nervig zu klingen. Sable ist ein Titel, der förmlich nach einem Fotomodus schreit und einem seperat veröffentlichten Soundtrack *hust* Spotify * hust* verdient hat. Doch wenn ich so viel Positives für diesen liebevoll gemachten Indie-Darling schreibe, warum spiegelt das meine Wertung nicht wieder? Ich hab doch gesagt, nicht schielen! Und ja, es wird wohl leider Zeit zu erklären, warum Sable es wohl nicht in meine Top-5 des Jahres schaffen wird.

Bugs, Bugs, Bugs

Das GUI von Sable ist angenehm minimalistisch gehalten, außer der Ausdauerleiste für’s Klettern und Sprinten muss nicht wirklich viel beachtet werden. Übrigens kann die Ausdauer durch das Sammeln von Wurm-Eiern (einfach akzeptieren) verbessert werden, was für spätere Kletterpassagen sehr zu empfehlen ist. Ein Kampfsystem gibt es nicht, aber es gibt zwei große Dauergegner in diesem Titel. Zum einen die moderat geratenen Umgebungsrätsel und zum anderen das Spiel selbst. Denn selbst in seiner bisher gepatchten Version ist Sable von Bugs verseucht. Es fängt bei ungefährlichen optischen Bugs – schwebende Elemente z.B. – an, geht über das machnmal fehlerhafte GUI und bleibt zuweilen bei nicht abschließbaren Quests stecken, weil der Trigger nicht immer gelöst wird und nur noch ein Neustart geholfen hat. Ich habe im letzten Absatz den Soundtrack gelobt. Das tue ich weiterhin, nur leider hat er sich ohne Erklärung für kurze Momente verabschiedet und mich in stiller Verwirrung zurück gelassen.

Rechenleistung

Überspringen wir mal die häufigen Clipping-Fehler und Kameraprobleme und gehen auf die Performance. Ich habe zwar kein High-End-Gear mehr in meinem Tower verbaut (i7, Geforce 970GTX, 16GB RAM), doch bin ich der Meinung, dass es nicht sein kann, dass ein Indie-Titel wie Sable, stellenweise brutale FPS-Einbrüche erlebt, während ein AAA-Shooter wieder Battlefield V konstant über 30 Bilder pro Sekunden liefern kann. Natürlich ist das ein sehr asymmetrischer Vergleich, da ein Studio wie DICE weitaus mehr Ressourcen zur Verfügung hat, um ein Spiel zu optimieren, doch stören die FPS-Drops neben den anderen Bugs stellenweise immens. Hier merkt man, dass dem Spiel zwei bis drei Monate zusätzliche Optimierungsphase gut getan hätten.

Maske auf! – ein Fazit

Halten wir es kurz: Sable ist wunderschön! Es ist absolut großartig, dass ein so kleines Team wie Shedworks einen visuell so beeindruckenden Titel abliefern kann. Ein Spiel, was vor Liebe zum Detail nur so tropft. Doch hat es ebenfalls andere Lecks, welche den Spielspaß merklich drücken. Und ich ärgere mich! Ich dachte wirklich, dass Sable mein persönlicher Dosenöffner für die Rückkehr in die Indiegaming-Welt hätte sein können. Doch die aktuell sehr häufig auftretenden Bugs verhindern erfolgreich, dass ich dem Spiel eine uneingeschränkte Empfehlung geben kann. Daher sage ich es so: wenn ihr einen wirklich tollen Titel spielen wollt, dessen Welt voller Geheimnisse steckt und dessen audiovisuelles Paket euch entzücken wird, dann spielt Sable… in so ca. acht bis zehn Wochen. Bis dahin sollte das kleine Team die meisten technischen Baustellen beseitigt haben. Und das wird der Zeitpunkt sein, wo ich mich wieder an diesen Titel setzen werde, denn momentan habe ich das Gefühl eine unfertige Version eines kleinen Meisterwerkt getestet zu haben.

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