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Jurassic World: Evolution – Die Dinos machen die Switch unsicher

von am 16. Dezember 2020
DETAILS
 
Spieldauer:

~ 60+ Stunden für die Kampagne allein

Für Fans von:

Freizeitpark-Simulationen, Jurassic Park- bzw. Jurassic World-Filmen, Dinosauriern

Accessibility-Optionen:

zuschaltbare Untertitel, andere Tonspuren lassen sich in Gesprächen stummschalten, X- und Y-Achsen lassen sich in jedem Modus invertieren

Pluspunkte

+ die Steuerung ist wirklich gut an die Controller angepasst
+ die Grafik wurde erstaunlich gut an die Möglichkeiten der Switch angepasst
+ stufenloser Zoom bringt uns näher an die Dinos und Besucher als man vermuten mag
+ Fanservice auf ganzer Strecke
+ gute Balance zwischen Aufbau und Management der Parks
+ gigantischer Umfang

Minuspunkte

- im Handheld-Modus wäre Touchscreen-Unterstützung wirklich toll gewesen
- im Handheld-Modus lutscht die Engine trotzdem den Akku leer
- ist der Park zu groß und zu voll kommt die Switch an ihre Belastungsgrenze und tritt auf die Spielfluss-Bremse
- Musik ist nach 20+ Stunden ein leichtes Manko
- mehr Individualisierungsmöglichkeiten bei der Park-Dekoration wären toll gewesen

Editor Rating
 
GAMEPLAY
8.0

 
GRAFIK
8.0

 
SINGLEPLAYER
9.0

 
MULTIPLAYER
0.0

 
SOUND
8.0

Gesamt-Wertung
8.0

Hover To Rate
User Rating
 
GAMEPLAY
9.7

 
GRAFIK
9.7

 
SINGLEPLAYER
9.3

 
MULTIPLAYER
3.3

 
SOUND
9.0

User-Wertung
5 ratings
8.2

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Zusammenfassung
 

Mit der Complete Edition von "Jurassic World: Evolution" legt Frontier Developments" nicht nur eine verdammt gute Dino-Park-Simulation auf die Switch auf, sondern serviert auch einen erstklassigen Lizenz-Titel im Jurassic-Universum auf. Der Fan-Service beginnt bei den detaillierten Dinos, geht über die Hintergrund-Infos, die Liebe zu den Details der Gebäude und Fahrzeuge und wird von den Charakteren der JP- und JW-Filme abgerundet. Zwar werden echte Freizeitpark-Sim-Fans ein paar Gestaltungsmöglichkeiten vermissen, um die Parks noch individueller gestalten zu können und auch ein wenig mehr Micromanagement, hätte dem Spaßfaktor keinen Schaden zugefügt; alles in allem finden wir hier aber einen wirklich guten Parkbuilder vor, der - so viel Ehrlichkeit muss sein - die Switch an ihre Leistungsgrenze bringt.

 

Lesezeit: 10 MinutenFrontier Developments schickt mit der Complete Edition von Jurassic World: Evolution die Dinos mehr als zwei Jahre nach dem Release auf PC, PS4 und Xbox One auch endlich auf die Nintendo Switch. Die Complete Edition kommt dafür mit allen Updates und den drei Story-DLCs daher und trägt ihren Namen daher zu Recht. Wie sich das Spiel auf Nintendos Hybrid-Konsole so schlägt, welche Abstrich gemacht wurden und ob das Ganze auch wirklich Spaß macht und für wie lange, habe ich in einigen sehr sehr ausgedehnten Spielesessions für euch – und mich – getestet.

Damit ihr meine Erfahrungen mit dem Jurassic-Universum besser einordnen könnt:
Ich habe die Filme Jurassic Park, The Lost World: Jurassic Park und Jurassic Park III seinerzeit im Kino gesehen und Jurassic World vor zwei Jahren mal über einen Streaming-Dienst. Gespielt habe ich tatsächlich ausschließlich Jurassic Park auf dem SNES und Jurassic Park: Operation Genesis, was zwar aus einer anderen Zeit und von einem anderen Studio stammt, aber doch ein geistiger Ur-Ahn von Jurassic World: Evolution ist. Zumindest, was mich angeht. Die Telltale-Dino-Abenteuer und auch LEGO Jurassic World habe ich mir gespart und werde es wohl auch dabei belassen.

Worum geht es in Jurassic World: Evolution?

Das ist eigentlich recht fix erklärt. Baut im Jurassic Park-Universum Dinosaurier-Parks auf. Dabei stehen euch nicht nur die Isla Nublar (aus Jurassic Park) und die Isla Sorna (aus The Lost World: Jurassic Park) zur Verfügung, sondern sämtliche Eilande der Filme. Zeitlich ist das Spiel deutlich nach den Geschehnissen der ersten drei Jurassic Park-Filme angesiedelt. Da Gebäude, Saurier und Charaktere im Spiel (zum Großteil) den beiden Jurassic World-Filmen entlehnt sind, könnte man der Einfachheit halber sagen: wir befinden uns im Jahre 2015 und stehen am Anfang der Neugründung des Jurassic-Franchises durch die Firma “InGen”.

Jurassic World Evolution: Complete Edition - Announcement Trailer - Nintendo Switch

Was ist zu tun?

Wie schon gesagt, bauen wir Dino-Parks auf. Die meisten Inseln kommen schon mit ein paar grundlegenden Gebäuden, manchmal sogar Laboren oder einem Gehege daher. Grundsätzlich finden wir immer vor: den ikonischen Parkeingang, der den letzten Filmen entlehnt ist. Also einer Einschienen-Bahn mit dem obligatorischen Tor. Ab hier obliegt es ganz dem Spieler, was er wohin bauen möchte. Die Gebäude-Kategorien sind sehr übersichtlich am linken Bildschirmrand in einer sich vergrößernden Sidebar verbaut.

Gehege

Hier verbergen sich alle Dinge, die mit den Sauriern direkt zusammenhängen. Mehrere Arten von Zäunen – unterschiedlich stark und mal mit und mal ohne Strom -, Tore für die Rangerfahrzeuge, verschiedene Futterstationen für die Tiere, das Hammond-Entwicklungslabor, in dem die Saurier ausgebrütet werden, sowie natürlich die Gästeplattformen und Attraktionen, wie die Gyrosphären-Stationen, die Jurassic-Tour und das Aviarium, den überdimensionalen Vogelkäfig für Flugsaurier (bekannt aus Jurassic Park III).

Betriebsgebäude

Alle wichtigen Gebäude zum Betreiben des Parks sind hier versammelt. Allen voran die Ranger-Station. Von der aus könnt ihr Ranger-Teams in ihren Jeeps entsenden. Mit ihrer Hilfe repariert ihr defekte Gebäude – beschädigt durch Stürme oder Sabotage – und Zäune – beschädigt durch ausrastende Dinos, sowie Stürme und ebenfalls Sabotagen. Außerdem werden mit Hilfe der Jeeps auch die Futterstationen in den Gehegen wieder aufgefüllt. Und sollten eure Saurier mal krank sein, können sich die Ranger auch darum kümmern.

Ein cooles Feature, das charmant dem geistigen Vorgänger Jurassic Park: Operation Genesis entlehnt ist: Ihr könnt euch jederzeit selbst in einen der Jeeps setzen und damit herumfahren, in den Gehegen Fotos eurer Urzeit-Echsen machen, sie selber impfen und Futterstationen auffüllen. Bisweilen sollte man dieses Feature auch aus pragmatischen Gründen nutzen, denn leider fahren die Ranger manchmal wie Fahrschul-Anfänger und die Schützen sind vielmehr Stormtrooper als Robert Muldoon. Wobei… so richtig gerissen hat der ja auch nix im ersten Film. Ich schweife ab.

Die ACU ist das zweite wichtige Gebäude dieser Kategorie. Hier ist ein Helikopter-Team beheimatet, mit dem sich eure lebenden Exponate aus der Luft betäuben lassen. Auch hier gilt: selbst gemacht, ist Zeit gespart. Mit anderen Worten: auch hier könnt ihr an Bord klettern und selber Jagd auf ausgebüchste Dinos machen, bevor sie euch die zahlende Kundschaft wegmampfen oder totstampfen. Außerdem lassen sich Transport-Helis kommandieren, um betäubte Saurier schlafend in ihre Gehege zu bringen, zu verkaufen – an wen eigentlich? – oder die verstorbenen Tiere dezent verschwinden zu lassen.

Praktischer Weise lassen sich die Ranger-Teams direkt über den R-Button der Switch-Controller ansteuern. Die ACU-Teams erreicht ihr jederzeit direkt über den L-Button. Weitere Gebäude dieser Kategorie sind:

  • die Sturmabwehrstationen, die die Schäden tropischer Stürme reduzieren
  • das Expeditionszentrum, von dem aus ihr Ausgrabungsteams rund um den Globus dirigieren könnt, um an dringend benötigte Dino-DNS zu kommen
  • das Fossilienzentrum, in dem die gefundenen Gesteinsbrocken analysiert und die DNS extrahiert wird

Außerdem finden sich hier boostende Gebäude, die je nach Ruf in den drei Abteilungen eurer Parks (Wissenschaft, Unterhaltung und Sicherheit) zusätzliche Einnahmen generieren, weil sie den Besuchern einen Mehrwert bieten.

Gäste

Wer sich den ganzen Tag auf einer tropischen Insel lebende Fossilien anschaut, hat Hunger. Natürlich auch Durst. Und irgendwann muss man dann mal auf’s Klo. Demnach gibt es hier Fastfood-Restaurants, richtige Restaurants, Bars und sanitäre Einrichtungen, die klug über die Insel verteilt, nicht nur die Parkbewertung durch die Besucher boosten und deren Kernbedürfnisse stillen, sondern auch zusätzliche Einnahmen generieren (können). Dazu gesellen sich noch Souvenir- und Spielzeug-Läden, Kleidungs- und Fossiliengeschäfte, sowie Bowlingcenter und Arcade-Hallen für die Zerstreuung. So lassen sich auch die Bedürfnisse “Spaß” und “Einkaufen” bedienen. Jedes Geschäft hat dabei immer drei verschiedene Produkte zu unterschiedlichen Preisen, aus denen ihr eines je Ladenlokal auswählen könnt. Nur noch den Verkaufspreis anpassen und nachschauen, ob euer Personal dem Kundenandrang Stand hält oder ob ihr mehr Personal einstellen müsst. Und schon rollt der Rubel.

Sicherheit & Transport

Natürlich gilt es auch den Sicherheitsaspekt zu berücksichtigen. Vor Stürmen und ausgebüchsten Urzeit-Ungetümen schützen die Schutzräume, die bei Gefahr manuell geöffnet werden müssen. Das wird übrigens gleich in mehreren Sprachen und über Lautsprecher wundervoll akustisch untermalt. Darüber hinaus bietet es sich an euren Parkbesuchern eine Einschienenbahn zu bauen, die ihr frei durch die Landschaft bauen könnt. Auch über Wege und Gehege hinweg. Sie dienen dabei nicht nur der Transportbewertung, die ebenfalls aus einem Bedürfnis eurer Gäste resultiert, sondern erhöht – wenn richtig gebaut – auch die Dinosaurier-Sichtbarkeit. Auch hier könnt ihr euch nach getaner Arbeit einfach mal in die Bahn setzen und euren Park aus der Perspektive der Besucher betrachten.

Last but not least: Hotels. Mit dem Bau dieser Gebäude erhöht ihr die Kapazität der Besucher eures Parks und letztendlich natürlich auch eure Einnahmen.

Landschaft

Hier verbergen sich Objekte mit denen ihr die Gehege, aber auch den Park an sich aufhübschen könnt. Leider sind es hier lediglich eine Handvoll Bäume und Felsvarianten, die euch zur Auswahl stehen. Ein wenig mehr wäre hier auf jeden Fall schön gewesen. Blumenbeete, Parkbänke, Hinweisschilder und vieles mehr wären sicherlich drin gewesen. Gab es schließlich schon in so ziemlich jedem anderen Freizeitpark-Simulator bisher. Ach, Rollercoaster Tycoon aus dem Jahre 1999… Ich schweife schon wieder ab.

Strom

Ohne Strom funktioniert gar nix. Die Infrastruktur dazu besteht aus geothermalen Kraftwerken in verschiedenen Größen, Strommasten (die über Kabel miteinander verbunden werden) und den Umspannwerken, die je nach Größe in einem bestimmten Radius alles mit Elektrizität versorgen. Daher muss man nicht jedes einzelne Gebäude mit Strom versorgen. Wunderbar!

Wege

Recht selbsterklärend oder? Schmal oder breit? Einfach oder schick? Diese Optionen habt ihr. Und mehr braucht es auch nicht.

Landschaftsgestaltung

Die Inseln von Jurassic World: Evolution haben es in sich. Topografisch gesehen. Zu Beginn denkt man erstmal “Meine Güte, so viel Platz!”
Das legt sich schnell. Gebaut habt ihr wie die Wilden und nicht immer ist alles schön geworden, denn: Die Inseln sind nicht eben. Es gibt viele Höhenunterschiede, die ihr begradigen könnt. Absenken und erhöhen lohnt sich oftmals allerdings nur aus optischen Gründen und ist – großflächig gedacht – recht kostspielig. Wichtiger dagegen ist die Gestaltung des Terrains in den Gehegen. Denn nicht nur die Gäste haben Bedürfnisse. Jede Dino-Spezies sehnt sich nach ihrer Heimat. Es darf weder zuviel, noch zu wenig Wald, Sumpf, Grasland oder gar Wasser geben. Manche Tiere sind sehr anspruchsvoll und wenn ihr eine gute Gehegebewertung von euren Gästen haben wollt, dann müsst ihr euch um die Gestaltung der Gehege schon alleine deshalb kümmern, damit der Geborgenheitswert der Saurier hoch ist. Denn rutscht der in den kritischen Bereich, gibt es wieder viel Gekreische und Gesterbe auf der Insel. Ein Diplodocus sieht zwar ganz lieb und behäbig aus, aber wartet mal ab, wenn der am Teller dreht und durch die Horden von schreiend davonlaufenden Besuchern latscht. Dann erst, wisst ihr, wie sich John Hammond gefühlt hat. Also: kümmert euch!

Übrigens lässt sich der Boden der Gehege auch sandig, matschig oder felsig “anmalen”. Das erhöht je nach Saurierart sogar den “Authentizitätsfaktor” des Geheges.

Die drei Abteilungen

Viele Faktoren beeinflussen die Geschicke des Parks. Besucher haben Bedürfnisse. Saurier haben Bedürfnisse. Werden diese gestillt, führt das zu höhren Bewertungen, was euch wiederum mehr Möglichkeiten bei der Erforschung und damit auch beim Ausbrüten neuer Saurier, dem Bau neuer Gebäude und Einrichtungen eröffnet.
Viele der Errungenschaften, die ihr im Laufe des Spiels freischalten könnt, sind in Missionen versteckt, die quasi nebenher laufen. Ihr baut munter eure Parks auf den verschiedenen Inseln. Aber das könnt ihr bei einem so kostspieligen Unterfangen und unter der Fuchtel von “InGen” natürlich nicht vollkommen alleine und ohne Kontrolle – na ja, sagen wir eher Marschroute – machen. Daher setzt euch der Konzern drei Abteilungen vor die Nase, die euch nicht nur ständig mit neuen Aufgaben füttern, sondern deren Gunst ihr auch nicht ignorieren dürft.

Die Ziele der Abteilungen:

Wissenschaft: Die Erforschung möglichst vieler Dinosaurierarten
Unterhaltung: Der Besitz von vielen Dinosauriern und Unterhaltungsgebäuden
Sicherheit: Das Verhindern von Dinosaurier-Ausbrüchen oder, dass Menschen verletzt werden

Dabei gibt es nicht nur auf jeder Insel in der Kampagne, sondern auch in den DLCs und den Inselherausforderungen eine Unzahl von Aufgaben, die ihr pro Abteilung erfüllen müsst. Manche sind von der Geschichte vorgegeben, andere sind tatsächlich randomisiert:
“Sorgen Sie dafür, dass sie 3000 Besucher im Park haben.”
“Graben Sie das Fossil eines großen Pflanzenfressers aus.”
“Verhindern Sie für drei Minuten einen Stromausfall”.

Macht doch was ihr wollt

Diese Missionen kann man sich alle zwei Minuten im Kontrollzentrum der Parksteuerung abholen. Sofern man das gerade will. Oder man wird in gewissen Intervallen vom Spiel selbst aufgefordert. In beiden Fällen kann man sich dafür oder dagegen entscheiden. Für die Erfüllung einer Aufgabe steigt man in der Gunst der Abteilung, was zusammen mit dem Zeitfaktor – manchen Aufgaben brauchen einfach eine gewisse Zeit – das Risiko einer Sabotage von Mitarbeitern der jeweiligen Abteilung minimiert. Zuviele Aufträge sollte man daher nicht ablehnen. So eine Sabotage eines Kraftwerkes kann schnell zur Katastrophe werden, wenn die Raptoren und Deinonychus plötzlich ausbrechen und andere Dinos, sich gegenseitig und dazwischen auch noch ein paar Besucher zu Geschnetzeltem verarbeiten.

Außerdem winken jede Menge Belohnungen durch die einzelnen Abteilungen. Doch Vorsicht! Hier ist euer moralischer Kompass gefragt. Denn nicht selten wollen die Abteilungen Sicherheit und Unterhaltung ziemlich abgefahrenes Zeug von euch: Besonders genetisch modifizierte Saurier oder mal einen kleinen Schaukampf zur Belustigung der Besucher. Wie weit ihr hier dem “InGen”-Spaßfaktor nachgehen wollt oder lieber auf die Stimme der Vernunft – oft verkörpert von Ian Malcolm persönlich – hören wollt, ist dabei euch überlassen.

Die Kampagne

Die Kampagne ist meiner Meinung nach besonders gut gelungen. Jede Mission erweitert in einer angenehmen und nur selten unfairen Schwierigkeitsstufe unser Wissen um das Zusammenspiel der verschiedenen Park-Abteilungen, Gebäude, Erweiterungen und technischen Möglichkeiten. Und natürlich auch unsere Forschungserkenntnisse in Sachen Dinosaurier-Genome und die Behandlung von Dino-Krankheiten. Dazu kommen noch besondere Wetter-Verhältnisse, eventuelle Fehlplanungen bei bereits vorhandenen Anlagen und etwaige Sabotage-Situationen.

Eigentlich macht es rein vom Standpunkt der Geschichtserzählung her keinen Sinn, dass es auf jeder der sechs Inseln einen funktionierenden Jurassic World-Ableger gibt. Und doch lernen die Spielenden so mit jeder neuen Insel nicht bloß neue Saurier und Gebäude kennen, sondern müssen sich auch mit den Unwegsamkeiten der Inseln auseinander setzen. Und die sind nicht bloß auf die Topografie des Baulandes beschränkt.

So begann ich meine dritte Mission auf der Isla Tacano mit einem ziemlich vermurksten Park und einem dicken Minus auf dem Konto. Keine Saurier in irgendwelchen Gehegen, dafür jede erdenkliche Form von Gästegebäude schön direkt am Eingangstor aufgebaut. Aber ohne Saurier, keine Besucher und ohne Besucher, keine Kohle. Die Challenge hier war also: wo kriegt man ohne Saurier Geld her? Und hier kam mir das wichtigste Feature von Jurassic World: Evolution zur Hilfe:

Eine Welt, ein Fortschritt

Zwar sind die unterschiedlichen Parks auf den Inseln finanziell eigenständige Unternehmen und man kann die gescheffelte Kohle von Insel A nicht auf Insel B übertragen, aber natürlich überträgt sich der Forschungsstand von Park zu Park. Das gilt für alle weltweiten Ausgrabungsstätten, alle erforschten Genome, alle Forschungsergebnisse, alle freigespielten Errungenschaften, aber auch… den aktuellen Lagerbestand im Fossilienzentrum.

Da ich vor Beginn der Tacano-Mission, auf der Isla Muerta ein volles Fossilien-Lager hinterlassen hatte, konnte ich mit dem Abriss einiger Gebäude die Park-Kasse soweit auffüllen, dass ich das fehlende Fossilienzentrum bauen und die eingelagerten Versteinerungen verkaufen konnte. Für 360.000 US-Dollar das Stück. Und schwupps hatte ich meine Anschubfinanzierung für den völlig vermurksten Park zusammen.

Der Spieleumfang

Nehmen wir nur mal die Kampagne: sechs Inseln mit insgesamt acht Gebieten in denen ihr Parks bauen müsst. Pro Park könnt ihr locker vier bis acht Stunden rechnen. Dazu die DLCs und die Insel-Herausforderungen. Mit 68 Dinosaurier-Arten, 51 Ausgrabungsstätten, 38 verändernden Genen, den ganzen Ingame-Aufgaben und zu schaffenden Herausforderungen, um mehr Inseln, mehr Dinos, mehr Gebäude und deren Modifikationen freizuschalten… Der Umfang ist einfach bombastisch und lässt dank des DLCs “Return to Jurassic Park” – der unmittelbar ins Jahr 1993 zurückbeamt – sogar für Fans der ersten Stunden wirklich das Herz höher schlagen.

Die Steuerung

Kamerasteuerung und HUD sind verdammt gut umgesetzt und funktionieren einwandfrei. Etwas frickelig hingegen ist die Platzierung der Gebäude. Hieran ist aber meiner Meinung nach vor allem die komplexe Topographie der einzelnen Inseln und Areale Schuld. Wer schön bauen will, weil in seinem Kopf ein kleiner Monk wohnt – wie bei mir -, sollte seinen Park in zwei Phasen bauen. Erstmal funktional und nicht richtig schön. Habt ihr dann genug Kohle gescheffelt und soweit den Park ans Laufen gekriegt: baut schön! Begradigt die Wege, ebnet die Areale. So nehmt ihr euch direkt von Beginn an den Stress, dass Gebäude A zwar am gleichen Weg wie Gebäude B gebaut ist, aber einen Meter weiter hinten und einen halben Meter höher gebaut wurde. Wie gesagt: Nörgeln auf hohem Monk-Niveau aber durchaus ein kleiner Aufreger.

Die Grafik

Jurassic World: Evolution benutzt Frontier Developments eigene “Cobra Game Engine”, die zusammen mit den 3D-Modellen, die von den Universal Studios zur Verfügung gestellt wurden, Erstaunliches aus der Switch herausholen. Zoomen die Spielenden maximal heran, wird der Detailgrad bei Gebäuden, Dinos, Fahrzeugen und Besuchern deutlich. Allerdings muss man sich von der Vorstellung verabschieden, dass das Spiel genau so aussieht und genau so performt, wie es das auf der PS4, der Xbox One oder gar auf dem PC tut. Die Unterschiede liegen auf der Hand. Ein heimischer Rechenknecht verfügt eben über ganz andere Möglichkeiten, wenn eine Grafikkarte verbaut ist, die so groß wie die Switch, aber doppelt so dick ist. Dennoch schlägt sich Jurassic World: Evolution wacker und wird in Sachen “hübsch anzuschauen” erst dann abgewertet, wenn man in den Handheld-Modus wechselt. Hier saugt das Spiel ganz gehörig an der Leistungsgrenze der Hardware und erweist sich damit als echter Akkufresser.

Zu Slowdowns kommt es je nach Fülle und Größe des Parks aber nicht nur im Handheld-Modus, sondern leider auch, wenn die Switch im Dock steht.

Fazit: Teil 1

Jurassic World: Evolution ist ein Spiel für Fans. Fans von Jurassic Park, Jurassic World, Dinos im Allgemeinen und von Freizeitpark-Simulationen. Am wenigsten gerecht wird das Spiel dabei der letzten Gruppe. Denn obwohl es viele Bau- Forschungs- und Entdeckungsmöglichkeiten gibt und viele Gebäude sich durch Modifikationen noch verbessern und einstellen lassen, legt das Spiel mit seiner Erzählung den Fokus doch mehr auf die Dinos und deren Präsentation im Sinne “InGens”. Der Park oder eher dessen Aufbau und Gestaltung sind dabei mehr Mittel zum Zweck. Das ist aber tatsächlich eine Geschmacksfrage. Wieviel mehr Micromanagement wäre hier sinnvoll gewesen? Macht das Ganze dann noch Spaß?
Ein paar mehr Gestaltungsmöglichkeiten für den Park hätten mir persönlich schon gereicht, für das Gefühl, einen völlig individuellen Park aufzubauen.

Fazit: Teil 2

Die Einbettung in die Geschichte des Jurassic-Universums erfolgt nahtlos auch dank der vielen bekannten Figuren, die dann und wann mahnend oder beratend auftauchen und dem Spieler wichtige Entscheidungen aufzeigen. Zu tun gibt es in Jurassic World: Evolution immer und der große Vorteil der Kampagne ist, dass die Spielenden wirklich mit den Aufgaben wachsen. In einem angenehmen Tempo, niemals unfair und doch fordernd, bis man einen gewissen Punkt je Karte/Mission geknackt hat.

Einer der großen Nachteile gegenüber den anderen Versionen auf PC, PS4 und Xbox One ist auf jeden Fall das grafische Downgrade, das vor Allem im Handheld-Modus die Switch böse zum Schnaufen bringt und den Akku in sehr kurzer Zeit an seine untere Kapazitätsgrenze lutscht. Zwar sind Grafik und Performance im TV-Modus deutlich besser, aber auch hier kommt es zu gelegentlichen Einbrüchen in der Framerate und sogar zu unschönen Slowdowns. Mit einem Gewicht von fast 6 GB wäre eine Nicht-Download-Version des Spiels wünschenswert, aber es geht auch so.

Unter’m Strich

Insgesamt bekommt man hier verdammt viel Spiel und Jurassic-Feeling für sein Geld serviert. Wer bisher die anderen Versionen ausgelassen hat, bekommt auf jeden Fall ein richtig gutes Komplett-Paket, mit dem man getrost 50 Stunden und mehr – eher viel mehr – verbringen kann.

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