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Syberia 3

Syberia 3 – Nonsens im Eis

Was habe ich mich auf Syberia 3 gefreut. Mehr als dreizehn Jahre sind mittlerweile seit dem zweiten Teil vergangen und unzählige Ankündigungen, Verschiebungen und Trailer später war es dann im April diesen Jahres soweit. Kate Walker würde erneut auf meinen Bildschirm zurückkehren und ich mit ihr ein weiteres Abenteuer bestreiten. Ich war auf Vieles vorbereitet, aber nicht auf das hier. Syberia 3 konnte mich nicht überzeugen und warum das so war, das erfahrt ihr jetzt.

Ahnungslos im Eis

Euer Abenteuer beginnt inmitten eines bitterkalten Schneesturms, in dem Kate Walker, bewusstlos, von dem Nomadenvolk der Youkol gefunden und vor dem Kältetod bewahrt wird. Warum genau wir aber inmitten dieses Schneesturms im Nirgendwo liegen, wird sich allerdings nie vollständig aufklären. Kurze Zeit später erwachen wir auch schon in einer abgeschiedenen Klinik, in der uns unsere Retter in die Obhut der wirklich adretten und überhaupt nicht zwielichtigen Olga Jeifmowa übergaben. Diese möchte uns auch gar nicht mehr gehen lassen, da sie ihre ganz eigenen Ziele mit uns verfolgt. Das wiederum kann eine Kate Walker allerdings nicht wirklich aufhalten, denn auch in Syberia 3 gilt es nach bester Point-and-Click-Manier, sich kniffligen Rätseln und anderen Hindernissen mittels des Gebrauchs des eigenen Hirnschmalz zu entledigen. Eigentlich ein simples Erfolgsrezept, denn die Rätsel, insbesondere die mechanischen, sind in Syberia 3 durchaus gelungen und ansprechend gestaltet und hier kann Syberia 3 auch durchaus überzeugen und wichtige Pluspunkte sammeln. Der sprichwörtliche Hund liegt nämlich an ganz anderer Stelle begraben.

Verkorkste Synchronisation und hakelige Steuerung

Olga Jeifmowa, unsere freundliche Ärztin aus der tiefsten sibirischen Provinz spricht makelloses und akzentfreies Englisch, Kate Walker, Anwältin in jungen Jahren, spricht mit der Stimme eines fragilen Großmütterchens und die Nomaden vom Volk der Youkol machen ihr ganz eigenes Ding und sprechen in einer Fantasiesprache, die sich kein Linguist hätte besser ausdenken können. Stimmung kommt da nicht wirklich auf, denn abgesehen von technischen Mängeln, wie fehlender Lippensynchronisation, kämpft Syberia 3 durchweg mit technischen Auffälligkeiten, die sich negativ auf das Spielvergnügen auswirken. Abstürze, horrende Steuerung – und auf dem PC mangelnde Unterstützung eines Gamepads – sind nur einige der Tücken, mit denen dieses Spiel zu kämpfen hat. Das Bewegen der Hauptfigur kommt einem Wendemanöver mit einem Halbkettenfahrzeug gleich und die Interaktion mit unserer Umwelt erfordert nicht nur übermäßiges Fingerspitzengefühl, sondern auch eine Menge Nerven, die man bereit sein muss zu verlieren. Bewegt ihr euch beispielsweise innerhalb eines Ortes, dann springt hin und wieder die Kamera in gänzlich andere Blickwinkel und invertiert dabei gerne mal eure Steuerung, was Kate Walker wieder zu besagtem Wendemanöver á la Halbkettenfahrzeug zwingt. Eigentlich vollkommen unnötige Abzüge in der Gesamtwertung, denn die Orte an denen ihr euch in Syberia 3 bewegt, sind allesamt von einer düsteren und eisigen Atmosphäre durchzogen. Peitschender Wind, heulende Wölfe oder aber die bedrückende Stille einer eisig kalten Winternacht bescheren Syberia 3 hier durchaus einige starke Momente.

Ein Spiel voller Abstrusitäten

Mein persönlich größtes Problem waren allerdings nicht die offensichtlichen technischen Mängel. Lassen wir ein oder zwei Patches über das Spiel gehen, dann würde das alles in Ordnung kommen, dachte ich. Was allerdings kein Patch der Welt korrigieren kann, sind die teilweise vollkommen irrwitzigen Momente und Lücken, die euch die Geschichte von Syberia 3 unterjubeln möchte. Erfolgreiche junge Anwältin aus New York hilft den kleinwüchsigen Youkol bei der Überführung von Schneestraußen gemäß nomadischer Traditionen. Da, bitte. Das ist die epische Geschichte. Da wacht ihr also mitten im Nirgendwo auf und aus Dankbarkeit für eure Rettung verpflichtet ihr euch, euren Rettern bei einem logistischen Problem zu helfen. Irgendwie fehlte mir bereits von Beginn an der Antrieb auch nur irgendeinem dieser kleinen Zwerge etwas Gutes zu tun. Umgeben von glucksenden Irren, die nicht nur alle fürchterlich kantig aussehen, tat ich aber trotzdem mein Bestes, um eine ganze Herde besagter Schneestrauße von A nach B zu bringen. Da der direkte Weg, ein sonst zugefrorener Fluss, gegenwärtig nicht gefroren war, lud ich kurzerhand die ganze Herde auf ein klappriges Boot, dessen Kapitän ganz eigene Probleme hatte, nur um dann von einem Kraken auf hoher See attackiert zu werden, um dann vom Kapitän, der mit einem Grammophon im Beiboot… ach, ich weiß es doch auch nicht! Stellenweise wusste ich bei Syberia 3 auch einfach nicht, ob die Entwickler mich nicht doch verschaukeln wollen, denn neben den grausigen Übersetzungsfehlern, treffen manche der Charaktere einfach derart abstruse Entscheidungen, dass ich mir einfach nur noch an den Kopf fassen konnte.

Unter dem Strich ist Syberia 3 leider ein Spiel, das ähnlich einem Duke Nukem Forever, in unseren Vorstellungen und Wünschen deutlich besser abschnitt, als in der Realität. Gravierende technische Mängel, altbackene Grafik und teilweise irrwitzige Wendungen in der Story nehmen diesem Spiel den Charme, den die Serie einstmals besaß. Um Kate Walker ist es in Zukunft nicht gut bestellt, denn dieses Spiel wird sich in der Vita der jungen Anwältin nicht sonderlich gut machen. Ein enttäuschendes Endprodukt, das nur bedingt durch seine stellenweise tolle Atmosphäre und ansprechende Rätsel auf einen grünen Zweig kommt.

Syberia 3

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Über Watermel0wned

Aufgewachsen mit dem NES, ist Henrik auch heute noch der Überzeugung, dass ein gutes Spiel nicht zwingend mehr als 8 oder 16-Bit braucht. Wenn es dann doch mal mehr als 16-Bit werden, spielt er liebend gerne alles was düster, dreckig und schwer ist und hat daher schon so manche Spielfigur im Darkest Dungeon oder bei Project Zomboid geopfert.

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