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Everspace – Und täglich grüßt das Weltall

von am 15. Juni 2017
DETAILS
 
Tests
Plattform
Entwickler
Publisher
Spieldauer

10 Stunden

Pluspunkte

+ tolle Optik
+ motivierendes Upgrade-System
+ hoher Wiederspielwert

Minuspunkte

- belanglose Story
- zu viele Rohstoffe
- teilweise frustrierend

Editor Rating
 
GAMEPLAY
7.0

 
GRAFIK
7.5

 
SINGLEPLAYER
6.0

 
MULTIPLAYER
0.0

 
SOUND
6.0

Gesamt-Wertung
7.0

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Von der gamescom 2016 ist nicht viel im Gedächtnis geblieben. Entweder waren es Spiele, die eh schon vorher bekannt waren oder Titel, die keinen bleibenden Eindruck hinterlassen konnten. Doch es gab in der Independent Box von Microsoft auf einer einzigen Xbox One einen kleinen, aber feinen Weltraum-Shooter, der sich Everspace nannte und von einem deutschen Indiestudio entwickelt wurde. Dieser Shooter hat sich mehr als schlecht steuern lassen, ist während eines Durchgangs komplett abgestürzt und hatte noch viele Bugs. Doch mein Interesse war geweckt. Also habe ich diese Indieperle weiterhin auf meinem Zettel gehabt und wurde nicht ganz enttäuscht: Everspace macht zeitweise unheimlich Spaß. Everspace ist aber auch zeitweise unsagbar frustrierend.

Hinweis: Neben der normalen Version kann man das Spiel auch in VR (Oculus Rift, HTC Vive oder OSVR) komplett durchspielen – allerdings ist diese Version noch sehr fehlerhaft und fließt nicht in die Gesamtwertung ein.


Aber erst mal zu der unwichtigsten Sache: die Story. Diese ist vollkommen überflüssig und wurde wohl beim Abschlussmeeting auf einer Serviette verfasst. Unser Protagonist wacht ohne Erinnerung auf und kämpft sich Stück für Stück durch, um das dunkle Geheimnis zu entdecken und… ja, man weiß sowieso wo das Ganze hingeht. Selbst die Standbild-Cutscenes und Dialoge hätte man sich sparen können, denn in erster Linie ist Everspace ein Rogue-Like. Und Rogue-Likes sind nicht gerade für meisterhaftes Storytelling bekannt. Das war den Entwicklern wohl genauso bewusst, denn die Zwischensequenzen werden nur jedes erste Mal abgespielt, sodass diese noch mehr zur Farce verkommen. Was ihr wissen müsst? Everspace ist die 3D-Actionversion von FTL: Faster Than Light, das ist sicher.

Hinweis 2: In dieser Rezension wird das Spiel FTL sehr häufig erwähnt. Ich lade den Leser herzlich dazu ein, jedes Mal einen kurzen zu trinken, wenn ich FTL namedroppe. Mitmachen auf eigene Gefahr.

Der Weltraum, unendlich frustrierende Weiten…

Was war FTL nochmal? Ein Indie-Hit von 2012, in dem der Spieler ein Raumschiff in dezenter 2D-Grafik gesteuert und verwaltet hat. Man hat dabei eine Crew, diverse Systeme und Waffen zu Verfügung und kämpfte sich durch acht Sektoren, um die (böse?) Rebellion zu beenden. Everspace hat dieses Rogue-Prinzip von FTL übernommen, nur steuert man hier in First- oder Third-Person das Raumschiff selber, die Crew besteht nur aus dem Protagonisten und es ist deutlich actiongeladener und dank der Unreal 4 Engine visuell sehr beeindruckend. Wenn man von einem Sektor in den nächsten kommt und elektromagnetische Stürme, schwarze Löcher oder gewaltige alte Schiffswracks entdeckt, kann man den Jungs von  Rockfish Games nur auf die Schulter klopfen – hier wurde astreine Arbeit geleistet, das Weltall großartig wirken zu lassen. Allerdings sind die Sektoren selbst sehr klein geraten, sodass nicht sehr viel entdeckt werden kann.

Ähnlich wie bei FTL sammelt man von Sektor zu Sektor neue Waffen und Upgrades ein, repariert beschädigte Systeme, baut Rohstoffe ab und versucht so weit wie möglich zu kommen. Denn neben dem eigenen Können und den vorher eingestellten Schwierigkeitsgrad spielt das Glück eine gewaltige Rolle. Dies entscheidet, ob ein Durchgang 60 oder nur 10 Minuten dauert. Und auch dieser Glücksfaktor wird den Spieler an die Grenzen seiner Frustresistenz bringen, wenn das Schiff wieder auseinanderbricht, weil man nicht genügend Nanobots übrig hat oder wieder eine wichtige Ressource fehlt und das nächste Plasmafeld nicht in Sicht ist. Überhaupt haben es die Entwickler bei der Menge von verschiedenen Rohstoffen übertrieben. Wo bei FTL der Schrott als Währung und Reparatur/Upgradematerial gedient hat herrscht in Everspace ein Überfluss an verschiedenen Rohstoffen, neben dem obligatorischen Treibstoff hätten es ein bis zwei davon auch getan.

Was mich tötet, macht mich stärker

Während der Durchgänge sammelt man auch Credits. Diese kann man entweder beim Händler verheizen – tut das nicht – oder nach dem fast unvermeidlichen Tod in aktive und passive Upgrades investieren. Dies führt dazu, dass die Überlebenschancen für das nächste Mal steigen, was unheimlich motiviert. Aber Vorsicht, man kann die Credits nicht sparen! Sie müssen vor dem nächsten Start verbraucht werden, ansonsten geht es verloren. Apropos Geld: auch wenn es mehr als verlockend scheint einen unbewaffneten Frachter zu überfallen kann das schneller zum ungewollten Tod führen, wenn nach wenigen Sekunden der komplette Konvoi anrückt und man in kürzester Zeit umzingelt ist. Und wenn man Pech hat und direkt zu Beginn des Sektors einem Schlachtschiff gegenübersteht, kann man dieses Leben sowieso abschreiben.

Die anfangs erwähnte schreckliche Steuerung wurde glücklicherweise optimiert, mit Maus und Tastatur geht der Weltraumshooter locker von der Hand. Einen Controller würde ich aber nicht empfehlen. Und mit Shooter meine ich Shooter, also eher Wing Commander als Star Citizen. In simplifizierten Dogfights ballert man mit den Schild des Feindes runter, bevor man das Ganze mit ein paar Lenkraketen beendet. Vor allem später trifft man regelmäßig auf eine Übermacht von Gegnern, die einen umkreisen und zum Rückzug zwingen. Das sind die Momente, wo das Pacing in den Sand gefahren wird und das demotiviert wiederum. Natürlich liegt das in der Natur von Rogue-Likes wie zum Beispiel… FTL (oder The Binding of Isaac), doch schaffen es diese Titel den Spieler dauerhaft bei Laune zu halten.

Im Weltall hört dich niemand fluchen

Eigentlich kann ich nur das wiederholen, was ich im ersten Absatz gesagt habe. Everspace macht gleichermaßen Spaß wie es frustriert. Es sieht fantastisch aus, der Sound ist tadellos, die Steuerung intuitiv und es gibt immer wieder was Neues zu entdecken. Auf der anderen Seite nervt das überladene Rohstoffmanagement und die Story ist ein Witz und kollidiert mit dem Rogue-Like-Prinzip. Da dieses Weltraumabenteuer der erste nennenswerte Titel aus dem Hause Rockfish Games ist, hoffe ich auf weitere interessante Weltalltitel – ja, die Jungs haben sich auf das Thema versteift – und zocke in der Zwischenzeit dann und wann eine Runde Everspace.

Oder FTL.

 

Wenn euch das Weltraumfieber jetzt dennoch gepackt hat, dann bestellt Evespace bei Amazon.de.

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