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Berserk and the Band of the Hawk – 10.000 Leichen zum Mitnehmen, bitte

Wer Omega Force sagt, muss auch Dynasty Warriors sagen. Das ist eins der vielen ungeschriebenen Videospielgesetze. Seit 2000 (das erste Dynasty Warriors für PS war noch ein Beat ‘Em Up und zählt nicht zur Reihe) konnte man sich durch sage und schreibe 27 Musou-Titel schnetzeln und ein Ende ist noch nicht in Sicht. Im Gegenteil: neben der Hauptreihe existieren auch noch die Samurai Warriors– und Gundam-Serien sowie diverse Kooperationen mit One Piece, Dragon Quest und sogar Zelda. Selbst das ehrenwerte Fire Emblem bekommt noch dieses Jahr auf der Switch sein Warriors-Makeover. Da wundert es einen, dass die Jungs und Mädels von Koei Tecmo erst vor Kurzem auf die Idee kamen, dass das Einer-gegen-Tausend-Prinzip sehr gut zu der Manga- und Animereihe Berserk passen würde. Und es wurde auch Zeit dafür. Denn nach den beiden Berserk-Titeln für PS2 und Sega Dreamcast – welche nebenbei uns Europäern verwehrt blieben – war es lange ruhig um den dunklen Ritter.

Kennt man eins, kenn man alle

Wie rezensiert man ein Musou-Spiel? Die DW-Fanbase weiß ja von vornerein, was sie erwartet: Massenschlachten mit tausend hoffnungslos unterlegenen Klongegnern, repetitive Kampfmechaniken, riesige Schlachtfelder und fordernde Hauptgegner. Das Ganze unterlegt von einem fetzigen Metal-Soundtrack und miserabler englischer Synchronisation, am Besten mit einem Freund auf der Couch zu zweit. Und genau das erhält man…
Moment, kein Koop-Modus? Keine Metalmusik? Lediglich die Japanische Sprachausgabe mit Untertiteln? Omega Force, wie konntet ihr diese Punkte auf eurer Checkliste vergessen? Während die Musik zum Setting von Guts‘ Abenteuer passt und auch die Synchronisation zu verkraften ist – zumal es die Originalsprecher aus der Anime-Serie sind – ist die Abstinenz des Koop-Modus inakzeptabel. Ein großer Pluspunkt der Warriors-Spiele wird einfach weggelassen, denn das gemeinsame Grinden war stets das Herzstück dieser Spiele.

Unabhängig von diesem Fauxpas gibt es auf spieltechnischer Seite nicht viel zu bemängeln – also nicht mehr als bei den anderen Warriors-Titeln. Die Kombos sind simpel gehalten, die Standardgegner überstehen selten mehr als zwei Schwerthiebe und es gibt wie immer die Musouanzeige, die sich mit jedem Treffer füllt. Sobald diese aktiviert ist, verfällt Guts in Raserei und schnetzelt sich mit erhöhter Geschwindigkeit sowie Kraft durch die Gegnerreihen und trennt dabei zuverlässig Ober- von Unterkörper. Große spielerische Überraschungen bleiben – ganz getreu der Serie – aus. Allenfalls die Bosskämpfe gegen die teilweise riesigen Apostel sorgen für Abwechslung und fühlen sich etwas wie ein Dark Souls Light an.

Die Definition von „solide“

Auch auf visueller Ebene kann Berserk and the Band of the Hawk nicht wirklich überzeugen. Der Animestil ist ähnlich wie bei Attack on Titan: Wings of Freedom stimmig und alle Charaktere wurden mit Liebe zum Detail in die dritte Dimension übertragen. Demgegenüber stehen aber die üblichen Klonmassen, (bis auf wenige Ausnahmen) uninspirierte Kulissen und eine Kamera, die nicht immer so mitspielt, wie sie soll. Man merkt dem Spiel in solchen Momenten sein vergleichsweise geringes Budget an. Sehr löblich hingegen ist die Tatsache, dass der Titel durchweg flüssig läuftt, selbst wenn sogar hunderte Gegner gleichzeitig auf den Spieler zustürmen. Da brechen andere Titel frameratemäßig schon bei geringerem Aufwand ein.

An Spielmodi gibt es auch hier die Standardkost: Hat man rund 50 Missionen beinhaltende Story durchgespielt, kann man ausgewählte Schlachten im freien Modus *hust*Koop*hust* mit verschiedenen Charakteren nochmal durchspielen, welche sich im Gegensatz zu Guts auch alle angenehm unterschiedlich spielen lassen und zum Ausprobieren einladen. Wer viel Zeit zur Hand hat und eine richtige Herausforderung sucht, sollte zum einen die Schwierigkeit auf Beserker stellen und zum anderen sich an den Endless Eclipse Modus wagen. In diesem Modus kämpft man sich, ohne dass sich Leben und Items regenerieren, durch 100 immer wieder wechselnde Missionen. Man muss sich ja auch seine Platintrophäe verdienen, nicht?

Shakespeare in blutig

Wenn man die Rezension bis hier gelesen hat, klingt es nach einem technisch soliden, aber doch mediokren Musou-Titel wie es sie zu Hauf gibt. Doch einen gewaltigen Vorteil hat Berserk gegenüber Hyrule Warriors und Co.: die Story ist in jeder Hinsicht fantastisch. Die Geschichte um den „Black Swordsman“ wird seit 1989 erzählt ist weitgehend konkurrenzlos was Tiefe, Symbolik und Charaktere angeht. Die Figur des Guts gilt als Archetyp des einsamen Kriegers und wurde hundertfach interpretiert und kopiert. Mit wenigen Abstrichen greift das Spiele alle wichtigen Stationen von Guts‘ Abenteuer auf und bietet dabei eine kohärente Videospielstory. Neulinge werden von den plötzlichen Wendungen und Schicksalen emotional auf eine Achterbahnfahrt in das dunkelste des menschlichen Wesens geführt und Kenner wie ich freuen sich darüber, wie liebevoll noch so kleine Storyelemente und Nebencharaktere aus dem Manga in dem Spiel verarbeitet wurden. Berserk zeigt hier vorbildlich wie eine Adaption funktionieren kann. Da ist auch der Stilbruch zu verkraften, wenn storytechnisch nach der The Golden Age Arc keine Animesequenzen für die Cutscenes mehr  genutzt werden (können) und man auf Renderszenen aus dem Spiel umsteigt.

Das Warriors-typische Sammeln von Items und Ausrüstung wurde auch überarbeitet. Neben den üblichen Items, die dem Kämpfer passive Verbesserungen geben, kann man diese durch gefundene Steine beim Schmied verbessern. Später ist es sogar möglich, verschiedene Items miteinander zu verschmelzen, was merklich die Stats des Charakters verbessert und zu Experimenten einlädt. Auch kommen im weiteren Story-Verlauf neue Gadgets wie die Handkanone oder die Dauerfeuerarmbrust zum Einsatz und erleichtern eine Situationen. Neue Hauptwaffen sind allerdings nicht zu finden. Aber Guts benötigt auch nichts anderes als seinen Dämonenschlächter.

„The reward for ambition too great is self destruction.“ – Guts

Viele Fans behaupten ja, dass die Dark Souls-Reihe bereits die beste Videospieladaption von Berserk sei und ich kann auch verstehen warum: die dichte, deprimierende Atmosphäre und die grotesken Gegner erinnern in vielerlei Hinsicht an den Manga. Und vielleicht wird es in Zukunft ein Spiel dieser mit dem Berserk Label geben, zumal der Anime immer mehr an Beliebtheit gewinnt. Doch bis dahin können sich die Fans mit diesem Titel die Zeit vertreiben. Denn trotz aller Kritik und dem wirklich großen Fehler, keinen Koop-Modus eingebaut zu haben, kann ich nicht sagen, dass ich keinen großen Spaß mit Berserk and the Band of the Hawk hatte. Klar, die Missionsstrukturen wiederholen sich nach der Zeit und die Combos kann man irgendwann auch alle ohne auf den Bildschirm zu starren. Doch das gehört zu einem Musou-Spiel dazu und motiviert auf eigenwillige Art, sich auch in die nächste Schlacht zu stürzen.

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Teilzeitzyniker und Vollzeitzocker - der Typ aus dem Ruhrpott mag nicht immer der angenehmste Zeitgenosse sein, doch gleicht er diese soziale Schwäche durch schier unbegrenzte *hust* Kompetenz in Videospielen aus. Zudem ist er der einzige bekennende Afri Cola-Süchtige in ganz Deutschland.

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