7 Kommentare

Project Diva 2nd – Die volle Dosis J-Pop!

von am 27. Juli 2012
 

Lesezeit: 5 Minuten

Obwohl wir erst kürzlich über Hatsune Miku als Augmented Reality Girlfriend berichtet haben, ist das Phänomen Vocaloid sicherlich den Meisten immer noch völlig unbekannt. Wen wundert es auch, denn a) sprechen die meisten Vocaloids nur japanisch und wenn sie englisch sprechen, dann ist das auch recht gewöhnungsbedürftig, und b) haben die in Japan doch ziemlich erfolgreichen Spiele (aufgrund der Sprach- und uhm… Musikgeschmacksbarriere) nie den Sprung zu uns geschafft. Aber wofür gibt es schließlich eBay, richtig? Und was für ein Glück, dass es auf der PSP kein region-lock gibt (und das obwohl “For Japan only” auf der Spiele-Verpackung steht).

Was sind eigentlich Vocaloids?

Oder vielleicht sollte die Frage eher lauten: Wer sind eigentlich Vocaloids? Wobei, so einfach ist diese Unterscheidung eigentlich nicht. Vocaloid (und alle weiteren Versionen) ist ein von Yamaha entwickeltes Synthesizer-Programm. Aber, das was heute als Vocaloid bezeichnet wird, meint meist nicht das Programm, sondern die von unterschiedlichen Firmen für dieses Programm entwickelten snythetischen Stimmen, voice banks, die in den meisten Fällen von japanischen Synchronsprechern stammen und denen – vielleicht auch als Publicity-Gag – ein Animekünslter ein Aussehen, komplett mit Größenangabe und Gewicht verliehen hat. Die erste von Crypton so entwickelte Stimme war Hatsune Miku, dann kam Megurine Luka und danach die Zwillingsstimmen Kagamine Lin (weiblich) und Ren (männlich).

Wie es zur Populärität der Vocaloids kam? Ich weiß nicht ob es tatsächlich stimmt, aber die Story ist so schräg, die könnte wahr sein: Wie so viele Dinge begann es auf 4chan (der Pedobär kommt auch von dort, von daher… wundert mich nichts mehr), mit einem Video in dem Orihime aus Bleach zu Loituma‘s Levan Polka (das Lied ist finnisch) einen Porree in der Hand wirbelt. Daraufhin setzte jemand dieses Lied mit Miku um, um das Potential der synthetischen Stimme vorzuführen ét voilà ein Star wurde geboren. Das ist übrigens auch der Grund warum der Porree häufig in Zusammenhang mit Miku gezeigt und dargestellt wird.

Wir spielen in Japanisch und verstehen kein Wort – macht aber fast nix

Okay, schauen wir uns also SEGA‘s Project Diva 2nd einmal genauer an (bzw. so genau man sich ein Spiel halt anschauen kann, bei dem man schon die ziemlich weitläufigen Menüs nicht lesen kann). Glücklich können nicht-japanisch sprechende Vocaloid Fans allein schon deshalb sein, dass man für das Haupt-Gameplay von Project Diva 2nd – ein Rhythmus-Spiel – keine überragenden japanisch-Kenntnisse braucht (obwohl das alles wesentlich leichter ist, wenn man wenigstens ein paar Hiragana und Katakana lesen kann). Für alles andere gibt’s einen Wiki in dem die wichtigsten Dinge übersetzt worden sind (außerdem gibt’s auch Übersetzungspatches, aber das hab ich nicht weiter ausprobiert) und meine Güte hat sich die Anzahl an Vocaloid-Spielen vermehrt seit ich das letzte Mal auf der Seite war.

Größtes Problem am Anfang: X und O sind in ihrer Belegung, was Zustimmung oder Ablehnung betrifft, genau andersherum belegt als man es von europäischen PSP Titeln gewohnt ist. Und Project Diva 2nd hat, neben dem Rhythmus- auch eine Art Rollenspielanteil. Ich sage das bewusst so schwammig, weil so richtig “Rollenspiel” ist es nicht, man kann mit den Charakteren in ihren Zimmern wohl irgendwie interagieren, doch dazu kann ich aufgrund fehlender Japanischkenntnisse kaum eine Aussage treffen. Wem es wirklich nur um die Lieder geht, den stört die Sprachbarriere eher weniger.

Dummerweise braucht man für ein Rhythmus-Spiel aber Rhythmusgefühl…spectacular!Fail kann ich nur zu meinen ersten paar Versuchen sagen, das war nicht mal mehr lustig. Andererseits ist das erste Lied, nämlich Miku’s “Romeo X Cinderalla” (wie so viele Vocaloid Lieder klingt dieser Song sehr harmlos und kindlich, aber wenn man dann mal eine Übersetzung sieht kriegt man mitunter ziemlich große Augen), vielleicht auch nicht der einfachste Song für Anfänger. Aber man wächst an seinen Herausforderungen!

Schwierigkeitsstufen oder: Aargggh! Wie schwer kann es eigentlich sein vier Knöpfe in der richtigen Reihenfolge zu drücken?!

In Project Diva 2nd gibt es für jedes der 45 beeinhalteten Lieder (jeweils als Musikvideo-Clip) vier Schwierigkeitsstufen: Einfach, Normal, Schwer und Extrem. Wobei man die schwereren Stufen erst dadurch freischaltet, dass man die vorhergehende geschlagen hat. Extrem fühlte sich für mich definitiv extrem an und bei den meisten Liedern habe ich das nicht einmal probiert. Die einfachste Stufe verwendet dabei nur den O-Knopf, den man entsprechend der Markierungen auf dem Bildschirm, im richtigen Moment drücken muss. Der normale Schwierigkeitsgrad verlangt die Bedienung von O und X und Hart verwendet alle vier Knöpfe; in Extrem ist der Rhythmus nur noch detaillierter im Vergleich zu Hart – was aber einen enormen Unterschied ausmacht. Dazu kommen noch “Noten” bei denen man synchron die Taste am Steuerkeuz und dem rechten Tastenfeld drücken muss. Oder “Noten” die für eine bestimmte Zeit gehalten werden müssen.

Für jedes gemeisterte Lied gibt es eine bestimmte Anzahl an Credits, für die man nachher im Shop etwas kaufen kann (Outfits, Räume für die Vocaloids und Dekogegenstände).

Wem diese Erklärung über das Gameplay von mir jetzt zu verworren erscheint (ich gebe zu, das war jetzt keine literarische Meisterleistung), der schaut sich am besten diese Video an, in dem man das Gameplay anhand von Lukas wohl bekanntesten Song “Just be Friends” nachverfolgen kann (Luka Megurine besitzt neben einer japanischen voice bank auch eine englische, auch wenn die englische einige Mängel aufweist).

Um sich ein Bild davon zu machen was “Extrem” als Schwierigkeitsgrad bedeutet, hier ein Video von Miku’s “Kocchi Muite Baby” (übersetzt: schau hierher, Baby).

Schritt für Schritt schalten wir uns Songs, Outfits und andere Vocaloids frei

Je mehr Lieder man erfolgreich gemeistert hat, desto mehr neue Lieder werden verfügbar. Und während wir am Anfang nur mit Miku spielen können, schalten wir auch weitere Vocaloids frei – Luka, Kagamine Lin und Ren (diese vier von sind vermutlich die populärsten Vocaloids) und unter anderen auch den männlichen Vocaloid Kaito. Und natürlich Outfits, Outfits und noch mehr Outfits – jedenfalls für Miku (die ist ja die eigentlich die Hauptfigur). Das beginnt bei einem Hausmädchen-Kostüm und hört bei futuristischen Robotern auf und ist rein kosmetisch. Man kann frei zwischen den unterschiedlichen Vocaloids wählen und so zum Beispiel auch Luca ein Lied von Miku singen lassen, auch wenn das ebenfalls rein kosmetisch ist; das Lied wird weiterhin von Miku gesungen, auch wenn man Luka auf dem Bildschirm sieht. Was natürlich absolut Sinn macht, denn der Grund warum es überhaupt so viele verschiedene Vocaloids gibt ist ja der, das jede dieser synthetischen Stimmen unterschiedliche Charakteristiken hat und eben auch einen unterschiedlichen Tonumfang. Während Mikus Stimme sehr durchdringend ist, klingt die von Luka zum Beispiel wesentlich menschlicher (wenn denn ihr Nutzer weiß was er tut), könnte aber zum Beispiel nicht problemlos die Höhen von Miku oder gar Rin erreichen.

Man muss die Musik halt mögen…

J-Pop ist generell für unsere Ohren definitiv schon einmal Geschmackssache. Vocaloids setzen dem Ganzen noch ein bisschen die Krone auf, denn die meisten Songs der Vocaloids in Project Diva 2nd sind der Musik sehr ähnlich, die wir hier während der 90er Jahre gehört haben (als vergleichendes Beispiel bietet sich vielleicht Blümchen an, damit man sich eine gewisse Vorstellung machen kann). Zitat meiner besten Freundin zu dem Thema: “Die 90er sollte man nachträglich verbieten lassen”. Aber ganz so schlimm ist es dann vielleicht auch nicht, wobei die Musik sicherlich am Anfang äußerst gewöhnungsbedürftig ist, vor allen Dingen wenn man mit den synthetischer klingenden Stimmen konfrontiert wird. Zu bedenken ist hier, dass es eine Unmenge an Liedern gibt, von herzergreifenden Pop-Balladen und Schlagern bis hin zu Death Metal (ist kein Witz!) und nur eine kleine Auswahl der populärsten Titel den Weg auf den Handheld oder die Konsole (es gibt PS2 und PS3 Versionen der Spiele, sowie PS Vita und 3DS (auf dem 3DS Project Mirai genannt) Abwandlungen.

Ein bisschen schade finde ich es schon, dass keine der etwas “erwachseneren” Lieder der Vocaloids ihren Weg auf die PSP gefunden haben (das im Spiel enthaltene Liebeslied “Magnet” ist übrigens eines der am heißesten diskutierten Vocaloid Lieder überhaupt) – aber vielleicht gibt es ja irgendwann einmal eine nicht-jugendfreie Version des Spiels. Ich selbst hatte nämlich das Album “Nude” mit Megurine Luka gekauft, ganz einfach weil die eher rockige Musik wirklich genial ist (allerdings ist es halt nicht jugendfrei, auch wenn man als nicht-Japaner ja fast kein Wort versteht… aber wenn man sich dann mal die zugehörigen Videoclips anschaut wird einem die Bedeutung einiger Lieder dann doch irgendwie klar und man kriegt rote Ohren beim Zuhören). Eines der besten Lieder von dem Album ist Bullet for Prisoner, falls sich jemand dafür interessieren sollte.

Dem Spiel liegt übrigens eine 45-seitige farbige!!! bonbonbunte Anleitung bei, die ich leider nicht lesen kann. Aber man kann ja nicht alles haben. Qualitativ war ich von dieser Anleitung jedenfalls tief beeindruckt verglichen mit denen die sonst hier einem PSP Spiel beiliegen. Da können die Publisher hierzulande sich mal eine Scheibe von abschneiden. Und es klingt vielleicht verrückt, aber was reine Spielzeit angeht, ist Project Diva 2nd vermutlich das PSP Spiel, das ich bisher am meisten gespielt habe und gehört ganz klar zu den Spielen, die ich auf Reisen immer mitnehme.

Kommentare
 
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    27. Juli 2012 at 18:27

    knöpfchen drücken um das lied fertigzuspielen kann ja ganz witzig sein, kennt man von vielen spielen, aber die mucke ^^, ohoho J-Pop, das geht ja garnicht, normale Pop musik nerv ja schon, weils in jedem land, jedes lied, von jedem künsler fast gleich kling, aber J-Pop steigert es noch, mit diesen, unglaublichen quitschigen kleinen mädchen stimmen da…

    horribleeee!

    PS nur ein kleiner tipp, wenn ihr gute japanische musik hören wollt, hört euch das an!
    X-Japan
    https://www.youtube.com/watch?v=Rd2Nm_6RSOs&feature=player_detailpage#t=177s

    Oder was von Loudness


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    Sam St. James
    27. Juli 2012 at 20:22

    Ja, ich sag ja… es ist gewöhnungsbedürftig. Es gibt aber auch Death Metal mit den quietschigen Mädchenstimmen und shit, in der richtigen Abmischung könnten es auch Fingernägel auf ner Tafel sein 😀 so gruselt es einen. Es hängt auch stark davon ab ob der Nutzer wusste was er tut – einige haben’s da echt drauf und es klingt erschreckend echt – andere weniger. Zum Teil ist es wohl auch Absicht.
    Einige der englischen Vocaloids klingen erwachsener und weniger kindlich, aber die sind nie derart bekannt geworden wie die von Crypton.
    Im echten Leben hör ich sowas eigentlich sonst auch nicht aber während ner Zugfahrt auf der PSP ist es seltsam entspannend :D. Was japanische Musik angeht, kenn ich hauptsächlich Animetitellider und manche sind wirklich ganz nett – zum Beispiel Songs von Yoko Kanno (als Beispiel Record of Lodoss War oder Cowboy Bebop oder Ghost in the Shell), oder von Vision of Escaflowne, und Silent Möbius war auch gar nicht so schlecht etc..


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    27. Juli 2012 at 21:13

    ^^
    “Es gibt aber auch Death Metal mit den quietschigen Mädchenstimmen und shit, in der richtigen Abmischung könnten es auch Fingernägel auf ner Tafel sein 😀 so gruselt es einen.”
    xDD

    von allem was du genannt hast kenn ich nur “Ghost in the Shell” 🙂
    von anime liedern gefallt mir Devil May Cry anime soundtrack also komplett (schade übrigens dass es nur 12 folgen gibt)

    und DMC (also Detroit Metal City (anspielung an Kiss (Detroit Rock City 🙂 )))
    https://www.youtube.com/watch?v=yHxEB-0eW5Y
    wenn du es nicht kennst, guck dir das an, ich finds sau witzig!
    Das ist über einen typen, der mag eigentlich schwedischen Pop und will das Singen, singt und spielt Gitarre aber in einer Death Metal band xD
    warnung verbal ein bisschen heftig 🙂


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    Sam St. James
    28. Juli 2012 at 20:08

    Hehe, klingt witzig :D.


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    totoro
    31. Juli 2012 at 16:59

    Boah, “Detroit Metal City” fand ich aber ziemlich scheiße… Eigentlich steh ich ja auf schrägen Japano-Humor, aber den Film fand ich durchgängig albern und peinlich – ok, eine handvoll gute Gags waren drin, aber den kleinen Hype um den Film kann ich nicht so ganz nachvollziehen.

    …und J-Pop ist eigentlich auch schwer zu verallgemeinern. Es gibt natürlich jede Menge Schrott, aber teilweise auch gutes Zeug – wie bei “unserer” Pop-Musik ja auch. Als Musiker finde ich J-Pop aber wesentlich spannender, da hier gerne mal mehr gewagt wird auf harmonischer Ebene – viele Künstler neigen aber leider dazu, die Stücke gnadenlos zu überfrachten…


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    31. Juli 2012 at 23:06

    DMC den film fand ich persönlich nicht schlecht, aber die serie Finde ich übelst gut!

    Und Pop, egal aus welchem land, mag ich eigentlich überhaupt nicht, das meiste hört sich fast gleich an.


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    Gurke :D
    21. Juni 2013 at 21:38

    Ähmm Also Die heißen nicht Kagamine Ren und Lin !! O.o Das sind Zwillinge (Mädchen und Junge) Und die heißen Rin und Len ! So rum ! 😀 Wollt ich nur sagen ! o;

    ~Lg Gurke :3


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