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Top 10 – Lieblingsspiele aus Amors Jugend

Nostalgie ist meiner Meinung nach eine in unserer Generation stark verbreitete Verklärung der Vergangenheit, die rosarote Brille, welche uns Dinge sagen lässt wie “Die Actionfilme der 90er sind gut gealtert!” oder “Buffy war und ist bis heute die beste Vampirserie!”. Das stimmt einfach nicht – Angel war und ist die beste Vampirserie. Gleiches trifft natürlich auch auf unsere geliebten Videospiele zu. Habt ihr in letzter Zeit mal Deus Ex oder System Shock 2 wieder installiert und mehr als zehn Minuten gespielt? Oder den guten alten Nintendo 64 entstaubt, nur um zu merken, dass Golden Eye damals irgendwie weitaus mehr Spaß gemacht hat? Dennoch gibt es auch in meinem Herzen diese Spiele, welche unabhängig von ihrer Qualität mir viele Stunden Freude bereitet haben und meine Jugend mitgeprägt haben.

Daher präsentiere ich euch nun die Top 10-Spiele meiner Jugend:

Platz 10: Disciples (PC)

Disciples ist kein überragendes Spiel. Disciples ist genau genommen nicht mal ein sehr gutes Spiel. Es ist ein unsagbar hässlicher Klon von Heroes of Might and Magic und Age of Wonders, frustrierend schwer und die Story ist ein Witz. Zudem hat der damalige Speicherstand-Bug regelmäßig für schlechte Laune gesorgt. Warum es trotzdem in meinen Top 10 ist? Weil es mich trotz – oder wegen seines absurden Schwierigkeitsgrades – motiviert hat, jede Kampagne mit jedem Volk zumindest einmal zu bewältigen. Und weil hinter der hässlichen Fassade eine faszinierende Spielmechanik steckte, die mich in den Bann gezogen hat. Die Nachfolger mögen hübscher aussehen, durchdachteres Balancing bieten und insgesamt die besseren Spiele sein – doch Disciples wird stets einen Platz bei mir haben.

Platz 9: Dynasty Warriors 4 (PS2)

Bevor Activision überhaupt auf die Idee kam, Call of Duty jährlich mit marginalen Veränderungen der Spielemechanik auf den Markt zu werfen haben die Jungs von Koei diese Formel mit der Dynasty Warriors Serie perfektioniert. Die großen Unterschiede zwischen Teil 5 und 8 als auch alle Extreme/Empire/Legends-Ableger müssen schon mit der Lupe gesucht werden. Doch hat damals auf der PlayStation 2 der vierte Teil der Serie alles richtig gemacht: größere Schlachtfelder, eigene Charakter- sowie Truppenerstellung, Ausrüstung, perfekter Zwei-Spieler-Koop. Die unterirdische deutsche Synchronisation musste einer unterirdischen englischen Synchronisation weichen und für ein Spiel aus der Ära ist es erstaunlich gut gealtert. Und der Soundtrack!

Platz 8: Team Buddies (PS)

„Was ist das beste lokale Multiplayerspiel aller Zeiten?“

Team Buddies für die PS1, keine Frage.“

„Was ist mit Mario Kart?“

„Sorry, noch nie gehört.“

Ein derartiges Gespräch wird wohl nie stattgefunden haben, doch rede ich mir das gerne ein, sobald ich wieder eine Partie Team Buddies spiele. Dieses Spiel ist geschmacklos, abgefahren, idiotisch und einfach nur ein Riesenspaß. Die Kampagne ist durchdacht und fordernd, die Grafik weiterhin ansehnlich und der Humor einzigartig. Doch das Herzstück sind die Multiplayerschlachten mit bis zu vier Spielern. Noch nie lagen Strategie und bösartiger Wahnsinn näher bei einander. Baue ich mir schnell ein kompetentes Team zusammen oder bin ich der Penner, mit seinem einzigen Buddy einen Flammenwerfer bastelt und die anderen Teams jagt? Wer dieses Spiel anmacht, lässt die Moral oder humanes Denken am besten im Flur.

Platz 7: Harvest Moon (SNES)

Es Spiele, in denen man ein ehrfürchtiger Krieger oder mächtiger Zauberer sein kann. Es gibt Spiele, in denen man der einsame Space Cowboy ist und allerlei Kreaturen zerlegt. Und dann gibt es Harvest Moon. Und manchmal ist es viel befriedigender, kurz vorm Winter die letzte Ernte einzuholen und genug Geld für den neuen Schuppen über zu haben als hunderte Welten zu retten. Harvest Moon ist das beste „langweilige“ Spiel, das ich kenne, und obwohl es viele gute Ablege gab thront bei mir weiterhin das Original für den SNES ganz weit oben. Die tolle Optik, die friedliche Musik, die liebevoll gestalteten NPCs, die kurze Panik, wenn man nicht mehr weiß, wo der verfluchende Hund hin ist, es bald dunkel wird, die Hühner noch frei rumlaufen, die Tomaten verfault sind und… ach es ist ja wirklich schon dunkel geworden.

Platz 6: Return to Castle Wolfenstein (PC)

Wenn man eine Moral aus Videospielen mitnehmen kann, dann dass es vollkommen okay ist, so viele Nazis wie möglich niederzumähen. Und keine Serie zelebriert dies so unterhaltsam wie die Wolfenstein-Spiele. Die bis heute indizierte internationale Version von Return to Castle Wolfenstein war damals atmosphärisch und gewalttechnisch das krasseste, was ich gespielt habe und konnte viele Jahre in Sachen Kampagne nicht getoppt werden. Und selbst heutzutage gibt es kaum einen Shooter, den ich häufiger im Singleplayer durchgespielt habe als RTCW. Abgefahrene Story, Horror- und Fantasy-Elemente, exotische Waffen aus der Quake/Unreal Zeit und Nazis in allen Formen und Farben. Mehr benötigt ein guter Shooter nicht und RTCW ist trotz des exzellenten Nachfolgers Wolfenstein: The New Order weiterhin der Beste seiner Art.

Platz 5: F.E.A.R. (PC)

Ich bin ein riesiger Horrorfilm-Fan, gucke mir fast jeden noch so schlecht gemachten Zombiestreifen an oder wage mich in die abstrusen Welten von Asia-Horror. Doch fand ich in meiner Jugend Spiele einfach nicht gruselig. Resident Evil, Silent Hill, Eternal Darkness – das sind alles unterhaltsame und gut gemachte Spiele, vor allem Silent Hill kann mit seiner einzigartigen Atmosphäre auftrumpfen. Doch keines dieser Spiele hat mir wirklich Angst eingejagt.

Und dann kam F.E.A.R.

Und plötzlich hab ich mich dabei erwischt, dass ich dieses Spiel nie nach Einbruch der Nacht gespielt habe. Denn neben seiner interessanten Story und astreinen Shootermechanik (Max Payne lässt grüßen) hat mir Alma einfach nur pure Angst bereitet. Die Nachfolger leider – wie bei den meisten guten Horrorfilmen – konnten nie diesen Grad der Panik, Klaustrophobie und Spannung erreichen, doch wird F.E.A.R. auf ewig neben Klassikern wie Dead Space, Outlast oder Amnesia: The Dark Descent seinen berechtigten Platz haben.

Platz 4: Medieval – Total War (PC)

Ah, Rundenstrategie. Gibt es ein Genre, bei dem es weniger Spaß macht zuzusehen? Selbst beim Euro Truck Simulator kann man den Spieler als Zuschauer überreden mal auf die Gegenfahrbahn zu fahren. Aber die Total War Spiele? Eine Landkarte wird erobert, ein paar tausend Einheiten, die rumgeschoben werden, Städte ausgebaut, Steuern verwaltet, Adelsämter vergeben, Ehen und Bündnisse geschlossen… halt, wartet, nicht gehen! Medieval war meine Total War-Einstiegsdroge und ein wahrer Stundenkiller. Ganze Tage, Abende, Wochenenden, Ferien wurden verpulvert, dieses „Nur noch eine Runde“-Gefühl konnte nie ganz erfüllt werden. Man hat noch nicht mit den Ungarn ganz Spanien erobert und auf der Insel mach die schottischen Rebellen wieder Ärger und es fehlt in Böhmen an Getreide… ich sehe, wie ihr versucht aus dem Zimmer zu gehen!

Platz 3: Stronghold (PC)

Das Mittelalter hat mich schon immer fasziniert, vor allem aber die damaligen Bauten. Als Kind habe ich bei Ausflügen jede Burg(Ruine) mit großem Interesse inspiziert und mir vorgestellt, wie es sich damals angefühlt haben muss, in so einer Festung zu leben. Als mein Vater mir im Winter 2001 aus der Videothek Stronghold ausgeliehen hatte („weil du doch so einen Burgenfan bist“), konnte ich den alten Mann kaum mehr lieben. Neben dieser schönen Kindheitserinnerung verbinde ich viele Herbst- und Winterabende, in denen ich die Burgen meiner Visionen nachgebaut oder eingerissen habe. Alles an diesem Spiel ist einfach nur schön: die Grafik, die Musik, das Interface, die Einwohner mit ihren quirligen Sprüchen, die komplexen Wirtschaftskreisläufe, die spannenden Belagerungen und Invasionen und der detailverliebte Burgenbau. Wenn ich ein Spiel Abkühlung zur Hektik des Alltags benötige, dann ist es ohne zu überlegen Stronghold.

Platz 2: The Legend of Zelda: A Link to the Past (SNES)

Was soll man über die Zelda-Serie groß erzählen? Eigentlich überhaupt nichts, denn man sollte sie einfach erleben. So gut wie jeder Teil ist ein kleines Meisterwerk, gefüllt mit einer liebevollen und interessanten Welt, herausfordernden Dungeons, kniffligen Rätseln, unvergesslichen Charakteren und dem besten stummen Protagonisten aller Zeiten. A Link to the Past war das erste Zelda, was ich gespielt habe und hat mich zu einer Zeit, wo nur die Mario Spiele eine gewissen Tiefe hatten, vollkommen weggeblasen. Plötzlich gab es Geheimnisse zu entdecken, Nebenquests zu erfüllen, zwei ganze Welten zu erkunden, Items zu sammeln und ich erzähle schon jetzt zu viel. Erlebt es einfach.

Platz 1: Final Fantasy VIII (PS)

Wenn man jemals mit einem Final Fantasy Fan konfrontiert wird, kommt früher oder später die unaufhaltsame Frage, welcher Teil der Beste sei. Ich finde man kann diese Frage nicht wirklich beantworten, da es objektiven keinen besten Teil gibt. Die PS1 Spiele sind aber meiner Meinung nach weiterhin Squaresofts Meisterstück, mit dem achten Teil als persönlichen Favoriten. Wie schon bei Zelda will ich hier nicht groß beschreiben, warum FF VIII nicht nur ein fantastisches Videospiel, sondern mehr ein großartiges Kunstwerk ist, welches erlebt werden muss. Es ist nicht ohne Fehler und auch als großer Fan kann ich einige Schwächen nicht wegdiskutieren. Und so sehr ich mich auf den neuen Serienteil und das Remake von Final Fantasy VII freue werden Squall und sein Abenteuer mich immer daran erinnern, warum ich Videospiele liebe.

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Teilzeitzyniker und Vollzeitzocker - der Typ aus dem Ruhrpott mag nicht immer der angenehmste Zeitgenosse sein, doch gleicht er diese soziale Schwäche durch schier unbegrenzte *hust* Kompetenz in Videospielen aus. Zudem ist er der einzige bekennende Afri Cola-Süchtige in ganz Deutschland.

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Everspace – Und täglich grüßt das Weltall

Von der gamescom 2016 ist nicht viel im Gedächtnis geblieben. Entweder waren es Spiele, die eh schon vorher bekannt waren oder Titel, die keinen bleibenden Eindruck hinterlassen konnten. Doch es gab in der Independent Box von Microsoft auf einer einzigen Xbox One einen kleinen, aber feinen Weltraum-Shooter, der sich Everspace nannte und von einem deutschen Indiestudio entwickelt wurde. Dieser Shooter hat sich mehr als schlecht steuern lassen, ist während eines Durchgangs komplett abgestürzt und hatte noch viele Bugs. Doch mein Interesse war geweckt. Also habe ich diese Indieperle weiterhin auf meinem Zettel gehabt und wurde nicht ganz enttäuscht: Everspace macht zeitweise unheimlich Spaß. Everspace ist aber auch zeitweise unsagbar frustrierend.

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