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Resident Evil 7

Resident Evil 7 – Nahezu perfekt

Vor über 20 Jahren nahm mit Resident Evil eine Spielereihe ihren Anfang, die sich bis heute mehr als nur einmal neu zu definieren versuchte.  Während bereits zwischen den ersten drei Teilen eine deutliche Fokussierung auf Action und Geballer feststellbar war, verschwand bis zum sechsten Teil der Serie nahezu jedes, bis dahin noch vorhandene Horrorelement. Diese Ausrichtung fand nun ihr Ende und etwas Besseres hätte der Serie kaum passieren können. Kann Resident Evil 7 jetzt die Reihe rebooten?

Das Haus als feindlich gesinnter Ort:

Bereits in der im Vorfeld erschienenen Demo wurde deutlich, dass Resident Evil 7 anders als seine Vorgänger werden sollte. Das stattliche Spencer-Anwesen wich einem verfallenen Haus irgendwo in den Sümpfen der amerikanischen Südstaaten und anstelle von zahllosen Zombies ist es heute die Familie Baker, die dem Protagonisten Ethan mehr als nur Kopfzerbrechen bereitet. Einem verzweifelten Videoanruf seiner ehemaligen Partnerin Mia folgend, gerät Ethan recht schnell in die Fänge der besagten Familie Baker und muss fortan nicht nur um sein eigenes, sondern auch um das Leben von Mia kämpfen.  In den engen und ramponierten Gängen dieses fremden Hauses fühlt man nahezu sofort wieder dieselbe beklemmende Enge, die man bereits im ersten Resident Evil zu fürchten wusste. Neben den irren Familienmitgliedern, die euch fortlaufend das Leben schwer machen, ist es das Haus selbst, das sich euch durchweg als feindlicher gesinnter Ort präsentiert. Verschlossene Türen, Fallen und zahlreiche Rätsel müsst ihr mühsam überwinden, um dem Haus Stück für Stück Geheimnisse und neue Wege zu entreißen. Dabei bleibt sich Resident Evil 7 treu und auch hier gilt es wieder irgendwelche Embleme, Wappen oder andersartige Objekte in gewohnt abgedrehten Puzzeln zu verwenden. Mit dabei sind selbstverständlich auch wieder die grünen Kräuter, Inventarboxen und allerlei andere kleine Gimmicks, die für Fans der Serie einen hohen Wiedererkennungswert haben sollten.

Ein neuer Blickwinkel:

Die vermutlich größte Neuerung ist allerdings die Veränderung der Perspektive. In der First-Person-Perspektive erwehrt ihr euch neuerdings aller Gefahren, die euch der siebte Teil der Serie entgegenwirft. Vorbei sind die Zeiten, in denen man Gegner bereits um Ecken erspähen konnte und man als Spieler selbst in Stressmomenten immer noch einen gewissen Abstand zum Grauen besaß. Resident Evil 7 lässt die Dinge persönlicher werden. Vorbei sind auch die Zeiten, in denen euch Horden stumpfsinniger Zombies entgegenschlurfen, denn ein cleverer Gegenspieler ist deutlich furchteinflößender als zehn berechenbare Zombies. Immer wieder werdet ihr von Mitgliedern der Familie Baker gejagt und müsst euch gegen Gegner behaupten, denen mit konventionellen Mitteln nur kaum beizukommen ist. Auch wenn dieser Umstand den Spieler zeitweise in eine lähmende Hilfslosigkeit zwingt, so ist er für den Aufbau der bedrohlichen Stimmung und des Horrors von zentraler Bedeutung. Es gilt: wenn Jack Baker mit einer stumpfen Hiebwaffe auf euch zuläuft, dann solltet ihr rennen.  Vollkommen wertlos sind eure Waffen aber nicht. Zwar könnt ihr die Familienmitglieder selbst mit ein paar gezielten Schüssen höchstens kurzfristig außer Betrieb setzen, verschafft euch damit aber im Regelfall genug Spielraum um euch anderweitig im Haus umzusehen. Dabei begegnet ihr auch den sogenannten Molded, widerwärtigen und schleimigen Kreaturen, die nur noch wenig mit Menschen gemeinsam haben, dafür aber mit ein paar gezielten Schüssen permanent beseitigt werden können.

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Die Angst aus euren Boxen:

Besonders positiv überraschte mich die einzigartige Soundkulisse von Resident Evil 7. Bereits in der Demo zeichnete sich diese Entwicklung ab, wenn über euch die alten Holzbalken des verfallenen Hauses ächzten oder ihr Schritte aus dem Nebenraum oder befremdliche Hintergrundgeräusche gehört habt. Selten nahm ich den Sound bei einem Spiel als so zielführend und passgenau wahr, wie in Resident Evil 7. Oft erwischte ich mich lauschend, in der Eingangshalle stehend, in Erwartung irgendeines schrecklichen Ereignisses, das sich dann aber doch nur wieder als clever inszeniertes Hintergrundgeräusch entpuppte. Gerade in den Passagen, in denen ihr euch im Umfeld und Außenbereichen des Hauses bewegt, kommt die brillante Soundkulisse zum Tragen und harmoniert perfekt mit eurem Umfeld. Ähnlich hochwertig ist übrigens die englische Sprachausgabe und die Umsetzung der Mitglieder Familie Baker. Diese ist übrigens schon so gut, dass der eigene Hauptcharakter phasenweise deutlich im Vergleich zu den jeweiligen Familienmitgliedern verblasst. Es sind Individuen wie Jack oder Marguerite Baker, die bereits für sich in der Lage sind eine derartige Spannung aufzubauen, wie ich sie in den letzten drei Teilen von Resident Evil nicht mehr fühlte. In diesem Sinne gelang dem siebten Teil etwas, das ich bei der Serie fast schon als verloren glaubte.

Resident Evil 7 ist nahezu perfekt:

Dieses Spiel ist eine Perle. Ich bin froh, dass ich mit Ethan einen Protagonisten an die Hand bekam, der nicht in der Lage ist tonnenschwere Gesteinsbrocken mit seiner Faust aus dem Weg zu räumen, sondern sich in den knapp neun Stunden Spielzeit immer wieder mit übermächtigen Gegnern und reellen Gefahren konfrontiert sah. Resident Evil 7 schafft in seiner Neuinterpretation der Reihe eine Atmosphäre der Bedrohlichkeit und Enge, wie man sie seit dem ersten Teil kaum wieder gesehen hat. Gelungen werden die jeweiligen Familienmitglieder in Szene gesetzt und das Spiel hat immer dann seine stärksten Momente, wenn man sich als Spieler ängstlich fragt, wer da wohl hinter der nächsten Ecke auf einen wartet. Nicht selten entpuppten sich diese Momente als trügerisch, denn dank der großartigen Soundkulisse kann man irgendwann kaum noch zwischen harmlosen Umgebungsgeräuschen oder tatsächlicher Bedrohung unterscheiden. Die dadurch beschworene Anspannung kann einem phasenweise ganz schön zusetzen und treibt das Adrenalin in Höhen, die nur bei den teilweise ziemlich fordernden Bosskämpfen übertroffen werden.  Bedauerlich ist lediglich, dass Resident Evil 7 in der zweiten Spielhälfte so seine Längen hat und sich leider dann doch wieder an dem einen oder anderen Horrorklischee bedient, das es so gar nicht nötig gehabt hätte. Unter dem Strich tut es dem Gesamteindruck aber keinen Abriss, denn Resident Evil 7 ist eben ein nahezu perfektes Spiel.

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Über Watermel0wned

Aufgewachsen mit dem NES, ist Henrik auch heute noch der Überzeugung, dass ein gutes Spiel nicht zwingend mehr als 8 oder 16-Bit braucht. Wenn es dann doch mal mehr als 16-Bit werden, spielt er liebend gerne alles was düster, dreckig und schwer ist und hat daher schon so manche Spielfigur im Darkest Dungeon oder bei Project Zomboid geopfert.

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