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Mass Effect: Andromeda – Der beste Teil der Reihe?

Ganze fünf Jahre nach Erscheinen von Commander Shepards letztem Abenteuer, schickt EA einen neuen Helden durch die Galaxie. Mass Effect: Andromeda heißt das jüngste Abenteuer aus dem Hause BioWare und ich für meinen Teil habe mich selten so sehr auf ein Spiel gefreut. Die Reihe ist für vier Dinge bekannt: Eine tolle Story, viele Charaktere mit jeder Menge Gesprächsbedarf, coole Feuergefechte und natürlich eine deftige Prise Sex. Deshalb habe ich mir als Kriterien genau diese vier Aspekte näher angesehen.

Pathfinder Chuck Ryder meldet sich zum Dienst

Wir erwachen auf der Arche Hyperion, nachdem wir viele Jahre im Kälteschlaf durch das Weltall geflogen sind, auf dem Weg zur Andromeda Galaxie. Wir sind Teil der sogenannten Andromeda Initiative, welche es sich zum Ziel gesetzt hat, besagte Galaxie für Menschen bewohnbar zu machen und damit ein bisschen näher an die Grenzen des Universums vorzustoßen. Unser Vater ist Alec Ryder, Pathfinder der Menschen und damit einer der wegweisenden Offiziere der Initiative. Aber dann kommt es auf einem Planeten zu Komplikationen. Wir treffen auf eine feindlich gesinnte Alien-Rasse, unser Vater stirbt und wir werden zum neuen Pathfinder ernannt. Keine Sorge, das war kein Spoiler. Der Tod von Alec Ryder ist Teil der Prämisse des gesamten Spiels und ist dementsprechend stark vorhersehbar. Jetzt erst beginnt das richtige Spiel. Denn nun liegt es an uns, Planeten zu finden, die wir neu kolonisieren können, damit weitere Menschen aus dem Kälteschlaf geholt werden können. Viel mehr möchte ich über die Story gar nicht verraten, aber das ganze Szenario ist eine frische Abwechslung zur ursprünglichen Trilogie. Wir gehören nicht zum Militär, sondern sind Teil einer zivilen Operation. Dazu kommt, dass wir Lichtjahre von der Milchstraße und den Geschehnissen rund um Commander Shepard und die Normandy entfernt sind. Das Game bewahrt sich so den coolen, altbekannten Stil der Reihe, ohne dabei aber zu sehr in seinem eigenen, alten Trott zu versacken. Und ich würde euch so gerne mehr erzählen, aber ich habe das Gefühl, ich würde euch damit etwas wegnehmen. Deshalb nur so viel: Die Story ist interessant und sorgt für genügend Motivation, auch die unzähligen Sidequests zu erledigen. Diese wirken organisch und als würden sie tatsächlich etwas zum Hauptmissionsstrang beitragen. Damit hat das Spiel eine ordentliche Laufzeit, denn man erwischt sich immer wieder dabei, wie man plötzlich einige Nebenmissionen erledigt und plötzlich ist es halb drei nachts.

Willkommen auf der Tempest

Was wäre ein Pathfinder ohne sein eigenes Schiff? Und was wäre ein Schiff ohne eine Crew? Wir sind Kapitän der Tempest, eines der schnellsten und wendigsten Schiffe der Initiative und an unserer Seite haben wir – wie in der ursprünglichen Trilogie – eine Mannschaft bestehend aus allem, was wir brauchen. Wir haben einen Mechaniker, eine Koordinatorin, einen Piloten, eine Ärztin und natürlich zwei treue und viel zu attraktive Sidekicks, die uns auf Missionen unterstützen. Die Crew wird natürlich noch größer und jeder Charakter ist sowohl im Kampf als auch die Persönlichkeit betreffend einzigartig. Wie bereits in Mass Effect 2 gibt es auch hier ein Loyalitätssystem. Durch das Abschließen bestimmter Crewmissionen kann man die Loyalität der eigenen Mannschaft gewinnen. Dies wirkt sich zwar nicht auf das Ende des Spiels aus, schaltet aber dafür bestimmte Fähigkeiten frei. Abgesehen von der eigenen Crew trifft man unterwegs aber noch auf unzählige andere Personen. So gibt es zum Beispiel eine Reporterin, die eine Dokumentation über die Reise der Initiative filmt, eine ehemalige Soldatin, die als Anführerin über den Schwarzmarkt eines Exilplaneten herrscht und einen Söldner, der einen für verschiedene Missionen mit Informationen versorgt.
Auf eine Sache muss ich dabei noch eingehen: Das Internet lässt sich seit geraumer Zeit über die Animationen der Charaktere aus. Einige von euch haben sicher bereits GIFs gesehen, von Charakteren, die rennen wie Jim Knopf, von Charakteren, die grundlos wankend herumstehen und von Gesichtsanimationen, die wirken, als kämen die betroffenen Charaktere direkt aus dem Schlund der Hölle. Und auch wenn einiges davon stimmen mag, ist es nur halb so schlimm, wie das Internet es darstellt. Ja, die Animationen sind nicht perfekt, aber das waren sie im Fall von Mass Effect noch nie. Für das eigentliche Spielgefühl war das allerdings nie ein Abbruch. Tatsächlich waren es sogar die Gesichtsanimationen, die mich hier und da beeindruckt haben. Beispielsweise bewegen die Charaktere die Lippen akkurat zum gesprochenen Wort, auch in der deutschen Synchronisation! Es hat ein wenig gedauert, bis es mir auffiel, aber für mich war das ein persönliches Highlight in Bezug auf die Lokalisierung des Games. Die deutschen Stimmen sind nicht perfekt, aber auch hier: Das waren sie im Fall von Mass Effect noch nie. Insgesamt finde ich die Charaktere sehr gelungen und nicht annähernd so hässlich, wie das Internet es uns weismachen will.

Das, was wirklich stimmen muss, nämlich die Charaktertiefe, stimmt auch. Jedes Crewmitglied hat eine eigene Vergangenheit, die die verschiedenen Persönlichkeiten erklärt und die Figuren dadurch lebendig und ein wenig realer wirken lässt. In regelmäßigen Unterhaltungen lernt man die Personen Stück für Stück ein bisschen näher kennen und baut eine Bindung zu ihnen auf. Da kommt das klassische Mass Effect-Feeling auf. Das Moralsystem wurde allerdings verworfen. So hat man in Gesprächen nicht länger die Wahl zwischen neutralen, guten und bösen Antworten. Stattdessen kann Ryder auf eine von vier Arten und Weisen antworten. Diese werden unterteilt in Heart, Head, Casual und Professional, also gefühlvoll, rational, flapsig und professionell. Wirklich auf die Geschichte wirkt sich das nur selten aus, aber dennoch entsteht so eine Gesprächsdynamik, wie ich sie in Fallout 4 beispielsweise vermisst habe.
Auto fahren, Mineralien sammeln, Aliens zerfetzen

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Wer sich an das erste Mass Effect erinnert, der erinnert sich noch an die schrecklichen Nomad-Missionen, bei denen man mit einem Spacebuggy durch die Ödnis fahren und Stützpunkte ausschalten musste. Diese Missionen waren der größte Schnitzer im ersten Teil der Reihe. Wer sich an Mass Effect 2 erinnert, der erinnert sich noch an die vielen Planeten, die man mit einem Mineralienscanner absuchen musste, um dann ein paar Erze abbauen zu können. Diese Funktion war der größte Schnitzer im zweiten Teil der Reihe. BioWare hat sich das offenbar nicht zu Herzen genommen und einfach beides(!) in Mass Effect: Andromeda gepackt. Und auch wenn einigen schon bei der alleinigen Vorstellung das Mittagessen wieder hochkommt, muss ich zugeben, dass diesmal beides wirklich gut umgesetzt wurde.

Das schlimme an den Spacebuggy-Missionen war die klobige Handhabung des Gefährts und die Sinnlosigkeit dieser Aufträge. Überschlug sich dein Auto: Game Over. Fuhr dein Auto in einen See: Game Over. Nahm dein Auto zu viel Schaden: Game Over. In Mass Effect: Andromeda hingegen dient der Nomad dem Erkunden der Open World Planeten. Es gibt vier Planeten, die man durch Erkundung oder durch Erfüllen von Sidequests lebensfähiger machen kann. Erreicht man bestimmte Checkpoints kann von diesen das Gefährt gerufen, die Ausrüstung aufgefüllt oder sogar ein Schnellreisesystem genutzt werden, sodass der Nomad nicht die einzige Reisemöglichkeit bleibt. Das Gefährt wurde wendiger gemacht, schneller und insgesamt einfach nützlicher. Und nichts ist spaßiger, als einen gegnerischen Soldaten mit einem übergroßen Mars Rover zu Brei zu fahren.

Das schlimme am Mineralienabbau in Mass Effect 2 war, dass man es tun musste, um die Normandy zu verstärken. Das Schiff brauchte bestimmte Upgrades, damit man den letzten Kampf ohne Verluste überstehen konnte und für diese Upgrades brauchte man Mineralien und diese erhielt man lediglich durch das mühselige Scannen von Planeten. Das ist der Hauptgrund, warum ich Mass Effect 2 nie selber beendet, sondern mir das Ende lediglich als Walkthrough angesehen habe. Mass Effect: Andromeda hält das anders. Man kann Planeten scannen, hier und da findet man Anomalien, die bestimmte Mineralien beinhalten, aber diese Bodenschätze kann man ebenso auf Missionen finden oder gar in Geschäften kaufen und benötigt werden sie lediglich für die Entwicklung von Rüstungen, Waffen oder Nomad-Upgrades. Was in Mass Effect 2 lediglich die Spielzeit strecken sollte, ist in Mass Effect: Andromeda ein nettes Feature, das man nicht zwingend braucht, aber hier und da sicher gebrauchen kann.
Aber kommen wir zum Wichtigsten: Aliens kaputtschießen! Das Gameplay von Mass Effect: Andromeda ist gewohnt unterhaltsam. Man hat unzählige Waffen, die man finden, kaufen oder entwickeln kann. Diese reichen von Sturmgewehren und Schrotflinten über Präzisionsgewehre und Pistolen bis hin zu Granatwerfern und Schwertern. Mein persönlicher Favorit ist der kroganische Kriegshammer. Nichts fühlt sich besser an, als einem nervigen Aliensoldaten den Schädel einzuschlagen. Gepaart mit den verschiedenen Fähigkeiten, kann man seinen eigenen Charakter ganz nach Vorliebe und Bedarf individualisieren. Die verschiedenen Waffen verfügen zudem noch über Upgrades und Zusatzequipment, sodass es eine Zeit dauern kann, bis man die eigene Ausrüstung wirklich optimiert hat. Das Levelsystem ist simpel gehalten und orientiert sich an den früheren Teilen der Reihe. Was mich positiv überrascht hat, war die Vielzahl an Gegnern, die das Spiel zu bieten hat. So gibt es eine feindlich gesinnte Spezies, die in vielen Variationen auftaucht, verschiedene menschliche Feinde und auch einige Tierwesen, die einem zufällig auf manchen Planeten begegnen.

Der Multiplayer-Modus wurde aus dem dritten Teil übernommen. Zwar gibt es im Singleplayermodus auch sogenannte Einsatzteammissionen, für die man entweder eine NPC-Einheit aussenden, oder die man selbst im Multiplayermodus spielen kann, aber im Prinzip folgen auch diese Einsätze dem gleichen Prinzip. Man wird auf einer Map abgesetzt und muss in einem kleinen Squad mehrere Gegnerwellen überstehen und nebenbei einige kleine Aufgaben erledigen. So muss man in bestimmten Wellen entweder einen speziellen Gegner besiegen oder ein Gerät aktivieren, beides auf Zeit. Viel gibt es sonst nicht zu erzählen. Man sucht sich einen Charakter aus und kämpft mit anderen Spielern gegen den Computer. Der Multiplayermodus ist ganz nett, aber das Hauptaugenmerk liegt ganz offensichtlich auf dem Storymodus.

Let’s talk about sex

Die obligatorischen Sexszenen lassen sich nicht mehr aus dem Franchise wegdenken. Mittlerweile gelten diese nicht mehr als skandalös und dementsprechend wurde BioWare freie Hand gelassen, was die Romance-Optionen im Spiel anging. Die Developer haben sogar in Social Networks groß damit geworben, dass Mass Effect: Andromeda der wohl verruchteste Teil der Reihe sein soll. Aus Recherchegründen – und nur aus Recherchegründen – habe ich mir deshalb alle Szenen dieser Art auf YouTube angesehen, um mir selbst ein Bild von der Lage zu machen und wie erwartet sind die Szenen insgesamt eher ein wenig seltsam und unangenehm, als wirklich erotisch. Das kann mit den leicht unbeholfenen Animationen zusammenhängen, oder mit der deutschen Synchronisation, oder mit der Tatsache, dass manche Sexualpartner blau sind und Tentakelhaare haben. Hier und da sieht man eine Brustwarze, die Hauttexturen sind gut designt und das Spiel gibt sich alle Mühe, die Szenen möglichst geschmackvoll zu halten, aber insgesamt entzieht sich mir ein wenig der Zweck des Ganzen. Es trägt nichts zur Story bei, wirkt ein wenig unbeholfen und gerade da Körperanimationen nicht zu BioWares Stärken gehören, haben diese Szenen mehr komödiantischen als sinnlichen Wert. Was allerdings gut gelungen ist, ist die Balance zwischen heterosexuellen, bisexuellen und homosexuellen Love Interests. Anders als in Mass Effect 3, wo jeder auf jeden stand, gibt es in Mass Effect: Andromeda einige Charaktere die man nur als Mann oder als Frau anflirten kann. So ist unser Mechaniker Gil beispielsweise schwul, sodass ein weiblicher Ryder keine Chance bei ihm haben wird. Unser Vize Cora hingegen ist heterosexuell, sodass man auch dort nur als Mann auf Erfolg hoffen darf. Dafür ist Peebee wiederum bisexuell. Dadurch wirkt die sexuelle Orientierung der Charaktere realistischer und mehr wie ein Teil ihrer Persönlichkeit. Lob an BioWare dafür. Dennoch hätte ich auf das seltsame Polygongestoße auch sehr gut verzichten können, aber das ist wohl Geschmacksache.

Fazit:

Mass Effect: Andromeda hat viel Kritik einstecken müssen. Hier und da gibt es Bugs, die Animationen wirken von Zeit zu Zeit albern und der Sex ist immer noch ein wenig seltsam. Aber das Gameplay ist toll, die Story ist spannend und insgesamt bietet das neue Mass Effect alles, was man von der Reihe erwarten würde und mehr. Das Game ist alles andere als perfekt, aber gerade Freunde von Sci-Fi Shootern mit Rollenspielelementen oder einfach nur Fans des Franchises werden ihren Spaß an dem Spiel haben.

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Über Chucky

Chachrist "Chucky" Khongklad schloss sich im Februar 2016 dem IKYG Team an, nachdem seine Mutter ihm sagte, er solle etwas nützliches machen, anstatt die ganze Zeit nur Videospiele zu spielen. In der Hoffnung mit I KNOW YOUR GAME ein Rockstar in der Videospieljournalismus-Branche zu werden, haut er seitdem fleißig für die Website in die Tasten. Hält Chucky jedoch gerade mal kein Gamepad in der Hand, macht er meistens Musik, sammelt unnütze Popkulturtrivia oder nervt seine Freunde mit Kartentricks.

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